Buback-ProzessKonflikt zwischen Buback und der Bundesanwaltschaft eskaliert

Im Prozess gegen RAF-Mitglied Becker stehen sie eigentlich auf derselben Seite. Doch Michael Buback, der Sohn des Opfers, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittler.

Bundesanwaltschaft und Nebenkläger sollten gemeinsam handeln, doch mittlerweile scheint die Konfliktlinie im Prozess um den Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor allem zwischen den Anklägern und dem Sohn des Opfers zu verlaufen. Am Donnerstag ging der Streit in ungewöhnlich scharfer Form weiter. Die Angeklagte Verena Becker beobachtete das Geschehen und schwieg.

Anlass des Streits ist das kürzlich wieder gefundene Motorrad, von dem aus Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) 1977 den Generalbundesanwalt erschossen haben sollen. Wie nun bekannt wurde, war Bubacks Sohn Michael das Motorrad vor rund anderthalb Jahren zum Kauf oder zur Besichtigung angeboten worden. Bundesanwalt Walter Hemberger griff Buback in der Verhandlung direkt an, weil er die Bundesanwaltschaft hierüber nicht informiert hatte.

"Es ist mir vollkommen unverständlich, nachdem Sie mir jahrelang alles Mögliche mitgeteilt haben, dass Sie mir nicht mitgeteilt haben, dass Ihnen jemand das Motorrad angeboten hat", sagte Hemberger. Buback erwiderte, er habe feststellen müssen, dass auf seine Hinweise in der Vergangenheit nicht besonders eingegangen worden sei. Er hätte gern den Kontakt zur Bundesanwaltschaft gepflegt, dies sei ihm jedoch nicht ermöglicht worden. Nun verlor Hemberger beinahe die Fassung: "Das ist ein Vorwurf, den ich nicht auf mir sitzen lasse", herrschte er Buback an. "Das ist eine Unverschämtheit!"

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Hintergrund des Konflikts: Die Bundesanwaltschaft hat Becker zwar als Mittäterin des Mordanschlags angeklagt, geht aber nicht davon aus, dass die heute 58-Jährige unmittelbar am Tatgeschehen beteiligt war. Buback hingegen ist davon überzeugt, dass Becker auf dem Motorrad saß und seinen Vater und dessen Begleiter erschoss. Er glaubt zudem, dass Becker bei den Ermittlungen geschützt wurde.

Die Zeugenvernehmungen am Donnerstag konnten jedenfalls Bubacks These, wonach eine Frau auf dem Rücksitz des Motorrads saß, nicht erhärten. Vielmehr wurde deutlich, wie schwierig es ist, nach 33 Jahren überhaupt noch sinnvolle Erkenntnisse von Zeugen zu bekommen.

Am nächsten dran am Geschehen war ein Jugoslawe, der mit seinem Auto neben dem Dienst-Mercedes des Generalbundesanwalts stand und als Zeuge vernommen wurde. 1977 hatte der Zeuge relativ detaillierte Angaben gemacht: Die Täter hätten eine verkürzte Maschinenpistole benutzt, soll er gesagt haben. "Das kann ich nicht mehr sagen", sagte er heute. Einer der Täter, so das Aussageprotokoll, habe die Maschinenpistole in eine Reisetasche gesteckt. "Vielleicht hat mich der Polizist falsch verstanden", sagte der Zeuge heute. Damals wurde er ohne Dolmetscher vernommen.

Buback ging bislang davon aus, der Zeuge hätte "möglicherweise eine Frau" auf dem Motorrad gesehen. Tatsächlich findet sich diese Beschreibung in einer Pressemitteilung des Innenministeriums vom Tag der Tat. Doch woher diese Information kam, bleibt offen.

 
Leserkommentare
  1. Der Autor ist einem kleinen Missverständnis aufgesessen - nicht Buback wird hier der Prozess gemacht, sondern Becker. Daher ist es richtiger, diese Sache Becker-Prozess zu nennen - auch wenn sich das nicht so gut verkauft.

  2. Immer mehr Details verfestigen die Verwicklung der Geheimdienste. Das war schon so beim Celler Loch und beim Anschlag auf das Münchner Oktoberfest.

  3. Wie in solchen Fällen "gearbeitet" werden kann, zeigt z.B. der "Mordfall Ulrich Schmückler".
    Ein erster Informationsansatz:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Schmücker

    International ein ebenfalls hochbrisanter Fall "Der Fall Dutrox".

    Es ist erstaunlich wie wenig (mediales) Interesse solche Fälle in der heutigen Zeit hervorrufen.
    Taten, die zumindest Fragen über die Arbeit von Geheimdienst, Justiz und Politik aufwerfen sollten.

