Das Paar ist nicht ganz einig, was nach der Terrorwarnung des Bundesinnenministers das Richtige ist. "Befürchtungen hab ich schon, aber deswegen würde ich nicht aufhören zu reisen", sagt der Mann auf dem Berliner Bahnhofsvorplatz. "Ich hoffe, dass Bielefeld, wo wir herkommen, nicht so betroffen sein wird. Es wird wohl eher die Ballungszentren treffen", sagt er über die Warnung vor Anschlägen, die die Regierung ausgesprochen hat.

Seine Frau hingegen würde lieber öfter zu Hause bleiben. Morgen fährt das Paar nach dem Hauptstadtbesuch zurück ins heimische Nordrhein-Westfalen. "Ich hoffe, dass wir das überstehen. Man sollte die Drohungen schon ernst nehmen", sagt sie.

Ihr Cousin, der Gastgeber, ist entspannter: "Betroffen bin ich schon, aber ich kann damit leben", sagt Walter Peters. "Aber ich würde heute wahrscheinlich nicht ins Olympiastadion reingehen."

Zur Terrorgefahr hat jeder eine Meinung. Die Spanne reicht von: "Geht mich nichts an", bis zu: "Es wird mich schon nicht treffen". Die Wenigsten äußern offen Angst. Zu abstrakt, zu wenig greifbar ist die Gefahr. Und wie viele Menschen nach der Terrorwarnung konsequent zu Hause bleiben, lässt sich naturgemäß nicht feststellen. Wer unterwegs ist, vertraut auf den staatlichen Sicherheitsapparat oder höhere Mächte. Eine Emnid-Umfrage ergab: Nur 18 Prozent haben Angst, persönlich Opfer eines Anschlags zu werden.

Der umgekehrte Lotto-Effekt

Psychologen sprechen vom "umgekehrten Lotto-Effekt": Die Wahrscheinlichkeit, im Glücksspiel den Hauptgewinn zu machen, liegt im Promillebereich. Trotzdem tippen wöchentlich Millionen Menschen. Das Risiko, Terroropfer zu werden, ist ähnlich gering. Deshalb gehen auch morgen Menschen zur Arbeit, steigen in die U-Bahn oder auf den Fernsehturm.

"Ich muss als Reisender damit leben", sagt einer, der zum Flughafen unterwegs ist. Das Problem sei jetzt, dass er mehr Zeit in Kontrollen zubringe. "Aber das lässt sich leider nicht ändern."

Am Berliner Reichstag hieven Männer in orangen Westen Metallgitter von Lkws. Berlin zäunt den Reichstag ein, die Rundumleuchten blinken. "Es ist gut, dass die Polizei Präsenz zeigt", sagte eine Hamburgerin. Es habe europaweit bisher genügend Anschläge gegeben. "Warum sollte  Deutschland ausgenommen bleiben?" Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen weist auf die Besucherwarteschlange vor dem Parlament: Heute endet sie nicht dreißig Meter vor dem Portal wie sonst oft, nur wenige drängen sich vor der Tür. Das mangelnde Interesse hat für sie nicht nur mit dem schlechten Wetter zu tun, sondern mit der Angst.

Die ministeriale Warnung bringe fremdländisch aussehende Menschen in Misskredit, sagt sie. "Die Terrorwarnung wird den Druck auf die Araber erhöhen", sie gerieten unter Generalverdacht, Terroranhänger zu sein.