Winterchaos Investieren Sie in Streusalz!

Wintereinbruch, Eisglätte, Schneeverwehungen: wunderbare Nachrichten – sofern Sie unserem Tipp folgen. Machen Sie Kohle mit Salz! Der Irrwitz der Woche von M. Spörrle

Psssst! Aufgepasst! Wir haben einen unerhörten, brandheißen Anlagetipp. Nur für einen winzigen Kreis handverlesener, auserwählter Kunden. Also exklusiv für Sie: Wollen Sie in Zeiten, wo die meisten Geldanlagen unsicher sind und trotzdem kaum Zinsen bringen, Ihren Reibach machen? Zu den Gewinnern gehören? Eiskalt vom Unglück anderer profitieren? Im Handumdrehen sagenhafte Gewinne von 300, 400 Prozent und mehr abzocken? Ja? Ja?

Okay. Pssst: Investieren Sie in Streusalz!

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Oh nein, nein wir wollen Sie nicht aufs Glatteis führen, wir doch nicht.

Aber Sie erinnern sich noch an den letzten Winter, nicht den im Juli, den zu Anfang des Jahres. Da wurde nämlich das Streusalz ganz schön knapp. Was heißt knapp: Es war nichts mehr da. Autos verunfallten zuhauf, Fußgänger brachen sich scharenweise die Beine, Rentner sprachen gar von einem heimtückischen Mordkomplott. Und am Ende schworen alle Verantwortlichen, so etwas würde niemals mehr passieren.

Wir vom Club raffitückischer Investoren kennen diese lächerlichen Lippenbekenntnisse zuhauf.

Denn nun ist es erst Mitte Dezember und schon wieder klagen Kommunen über knappes Streusalz. Mancherorts im Sauerland etwa streut man nur noch an "besonders verkehrswichtigen Stellen", also vor Krankenhäusern und jenen Schulen, die von den Kindern der Streuwagenfahrer besucht werden. In Hamburg dagegen dürfen die Schüler (und müssen deren Eltern) beim Herannahen einer größeren Schnee- und Eisfront daheimbleiben.

Denn hier gibt es zwar noch Streusalz. Aber man weiß ja nie, was noch kommt. Und leider hat die Stadt nur etwa zwei Drittel der Menge eingelagert, die man im letzten Winter verbrauchte. Notabene: Damals streute man in der Hansestadt insgesamt so wenig, dass das Universitätsklinikum Eppendorf Zelte brauchte, um alle Glatteisopfer unterzubringen.

Liebe Co-Investoren – erkennen Sie Ihre einmalige Chance? Nein? Sie glauben doch nicht etwa, dass diese Salzknappheit Zufall ist? Dass in so vielen Kommunen im ganzen Land die Stadt- und Dorfväter nach dem letzten harten Winter so dumm waren zu glauben, dass derlei niemals mehr vorkommen würde und gleich wieder zu wenig Salz horteten? Nein, und unterschätzen Sie unsere Lobbyarbeit nicht: Das alles hat natürlich System! Ein System, an dem auch Sie teilhaben können.

Außerdem, es gibt tatsächlich ein Problem, und das ist der Nachschub: In einem schneelosen und frostfreien Winter können die Kommunen einfach neues Streusalz nachbestellen, wenn das alte (warum auch immer) mitten im Winter aufgebraucht sein sollte. Streusalzproduzenten und -händler liefern dann zuverlässig und zu moderaten Preisen in zwei, drei, vier Tagen.

Leser-Kommentare
  1. ...koennte man drueber lachen.

    So aber aergert man sich nur ueber alle die, die letzten Winter leere Versprechungen gemacht haben, die sie offensichtlich nicht einhalten wollten. Fahrlaessigkeit, die wieder einmal Schaden nicht direkt bei den Kommunen selbst, sondern bei Privatpersonen verursacht.

    Haette ich noch Platz in ein paar meiner Lagerhallen, wuerde ich glatt Ernst machen mit der Investition ins "weisse Gold".

    Eine Leser-Empfehlung
  2. ...diesen Vorschlag habe ich schon 2 Mal gelesen, und einmal wurde er im ZDF erwähnt...

    Das Salz der größten Salzhalde Europas ist technisch gesehen Abfall - Millionen Tonnen die zum streuen geeignet ist, nur niemand scheint es zu nutzen.

    Das Salz ist da... schädigt die Umwelt... aber keiner kümmert sich drum - warum nicht mal die Salzhalde abtragen, die hielte sogar ein paar Winter.

    Aber nein... man nimmt da lieber Steinsalz... oder sogar Speisesalz als Notreserve...

    Eine Leser-Empfehlung
    • Debatz
    • 17.12.2010 um 21:59 Uhr

    nicht mal vor eiskaltem Winter macht der Kapitalismus halt...finde ich nicht witzig dieses Thema. Zeugt davon, wie Menschen denken...

    • Buh
    • 17.12.2010 um 23:12 Uhr

    nehmen kein Salz und verbieten es auch bzw schränken es für ihre Bürger ein. Warum? Weil es gefährlich ist für die umliegenden Grünflächen und für die Tiere. Besonders Hunde bekommen davon wunde Füße. Daher sollte man auf Steinchen umsteigen solange es möglich ist. Salz nur im Extremfall, wenn die Steinchen versagen.

  3. Nichts gegen Satire. Aber: Der Begriff "Winterchaos" (mit allen Varianten wie "Schneeechaos", "Katastrophenwinter", ...) geht mir allmählich wirklich auf den Senkel.
    Jedes Jahr am 1. Dezember bricht auf der Nordhalbkugel der meteorologische Winter aus, der am 21. bzw. 22. Dezember vom kalendarischen ge- und verfolgt wird. Es soll sogar Mitmenschen geben, denen klar ist, dass es dann schon einmal kalt, glatt oder auch verschneit sein kann. Es ist möglich, bis zu diesem Zeitpunkt seine Winterreifen aufgezogen zu haben, einen gebrauchsfähigen Schneeschieber bereit zu halten und - man höre, lese und staune - Streusalz beschafft zu haben. Kaum zu glauben; ist aber so!
    Und die (nicht-)streuenden Kommunen? Vielleicht sollten die Bürger einfach einmal entschlossener das "Drohpotenzial" des Stimmzettels nutzen, statt sich bei Kommunalwahlen regelmäßig mit nur knapp fünfzig Prozent an die Wahlurnen zu schleichen.
    PS: Nächstes Jahr kümmere ich mich spätestens ab Ende der Sommerferien um eine funktionierende Kürbis- und Puderzucker-OPEC. Denn Halloween und Weihnachten kommen auch 2011 sicher. Der Winter ja vielleicht nicht.

  4. ich darf doch Mark sagen?, wieder ein vollkommen belangloser, langweiliger und -atmiger Artikel. Gib dir doch mal endlich Mühe! Und vor allem und wie schon gesagt: Bitte nicht mehr versuchen komisch zu sein. Da muss ich mich Fremdschämen. Dein Fuchs

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