  4. Sorry, sollten natürlich heissen: Schmücker und Dutroux

  5. Man schützt, wen man noch brauchen kann.
    Ponto Herrhausen Rohweder...
    Warum kam es bei der Baaderbefreiung zum Schuß auf Linke durch einen plötzliche auftauchenden unbekannten Maskierten???
    Abgekartetes Spiel zur zügigen Kriminalisierung und schnelleren Benutzbarkeit und Instrumentalisierung der Bande

  6. Entfernt. Bitte äußern Sie sich konstruktiv zum Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/er

    • optun
    • 15.10.2010 um 10:14 Uhr
    7. Irrtum

    Wenn vorher schon gesagt wurde, dass Becker an dem Tag gar nicht vor Ort war, dann kann dieser Prozess nicht Becker-Prozess heißen
    Ich bin der Meinung, dass Buback einen Staatsanwalt gefunden hat, der hier die Sache nochmals aufrollen soll.
    Warum ist eigentlich Buback nicht vor das Gericht gegangen, als Klar für ihn der Täter war. Klar sollte ja nach seiner Auffassung im Knast verrotten. Urplötzlich hörte er von Jemanden, dass da ja nur eine Frau auf dem Motorrad sitzen konnte, weil diese Person so zierlich war. Und nun geht es in eine andere Richtung.
    Ich kann mir vorstellen, dass es Buback gar nicht um Becker geht, er möchte die Bundesanwaltschaft hier vorführen, weil diese damals so geschlammt hatte. Nur, die jetzige Bundesanwaltschaft ist nicht die damalige.
    Ich habe den Eindruck, dass sich Buback hier selbst vorführt. Verbrecher sollten unbedingt überführt werden, aber Buback sollte daran denken, dass sein Vater damals an der Verschäfung der Gewalt seitens des Staates selbst mit beigetragen hat. Gewalt erzeugt Gegengewalt, dass erleben wir gerade bei Stuttgart 21.

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    Bitte verzichten Sie den anderen Kommentatoren gegenüber auf Unterstellungen und Beleidigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Bitte verzichten Sie den anderen Kommentatoren gegenüber auf Unterstellungen und Beleidigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • horott
    • 15.10.2010 um 11:12 Uhr

    ... wenn @optun schreibt >>...aber Buback sollte daran denken, dass sein Vater damals an der Verschäfung der Gewalt seitens des Staates selbst mit beigetragen hat. Gewalt erzeugt Gegengewalt...<<

    Buback sen. ist also an seinem Tode (und dem seiner Begleiter) selbst schuld. Basta.

    Diese unsäglich weltfremde 68er Ideologie wirkt jetzt bereits in der zweiten, dritten Generation nach und hat (trotz nicht zu leugnender positiver Aspekte) soviel Ungutes über Deutschland gebracht, daß es wahrscheinlich noch einmal so lange brauchen wird, bis diese verbiesterte Weltsicht aus Schulen, Universitäten und Redaktionen endgültig verschwunden sein wird.

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    • optun
    • 15.10.2010 um 14:34 Uhr

    Wo habe ich geschrieben, dass Becker an seinem Tod selbst die Schuld trägt. Becker hätte man schützen müssen und das hat man nicht getan.
    Die damalige Zeit war gewalttätig, auf beiden Seiten. Haben Sie die Bilder von der damaligen Polizei gesehen, die Studenten und wehrlose Menschen bewußt in geschlossene Strassen getrieben und niedergeknüppelt haben. Sie haben ein gewaltiges Geschichtsdefizit. Wasserwerfer wurden bewußt auf die Köpfe der Demonstranten gehalten, es gab sogar Tote.
    Herrn Dr. Baum, den werden Sie ja nun kennen müßten hat gesagt, dass der Staat damals Gespräche hätte anbieten sollen. Gewalt anwenden war eben der falsche Weg.
    Sie müssen die Geschichte der BRD richtig beurteilen und nicht andere Leute beleidigen.

    • optun
    • 15.10.2010 um 14:34 Uhr

    Wo habe ich geschrieben, dass Becker an seinem Tod selbst die Schuld trägt. Becker hätte man schützen müssen und das hat man nicht getan.
    Die damalige Zeit war gewalttätig, auf beiden Seiten. Haben Sie die Bilder von der damaligen Polizei gesehen, die Studenten und wehrlose Menschen bewußt in geschlossene Strassen getrieben und niedergeknüppelt haben. Sie haben ein gewaltiges Geschichtsdefizit. Wasserwerfer wurden bewußt auf die Köpfe der Demonstranten gehalten, es gab sogar Tote.
    Herrn Dr. Baum, den werden Sie ja nun kennen müßten hat gesagt, dass der Staat damals Gespräche hätte anbieten sollen. Gewalt anwenden war eben der falsche Weg.
    Sie müssen die Geschichte der BRD richtig beurteilen und nicht andere Leute beleidigen.

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