Atomkrise in Japan : Tepco missachtete Tsunami-Warnung

Ein japanischer Forscher hat bereits 2009 gewarnt, dass das AKW Fukushima-1 in einer Tsunami-Region liege und gefährdet sei. Tepco wiegelte laut Sitzungsprotokoll ab.
Der Tsunami durchbricht einen Damm und überflutet die Stadt Miyako in der Präfektur Iwate © Jiji Press/AFP/Getty Images

Bereits vor zwei Jahren hat ein japanischer Forscher die Betreiberfirma des AKW Fukushima-1 auf eine massive Gefährdung des Kraftwerks durch einen Tsunami hingewiesen. Tepco nahm die Warnung jedoch nicht Ernst – im Gegenteil. Die Firma versicherte, dass die Anlage flexibel und erdbebensicher gebaut sei. Das berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag (Ortszeit).

Weiter habe Tepco sogar deutlich gemacht, dass der Hinweis auf mögliche Erdbebenschäden, ein Mangel an ausreichenden Informationen sei, sagt der Forscher Yukinobu Okamura, Leiter des Active Fault and Earthquake Research Centers in Japan. Unterstützt wird seine Aussage von den Unterlagen des japanischen Regierungsrats, bei dem er sein Anliegen 2009 vorgetragen hatte.

"Es sollte umfangreiche Flexibilität geben, wenn es um die Sicherheit eines Atomkraftwerks geht", sagte Okamura am Samstag. "Es ist eine komische Einstellung, ungewisse Aspekte nicht mitzuberücksichtigen."

Vier der sechs Reaktoren der Atomanlage Fukushima-1 (Daiichi) an der Ostküste Japans. Die Gebäude der Blöcke 1, 3 und 4 sind nach Wasserstoffexplosionen schwer, der des Reaktors 2 leicht beschädigt. Die Sicherheitsbehälter (Containments) von Block 2 und vermutlich auch 3 sind beschädigt. Sie bestehen aus Beton und Stahl und sollen die Druckbehälter mit den radioaktiven Kernbrennstäben von der Umwelt abschirmen. Experten gehen davon aus, dass in allen vier abgebildeten Blöcken eine partielle Kernschmelze bereist stattfinden könnte. In allen Reaktoren (1-6) lagern in Abklingbecken verbrauchte Brennstäbe, die gekühlt werden müssen, um die Freisetzung von Radioaktivität zu verhindern. In den Blöcken 3 und 4 gibt es wohl Lecks in den Pools, deren Wasserstände gering sind. Die Reaktoren 4 bis 6 waren vor dem Beben abgeschaltet und enthalten im Kern des Druckbehälters keine Brennelemente mehr. Nur die die Blöcke 5 und 6 gelten momentan als stabil

Okamuras Warnungen vor einem massiven Tsunami basieren auf einer Studie, die er im Jahr 2004 durchgeführt hatte. Er untersuchte Spuren, die angeblich auf einen großen Tsunami im Jahr 869 hindeuteten. Nach einem Erdbeben der Stärke 8.3 im Nordosten Japans soll die Riesenwelle angeblich um die 1000 Leute weggeschwemmt haben.

Der japanische Forscher hat herausgefunden, dass weite Bereiche der Küstenregionen im Nordosten Japans von dem Tsunami betroffen waren. Vom nördlich gelegenen Ishinomaki in der Präfektur Miyagi bis hin zur südlich gelegenen Stadt Namie in der Präfektur Fukushima. In der Nähe steht heute das AKW Fukushima-1. Drei bis vier Kilometer des Inlands seien von Wassermassen überflutet worden, so Okamuras Ergebnis.

Der Tsunami vom 11. März 2011 hat eine Fläche von rund 470 Quadratkilometern entlang der Küste überflutet. Das berichtete der Nachrichtensender NHK World und beruft sich dabei auf die japanische Geodaten-Firma Pasco, die dafür Satellitendaten ausgewertet hatte. Besonders betroffen waren demnach die Küste der Präfektur Miyagi (300 Quadratkilometer) sowie die Präfektur Fukushima (110 Quadratkilometer betroffen). In der Präfektur Iwate überrollten das Wasser entlang der Küste 50 Quadratkilometer.

Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem dadurch ausgelösten Tsunami am 11. März kamen nach offiziellen Angaben mindestens 10.102 Menschen ums Leben. 17.053 gelten immer noch als vermisst.

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Kommentare

50 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Ich bin definitiv kein Freund der Atomkraft,

und ein erklärter Gegner der Betreiber. Dennoch: was soll diese alberne Meldung,
"japanische Forscher haben bereits 2009 vor einem starken Tsunami / Erdbeben
gewarnt" ? Na und ? Hätten die smarten Kerlchen vor 30 Jahren mal ihre Klappen
ordentlich aufgerissen und gebrüllt " Zu gefährlich!"
Dann wäre es erst gar nicht hierzu gekommen. Sich aber nach 30 Jahren Reaktorbetrieb
hinzustellen und vor etwas zu warnen, das für Japan als selbstverständlich angenommen
werden kann, das ist grotesk.
Was erwarten die Burschen eigentlich? Daß die Betreiber ihre 6 Atomreaktoren unter die
Achsel klemmen, damit landeinwärts marschieren und sie dort, in erdbebensicherm Gebiet, wieder aufstellen?
Oder dass die Betreiber ihre 6 atomgetriebenen Gelddruckmaschinen für Millionen von Yen erdbebensicherer machen? Vermutlich ist es das , was den unterschied zwischen
einem Forscher und einem Realisten ausmacht: zu wissen, dass diese Gierhälse erst
in Security investieren, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt.

Ich vermute mal,

daß diese Meldung ein Teil der Veröffentlichungen über Tepco ist, den diese natürlich am liebsten geheimhalten wollten; schon früher wurden ja Protokolle gefälscht. Mit Sicherheit wollte Tepco diese damalige Warnung unter den Tisch fallen lassen. Jetzt ist eben herausgekommen, daß es Warnungen gab. Die Informationspolitik in Japan läßt zu wünschen übrig; deshalb ist es wichtig, zu erfahren, welche Warnungen vorlagen oder eben nicht, schon allein deswegen, damit Tepco nicht hinterher sich damit herausreden kann, diese Warnungen hätten nie vorgelegen.

Auch bei uns gibt es Warnungen

Es gibt eine Parallele und einen großen Unterschied zwischen Japan und Deutschland.

1. Die Parallele:

Innerhalb weniger Wochen gab es in der Umgebung von Mainz und nordwestlich von Frankfurt zwei Erdbeben, beide waren deutlich spürbar. In Biblis, etwas südlich von Frankfurt, steht ein altes AKW.
Am Rhein etwa gegenüber von Freiburg, steht einer der ältesten französischen Reaktoren, dort, wo am Rheingraben die seismische Aktivität schön hoch ist.
Auch bei uns gibt es also Warnungen, die ignoriert werden.

2. Der große Unterschied zwischen Japan und Deutschland:

Wenn hierzulande etwas passiert haben wir nicht das Glück, daß der Wind die radioaktiven Stoffe meist auf das offene Meer hinausweht. Auch gibt es kein Meer, das das radioaktive Wasser aus den Reaktoren verdünnt. Bei uns wäre im Beispielfall Biblis der Rhein betroffen.

Bei uns würde ein solcher Unfall große Regionen der Bundesrepublik unbewohnbar machen. Ziehen Sie einfach mal einen Kreis von 200 Kilometer um das AKW Biblis: der reicht von Basel über Ulm, Jena, Belefeld, Düsseldorf bis nach Luxemburg.

Also, wie "billig" ist Atomstrom, wenn man dieses Gebiet dafür aufgeben müßte? Wie teuer wären alle Gebäude, Äcker, Strassen, Wälder in diesem Gebiet?

Wundert es da noch, daß die deutschen AKW-Betreiber gegen einen solchen Unfall NICHT VERSICHERT sind?

AKWs unversichert - darum jetzt Atomhaftpflicht fordern!

Weltweit findet sich keine Versicherung, die das Risiko von Atomkraftwerken als versicherbar einschaetzt und zu uebernehmen bereit ist!

Man ueberlege sich mal, die gefaehrlichste Technologie unseres Landes unversichert - und die Regierung will es als 'sicher' verkaufen, wenn der Buerger noch selbst fuer seine Verstrahlung und die seiner Kinder bezahlen muss, nachdem die Energieriesen die Millionenprofite nach Hause gebracht haben.

www.atomhaftpflicht.de

ganze japanische Küstenregion unversichert

Gegen Tsunami gibt es nämlich keine Versicherung.

