Der schwere Unfall eines Wettkandidaten in der ZDF-Show Wetten, dass...? ist einem Gutachten zufolge auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen. Ein vom ZDF beauftragter Gutachter kam zu dem Schluss, die Produzenten der Show hätten die notwendigen und möglichen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten. Gleichwohl sollen bei der Auswahl der Wetten künftig noch strengere Maßstäbe gelten.

Der junge Mann hatte versucht, mit Sprungfedern an den Füßen über entgegenkommende Autos zu springen. Beim vierten Versuch verletzte er sich schwer an Halswirbelsäule und Rückenmark und ist seitdem gelähmt. Der Schwerverletzte wird nach Einschätzung der behandelnden Ärzte "nie mehr normal laufen" können.

Grund für den Sturz sei ein "bewegungstechnischer Fehler" des 23-Jährigen bei Anlauf und Absprung gewesen, sagte Gutachter Gert-Peter Brüggemann von der Kölner Sporthochschule. Technische Fehler an den Sprungstützen gab es demnach nicht. "Es lag kein technisches Versagen vor", unterstrich der Institutsleiter. Der Biomechaniker ist Experte für Laufen und Springen und war schon mehrfach als Gutachter in diesem Bereich gefragt. Der 58-Jährige war in seiner Jugend Kunstturner.

Der Wettkandidat sei nachweislich in der Lage gewesen, die Sprünge auszuführen, sagte er. Er sei ein "ausgewiesener Turner" gewesen. "Er war ein Athlet. Die athletischen Voraussetzungen waren auf jeden Fall gegeben." Für die Untersuchung hatte er selbst nicht mit dem Verunglückten gesprochen, sondern Daten und Videos ausgewertet. So kam er zu dem Ergebnis, dass der Bewegungsablauf des Athleten beim Absprung nicht optimal war. Er habe deshalb nicht die nötige Höhe erreicht, um das entgegenkommende Auto überspringen zu können.

Das ZDF sieht somit bei sich keine Schuld. Intendant Markus Schächter sagte, das Ergebnis der Expertise Brüggemanns und einer weiteren senderinternen Untersuchung zeigten, "dass kein schuldhaftes Verhalten zu dem Unfall geführt hat". Dennoch müsse der Sender im Nachhinein seine Bewertung des Risikos hinterfragen und daraus Konsequenzen ziehen. Die Macher der Sendung würden die Wetten künftig "nach strengeren Kriterien als bisher" auswählen.

Dazu führte der Mainzer Sender ein "detailliertes und entsprechend dokumentiertes Prüfverfahren zur Risikoeinschätzung" ein, wie ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut mitteilte. Redaktion, Produktion und Sicherheitsingenieur prüften künftig alle Wettangebote nach einheitlichen und nachvollziehbaren Kategorien auf Schwierigkeitsgrad, Sicherheitsanforderungen und mögliches Unfallrisiko, erläuterte Bellut.

Die Verantwortlichen stuften die Ideen demnach auf einer Punkteskala von Null bis Drei ein. In die höchste Kategorie fallen sportive und akrobatische Wetten, bei denen es auf Geschwindigkeit ankommt oder wo Sportgeräte und Fahrzeuge vonnöten sind. Wetten dieser Kategorie könne er sich persönlich in der Sendung "nicht mehr vorstellen", fügte Bellut hinzu. Der Programmdirektor zeigte sich aber überzeugt, dass die Familienshow von ihrer Grundidee her auch weiterhin so attraktiv bleibe. Sie werde auch ohne "hoch sportive Wetten" auskommen.

Moderator Thomas Gottschalk werde auf den Unfall und das Opfer bei der nächsten Wetten, dass...?-Sendung eingehen. Das ZDF überträgt sie am 12. Februar aus Halle an der Saale.