Der frühere Papst Johannes Paul II. © Gerard Julien/AFP/Getty Images

Nur sechs Jahre nach seinem Tod erfährt Karol Wojtyla eine besondere Ehre: Der Pole, der von 1978 bis zum April 2005 als Johannes Paul II. Oberhaupt der katholischen Kirche war, wird selig gesprochen. Wie der Vatikan mitteilte, unterzeichnete der derzeitige Papst Benedikt XVI. ein entsprechendes Dekret und erkannte damit ein Wunder an, das auf seinen Vorgänger zurückgeführt wird.

Bei der angeblichen Wunderheilung geht es um die Genesung der französischen Ordensfrau Marie Simon-Pierre. Die Nonne soll plötzlich von ihrer Parkinson-Krankheit befreit gewesen sein, nachdem Johannes Paul II. in den Monaten nach seinem Tod in Gebeten um Hilfe angefleht worden war. Auch der frühere Papst hatte an Parkinson gelitten.

Normalerweise kann der Prozess der Seligsprechung, also die Stufe vor der Heiligkeit, erst fünf Jahre nach dem Tod beginnen. Doch bereits kurz nach dem Ableben des beliebten Pontifex, der wegen seiner zahlreichen Reisen in die Welt auch der "eilige Vater" genannt wurde, hatten viele Katholiken, vor allem aus seinem Heimatland, auf schnelle Heiligsprechung gedrängt. Diese "Santo subito"-Rufe hat Benedikt XVI. rasch erhört und nach nur knapp drei Monaten die Seligsprechung eingeleitet.

Der Prozess sei zwar beschleunigt worden, doch habe man an der Prozedur keine Abstriche gemacht, sagte der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Amato, im Gespräch mit Radio Vatikan. "Der Fall ist wie alle anderen auch abgewickelt worden, wir haben alle vorgesehenen Schritte befolgt." Im Dezember 2009 schließlich erkannte Joseph Ratzinger in einem Dekret die für die Kanonisierung notwendigen "heroischen Tugenden" seines polnischen Vorgängers an.

Dennoch war das Verfahren kurz zuvor ins Stocken geraten: Es gab große Zweifel an der Heilung der französischen Ordensfrau. Daraufhin rollte die zuständige Medizinerkommission den Prozess neu auf – um das Wunder schließlich doch zu bestätigen.

Die offizielle Zeremonie der Seligsprechung, zu der Massen an Gläubigen in Rom erwartet werden, hat der Vatikan auf den ersten Sonntag nach Ostern, den 1. Mai festgelegt. Geleitet wird sie von Benedikt selbst. Mögliche Termine waren auch der 2. April, der Todestag Wojtylas, und Mitte Oktober anlässlich des Jahrestages seiner Ernennung zum Papst am 16. Oktober 1978.