Online-Shopping Von Hagens will Leichen-Plastinate im Netz anbieten
Der Anatom Gunther von Hagens bietet seine Leichen-Plastinate demnächst auch im Internet an. Mehrere Bischöfe reagieren entsetzt. Sie fordern ein Verbot des Handels.
Der umstrittene Heidelberger Anatom Gunther von Hagens kündigt in einem Rundschreiben an Körperspender, Kunden, Lieferanten und interessierte Freunde die Eröffnung eines Online-Shops für den 3. November an.
Laut seiner Website können nur Nutzer, die in Forschung, Lehre oder auch als niedergelassener Arzt tätig sind, die echten Leichen-Plastinate kaufen. Allen anderen Nutzern will von Hagens Reproduktionen aus Anatomieglas anbieten.
Ein plastinierter Körper soll nach Angaben der Süddeutschen Zeitung 69.615 Euro kosten, ein Torso sei für 56.644 Euro zu haben, ein Kopf schlage mit 22.015 Euro zu Buche. 200 Mitarbeiter stellen von Hagens zufolge in seinem neuen Institut für Plastination in Guben (Brandenburg) die Präparate her.
Der evangelische Landesbischof von Baden, Ulrich Fischer, und der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch haben entsetzt auf von Hagens' Vorhaben reagiert. Sie riefen die Politik dazu auf, den Handel zu verhindern und "diesen Tabubruch nicht zuzulassen". "Es geht hier nicht um neue Erkenntnisse für Wissenschaft und Forschung, sondern um Leichenfledderei und Spektakel unter dem Deckmantel der medizinischen Aufklärung", kritisierte Zollitsch. Der geplante Internethandel verstoße gegen die Achtung vor Toten. Der menschliche Körper dürfe nicht zum Anschauungsobjekt oder Ersatzteillager degradiert werden.
Für Fischer ist schon die Zurschaustellung der präparierten Leichen als "Kunstwerke" nicht akzeptabel. Leichen im Internet zu "verkaufen", sei aber noch weitergehender. "Wo sterbliche Überreste eines Menschen zur Handelsware werden, verletzt er dessen Würde", schrieb Fischer.
Kritiker bezeichnen von Hagens schon seit vielen Jahren als "Frankenstein-Künstler" und "Leichenfledderer". Der 65-Jährige beharrt hingegen darauf, im Dienste von Bildung und Aufklärung zu stehen.
- Datum 20.10.2010 - 17:09 Uhr
- Quelle dpa
- Kommentare 23
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wird dieser Perversion endlich Einhalt geboten???
Wird diesen vorlauten Kirchenheinis mal Einhalt geboten?
Was mischen sich da Barone eines Jahrhunderte alten Feudelwesens ein? Ich hoffe kein Entscheidungsträger lässt sich von dem Gepläre der Kirchenvertreter beeindrucken.
Mal ganz ehrlich: Bei einer Suchmaschine der eigenen Wahl nach "plastinate" suchen, dann kommt ganz weit oben ein Eintrag zur "Gubener Plastinate GmbH". Angeklickt, findet sich unter plastinarium.de ganz oben in der Navigation ein Link zum "Shop". Einen Klick weiter landet man auf plastination-products.com, wo sich die Preise auch heute schon und nicht erst am 3. November finden...
Das hätte ich mir an Mindest-Recherche dann doch gewünscht...!
Sicherlich, auch aus nicht kirchlicher Sicht, kann man die Ausstellungen Hagens als pervers bezeichnen. Ein Tabubruch allein rechtfertig nämlich noch gar nichts. Denn wo mit einem Tabubruch ethische und ästhetische Grenzen überschritten werden und der Hintergrund für diesen höchst fadenscheinig ist – es gehe ihm um den aufklärerischen, sprich anatomischen Effekt seiner Werke – , hört auch Kunst auf zu existieren.
Seine vermeintliche Kunst ist in erster Linie Produkt eines perversen Sensationsbedürfnisses und komerziell. Wir sollten demnach nicht über Hagens sprechen, sondern über jene, die seine Ausstellungen besuchen und die bereit wären, solche Exponate zu erwerben.
Schön wäre es, wenn seine Ausstellungen erlaubt bleiben, aber kein Mensch hingeht. Da dies aber nicht der Fall ist, ist diese Show ein nettes Spiegelbild einer perversen Gesellschaft.
Leider haben Sie vollkommen recht … es wäre ein kleines Problem, einen Mitbürger mit dekadenten, sprich perversen Einstellungen in richtige Bahnen zu lenken … no show - no money … aber leider ist die ganze Angelegenheit wohl eher ein gesellschaftliches Problem als nur das eines Einzelnen … wo geht die „Kunst“ hin … oder erwürgt sie sich allmählich selbst?
Leider haben Sie vollkommen recht … es wäre ein kleines Problem, einen Mitbürger mit dekadenten, sprich perversen Einstellungen in richtige Bahnen zu lenken … no show - no money … aber leider ist die ganze Angelegenheit wohl eher ein gesellschaftliches Problem als nur das eines Einzelnen … wo geht die „Kunst“ hin … oder erwürgt sie sich allmählich selbst?
Irgendwie nicht aufregend, da braucht jemand etwas Publicity. Und die bekommt er garantiert, die ersten Artikel über den Internet-Shop sind ja gerade erst erschienen.
Und so wird es nicht lange dauern, bis von Hagens mal wieder auf der Titelseite einer bestimmten überregionalen Tageszeitung erscheint. Und dann kann ein anderer ABC-Promi die günstige Gelegenheit ausnutzen und sich mit einem Plastinat in Wohnzimmer oder Partykeller an der selben Stelle positionieren. Mission accomplished!
Kai Hamann
- zumindest soweit es die medizinischen Fakultäten unserer Universitäten betrifft - ist der Umgang mit Leichen und die Leichenpräparation doch gang und gäbe. Weshalb da die Aufregung? (Außerhalb sieht das freilich anders aus.)
Dieser Herr will konservierte Menschen wie gefrorenes Tierfleisch handeln.
Der Gipfel der Obszönität! Will diese Kerl nur Schlagzeilen machen.
die Arbeit von Hagens auch ist - ein fader Beigeschmack begleitet seine Arbeiten und seine Ausstellungen. Einerseits hilft sein Werk, den Tod als etwas Natürliches zu begreifen und dazu (vielleicht neu) Stellung zu beziehen. In unserem Alltag wird dem Tod kein großer Platz eingräumt. So lange keine einfache Privatperson sich Leichenteile kaufen kann, sehe ich bei Fachleuten (Forscher, Ärzte) kein besonderes Problem im Bezug seiner Arbeiten.
Die Grenze, den Mensch zu objektivieren ist allerdings für meine Begriffe nicht mehr so weit weg bei den Werken von Hagens. Genialität und Wahnsinn liegen hier sehr dicht beieinander.
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