Nach dem Beben Leben im Angesicht der Apokalypse

Wenn der Schrecken dieses Bebens vorüber ist, werden die Japaner aufräumen. Und sie werden weiter Hochhäuser bauen. Weil sie ihrer Ingenieurskunst vertrauen. Von M. Naß

Die Schreckensbilder aus Japan schmerzen sehr, wenn man selbst erst vor vierzehn Tagen aus Tokyo nach Deutschland zurückgeflogen ist. Die anrollende Monsterwelle, die auf der Flut tanzenden Wohnhäuser, die lodernden Ölraffinerien: Apokalyptische Szenen.

Und die Gedanken gehen zu den Freunden, Kollegen und Gesprächspartnern, mit denen man eben noch zusammen gesessen hat. Sind sie wohlauf?

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Nun sind die Japaner es gewohnt, mit der Furcht zu leben. Rund tausend Mal im Jahr bebt bei ihnen die Erde. Zumeist spürt man es kaum. Aber noch bei jeder meiner Reisen hat der Boden irgendwann einmal geschwankt.

In stoischer Ruhe leben die Japaner mit dieser Furcht. Sie wissen von früher Kindheit um den schwankenden Grund unter ihren Füßen. Vielleicht liegt ein Grund für ihre unvergleichliche Disziplin und ihre beispiellose Höflichkeit im Umgang miteinander darin, dass ihnen klar ist: Jede Sekunde kann der Schrecken in unseren Alltag hereinbrechen.

Technisch war die vielleicht modernste Industriegesellschaft der Welt auf diesen Freitag vorbereitet. Soweit es eben geht. Ihre futuristischen Bürobauten, in Tokyo oft 60 Stockwerke hoch, ihre Schnellstraßen und Bahnlinien gelten als erdbebensicher. Das Land ist wohlhabend genug, es braucht an der Sicherheit nicht zu sparen. Nun muss sich allerdings zeigen, ob es Hybris einer technikverrückten Nation war, in großer Zahl Atomkraftwerke auf einem Archipel zu bauen, bei dem verschiedene Erdplatten aufeinanderstoßen.

In den vergangenen Jahren konnte man beobachten, wie ältere Gebäude technisch instand gesetzt wurden. Das Außenministerium etwa: Die Diplomaten wurden in ein Ausweichquartier ausgelagert, dann wurde das alte Gebäude durch Luftkissen in die Höhe gehoben und ein neues Fundament gelegt. Jetzt soll auch das altehrwürdige Gaimusho im Regierungszentrum nahe dem Kaiserpalast erdbebensicher sein.

Leser-Kommentare
  1. Und hier wird aus deutscher Perspektive mal wieder ganz locker der moralische Zeigefinger ausgestreckt, denn hierzulande bestünden ja genug Alternativen zur Atomkraft.

    In Japan gibt es aber weder ausbeutbare Kohlevorkommen, noch große ebene Freiflächen für Wind- und Solarkollektoren, noch Ölpipelines aus Russland und Nahost.

    Ist es da "Hybris" oder schlichte Notwendigkeit, auf die Atomkraft zurückzugreifen, um die weltweit drittgrößte, bis vor kurzem zweitgrößte Volkswirtschaft - schon seit Jahrzehnten größer als Deutschland - mit Energie zu versorgen?

    Ich finde es enttäuschend, aber wenig überraschend, daß die nicht menschengemachte Katastrophe in Japan in den absolutistisch geführten deutschen Kleinkrieg um die Atomkraft hineingezogen wird.

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    schon heute morgen -als noch nichts von dem einen AKW-Problem in den Nachrichten kam, durften selbsternannte Experten das Thema für ihre Anti-Atom-Kampagne mißbrauchen... armseelig!

    wenn solch ein extremer Tsunami zusammen mit einem Erdbeben solch einen Störfall verursachen ist das ein Argument für gar nichts - in einem Industrieland hat das nun einmal Folgen, wenn mehrere Extreme sensible Hochtechnologie treffen, und das eine die Sicherheitsvorkehrungen ausschaltet, die das andere Extrem übrig gelassen hat, kann man daaus wohl kaum einen Vorwurf machen - wenn das mit einer Chemieanlage passiert wäre, gäbe es die selben Folgen...
    ich teile ja die Bedenken bzgl. des Endlagerproblems, aber nun für en laufenden Betrieb solche idelogischen Schlsse zu ziehen, ist reichlich zu kurz gedacht...
    ich will gar nicht wissen, was in manchen Industrien unter bestimmten Zuallsereignissen, die von der WK eigentlich verharmlässigabr wären, so passieren kann - aber das machts dann eh zu kompliziert - sowas passt nicht mehr auf die Demo-Plakate..

