Japan Das unendliche Beben
Sie sind abgebrüht, wenn es um Erdbeben geht. Doch diesmal haben die Menschen in Japan Angst. Vor Nachbeben und einer Atomkatastrophe. Von Ines Karschöldgen, Tokyo
Es ist 14:46 Uhr in Tokyo, als ein wunderschöner, sonniger Tag zu Ende geht. Ein Beben erschüttert das Land, wie es hier noch keiner erlebt hat. Am Epizentrum, etwa 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt, zeigen die Seismographen die Stärke 8,8.
Anfangs ist es wie ein seltsames Schwindelgefühl, man versteht nicht, was passiert, bis man die Geräusche hört. Sie kommen von den Gebäuden, dem Mobiliar, das hin und her geworfen wird.
So heftig ist dieses Erdbeben, dass dass sogar das schwere, verstärkt gebaute Sendezentrum des staatlichen Fernsehens NHK in Tokyo wie ein Tanker im Sturm schwankt. Bedrohlich knacken die Stahlträger. Vielen Redakteuren im Newsroom – von Kindesbeinen an gewöhnt an rund eintausend Schwankungen der Erdkruste pro Jahr auf der Inselkette und trainiert, als allererstes Ruhe zu bewahren – steht die Panik ins Gesicht geschrieben.
Und es will nicht enden. Im Gegenteil, das Beben wird stärker, Fernseher kippen um, Regale schwanken. Wer kann, rettet sich unter die noch verbleibenden Plätze unter den Tischen. Dieses Beben ist anders, als alle anderen zuvor – denn es hört nicht auf. Dieses Beben dauert nicht wie üblich eine Minute oder anderthalb, sondern furchtbare drei Minuten. Eine Ewigkeit.
Ist es das, das von Forschern vorausgesagte "Große Beben", das Japan ungefähr alle 70 Jahre trifft? Japans Hauptstadt wurde ausgerechnet an einer Stelle erreichtet, wo vier Erdplatten – die Philippinische, Nordamerikanische, Pazifische und Eurasische Platte – gegeneinander drücken.
- Twitter, Behördenseiten und Livestreams
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Erdbeben- und Wetterdienste: Meteorologischer Dienst Japans, Japanseite des Potsdamer Geoforschungszentrums, Liveübersicht des Geoforschungszentrums über neue Erdstöße,Tsunamiwarnzentrum der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA, Erdbebenvorhersage-Institut Tokyo, Erdbebenerforschungszentrum Tokyo
Reaktorsicherheit: japanische Atomaufsichtsbehörde, internationale Atomenergiebehörde IAEA, Facebookseite der IAEA mit aktuellen Informationen, englischsprachige Seite des AKW-Betreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco)
Nachrichtenblogs: CNN, Wall Street Journal, japanische Nachrichtenagentur Kyodo (auf englisch)
Livestream: öffentlich-rechtlicher japanischer Sender NHK
Notfallinformationen: Informationen über Evakuierungen in der Region Fukushima (englisch), Google "Person Finder" auf japanisch, Google "Person Finder" auf englisch, Google-Seite mit Nachrichten, aber auch Notfallhinweisen und Telefonnummern
Karten und Grafiken: Satellitenfotos vorher/nachher bei der New York Times, interaktive Grafik eines Siedewasserreaktors bei der NYT, Erdbebenrisiko-Karte Japans bei U.S. Geological Survey
Überall laufen Menschen schutzsuchend auf die Straßen, rennen aus der U-Bahn, harren vor den Häusern aus. Und die Erde schwankt weiter, begleitet von einem dumpfen Grollen. Man kann sehen, wie die riesigen Bäume im Tokyoter Yoyogi Park hin- und herschwingen.
