Irrwitz der Woche Paketbote aus Leidenschaft

Privatpersonen, sogenannte "Bring Buddys", dürfen für die Post in Berlin Pakete austeilen. Mark Spörrle fragt sich, ob auch er das cool findet.

Pakete werden bald auch von Privat-Personen ausgeteilt. In Berlin und Bangalore wird das Pilotprojekt starten

Pakete werden bald auch von Privat-Personen ausgeteilt. In Berlin und Bangalore wird das Pilotprojekt starten

Ohne Zweifel, das Internet hilft uns beim Sparen. Wir kaufen online so viele Bücher, Weinflaschen und Lautsprecher, dass man die Buch-, Wein- und Lautsprechergeschäfte bei uns im Viertel problemlos schließen kann. Wir füllen so geduldig die virtuellen Eingabemasken von Unternehmen, Behörden und Banken aus, dass man dort die Sachbearbeiter entlassen kann. Denn deren Arbeit erledigen jetzt wir. Wir drucken unsere Bahnfahrkarten selber aus und unsere Telefonrechnungen. Wir suchen uns die eingesparte Bedienungsanleitung für unseren neuen Computer mithilfe unseres alten Computers selber im Internet, übersetzen sie selbst, und wenn der Computer kaputt ist, versuchen wir, ihn, mithilfe einer 142-seitigen Online-Anleitung selber zu reparieren.

Und demnächst werden wir auch Postpakete zustellen. Zwar sitzen wir zu Hause schon bis spätabends druckend, buchend, reparierend, überweisend am Computer. Aber auf dem Weg zur Arbeit oder zurück, oder zu Starbucks und zurück haben wir jeden Tag noch ungenutzte Zeit. Das hat die Post zusammen mit einem Potsdamer Institut herausgefunden. Wertvolle Minuten, die wir künftig nicht mehr mit Telefonieren oder hektischem Shoppen verbringen werden – auch Milch lässt sich schließlich online bestellen –, sondern mit der Auslieferung von Paketen.

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Denn klar: Der ganze Kram,den wir online bestellen, und der wird immer mehr, muss auch irgendwie zugestellt werden. Und wie überlastet die armen Paketzusteller sind, wissen wir ja selber: Nicht umsonst kommen die immer nur, wenn wir weg sind.

Mark Spörrle
Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den  ; .

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den ; .

Also startet demnächst in Berlin und Bangalore ein Modellversuch, der sich am Prinzip Sozialer Netzwerke orientiert: Wer Bock hat, anderen Leuten Pakete vorbeizubringen, registriert sich als "Bring Buddy" auf einer Internetseite und legt los. Macht sich mit zwei, drei Paketen auf den Weg zur Arbeit, liefert sie vorher oder nachher oder zwischendurch oder am nächsten Tag oder wenn er/sie wieder mehr Zeit hat, aus. Und hey, vielleicht öffnet ja eine schlaftrunkene nette Designerin, Single, oder ein alleinstehender gut aussehender Architekt. Und hey, vielleicht findet man sich gegenseitig nett und cool. Und hey, das nächste Paket kann man dann ja mal am späten Abend vorbeibringen, mit einem breiten Lächeln und einem liebevoll eingepackten Fläschchen Red Bull ... .

Falls man keineswegs nett und cool sein will: Für den Job soll es auch ein bisschen Geld oder ähnliches geben. Nicht so viel natürlich wie die Paketzusteller bekommen. Aber Geld, sagt eine Post-Managerin, ist ja auch gar nicht so wichtig, wenn es darum geht, nette neue Leute kennenzulernen. Was auch heißt: Sofern sich ein entlassener Paketzusteller als "Bring Buddy" bewerben würde, hätte er glatt eine Chance, würde er wenigstens ansatzweise aussehen wie ein Architekt.

Doch keine Sorge, derlei gilt nur in der Anfangsphase, solange es noch ein paar professionelle Paketzusteller gibt. Danach wird jeder genommen werden, der bereit ist, 10 Flaschen Weißwein oder ein Paar 20-Kilo-Lautsprecher für ein paar lumpige Kröten bei Wildfremden in den vierten Stock zu schleppen.

Leser-Kommentare
  1. Vor einigen Jahren machte noch eine Comedy-Serie Späße über Leute, die sich anhand von Anleitungen selbst den Blinddarm entnehmen wollten. Heute ist das fast schon Realität.

    Die Post treibt es da nur besonders bunt. Denn die Idee der Auslagerung der Arbeit auf die Kunden ist überall. Da sitzt man stundenlang am Telefon, um einen Kundendienst jenseits automatischer Ansagen und Wartedudelei zu erreichen, und bezahlt auch noch dafür. Wer die Mittel hat, lässt dies für sich arbeiten. Einkommen durch nichts wird auch noch entschuldet. Während die einen durch Maschinen und Beteiligungen sich sonnig verdienen, sollen andere die unangenehme Arbeit möglichst kostenfrei machen. Altenpflege oder Bundeswehr, am besten ein "freiwilliges" soziales Jahr. Für Arme gibt es doch Armenküchen und Archen, in denen Ehrenamtliche, die sich auch schon bei Betreuung oder als Sportleiter bewährten, das Notwendige tun. Lifestyle, umgedeutet, will, dass es nicht nur schick, sondern auch in Ordnung ist, wenn einige zu Sklaven gemacht werden. Wen interessieren die beruflichen Postzusteller, die wenigen jenseits einer Leiharbeit, wenn Gewinne in Aussicht stehen? Das Makabere ist ja, dass es deswegen funktioniert, nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch durch die Menschen, die fast alle zufällig keine Postzusteller sind.

