Pressefreiheit Merkel und der Mohammed-Zeichner

Mitten in der Debatte um die Integration muslimischer Migranten gratuliert die Bundeskanzlerin dem dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard zu seinem Mut.

Händeschütteln ja, aber so schnell wie irgend möglich. Es ist ein Foto, das um die Welt gehen wird. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel posiert mit dem Mann vor der Kamera, den die islamische Welt hasst. In vielen Ländern wird diese Geste die Muslime verärgern, so tief sitzt der Zorn über den Mann, der den Propheten mit einer Bombe als Turban zeichnete. Es ist der dänische Karikaturist Kurt Westergaard.

Westergaard ist nicht oft unter so vielen Menschen wie gestern Abend im prächtigen Raffaelsaal im Schloss Sanssouci. Seit fünf Jahren steht er unter Polizeischutz; seit die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten seine Mohammed-Karrikatur mit dem Propheten, der einen Bombenturban trägt, gedruckt hatte. Er musste untertauchen, erst im vergangenen Winter entging er knapp einem Mordanschlag. Aber er will sich nicht einschüchtern lassen. Als Anerkennung für sein unbeugsames Eintreten für Presse- und Meinungsfreiheit erhielt er nun den Medienpreis der Potsdamer Journalistenvereinigung M100. Es handelt sich um eine Initiative der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam im Rahmen der Medienwoche am Rande der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Den Medienpreis erhalten europäische Persönlichkeiten, die Spuren in Europa und der Welt hinterlassen haben.

Anzeige

Es ist ein Staatsakt für die Meinungsfreiheit. Angela Merkel ist gekommen, um die Festrede zu halten. Auch Joachim Gauck, der ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde und rot-grüne Präsidentschaftskandidat ist da, er wird die Laudatio sprechen. Der M100 Preis wird jedes Jahr vergeben. In der Jury sitzen die Chefredakteure der großen deutschen, und einiger ausländischen Zeitungen. Bild-Chef Kai-Dieckmann etwa, der ehemalige Spiegel-Chef Stefan Aust, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Der Zeitpunkt könnte für Angela Merkel nicht heikler sein. Vor knapp einer Woche noch hatte sie den Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin wegen seiner Äußerungen über muslimische Einwanderer heftig kritisiert und nun ehrt sie einen Zeichner dafür, dass er Muslime karikiert hat. Als sie die Einladung zur Preisverleihung annahm, wusste sie nichts von der Debatte, die Sarrazin mit seinem Buch Deutschland schafft sich ab auslösen würde, und nichts von den unzähligen Zeitungsartikeln und Talkshows. Dass der Preis Westergaards nun aber genau in die Diskussion um Integration und die Frage, wie weit Meinungsfreiheit gehen darf, fällt, macht ihren Auftritt bedeutsam. Bedeutsamer, als sie vielleicht beabsichtigt hatte.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte gestern, dass Merkel den dänischen Karikaturisten ausgerechnet jetzt ehren würde. Aiman Mazyek, Generalsekretär des Rats, sagte am Abend im Interview mit Marietta Slomka im ZDF-heute-journal: "Der Zeitpunkt ist hoch problematisch." Er glaubt, im Ausland, das derzeit verstärkt auf Deutschland und die Diskussion um Integration schaue, könne die Message falsch verstanden werden. "Die sehen nicht, dass sich Merkel für Meinungsfreiheit stark macht, sondern denken: Warum denn jetzt auch noch dieser Punkt?"

Das weiß Merkel – und macht es trotzdem. Manche sagten vor ihrer Rede, sie wird Sarrazin nicht thematisieren. Doch sie erwähnt ihn, anders geht es einfach nicht. Den direkten Vergleich mit Westergaard umging sie dabei.

Merkel spricht über den Mauerfall, über die Deutsche Einheit und über das hohe Gut der Freiheit. Es sind Sätze, die sie oft so oder so ähnlich sagt. Dann ist sie prompt bei Sarrazin. Sarrazins Aussagen, sagt sie, hätten in den letzten Tagen große öffentliche Debatten ausgelöst, hätten Talkshows beschäftigt und wären immer wieder in der Frage nach Artikel 5 des Grundgesetzes, dem Recht auf Meinungsfreiheit, gemündet. Doch bei Sarrazin gehe es nicht um die Gefährdung der Meinungsfreiheit, sondern darum, ob und welche Folgen ein Buch für einen Autor in einer wichtigen öffentlich-rechtlichen Institution haben kann." Dann sagt sie: "Ich beziehe keine Stellung."

Leser-Kommentare
  1. ich haette mich eher zurueckgehalten, aber bitte DIE MERKEL
    ist ja langsam gottgleich ! anstatt sich um die zur zeit laufenden probleme zu kuemmern : STUTTGART 21 und SARRAZIN
    nimmt SIE hier stellung zu einem problem das UNS garnichts
    angehen sollte ! TATEN waeren schon was die Migranten-Politik betrifft !