Dann der offizielle Hinweis über Lautsprecher: Wer sicher ist, soll bleiben, wo er ist. Dabei wollen alle nur nach Hause. Man versucht, Freunde über das Handy zu erreichen, aber die Verbindungen funktionieren nicht. Festnetzleitungen sind unterbrochen. Züge und U-Bahnen werden automatisch gestoppt – und fallen für Stunden aus. Flugzeuge werden umgeleitet, erst fliegen sie noch wie Perlen aneinandergereiht über den Stadtteil Shibuya; später wird am internationalen Knotenpunkt Narita der Tower evakuiert und der Flugverkehr kommt komplett zum Erliegen.
Tokyo ist von der Außenwelt abgeschnitten, Autobahnen werden gesperrt, denn viele sind auf Stelzen gebaut und einsturzgefährdet. Ganz vereinzelt fahren noch Busse, Taxis sind Mangelware.
- Datum 11.03.2011 - 20:24 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Alles erinnert an die Flutkatastrophe von Indonesien 2006."
Hier ist vermutlich 2004 gemeint.
Korrekt. 2004, nicht 2006. Danke für den Hinweis.
Korrekt. 2004, nicht 2006. Danke für den Hinweis.
oder braucht noch jemand einen Beweis ?
....nicht sicher.
Wir leben über jenen Verhältnissen, die den heutigen Stand unserer Technologie langfristig unterstützen können. So braucht es noch CO2 oder Atom. Was will man machen? Skylla oder Charybdis? Oder wird uns Trittin in die brave neue Welt führen?
Jedenfalls ist ein Atomwerksproblem eine starke Stütze, wenn man grüne Mehrheiten sucht.
....nicht sicher.
Wir leben über jenen Verhältnissen, die den heutigen Stand unserer Technologie langfristig unterstützen können. So braucht es noch CO2 oder Atom. Was will man machen? Skylla oder Charybdis? Oder wird uns Trittin in die brave neue Welt führen?
Jedenfalls ist ein Atomwerksproblem eine starke Stütze, wenn man grüne Mehrheiten sucht.
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag
Das leichtherzige Vertrauen in Atomanlagen in seismographisch aktivem Gebiet hat das japanische Wirtschaftswunder der 70er und 80er doch erst möglich gemacht. Japan ist ein sehr rohstoffarmes und extrem dicht besiedeltes Land, dass seinen Reichtum seiner Ingenieurskunst zu verdanken hat.
Ich hoffe sehr, dass es für dieses leichtferitge Technologie-Vertrauen nicht in den nächsten Stunden noch einen hohen Preis zu zahlen hat.
Im Jahr 25 nach der Challenger-Katastrophe und dem Tschernobyl-GAU erfahren wir einmal mehr, dass es zu 100% beherrschbare Technologien nicht gibt.
Zunächst aufrichtiges Mitgefühl und beste Wünsche für die betroffenen Mitmenschen in Japan.
Mit ihrer Angst vor einer Atomkatastrophe sind sie nicht allein.
Wie sehen das eigentlich unsere Atomlobby und alle, die damit gutes Geld verdienen?
http://www.anti-atom-pira...
Es ist nicht der Moment, auf die Gefahr der Kernkraftnutzung hinzuweisen. Mein Herz ist bei den Menschen in Japan,
die eben noch lebten und jetzt nicht mehr,
die liebe Menschen verloren haben,
die Hab und Gut verloren haben,
die um Menschen, Hab und Gut und ihr Leben fürchten ...
Ich bitte Gott, wieder einmal Einhalt zu gebieten der Natur, der er freien Lauf gegeben hat. Und ich bete, dass die Menschen begreifen: Mit seinem Auftrag, „machet euch die Erde untertan“, hat er nicht gemeint, einander zu unterjochen, sondern uns mit der uns überlegenen Natur zu arrangieren.
Wenn wir es nicht schaffen selber zur Vernunft,zu ein bisschen Demut,zum Maßhalten und weg von der Arroganz des endlosen Wachstums ohne Regeln zu kommen,die Natur wird es schaffen ganz sicher und sei es um den Preis des Endes der Menschheit.
Denn die Natur braucht uns nicht im Gegenteil.
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