    • Jenss
    • 25.10.2010 um 17:59 Uhr

    Ist heute der 1.April?

  2. Mit dieser Schizophrenie ist die Post keinesfalls alleine! Die ersten Schritte (sozialer Aspekt, mickerige Bezahlung) funktioniert ja nur, weil w i r m i t m a c h e n und auch noch akzeptieren, dass die Gebühren keinesfalls gesenkt werden. Ähnlich verläuft das Out-Sourcing ganzer Produktionseinheiten: erst müssen die Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, dann wird der Lohn gekürzt. Wenn dann alle solidarisch mitmachen, wird gekündigt und der Betrieb / die Produktion gen Osten verlagert,- erst Naher dto. und dann immer ferner. Von Polen nach Rumänien, in die Türkei und nach Indien. Jetzt sind die Macher in China und planen für Bangladesh. Irgend wann ist dann nur noch Meer und Nichts - und dann kommt man an der Westküste Amerikas an und ein paar Jahre später ist der ganze Krempel wieder in Europa. Die Frage ist nur, WER dann hier bei uns die Produktion aufrechterhält!
    Und WER steht dann im nicht-virtuellen Abhol-Shop der Post? Der ehemalige Postler wohl nicht ...
    Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist!

  3. Vor einigen Tagen habe ich meine Frau in einen großen Edeka-Markt begleitet. Sie Obst und Gemüse - ich einige Rasiermesser für einen meiner Rasiermesserhalter.
    Die Dinger sind so verpackt, dass man nie sieht, zu welchem Halter die passen. Letztendlich habe ich mich für eine Sorte entschieden. Weil wir Kunden alles Diebe sind, gab es aber nur ein Kärtchen mit Bild am Kaufregal. Ich nahm ein Kärtchen mit zur Kasse, im Glauben, dort dann die realen Messerchen zu erhalten. Fehlanzeige. Die Vrekäuferin zog den Betrag ein(ca. 19 € für wenige lächerliche Messerchen ) und legte mir für das Kärtchen einen Chip auf's Band.
    Wie ich mich damit rasieren solle, habe ich sie gefragt. Ich möge mit dem Chip zu einem Autmaten am Ausgang gehen, und dort die Messerchen ziehen. Das habe ich abgelehnt zum Entsetzen der wartenden Schlange. Ich kaufe nicht an Automaten!
    Die Kassiererin musste die Geschäftsführerin rufen, weil nur jene zurückbuchen durfte.
    Eine viertel Stunde ging verloren, weil die nicht zu finden war.
    Ich bin stur geblieben, obwohl mich die Leute hätten erschlagen wollen.

    Pakete trage ich übrigens auch keine aus :-)

  4. Der Blockwart könnte von sämtlichen Paketdiensten bezahlt werden. Idealtypisch wäre ein Langzeitarbeitsloser oder Rentner mit Minirente und Hartz4-Aufstockung. Hartz4 könnte dann entfallen.
    Die Gesellschaft wäre glücklich, daß endlich wieder alle arbeiten und niemand auf der Tasche liegt.
    Vielleicht findet sich auch noch eine umweltfreundliche Komponente.

  5. und kein DP-Info-Post. Ich weiss, erkennt man leider nicht am Stil. Nach 1.5 Jahren wieder reingeschaut und zuverlässig schlecht. Liebe Herr Spörle, der 'Clou' mit 'bei einem echten Menschen kaufen' ist nicht witzig. Das ganze Thema 'Bring BudWas?' ist nicht witzig. Und 'Und hey' 3 mal in einem Absatz unterzubringen ist auch nicht witzig.

    Mein Tip: Mit Schreiben sich nicht so schwer machen. Nicht an Komik versuchen. Komisch is schwer! Vielleicht doch noch einmal von Vorn anfangen? Ich meine, einfache Übungen probieren. Warum nicht mal Gießkannen, Kaffeekannen, Teekannen beschreiben? Alles unterschiedlich. Kann man was lernen, nicht so einfach!

    (Übrigens: Kritik an meiner Schreibe ist zwecklos. Ich versuch das nicht für Geld. Ja, das sagt auch irgendwas)

  6. Lustige Kolumne und berechtigte Einwände, wenn man die Idee zum ersten Mal hört :)
    Ich weiß allerdings aus welcher Motivation heraus das Projekt und Idee entstanden ist. Ziel war es eine Lösung zu schaffen durch die das wohl bekannte steigende Verkehrsaufkommen reduziert werden sollte. Dabei ging es nicht um billige Arbeitskräfte oder die Postangestellten in die Arbeitslosigkeit zu treiben.
    Ganz richtig: es werden die Wege genutzt die sowieso jeder tagsüber zurücklegt. Damit kann jeder einen Beitrag zur Umwelt leisten im Rahmen eines Community Gedanken. Eine visionäre Idee, die mal mit einer anderen Lösung dem zukünftigen Verkehrs- und damit CO2-Aufkommen entgegenwirken möchte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Lustige Kolumne und berechtigte Einwände", ist doch ein Ansporn. Ich bin also nicht allein, da möchte Ihnen noch jemand Mut machen. Also: Kopf hoch, üben und mit etwas Glück, eines Tages, wer weiß?

    "Lustige Kolumne und berechtigte Einwände", ist doch ein Ansporn. Ich bin also nicht allein, da möchte Ihnen noch jemand Mut machen. Also: Kopf hoch, üben und mit etwas Glück, eines Tages, wer weiß?

  7. "Lustige Kolumne und berechtigte Einwände", ist doch ein Ansporn. Ich bin also nicht allein, da möchte Ihnen noch jemand Mut machen. Also: Kopf hoch, üben und mit etwas Glück, eines Tages, wer weiß?

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