Internationale ProtesteWer wo demonstriert und warum

In den Industrienationen wird fleißig demonstriert – zumindest ist das der Eindruck. Ist das so? Und wenn ja, warum? Ein Überblick zur Protestkultur ausgewählter Länder von 

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15. April 2010: Erste Tea-Party-Demonstration in Washington  |  © Win McNamee/Getty Images

Frankreich, Deutschland, Griechenland, USA – es wird derzeit viel demonstriert in der industrialisierten Welt. Den meisten Protesten gemein ist, dass sie mit diffusen Gefühlen um die Folgen der Globalisierung zusammenhängen. Vieles im Leben ist kompliziert geworden, und man will es wieder einfach haben. Veränderungen sind unerwünscht.

Die Verunsicherung hängt aber auch mit ganz konkreten Anlässen zusammen. Spätestens zur Finanzkrise mussten die Bürger vieler Industrienationen erfahren, dass sie lange Zeit auf Pump gelebt hatten, dass sich die öffentlichen Haushalte übernommen haben. Jetzt werden Privilegien gestrichen, die Sozialkassen sind vielerorts überstrapaziert, es wird gekürzt.

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Dennoch ist der Protest von Land zu Land sehr verschieden – was die Motivation angeht und erst recht die Intensität. In Deutschland demonstrieren die Menschen gegen Atomkraft, im Atomland Frankreich nicht; in Spanien dominieren die Emotionen, in den USA die Staatsphobie, Polen hat die großen Demo-Zeiten hinter sich und in Russland sind schon 500 Teilnehmer eine erstaunliche Größe. Warum und wofür die Menschen auf die Straße gehen, beschreiben wir anhand von ausgewählten Ländern. Den Anfang macht Frankreich, jenes Land, mit der ausgeprägtesten und am besten organisierten Protestkultur.

Leserkommentare
    • S7ephan
    • 22. Oktober 2010 12:52 Uhr

    dass in keinem der Fälle viel auf die Demonstranten eingegangen wird. Insbesondere in den USA.

    • Hystrix
    • 22. Oktober 2010 13:29 Uhr

    ‘Wir denken uns die Welt, wie es uns gefällt’. Schade, dass ein so großartiges Thema, auf so banale Manier, einfach nur zu einer weiteren, nichtssagenden publizistischen Verlautbarung der Vorurteile regierungsnaher Kreise zu mutieren scheint.

    Vielleicht habe ich aber auch die dahinter liegende Ironie nicht verstanden?

  1. Also ich habe aufgehört ab dem zweiten Absatz weiterzulesen. Der Geruch eines Propagandaartikels war einfach zu stark.

    Den meisten Protesten gemein ist, dass sie mit diffusen Gefühlen um die Folgen der Globalisierung zusammenhängen. Vieles im Leben ist kompliziert geworden, und man will es wieder einfach haben. Veränderungen sind unerwünscht.

    Veränderungen sind unerwünscht? So ein Quatsch! Die Demonstranten wollen gerade Veränderungen. Weg vom neoliberalen Wirtschaften der letzten Jahrzehnte, in dem die arbeitende Bevölkerung knallharten Kapitalismus und die Kaste der Kapital- und Produktionsmitteleigner samtweichen Staatssozialismus leben. Weg vom System der Ausbeutung von Mensch und Umwelt, hin zu nachhaltigem Wirtschaften mit einem System, dass auch ohne zeistellige Wachstumsraten nicht zusammenbricht. Weg von Vetterwirtschaft und Korruption, bei der Steuermilliarden umverteilt werden in die Taschen von Wenigen.

    ...

  2. ...Spätestens zur Finanzkrise mussten die Bürger vieler Industrienationen erfahren, dass sie lange Zeit auf Pump gelebt hatten, dass sich die öffentlichen Haushalte übernommen haben. Jetzt werden Privilegien gestrichen, die Sozialkassen sind vielerorts überstrapaziert, es wird gekürzt.

    Die Bürger sind also Schuld an der Krise...aha...
    Die öffentlichen Haushalte wären natürlich ohne die Krise genauso am Ende, verstehe...die paar hundert Milliarden zur Rettung der Banken fallen da garnichtmehr in Gewicht, richtig? Das ist es nur logisch, dass man als erstes die Sozialkassen beschneidet...macht Sinn.

    Soviel Sarkasmus kann ich garnicht aufbringen, um diesen CDU "Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt" Propaganda Artikel gebührend zu beschreiben.

  3. 5. Ahja.

    "Manchmal flachen Protestbewegungen allerdings ab, ohne dass sich inhaltlich etwas geändert hätte. Gegen die Hartz-IV-Reform gingen 2005 ebenfalls Hunderttausende Bürger auf die Straße. Gegen die Neuberechnung der Hartz-Sätze demonstrierten unlängst bei einem "bundesweiten Protesttag" in Oldenburg aber nur etwa 3000 Bürger."

