Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, wird aus der britischen Untersuchungshaft freigelassen. Das entschied ein Gericht in London bei einem Haftprüfungstermin. Hunderte Anhänger des Australiers bejubelten dieses Votum vor dem Gerichtsgebäude.

Allerdings wird er wohl nicht sofort auf freiem Fuß gesetzt. Denn die schwedischen Behörden legten Beschwerde gegen die Entscheidung ein. Wie ein Londoner Richter am Dienstag sagte, muss über den Antrag innerhalb von 48 Stunden entschieden werden. So lange muss der Internet-Aktivist in Haft bleiben.

Wird der Einspruch Schwedens verworfen, muss Assange zudem die Kaution in bar als Sicherheitsleistung hinterlegen. Das Gericht setzte hierfür eine Summe von 200.000 britischen Pfund (rund 238.000 Euro) fest, die von mehreren Unterstützern des 39-Jährigen aufgebracht werden soll. Dessen Anwalt kündigte bereits an, dass es "sehr, sehr lange" dauern wird, bis sie die Summe beisammen haben. "Leider werden weder Visa- noch Mastercard akzeptiert", sagte Stephens. Es könnte also sein, dass sein Mandant auch über Nacht noch im Gefängnis bleiben muss.

Richter Howard Riddle erließ weitere strenge Auflagen: Assange muss seinen Pass abgeben, eine elektronische Fußfessel tragen und sich in der Grafschaft Suffolk aufhalten. Dort lebt der britische Journalist Vaughan Smith, der den unabhängigen Pressclub Frontline gründete und Assange unterstützt . Hinzukommt eine Ausgangssperre zwischen 10 und 14 Uhr sowie zwischen 22 und 2 Uhr. Zudem muss sich der Australier jeden Abend um 18 Uhr bei der Polizei melden. 

Für den 11. Januar hat das Londoner Gericht einen weiteren Anhörungstermin in der Causa Assange festgelegt.

Assange war vergangene Woche in der britischen Hauptstadt verhaftet worden. Die britische Justiz handelte auf der Grundlage eines in Schweden ausgestellten EU-weiten Haftbefehls. Die schwedischen Behörden werfen Assange sexuellen Missbrauch zweier Frauen vor. Er bestreitet die Anschuldigungen und wehrt sich gegen eine Auslieferung in das skandinavische Land. Seine Anwälte und Anhänger halten die Vorwürfe für politisch motiviert.

Wikileaks hatte Ende November mit der umstrittenen Veröffentlichung von Geheimdepeschen der US-Diplomatie im Internet begonnen und sich damit erneut Kritik der US-Regierung zugezogen. Die Dokumente sorgen in vielen Ländern für Aufregung, darunter auch in Deutschland, wo nicht gerade schmeichelhafte Berichte über deutsche Politiker öffentlich wurden. Assange und seine Anwälte befürchten eine Anklage wegen Spionage in den USA. Das US-Justizministerium ermittelt.

Der Wikileaks-Chef rief unterdessen dazu auf, seine Arbeit weiter zu unterstützen. Man müsse Wikileaks gegen illegale und unmoralische Angriffe schützen, sagte er nach Mitteilung seiner Mutter Christine. Damit bezog sich Assange vor allem auf Schritte von Firmen wie Visa, Mastercard und Amazon , die ihre Zusammenarbeit mit der Webseite offenbar auf Druck der US-Regierung aufkündigten. Assange kündigte zudem an, weitere Geheimdokumente zu veröffentlichen.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen für eine weitere Enthüllungsplattform weiter. Sie wird von Assanges früheren deutschen Weggefährten Daniel Domscheit-Berg geplant. OpenLeaks solle durch eine Stiftung gesteuert werden und sich weit mehr als Wikileaks um den Schutz der Informanten kümmern.