Bundesanwaltschaft und Nebenkläger sollten gemeinsam handeln, doch mittlerweile scheint die Konfliktlinie im Prozess um den Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor allem zwischen den Anklägern und dem Sohn des Opfers zu verlaufen. Am Donnerstag ging der Streit in ungewöhnlich scharfer Form weiter. Die Angeklagte Verena Becker beobachtete das Geschehen und schwieg.

Anlass des Streits ist das kürzlich wieder gefundene Motorrad, von dem aus Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) 1977 den Generalbundesanwalt erschossen haben sollen. Wie nun bekannt wurde, war Bubacks Sohn Michael das Motorrad vor rund anderthalb Jahren zum Kauf oder zur Besichtigung angeboten worden. Bundesanwalt Walter Hemberger griff Buback in der Verhandlung direkt an, weil er die Bundesanwaltschaft hierüber nicht informiert hatte.

"Es ist mir vollkommen unverständlich, nachdem Sie mir jahrelang alles Mögliche mitgeteilt haben, dass Sie mir nicht mitgeteilt haben, dass Ihnen jemand das Motorrad angeboten hat", sagte Hemberger. Buback erwiderte, er habe feststellen müssen, dass auf seine Hinweise in der Vergangenheit nicht besonders eingegangen worden sei. Er hätte gern den Kontakt zur Bundesanwaltschaft gepflegt, dies sei ihm jedoch nicht ermöglicht worden. Nun verlor Hemberger beinahe die Fassung: "Das ist ein Vorwurf, den ich nicht auf mir sitzen lasse", herrschte er Buback an. "Das ist eine Unverschämtheit!"

Hintergrund des Konflikts: Die Bundesanwaltschaft hat Becker zwar als Mittäterin des Mordanschlags angeklagt, geht aber nicht davon aus, dass die heute 58-Jährige unmittelbar am Tatgeschehen beteiligt war. Buback hingegen ist davon überzeugt, dass Becker auf dem Motorrad saß und seinen Vater und dessen Begleiter erschoss. Er glaubt zudem, dass Becker bei den Ermittlungen geschützt wurde.

Die Zeugenvernehmungen am Donnerstag konnten jedenfalls Bubacks These, wonach eine Frau auf dem Rücksitz des Motorrads saß, nicht erhärten. Vielmehr wurde deutlich, wie schwierig es ist, nach 33 Jahren überhaupt noch sinnvolle Erkenntnisse von Zeugen zu bekommen.

Am nächsten dran am Geschehen war ein Jugoslawe, der mit seinem Auto neben dem Dienst-Mercedes des Generalbundesanwalts stand und als Zeuge vernommen wurde. 1977 hatte der Zeuge relativ detaillierte Angaben gemacht: Die Täter hätten eine verkürzte Maschinenpistole benutzt, soll er gesagt haben. "Das kann ich nicht mehr sagen", sagte er heute. Einer der Täter, so das Aussageprotokoll, habe die Maschinenpistole in eine Reisetasche gesteckt. "Vielleicht hat mich der Polizist falsch verstanden", sagte der Zeuge heute. Damals wurde er ohne Dolmetscher vernommen.

Buback ging bislang davon aus, der Zeuge hätte "möglicherweise eine Frau" auf dem Motorrad gesehen. Tatsächlich findet sich diese Beschreibung in einer Pressemitteilung des Innenministeriums vom Tag der Tat. Doch woher diese Information kam, bleibt offen.