    schon heute morgen -als noch nichts von dem einen AKW-Problem in den Nachrichten kam, durften selbsternannte Experten das Thema für ihre Anti-Atom-Kampagne mißbrauchen... armseelig!

    wenn solch ein extremer Tsunami zusammen mit einem Erdbeben solch einen Störfall verursachen ist das ein Argument für gar nichts - in einem Industrieland hat das nun einmal Folgen, wenn mehrere Extreme sensible Hochtechnologie treffen, und das eine die Sicherheitsvorkehrungen ausschaltet, die das andere Extrem übrig gelassen hat, kann man daaus wohl kaum einen Vorwurf machen - wenn das mit einer Chemieanlage passiert wäre, gäbe es die selben Folgen...
    ich teile ja die Bedenken bzgl. des Endlagerproblems, aber nun für en laufenden Betrieb solche idelogischen Schlsse zu ziehen, ist reichlich zu kurz gedacht...
    ich will gar nicht wissen, was in manchen Industrien unter bestimmten Zuallsereignissen, die von der WK eigentlich verharmlässigabr wären, so passieren kann - aber das machts dann eh zu kompliziert - sowas passt nicht mehr auf die Demo-Plakate..

    • tabora
    • 11.03.2011 um 21:14 Uhr

    der Tsunamikatastrophe und den Opfern dabei kommt bei mir eine unheimliche wut hoch.
    In Libyen zerstören die Leute,"im Namen der Demokratie" oder was weiss man schon, ihr Land und in Japan wird das Land von einer Naturkatastrophe verwüstet.
    Gekürzt. Achten Sie auf artikelbezogene Kommentare und auf Sachlichkeit. Danke. Die Redaktion/km

  2. Sie haben Recht.

    Obwohl ich ein überzeugter Gegner, der Energie Gewinnung durch die Atomkraft. Japan hat kaum eine Alternative.

    Japan hat eben auch "Erfahrung" durch Amerikanische Atombomben, mit all den Auswirkungen.

    Thomas Pynchon schreibt: Krieg ist kaufen und verkaufen.

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  3. Es geht um Japan...

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    • tabora
    • 12.03.2011 um 8:34 Uhr

    Ich weiß es. Deshalb ja meine Wut und Unverständnis.

    • tabora
    • 12.03.2011 um 8:34 Uhr

    Ich weiß es. Deshalb ja meine Wut und Unverständnis.

  4. Meiner Meinung nach spricht diese Katastrophe in Fakten und Bildern bereits für sich, ohne dass man Vergleiche biblischen Ausmaßes beschwören muss.

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  5. schon heute morgen -als noch nichts von dem einen AKW-Problem in den Nachrichten kam, durften selbsternannte Experten das Thema für ihre Anti-Atom-Kampagne mißbrauchen... armseelig!

    wenn solch ein extremer Tsunami zusammen mit einem Erdbeben solch einen Störfall verursachen ist das ein Argument für gar nichts - in einem Industrieland hat das nun einmal Folgen, wenn mehrere Extreme sensible Hochtechnologie treffen, und das eine die Sicherheitsvorkehrungen ausschaltet, die das andere Extrem übrig gelassen hat, kann man daaus wohl kaum einen Vorwurf machen - wenn das mit einer Chemieanlage passiert wäre, gäbe es die selben Folgen...
    ich teile ja die Bedenken bzgl. des Endlagerproblems, aber nun für en laufenden Betrieb solche idelogischen Schlsse zu ziehen, ist reichlich zu kurz gedacht...
    ich will gar nicht wissen, was in manchen Industrien unter bestimmten Zuallsereignissen, die von der WK eigentlich verharmlässigabr wären, so passieren kann - aber das machts dann eh zu kompliziert - sowas passt nicht mehr auf die Demo-Plakate..

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    • dacapo
    • 12.03.2011 um 17:53 Uhr

    .......ein Experte. Wenn jemand andere als selbsternannte Experten bezeichnen kann, muss auch einer sein.

    • dacapo
    • 12.03.2011 um 17:53 Uhr

    .......ein Experte. Wenn jemand andere als selbsternannte Experten bezeichnen kann, muss auch einer sein.

