Papst Benedikt XVI. hat die Bildungspolitik Spaniens mit scharfen Worten kritisiert. "Angesichts des erneuten Angriffs auf die Religionsfreiheit von Familien in bestimmten europäischen Ländern, in denen die Teilnahme an Aufklärungskursen und Lebenskunde verlangt wird, kann ich nicht schweigen", sagte der Papst in seiner traditionellen Neujahrsansprache an Vatikan-Botschafter.

Er reagierte damit auf einen Streit des Vatikans mit der Regierung in Madrid. Diese will mit den Kursen liberale Werte fördern. Sie hatte daher vor drei Jahren einen Lebenskunde-Kurs eingeführt, in dem Themen wie Homosexualität, Scheidung und Abtreibung offen angesprochen werden. Tausende Eltern hatten den Kurs als "anti-christlich" bezeichnet.

Der Papst sagte nun, solche Kurse wollten eine neutrale Wahrnehmung des Menschen und des Lebens widerspiegeln. In Wahrheit vermittelten sie aber eine gegen den Glauben und die Vernunft gerichtete Lehre. Es handle sich um ein Beispiel der "Bedrohungen" gegen "die kulturellen Wurzeln, die der Identität und des sozialen Zusammenhalts vieler Nationen zugrunde liegen". Zugleich unterstrich der Papst das Recht von Ärzten, Abtreibungen zu verweigern.

Im November hatte Benedikt erstmals den Gebrauch von Kondomen in "begründeten Einzelfällen" für legitim erklärt, was zu Spekulationen über eine möglicherweise veränderte Haltung des Papstes zur Sexualerziehung geführt hatte. Der Vatikan hatte daraufhin klargestellt, der Papst habe sich nur auf Ausnahmefälle bezogen.

Zugleich forderte Benedikt in seiner Ansprache, als Konsequenz aus den jüngsten Anschlägen Christen in islamischen Ländern stärker zu schützen. Die Anschläge auf Christen in Ägypten und im Irak unterstrichen die Notwendigkeit zum Handeln. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche drängte auch auf Religionsfreiheit in Saudi-Arabien, wo Christen ihren Glauben nur im Geheimen praktizieren könnten, und in China, wo Katholiken sich einer staatlich anerkannten Kirche anschließen müssten. Die besondere Vorherrschaft einer Religion in einem Land dürfe nicht zur Diskriminierung oder gar Verfolgung von Anhängern eines anderen Glaubens führen, sagte Benedikt weiter.

Ebenso rief der Papst Pakistan auf, sein umstrittenes Gesetz gegen Gotteslästerung abzuschaffen. Das Paragrafenwerk diene nur als Vorwand für Ungerechtigkeiten und für Gewalt gegen religiöse Minderheiten. In der vergangenen Woche war in Pakistan ein liberaler Provinzgouverneur ermordet worden, der ein prominenter Gegner des Blasphemiegesetzes war. Danach wird etwa die Verhöhnung des Propheten Mohammed mit der Todesstrafe bedroht.