Überschwemmte Häuser in Natori, Nordostjapan © Kyodo/Reuters

Ein Erdbeben der Stärke 8,8 hat die Nordostküste Japans verwüstet und eine Flutwelle ausgelöst, die die Küstengebiete des Pazifiks bedroht.

Das Beben ereignete sich gegen 14.45 Uhr japanischer Ortszeit (6.45 Uhr MEZ). Nach Angaben von Polizei und Behörden hat es Hunderte Tote und Verletzte gegeben. Menschen sind laut Medienberichten durch Erdrutsche verschüttet, viele Menschen sollen ins Meer gespült worden sein, berichtete der japanische Sender HEK.

Fernsehbilder von NHK und von CNN zeigten eine gewaltige Flutwelle, die auf die Ostküste traf. Boote wurden gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült. Nytimes.com zeigt eindrückliche Videos von der Katastrophe.

Ein durch das Beben ausgelöster Zehn-Meter-Tsunami traf den Hafen der Stadt Sendai, berichtet die Agentur Kyodo. Dabei sei die Landebahn des Flughafens überschwemmt worden, Flüsse seien durch einströmendes Meerwasser über die Ufer getreten. Wohngebiete seien überflutet, die Menschen hätten sich auf Häusern in Sicherheit gebracht.

Auch die Küste der südlich von der Stadt Sendai gelegenen Präfektur Fukushima wurde von einem sieben Meter hohen Tsunami überflutet. Die westjapanische Präfektur Wakayama fordere rund 20.000 Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Der Tsunami schwappte auch in die Stadt Natori in der nordostjapanischen Präfektur Tochigi. In Autos und Häusern seien Menschen weggeschwemmt worden. Die örtlichen Behörden seien nicht in der Lage, den Menschen zu Hilfe zu kommen. Die Katastrophe sei so schlimm, dass selbst örtliche Rettungsdienste zusammengebrochen seien.

Auf der nordjapanischen Insel Hokkaido wurden Evakuierungen angeordnet. Die Menschen wurden aufgefordert, sich wegen anhaltender Nachbeben auf öffentlichen Plätzen in Sicherheit zu bringen, um nicht von Trümmern getroffen zu werden.

Die Behörden gaben für die Küstenregion umgehend die höchste Tsunami-Warnstufe aus. Die japanischen Behörden riefen die Menschen an der Küste auf, sich in höher gelegene Gebiete oder in ihren Häusern in die oberen Stockwerke zu begeben. Es könne starke Nachbeben geben.

Das US-Tsunami-Warnzentrum dehnte die Warnung auf praktisch alle Küstengebiete am Pazifik aus. Sie gilt auch für Australien und Südamerika. Die Behörden an der Westküste der USA warnten die Bewohner vor einer Flutwelle, die in etwa sechs Stunden eintreffen könnte. In Neah Bay im US-Staat Washington wird die Welle um 7.18 Uhr Ortszeit (16.18 Uhr MEZ) erwartet.

Tsunami-Warnungen wurden auch in Indonesien, den Philippinen und Taiwan ausgesprochen. Für die Marianen-Inseln wurde eine Evakuierung angeordnet. Die russischen Behörden haben im äußersten Osten des Landes mehr als 10.000 Menschen wegen des drohenden Tsunamis in Sicherheit gebracht.

Der Betrieb des Hochgeschwindigkeitszugs Shinkansen wurde eingestellt. Nach Angaben von Reedern sind zudem alle Häfen in Japan geschlossen worden.