Großbritannien Die Monarchie hält uns klein
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 Wie viel Macht hat die britische Monarchie?

Es wird viel Aufhebens über Kate Middletons angeblich normale Herkunft gemacht. Ihre vermeintlich normale Herkunft ist aber Teil eines Märchens. Ihre Eltern sind Multimillionäre und gehören zum obersten halben Prozent der britischen Wohlstandspyramide.

Kate Middleton hat einst das Marlborough College besucht, eine exklusive Privatschule, auf der zum Beispiel auch Samantha Cameron war, die Frau von Premierminister David Cameron und Tochter eines Ritters, ebenso wie Francis Osborn, die Frau des britischen Schatzkanzlers und Tochter eines Barons.

Prinz William hat seine Braut aus einer sehr kleinen Elite ausgewählt. Auch dass Kates Eltern ihren Reichtum als Unternehmer erarbeitet haben, ist nichts Besonderes. Die britische Aristokratie war schon immer gut darin, sich mit frischem Geld zu versorgen.

Internationale Beobachter fragen sich oft, wie viel Macht die britische Monarchie noch ausübt. Ihre politische Macht ist minimal. Als Prinz Charles sich in politische Diskussionen über Umweltschutz und Architektur einmischte und anfing, wütende Briefe an Minister zu schreiben, sank seine Beliebtheit dramatisch. Die Queen, die im kommenden Jahr ihr 60. Thronjubiläum feiert, hat ihre konservativen Gedanken immer schön für sich behalten.

Die Monarchie und ihre Rituale haben uns zu schlechten Europäern gemacht.

Polly Toynbee

Der kulturelle Einfluss, den die Monarchie ausübt, ist jedoch immens. Feudal geprägte Gedanken und Fantasien sind tief in der Psyche der Briten verwurzelt. Der Mensch, ein Untertan. Kein gleichberechtigter Bürger einer Republik. Wir sind ein Staat, in dessen House of Lords, dem Oberhaus des Parlaments, immer noch 92 Mitglieder ihren Sitz ererbt haben und dort handfeste politische Macht ausüben, gemeinsam mit 26 Bischöfen der Kirche von England. Nicht gewählte Gesetzgeber mit beachtlichem Einfluss.

Für Außenseiter mag das schrullig oder romantisch wirken, auf uns Briten hat es jedoch eine tiefgreifende und emotional infantilisierende Wirkung. Der Anblick der Queen, die jedes Jahr die neue Sitzungsperiode des Parlaments mit einer Rede eröffnet, in der sie auflistet, was – so wörtlich – "ihre Regierung" zu tun gedenkt, zerrt an uns, zieht uns zurück in die Geschichte, zurück in die Ära des Empires und eine Welt größtenteils fingierter nationaler Mythen.

Die Monarchie und ihre Rituale haben uns zu schlechten Europäern gemacht, übermäßig fixiert auf unsere Souveränität und verirrt in einem mystischen Glauben an unsere Ausnahmestellung als eine Nation, die nie erobert wurde. Die europäischen Staaten, die im vergangenen Jahrhundert das Chaos von Invasion, Besetzung, Eroberung und Niederlage erlitten haben, haben es geschafft, etwas Neues zu beginnen, neue demokratische Identitäten für sich zu finden und mit ihrer Vergangenheit zu brechen. Großbritannien hat das nicht getan. Die Monarchie ist kein Symbol des Wandels.

Ist die Monarchie dann wenigstens gut für den Tourismus? Andere Länder bewahren das schöne Erbe ihrer Städte, ihrer Gebäude und ihrer Kunstwerke auch ohne königlich-menschliche Relikte in ihrer Mitte beherbergen zu müssen.

In den entscheidenden Nachkriegsjahren hat die Monarchie als Überbleibsel des Feudalismus einen tiefen Graben zwischen den Arbeitern und dem Management der britischen Industrie gerissen.

Während Deutschland seine industrielle Macht in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften entwickelte, ging Großbritanniens industrielle Macht an Klassenkämpfen zugrunde und an Managern, die sich an veralteten Methoden festklammerten. Großbritanniens Nachkriegskultur erlaubte keine grundlegende Modernisierung. 

Heute haben wir eine reformbedürftige Verfassung ohne proportionale Vertretung der Bürger und mit einem reinen Mehrheitswahlrecht, das keinen Anreiz für politische Zusammenarbeit bietet. Ein ohnehin zaghaftes Referendum über eine geringfügige Änderung unseres Wahlsystems wird in der kommenden Woche höchstwahrscheinlich so enden, dass keine Änderungen vorgenommen werden. Die Gründe dafür sind kompliziert und widersprüchlich.

