Plagiatsvorwurf Initiative feuert Künstler für Loveparade-Mahnmal

Ärger um das Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der Loveparade: Der Künstler Jürgen Meister wird beschuldigt, seinen Entwurf kopiert zu haben.

Am Unglücksort in Duisburg erinnert derzeit eine provisorische Gedenkstätte an die Loveparade-Tragödie – ein schwarzer, container-artiger Kubus mit einer Glasfront. Er sollte durch ein Mahnmal des Künstlers Jürgen Meister ersetzt werden. Wegen Plagiatsvorwürfen hat sich nun die Initiative Spendentrauermarsch von Meister getrennt.

Eine Jury hatte am Montag die Stahlskulptur des Grevenbroicher Künstlers vorgestellt, für die sie sich einstimmig entschieden hatte. Der Künstler, der bisher vor allem Einzelausstellungen als Bildhauer am Niederrhein hatte, hatte sich gegen 38 Mitbewerber durchgesetzt. Allerdings wurden schnell Vorwürfe laut, der 57-Jährige habe für seinen Entwurf ein Bild aus dem Internet heruntergeladen. "Die Vertreter der Angehörigen der Opfer der Loveparade fühlten sich getäuscht", sagte Hermann Kewitz, Sprecher der Initiative.

Anzeige

Die aus einer Stahlbramme gefräste Gedenkstele zeigt die Silhouette einer tanzenden Menschenmasse, die ausgestreckten Arme und Hände können aber auch als Hilferuf gedeutet werden. In den Stahl sollten nach dem Entwurf die Namen der 21 Getöteten gefräst werden. Angehörige hätten sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, sagte Kewitz. Für das Mahnmal hatte die Initiative Spendentrauermarsch im August 26.200 Euro gesammelt.

Die Schwarzweiß-Vorlage für seinen Entwurf hatte Meister auf der Online-Fotoplattform Fotolia für etwa 75 Cent gekauft. "Aus diesen fotografischen Vorlagen habe ich durch Bearbeitung, Ergänzung, Löschung und weitere Veränderungen meine Idee einer Silhouette entwickelt", sagte Meister der Bild-Zeitung . Am Mittwoch war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Am 24. Juli 2010 waren 21 junge Menschen während der Techno-Parade ums Leben gekommen. Mehrere hundert erlitten teilweise schwere Verletzungen. Mitte Dezember wurde bekannt, dass sich der amtierende Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland wegen der Katastrophe nicht vor Gericht verantworten muss.

 
Leser-Kommentare
  1. Aber egal.

    Wqs ich viel skandalöser finde ist der Text an diesem Trauercontainer und auf der Plakette am Unglücksort: "Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade".

    Gibt an der Stelle, an der 1980 bei einem Bombenanschlag auf dem Oktoberfest 13 Menschen ums Leben gekommen sind, eigentlich auch eine Plakette "München gedenkt der Opfer des Oktoberfests"?

    Die Toten sind nicht der Loveparade zum Opfer gefallen, sie sind Opfer von Schlamperei und fehlender Organisation der Stadt, der Polizei und der Betreiber. Mich schüttelt es jedesmal vor Abscheu, wenn ich dort vorbeikomme. Duisburg hat schon am Tag des Unglücks versucht, die Schuld auf die Opfer zu schieben und tut es selbst mit dieser Plakette immer noch.

    • bavar
    • 23.12.2010 um 9:20 Uhr

    Der Künstler hat es ja nicht kopiert, sondern als Grundelement hergenommen, um seine Idee zu verwirklichen.
    Was heute zu Tage bei, ich schätze bei 98% aller grafisch hergestellten Elementen üblich ist.

    Man hat eine Idee, und guckt erst mal in Internet, logisch.

    Ganz früher hat ein Grafiker (gibts heute bestimmt auch noch`n paar) ein Scribble gemacht, zu meiner Zeit hat man seine Idee einem Airbrusher gesagt, der diese Umgesetzt hat (wenn ich selbst nicht die Möglichkeit hatte), vor ca. 15 Jahren hat man Bildvorlagen bei einer Bildagentur für viel Geld über Bildkataloge bestellen können, und heute kauft man Bildvorlagen für wenig Geld aus dem Internet.

    Alles ganz normal, nichts aussergewöhnliches!

    Ein Mahnmal für ca. 26.000 Euro!

    Ist doch günstig, wenn man bedenkt, dass normalerweise Denkmäler, Sculpturen etc. heut zu Tage wesentlich mehr kosten!

    Also, wo ist das Problem?

    Eine Leser-Empfehlung
    • bavar
    • 23.12.2010 um 9:47 Uhr

    Hallo uhuznaa,
    ja auf dem Oktoberfestgelände am Haupteingang steht ein grosser, schwarzer, schwerer Gedenkstein für die Opfer des Oktoberfestanschlages von 1980.
    Der übrigens weit teurer war, als das jetzige Mahnmal von Duisburg.

    • am4875
    • 25.12.2010 um 16:32 Uhr

    Nicht zum ersten Mal habe ich das Gefühl, daß dieser Tage Hysterie und Dummheit die Führung übernommen zu haben scheinen. Die hier gestellten Plagiatsvorwürfe finde ich lächerlich. Von irgendwoher muß sich ein Künstler doch seine Inspiration holen. Ob das nun innere Bilder aus der Vergangenheit sind, die sich ihm in einer Situation als Vorlage für sein Kunstwerk aufdrängen oder konkrete Bilder, die er dann umsetzt - wo ist da der Unterschied? Er hat im Internet das Foto gesehen und da hat es "klick" gemacht, weil die Szene genau so ist, wie er sie gestalten bzw. genau das zeigt, was er ausdrücken wollte. Warum die Angehörigen der Opfer und deren Vertreter sich nun getäuscht fühlen, ist mir ein Rätsel - er hat doch kein anderes Mahnmal kopiert sondern durch seine Arbeit einer Szene erst eine bestimmte Bedeutung gegeben (diese Abstraktionsleistung ist das Wesen der Kunst!).
    Darüberhinaus wurden sie von dem Entwurf doch unmittelbar angesprochen, was zeigt, daß von diesem Motiv eine hohe Symbolkraft ausgeht und sich die von ihm ausgehende Assoziation dem Betrachter schnell erschließt.
    Meiner Meinung nach hat sich die 'Initiative Spendentrauermarsch' mit der Ablehnung der Vorlage von Jürgen Meister um eine ideale Umsetzung des Themas gebracht und somit sich und vor allem den Opfern und deren Angehörigen einen Bärendienst erwiesen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service