Im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-1 mehren sich die Hinweise, dass die Zerstörung voranschreitet. Die Arbeiten an den Reaktorblöcken 1 und 2 mussten unterbrochen werden, nachdem die Arbeiter im Untergeschoss der beiden Gebäude Wasser mit hoher Radioaktivität fanden.

Am Donnerstag waren bereits zwei Arbeiter mit Verbrennungen ins Krankenhaus gekommen, nachdem sie an Reaktor 3 in stark radioaktiv belastetes Wasser getreten waren. Die Betreiberfirma Tepco teilte mit, das Wasser habe einen Radioaktivitätswert von 390.000 Becquerel pro Kubikzentimeter gehabt. Die Männer waren einer Strahlendosis von etwa 170 Millisievert ausgesetzt, wie lange ist unklar. Zum Vergleich: In Deutschland erhält der Mensch im Jahr mit der natürlichen Hintergrundstrahlung eine Dosis zwischen 2 und 5 Millisievert.

Vermutlich seien im Block 3 der Reaktorbehälter oder das Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe beschädigt, berichtete der Betreiber Tepco. Die Atomaufsichtsbehörde Nisa fügte an, das Wasser in dieser Anlage komme wohl eher vom Reaktorkern. Der Reaktor-Behälter selbst, eine Leitung oder ein Ventil könnten zerstört sein. Die Berichte über die hohe Strahlung schürten erneut die Angst vor einer Kernschmelze.

Im Reaktor 3 von Fukushima enthalten die Brennstäbe neben Uran auch Plutonium, ein hochradioaktives, extrem giftiges Schwermetall. Die Nisa forderte Tepco zu einem wirksameren Strahlenschutz auf. "Wir haben Probleme mit dem Strahlenschutz", sagte der Behördensprecher. Das durch die Turbinen geleitete Wasser sei normalerweise nur schwach radioaktiv.

Tepco wiederum gab den verletzten Arbeitern eine Mitschuld an dem Unfall. Sie hätten Strahlenzähler bei sich getragen, den ausgelösten Alarm aber ignoriert, teilte die Firma mit. Die eingesetzten Ingenieure würden nun erneut über die Sicherheitsgefahren informiert. Derzeit arbeiten etwa 300 Ingenieure beinahe rund um die Uhr an den insgesamt sechs Reaktoren, soweit es die Situation zulässt.

Um der Erhitzung der Blöcke 1, 3 und 4 entgegenzuwirken, sollen diese Reaktoren weiter von außen mit Meerwasser gekühlt werden. Bei diesen drei Reaktoren stieg erneut weißer Dampf auf. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der regulären Kühlung sind bislang offenbar kaum vorangekommen. 

Die japanische Regierung ist besorgt, dass die fortgesetzte Kühlung des Atomkraftwerks Fukushima mit Meerwasser von außen die Kernbrennstäbe mit Salz verkrustet, was neue Risiken bedeuten würde. Salzablagerungen an den Brennstäben könnten die Kühlung blockieren. Es sei daher notwendig, sehr schnell die Umstellung auf eine Kühlung mit Süßwasser zu erreichen, sagte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa. Dazu habe die US-Regierung ihre Hilfe angeboten.

Vier der sechs Reaktoren der Atomanlage Fukushima-1 (Daiichi) an der Ostküste Japans. Die Gebäude der Blöcke 1, 3 und 4 sind nach Wasserstoffexplosionen schwer, der des Reaktors 2 leicht beschädigt. Die Sicherheitsbehälter (Containments) von Block 2 und vermutlich auch 3 sind beschädigt. Sie bestehen aus Beton und Stahl und sollen die Druckbehälter mit den radioaktiven Kernbrennstäben von der Umwelt abschirmen. Experten gehen davon aus, dass in allen vier abgebildeten Blöcken eine partielle Kernschmelze bereist stattfinden könnte. In allen Reaktoren (1-6) lagern in Abklingbecken verbrauchte Brennstäbe, die gekühlt werden müssen, um die Freisetzung von Radioaktivität zu verhindern. In den Blöcken 3 und 4 gibt es wohl Lecks in den Pools, deren Wasserstände gering sind. Die Reaktoren 4 bis 6 waren vor dem Beben abgeschaltet und enthalten im Kern des Druckbehälters keine Brennelemente mehr. Nur die die Blöcke 5 und 6 gelten momentan als stabil

Die Probleme der Verstrahlung der Umwelt und die radioaktive Belastung von Lebensmitteln würden sich noch ausweiten, sagte der Umweltwissenschaftler Kentaro Murano von der Hosei-Universität in Tokio dem Fernsehsender NHK. "Die Auswirkungen der Radioaktivität werden noch für einige Zeit andauern." In sechs Präfekturen übersteigt die Jod-131-Belastung des Leitungswassers derzeit den zulässigen Grenzwert. Allerdings schwanken die Werte, eine dauerhafte Belastung lässt sich daraus noch nicht ableiten.