Hessische Polizisten stehen im Verdacht, interne Informationen an die Hells Angels verkauft zu haben. Das teilte das Landeskriminalamt (LKA) Hessen in Wiesbaden mit. Im Rahmen einer Großrazzia gegen die Hells Angels wurden auch Wohnungen und Arbeitsplätze der Polizisten durchsucht.

Ein 50 Jahre alter Kriminalhauptkommissar des LKA wird nach Polizeiangaben verdächtigt, Informationen aus Systemen der Polizei gegen Geld weitergegeben zu haben. Gegen eine 33-jährige Polizeioberkommissarin und einen 36-jährigen Polizeioberkommissar eines Frankfurter Polizeireviers besteht der Verdacht, Dienstgeheimnisse verraten sowie Kokain erworben zu haben.

Eine 34-jährige Kriminaloberkommissarin des Polizeipräsidiums Frankfurt war bereits am Donnerstag festgenommen worden. Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt hat sie schon zugegeben, dem fünften Suspendierten, einem 51-Jährigen, Drogen verkauft zu haben. Informantin soll sie nicht gewesen sein.
 

Die Beamten wurden vom Dienst suspendiert. Ein LKA-Sprecher wollte keine Angaben dazu machen, ob sie sich bereits zu den Vorwürfen geäußert haben. Die Ermittler hatten laut LKA bereits vor mehreren Monaten Hinweise darauf erhalten, dass die Hells Angels gezielt Kontakt zu Beamten gesucht hatten.

Der innenpolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Wolfgang Greilich, begrüßte das Vorgehen gegen die Beamten. "Dass kriminelle Polizeibeamte, die mit Hells Angels zusammenarbeiteten, aufgeflogen sind, zeigt zweierlei: Erstens ist die hessische Polizei genauso wenig wie irgendeine andere Polizei auf der Welt dagegen gefeit, dass sich kriminelle Elemente bei ihr einschleichen. Zweitens werden solche Elemente entdeckt, sofort aus dem Dienst entfernt und strafrechtlich verfolgt. Die neue Qualität dieser Vorfälle muss jedoch Anlass zu noch grösserer Wachsamkeit sein."

Im Rahmen der Razzia wurden auch zahlreiche Wohnungen von Hells-Angels-Mitgliedern, vor allem im Rhein-Main-Gebiet durchsucht. Hintergrund sind verschiedene Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Drogenhandel. So wurden im Zusammenhang mit einem Verfahren der Staatsanwaltschaft Darmstadt Wohnungen von zwei Hells Angels-Mitgliedern und weiteren Personen durchsucht. Ihnen wird demnach umfangreicher Drogenhandel vorgeworfen.

Hintergrund für ein weiteres Verfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt ist ein Schuss auf einen 45 Jahre alten Mann im Oktober 2009, bei dem dieser am linken Oberarm verletzt wurde. Das Opfer ist selbst Hells-Angels-Mitglied. Es besteht laut LKA der Verdacht, dass es sich um eine "interne Bestrafungsaktion" der Hells Angels handelte. In diesem Zusammenhang wurden sieben Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet durchsucht, darunter die des Präsidenten und des Vizepräsidenten des Hells-Angels-Charters Frankfurt.