Das Katz- und Maus-Spiel um die Sperrung von Wikileaks geht weiter. Der US-Verzeichnisanbieter EveryDNS hat nach der zentralen Adresse wikileaks.org nun auch die Schweizer Internetadresse wikileaks.ch aus ihrer Datenbank gelöscht und damit diesen Zugang zur Plattform unmöglich gemacht. Genau davor hatte die Schweizer Piratenpartei, auf deren Namen die Domain registriert war, gewarnt. Denn auch diese Adresse lief über die US-Firma.

EveryDNS hatte den Schritt damit begründet, dass es wiederholt zu "massiven" Hacker-Angriffen auf die Adresse gekommen sei. Solche Attacken werden als "Distributed Denial of Service" (DDOS) bezeichnet. Dabei wird ein Web-Server mit Unmengen von Daten geflutet und lahmgelegt. "Diese Attacken haben die Stabilität der Infrastruktur von EveryDNS.net bedroht", erklärte das Unternehmen.

Michael Rotert von der Hochschule Karlsruhe hält das als Erklärung für das Verschwinden der Adresse für wenig glaubhaft. "Wegen Denial-of-Service-Attacken nehme ich normalerweise keine Domain runter", sagte Rotert. "Das ist eine Maßnahme, die sollte nicht passieren, und schon gar nicht auf Druck von Behörden, es sei denn, es liegt eine schwere Straftat vor."

Die Inhalte von Wikileaks sind allerdings nach wie vor unter anderen Adressen zu erreichen. Dazu gehören neben der direkten IP-Adresse 213.251.145.96 auch mehrere Web-Anbieter, die die Daten auf ihrem eigenen Server "spiegeln". Die Piratenpartei Deutschlands brachte Wikileaks ebenfalls auf ihren Servern unter. "Im Moment findet ein Cyberkrieg statt", sagte Wolfgang Dudda vom Vorstand der Partei. "Es werden alle technischen Register gezogen, um Wikileaks mundtot zu machen."

Wikileaks war nach eigenen Angaben erst vor wenigen Tagen Ziel eines massiven Hackerangriffs gewesen. Am Donnerstag hatte der Internetdienstleister Amazon der Plattform das Gastrecht auf seinen Servern aberkannt .

Nun hat auch die Regierung in Paris angekündigt, die Plattform von einem Server des französischen Internetanbieters OVH verbannen zu wollen. OVH kündigte an, die Angelegenheit vor Gericht austragen und einen Richter entscheiden lassen zu wollen.