  6. ich kenne mich hinsichtlich der Erdbebensichtheit der Gebäude fachlich nicht aus - nur so viel, dass Japan am sichersten gilt hinsichtlich der Bauweise...
    aber warum werden jetzt spekulative Schlüsse gezoen a la
    "Gewiss ist: Hätte das Epizentrum des heutigen Bebens nicht 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt gelegen, sondern im Großraum Tokyo mit den dort lebenden 30 Millionen Menschen – wir hätten eine Jahrhundertkatastrophe zu beklagen."

    das impliziert für mich in diesem Kontext das die Häuser wohl nicht halten würden, warum?
    laut den letzten News ist in ganz Japan nur ein Haus durch das Erdbeben eingestürtzt - die Hauptschäden stammen vom Tsunami - gefolgt von den Bränden... daher wie kommt man nun auf so eine Schlussfolgerung?

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    • LJA
    • 12.03.2011 um 0:31 Uhr

    Zunächst einmal sollte man klar stellen, dass es absolut erdbebensichere Bauten nicht gibt. Zwar kann man mit moderner Technik und einigen Jahrhunderten Erfahrung heutzutage schon einiges erreichen. Aber die Erde schafft es doch immer wieder, uns zu überraschen. Das war zuletzt in Neuseeland zu beobachten, wo ein eher mittelstarkes Beben unerwartete Verwüstungen angerichtet hat, eventuell durch eine Art unterirdischen Echo-Effekt.
    Das Sylvesterbeben von 2004, im Indischen Ozean, hatte vermutlich sogar eine Stärke von 10,0, dass wäre dann noch etwa 10 mal stärker als das jetzt vor Japan registrierte.
    Ein solcher plötzlicher Grabenbruch in unmittelbarer Nähe einer Großstadt wie Tokyo und es hilft eigentlich nur noch beten, auch für Atheisten.
    Das in Japan jetzt durch die eigentliche Bebenaktivität vergleichsweise wenig Schaden entstanden ist, spricht in der Tat für die sicherheitstechnische Qualität der dortigen Architektur. Aber wo letztlich auch bei diesen Gebäuden die Grenze liegt, kann niemand genau sagen. Fest steht nur, es gibt eine und wird sie auch immer geben.

    • LJA
    • 12.03.2011 um 0:31 Uhr

    Zunächst einmal sollte man klar stellen, dass es absolut erdbebensichere Bauten nicht gibt. Zwar kann man mit moderner Technik und einigen Jahrhunderten Erfahrung heutzutage schon einiges erreichen. Aber die Erde schafft es doch immer wieder, uns zu überraschen. Das war zuletzt in Neuseeland zu beobachten, wo ein eher mittelstarkes Beben unerwartete Verwüstungen angerichtet hat, eventuell durch eine Art unterirdischen Echo-Effekt.
    Das Sylvesterbeben von 2004, im Indischen Ozean, hatte vermutlich sogar eine Stärke von 10,0, dass wäre dann noch etwa 10 mal stärker als das jetzt vor Japan registrierte.
    Ein solcher plötzlicher Grabenbruch in unmittelbarer Nähe einer Großstadt wie Tokyo und es hilft eigentlich nur noch beten, auch für Atheisten.
    Das in Japan jetzt durch die eigentliche Bebenaktivität vergleichsweise wenig Schaden entstanden ist, spricht in der Tat für die sicherheitstechnische Qualität der dortigen Architektur. Aber wo letztlich auch bei diesen Gebäuden die Grenze liegt, kann niemand genau sagen. Fest steht nur, es gibt eine und wird sie auch immer geben.

    • LJA
    • 12.03.2011 um 0:31 Uhr

    Zunächst einmal sollte man klar stellen, dass es absolut erdbebensichere Bauten nicht gibt. Zwar kann man mit moderner Technik und einigen Jahrhunderten Erfahrung heutzutage schon einiges erreichen. Aber die Erde schafft es doch immer wieder, uns zu überraschen. Das war zuletzt in Neuseeland zu beobachten, wo ein eher mittelstarkes Beben unerwartete Verwüstungen angerichtet hat, eventuell durch eine Art unterirdischen Echo-Effekt.
    Das Sylvesterbeben von 2004, im Indischen Ozean, hatte vermutlich sogar eine Stärke von 10,0, dass wäre dann noch etwa 10 mal stärker als das jetzt vor Japan registrierte.
    Ein solcher plötzlicher Grabenbruch in unmittelbarer Nähe einer Großstadt wie Tokyo und es hilft eigentlich nur noch beten, auch für Atheisten.
    Das in Japan jetzt durch die eigentliche Bebenaktivität vergleichsweise wenig Schaden entstanden ist, spricht in der Tat für die sicherheitstechnische Qualität der dortigen Architektur. Aber wo letztlich auch bei diesen Gebäuden die Grenze liegt, kann niemand genau sagen. Fest steht nur, es gibt eine und wird sie auch immer geben.

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