Die Stuttgart-21-Schlichtung hat die Haltung der Baden-Württemberger zu dem Milliarden-Vorhaben der Bahn massiv verändert. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Südwestrundfunks und der Stuttgarter Zeitung befürworten jetzt 54 Prozent der Bürger das Bahnprojekt. 38 Prozent sind dagegen. Vor zwei Monaten waren noch 54 Prozent gegen und 35 Prozent für den Umbau des Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation und den Bau der Schnellbahntrasse nach Ulm.

Bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl liegen allerdings Grüne und SPD weiter knapp vor Schwarz-Gelb. Würde am kommenden Sonntag gewählt, käme die CDU auf 39 und die mitregierende FDP auf 5 Prozent. Die Grünen liegen bei 28 und die SPD bei 18 Prozent. Die Linke wird derzeit bei 5 Prozent gehandelt – und käme demnach erstmals in den Landtag.

Könnte der Ministerpräsident direkt gewählt werden, kämen nach der Umfrage der Amtsinhaber Stefan Mappus (CDU) auf 46 und sein grüner Herausforderer Winfried Kretschmann auf 31 Prozent. 51 Prozent der Befragten sind für einen Regierungswechsel, 39 Prozent wollen, dass Schwarz-Gelb weiterregiert.

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hatte am 1. Dezember, einen Tag nach dem Schlichterspruch von Heiner Geißler, in Baden-Württemberg 1010 Wahlberechtigte telefonisch befragt. Geißler hatte sich für den Bau von Stuttgart 21 ausgesprochen, aber etliche Nachbesserungen gefordert , darunter den Nachweis für die höhere Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs und den Erhalt der Bäume im Schlossgarten. Dieser Schlichterspruch findet Zustimmung bei einer deutlichen Mehrheit: 68 Prozent der Befragten finden ihn "eher gut" und 24 Prozent "eher schlecht".

Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) wertete den Meinungsumschwung in der Bevölkerung beim Thema Stuttgart 21 als Erfolg der Schlichtungsgespräche. Damit sei es gelungen, die Auseinandersetzung auf eine sachliche Ebene zurückzuführen und die Emotionen herauszunehmen. Die Ministerin betonte allerdings, "dass die Projektträger noch Hausaufgaben erledigen müssen, um die Menschen noch mehr von dem Projekt zu überzeugen".