Der Turm der Kathedrale in der Innenstadt von Christchurch ist eingestürzt, Dutzende Häuser sind völlig zerstört, die Straßen aufgebrochen oder überflutet: Die zweitgrößte Stadt Neuseelands bietet nach einem heftigen Erdbeben ein Bild der Zerstörung. "Es könnte die dunkelste Stunde Neuseelands sein", sagte Regierungschef John Key. Bislang seien 65 Tote gefunden worden. Doch noch werden bis zu 200 Menschen unter den Trümmern vermutet. Die Zahl der Todesopfer könne sich daher verdoppeln, sagte Bürgermeister Bob Parker im Fernsehen.

Das Beben der Stärke 6,3 ereignete sich am Mittag um 12.51 Uhr (0.51 Uhr MESZ), als in der Stadt mit ihren 400.000 Einwohnern Hochbetrieb herrschte. Die Menschen arbeiteten in ihren Büros, die Restaurants und Cafés waren voll besetzt.

Die aus Bochum-Wattenscheid stammende Häusermaklerin Sabine Cook war im Auto unterwegs, als das Beben passierte. "Es war unbeschreiblich! Als wenn ein Riese das Auto packt. Man verliert völlig die Gewalt", sagte sie. Sie sah weitreichende Zerstörung. "Kamine sind auf die Straßen gestürzt. Schaufensterscheiben waren kaputt und das Glas lag auf der Straße, Mauern waren eingestürzt und Zäune platt", sagte sie. "Die Zerstörung ist unbeschreiblich."

Gary Moore saß zusammen mit etwa 20 Kollegen in der 12. Etage des Forsyth-Barr-Hochhauses fest. "Beide Treppenhäuser sind eingestürzt, wir schauen in einen tiefen Abgrund", erzählte er per Telefon im Fernsehen. "Wir können auch nicht auf das Dach kommen." Jedes Nachbeben versetze die Leute in Panik. Moore vertraute auf die Feuerwehrleute, die bereits aus dem 17. Stock mehrere Eingeschlossene von Balkonen gerettet hatten.

Auch im TV-Gebäude saßen am Abend noch 50 Menschen fest. Zunächst konnten nur sechs gerettet werden, berichtete das neuseeländische Fernsehen.

In der Innenstadt von Christchurch brach an mehreren Stellen Feuer aus. Zahlreiche Straßen standen unter Wasser, weil Rohre geborsten waren. Augenzeugen zufolge hatte sich der Boden teilweise um bis zu einem Meter gehoben. Die Rettungsdienste hatten nicht genügend Krankenwagen. Lieferwagen und Kombis waren im Einsatz, um Verletzte zu transportieren. Sanitäter öffneten Krankenstationen zur Notversorgung am Straßenrand.

Die Retter, die schockierten Einwohnern aus den Trümmern halfen, wurden immer wieder von Nachbeben behindert. Das stärkste hatte nach Angaben der Zivilverteidigung eine Stärke von 5,7. Rund 80 Prozent der Stadt waren zeitweise ohne Strom. Auch die Wasserversorgung brach zusammen. "Wenn es regnet, bitte Wasser in Eimern sammeln", riet das Amt für Zivilverteidigung.

Christchurch war bereits am Anfang September von einem Beben der Stärke 7,0 erschüttert worden. Rund 100.000 Häuser wurden damals beschädigt, Menschen aber kamen nicht ums Leben. Damals wurden die Wiederaufbaukosten auf vier Milliarden neuseeländische Dollar (2,2 Milliarden Euro) geschätzt.