Natürlich können Sie fordern, daß sich die Menschen in den Küstengebieten - weltweit - gegen 14m Tsunamis versichern müssen.

Das würde allerdings in Japan zu einem erhöhten Preis für Noriblätter ( das grüne Papier für die ekligen Fischröllchen mit Klebreis ), in der Bretagne zur Aufgabe der Austern- und Miesmuschelzucht und von Ostfriesland bis Husum zu einer Umsiedlung von ca 5 Millionen Menschen führen.

Aus Versicherungsgründen.

Frank Schätzing ( "Der Schwarm" ) hat in seinem Buch ja bereits die Auswirkungen eines Nordseetsunamis durch abrutschende Kontinentalhänge aufgrund Methanhydratverflüssigung beschrieben.

Die derzeitigen Versicherungsprämien an der der deutschen Küste sind deshalb extrem unterbewertet.

Millionen-, wenn nicht Milliardenprofite durch Unterversicherung streichen die Bewohner von Bremen, Wilhelmshafen, Hamburg und der im Grunde nur noch fiktiv vorhandenen norddeutschen Tiefebene Jahr für Jahr ein.

Und die Regierung verkauft einen Bauplatz in Cuxhaven als "sicher"...

Unglaublich.

Atomstrom ist ersetzbar, nur Mut

Atomstrom ist seit Jahren ersetzbar und das sehr preiswert.
Es wird mit der Angst gearbeitet, aber wer wartet die Netze nicht? Wer will mehr Einnahmen?

Jeder Betrieb, Kommune, Hausbesitzer kann Energie mit BHKW, Wind, Solar, Biomasse erzeugen , das ist nicht verboten, auch nur zur Eigenversorgung.
Es ist auch ohne EEG rentabel.
Atomstrom kann sofort in Schritten ersetzt werden.
Hundert Tausende Kleinlösungen von 2 KW bis 2 MW immer an den Stellen, wo Energie verbraucht wird, könnte nicht nur die Netze entlasten, sondern würde für Versorgungssicherheit sorgen.
Technik, Steuerung, alles seit über 100 Jahren bekannt.
Die Gier nach Profit und Boni, lässt die Preise steigen.

Ein Kraftwerk für Kraftwerksstrom kostet ca 1000 €/ KW zzgl. Netzausbau, etc.
Atomkraftwerk für Atomstrom kostet ca.3.300 €/KW (Finnland)

Ein BHKW 30 - 100 KW für Erdgas im Kleinformat kostet ab

400 € / KW, je nach Ausstattung, ohne Netzausbau, preiswerter als Windanlagen.

Warum rechnet kein Betrieb oder Kommune die Eigenversorgung, liegt das an den gesellschaftlichen Verknüpfungen?
Es wird nur gejammert.

Energifuchs

Ist doch bei uns genauso

Alles sicher...

Es besteht überhaupt kein Anlass zur Sorge...

Es hat zu keiner Zeit irgendeine Gefahr für... bestanden...

Das konnte keiner Ahnen...

Das haben wir nicht berücksichtigt...

Am Ende badet das die gutgläubige Bevölkerung aus.

Mal ehrlich: Machen wir nicht ganz gerne auch die Augen zu?
Wird schon gut gehen...

der Gau ist nicht wirklich überraschend

Bereits 2008 kritisierte Taro Kono,Mitglied des japanischen Abgeordnetenhaus bei einem geheimen Treffen die Bürokratie und die Stromunternehmen Japans und die Fortsetzung einer veralteten Kernenergie Strategie.Japans Behörden sind die Sicherheitsprobleme der AKW`s seit Jahren bekannt und wurden ignoriert.Nun entschuldigen sich Betreiber und die Regierung kocht ein warmes Süppchen auf kleiner Flamme.
Eine Depesche mit Informationen darüber, das der Super-GAU einer japanischen Kernkraftanlage keinesfalls eine Überraschung sondern zu 99,99%sicher zu erwarten war, gibt es bei WIKILEAKS unter - www.213.251.145.96/cable - in der Depesche vom 15.03.2011 zu lesen.