    • landab
    • 09.09.2010 um 12:35 Uhr

    Es ist immer der richtige Zeitpunkt, für das Recht auf freie Meinungsäusserung einzustehen. Die Kräfte, welche dagegen arbeiten, sind schliesslich auch unermüdlich aktiv. Warscheinlich werden dies von allen Beteiligten Diejenigen am besten verstehen, die vor ebensolchen Zuständen geflüchtet sind. Wenn der Zentralrat der Muslime nicht zwischen Provokationen und freier Meinungsäusserung unterscheiden kann oder will, schadet er nur sich selbst, seinem Anliegen und denen, die er zu vertreten glaubt.

  2. Was lange befürchtet wurde ist nun klar: die Merkel hat richtig Eier in der Hose! Ein gutes, klares Zeichen für Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung im eigenen Land! Der Zentralrat der Moslems sollte sich mal lieber etwas zurückhalten und seine Glaubensgeschwister am Verbrennen von Flaggen und Aussprechen von Morddrohungen hindern...

  3. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Runan
    • 09.09.2010 um 19:24 Uhr

    Danke für den Link!

    Gruß runan

    • Runan
    • 09.09.2010 um 19:24 Uhr

    Danke für den Link!

    Gruß runan

  4. Endlich wird klar komuniziert was von Drohungen gegen Journalisten und Karikaturisten gehalten wird.Dass sich dieser Mann in Europa wegen Zeichnubgen verstecken muss zeigt klar dass diesn Drohern hart entgegen getreten werden muss.Wenn nötig mit umgehender Ausweisung.

  5. Pressefreiheit und die damit verbundene Meinungsfreiheit sind ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Jedoch: Darf man Dogmen der Religionen anzweifeln? Darf man Religionsstifter der Lächerlichkeit preigeben? Darf man trotz des Bilderverbots Bilder von Gott und den Relionsstiftern machen? Wer Dogmen anzweifelt, wird ausgestoßen. Nicht nur im Islam sondern auch in der katholischen Kirche (s.Küng und Drewermann).Witze über Religionsstifter wie Jesus Christus oder Petrus sind in gewissen Kreisen sehr beliebt, sogar bei Priester! "Du sollst Dir kein Bildnis machen von Gott...." so steht es im 2. Gebot geschrieben. Was ist jedoch mit Michelangelo, der im Auftrag der Kirche "Die Erschaffung des Adam" malte? War er ein Ketzer? Ich denke, gläubige Menschen haben ein Recht darauf, dass man ihrem Glauben und damit ihrer Religion mit Respekt begegnet. Und da haben Karikaturen einen bitteren Beigeschmack. Vielleicht kann aber nur ein Atheist so denken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • snoek
    • 09.09.2010 um 13:09 Uhr

    zum Normalisierungsprozess eben auch über den Islam Karrikaturen veröffentlichen zu können? Ich mag in der Beziehung die Selbstironie der Amerikaner. Wenn wir über sonst alles Witze machen, dann muss es auch mit dem Islam zumindest in einem gewissen Rahmen möglich sein.

    ...wer glaubt, dass diese Karikaturen "Gott abbilden macht doch genau den Fehler, den er dem Zeichner vorwirft selber, der Zeichner kann nur die Menschen meinen, die Gott oder den prophesten für ihre Mordlust missbrauchen, oder???

    • snoek
    • 09.09.2010 um 13:09 Uhr

    zum Normalisierungsprozess eben auch über den Islam Karrikaturen veröffentlichen zu können? Ich mag in der Beziehung die Selbstironie der Amerikaner. Wenn wir über sonst alles Witze machen, dann muss es auch mit dem Islam zumindest in einem gewissen Rahmen möglich sein.

    ...wer glaubt, dass diese Karikaturen "Gott abbilden macht doch genau den Fehler, den er dem Zeichner vorwirft selber, der Zeichner kann nur die Menschen meinen, die Gott oder den prophesten für ihre Mordlust missbrauchen, oder???

    • snoek
    • 09.09.2010 um 13:09 Uhr

    zum Normalisierungsprozess eben auch über den Islam Karrikaturen veröffentlichen zu können? Ich mag in der Beziehung die Selbstironie der Amerikaner. Wenn wir über sonst alles Witze machen, dann muss es auch mit dem Islam zumindest in einem gewissen Rahmen möglich sein.

    • Boltar
    • 09.09.2010 um 13:10 Uhr

    Pardon...von welchem Land reden Sie hier? Weder gibt es Meinungs- noch Pressefreiheit...das wird uns täglich vorgelogen, aber doch schon lange nicht mehr praktiziert!

    LÄCHERLICH!!! Alles dumme Mätzchen um das dröge Volk bei Laune zu halten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service