    Haben Sie sich malgefragt warum nun nur noch 3000? Wo durch Hetzkampagnen einschlägiger Medien der Hartz4 Empfänger ja als "rauchender, saufender, arbeitsscheuer Schmarotzer" gilt, der widerwillig durchgefüttert werden muss.
    Desweiteren der Lüge von der Vollbeschäftigung und getricksten 3 Mio Arbeitslosen (tatsächlich sinds 6 mio) und einer Opposition die dem auch noch zustimmt (ausser den Linken).
    Die einzige Hoffnung liegt bei dieser unsozialen Politik beim Bundesverfassungsgericht, nicht mehr bei der Politik.

    Übrigens wird die deutsche Streitkultur bald aufflammen, wenns die Mehrheit der Bevölkerung massiv betreffen wird.

  4. Was die Journalisten und die Politiker "Protestkultur" nennen, ist nichts anderes als der untaugliche Versuch der Politiker und ihren Hofschranzen, den Medien, sie als neue und vergängliche Modeerscheinung zu disqualifizieren. Proteste laufen in jedem Land der Erde je nach Temperament und Mentalität unterschiedlich ab. Die Printmedien kämpfen ums nackte Überleben, sie schliessen sich zu unbekannten Medienkonzernen zusammen, die kein Mensch kennt und niemand kontrolliert. Zunächst entsprang diese Zentralisierung der Zeitungen der nackten Existenzangst. Nun wird daraus Meinungs-und Stimmungsmache, gelenkt von regierungsnahen Medienzaren. Sie alle versuchen verzweifelt, das Volk im Sinne der Regierungen zu manipulieren und zu beeinflussen. Seit die Printmedien weniger gekauft werden, gibt es sogenannte Online-Portale. Sie sollen dem unzufriedenen Volk ein Ventil bieten. Um die Meinungen aber kontrollieren zu können, werden sogenannte "Verhaltensregeln" geliefert, um unter dem Vorwand der political correctness jede abweichende Meinung zensieren zu können. Die Menschen haben dieses Spiel durchschaut. Es bleibt ihnen nichts mehr anderes übrig, als ihre Wut und ihren Zorn auf die Strassen zu tragen, wo sie von uniformierten Schlägertrupps des Staates drangsaliert werden. Brav spielen die Medien dann die verlogenenen Statements der Politiker herunter, die von randalierenden Chaoten sprechen. Die Medien machen sich zu Komplicen der Mächtigen und sind desavouiert!

  5. Erklärung: der TIPPING-POINT ist überschritten.
    Die Anlässe sind verschieden.

    • memoe
    • 22. Oktober 2010 15:11 Uhr

    In letzter Zeit mehren sich auch bei der ZEIT die Artikel bei denen man aufpassen muss, daß man sie nicht auch noch glaubt!
    "Den meisten Protesten gemein ist, dass sie mit diffusen Gefühlen um die Folgen der Globalisierung zusammenhängen. Vieles im Leben ist kompliziert geworden, und man will es wieder einfach haben. Veränderungen sind unerwünscht."
    (Die weiteren Phrasen brauche ich gar nicht alle nochmal zu zitieren..)
    Aha! Die Globalisierung ist also schuld! Da können die Politiker nichts dafür, wenn sie die Dinge so entscheiden, wie sie das tun. Alles Sachzwänge. Wirklich?.
    Sie wollen uns immer wieder eintrichtern, die für die Mehrheit der Bürger negativen Entwicklungen der Politik der letzten Jahre seien alternativlos und von daher die Demonstranten auch nur zu belächelnde Idealisten. Nein!!! Es ist die politische Richtung die zählt! Und dann könnte man sehr wohl auch wieder sehr viel in die richtige Richtung bewegen. Wenn man denn wollte. Aber die Politiker, Banker, Manager etc. verdienen eben an dieser Politik sehr gut und deswegen muss sie auch als alternativlos verkauft werden. Daß es möglich ist, daß sich fast alle Medien heutzutage für diesen Verkauf hergeben ist wohl der größte Fehler im System unserer heutigen Demokratie!
    Von daher: Alternativ informieren (z.B. www.nachdenkseiten.de etc.) und demonstrieren (wo auch immer es einem sinnvoll erscheint). Vielleicht können wir so ja die Demokratie in unserem Land doch noch erhalten!

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    Die Medien können doch garnicht anders als sich an dieser Propaganda zu beteiligen. Die wirtschaftliche Lage lässt einst unabhängige Medienhäuser in Konzerne verschmelzen, die wesentlich einfacher zu beeinflussen sind. Dazu kommt die immer schlechter werdende jounalistische Qualität, die mit Rationalisierung und Kostensenkung begründet wird.

    Irgentwann gehören gehören auch in Deutschland alle großen Medien irgentwelchen Bankstern wie Murdoch oder mafiösen Großunternehmern.

    Bei der Zeit gibt es zum Glück immernoch regelmäßig gute Artikel. Doch diese rausfiltern kann nicht jeder...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Donald Tusk | Frankreich | Atomkraft | DDR | Griechenland | Lincoln
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