Es ist sonderbar, die Menschen sind voller Verachtung für die Politik und wütend über das wachsende Gefühl, machtlos zu sein und trotzdem werden sie die Gelegenheit verstreichen lassen, das britische Wahlsystem mit etwas mehr Freiheit zu versehen. Ein bitterer Zynismus, der tief verwurzelt ist.

Ja, am heutigen Freitag werden also Tänze, Tränen der Rührung und Jubel in unseren Straßen zu sehen sein. Die große Mehrheit der Briten wird diese Hochzeit aber nicht berühren. Es werden zwei distanzierte Figuren aus einer vergoldeten Kutsche winken, während so viele andere im Strudel der Wirtschaftskrise ertrinken. Und wird Elizabeth deshalb die letzte Königin sein? Höchstwahrscheinlich nicht.

Übersetzung: Wolfgang Blau

 
Leser-Kommentare
  1. ....sehr gut geschrieben, teilweise mit britischem "understatement".

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    • joG
    • 29.04.2011 um 11:50 Uhr

    ....erträglicher Artikel. Allerdings der Monarchie die verhältnismäßig geringe gesellschaftliche Mobilität vorzuwerfen scheint falsch informiert, sind doch mehrere der Länder mit Monarchien auch jene Industrieländer mit den besten Werten für diese Indizes.

    • joG
    • 29.04.2011 um 11:50 Uhr

    ....erträglicher Artikel. Allerdings der Monarchie die verhältnismäßig geringe gesellschaftliche Mobilität vorzuwerfen scheint falsch informiert, sind doch mehrere der Länder mit Monarchien auch jene Industrieländer mit den besten Werten für diese Indizes.

  2. ...diesen Kommentar!

    Ein sehr kluge Einschätzung der Bedeutung der Monarchie, die auch uns in Deutschland zu denken geben sollte, denn es gab auch hier mal einen Verteidigungsminister, der hochwohlgeboren durch seine Herkunft an einer Uni durchgewinkt wurde mit einem Abschiedskuss in summa cum laude. Frenetische Anhänger, die unkritisch an ihrem Idol festgehalten haben und eine Yellow-Press, die den Baron speichelleckend empogehoben hat.
    Es scheint in der Bevölkerung jedes europäischen Landes wohl zwei Lager zu geben; die einen, die es romantisch empfinden, das blaues Blut Entscheidungsmacht hat und dann die, die es kritisch sehen, wenn die Herkunft und das Geburtsrecht das non plus ultra sein sollte.

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    • 2b
    • 29.04.2011 um 14:49 Uhr

    welche OrganisationsForm sich eine Gemeinschaft gibt, ist dann wohl eher eine Frage des Zeitalters???

    Vorbilder werden die Menschen eher in denen erkennen, welche die Ressourcen zum Wohl und zur Verbesserung der Lebensbedingungen (auch) der Unterversorgten einsetzen - als Ausgleich und im Dank für die erfolgte Unterstützung???

    Und mit Einblicken in zukünftige Wege wird man wohl Menschen nachhaltiger (und beiderseits angenehmer) erreichen können, als durch Abhängigkeiten welche noch mehr Fesseln anlegen sollen???

    ... in guten wie in schlechen Zeiten ...
    (worauf sollte man sich stärker vorbereiten???)

    • 2b
    • 29.04.2011 um 14:49 Uhr

    welche OrganisationsForm sich eine Gemeinschaft gibt, ist dann wohl eher eine Frage des Zeitalters???

    Vorbilder werden die Menschen eher in denen erkennen, welche die Ressourcen zum Wohl und zur Verbesserung der Lebensbedingungen (auch) der Unterversorgten einsetzen - als Ausgleich und im Dank für die erfolgte Unterstützung???

    Und mit Einblicken in zukünftige Wege wird man wohl Menschen nachhaltiger (und beiderseits angenehmer) erreichen können, als durch Abhängigkeiten welche noch mehr Fesseln anlegen sollen???

    ... in guten wie in schlechen Zeiten ...
    (worauf sollte man sich stärker vorbereiten???)

  3. Nett, dass Sie uns das alles so schön breit erklären. Allerdings keine neue Infos für Festlandeuropäer (zumindest für den Durchschnittszeitleser). Aufklärung tut eher bei ihren Mitbürgern Not. Und wenn Sie diese angehen mögen, dann bitte auch mal hinterfragen, ob man der Europäischen Gemeinschaft als ständiger und klebriger Bremsklotz gut tut...

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    • Buh
    • 29.04.2011 um 6:56 Uhr

    bei Illner, Lanz oder im Nachtstudio ect., könnte man meinen, dass die Deutschen nichts gegen eine Monarchie hätten. In den Öffentlich rechtlichen wird geradezu dafür geworben. Man läd Klatschblatt-Vertreter und Adelige ein, die dann erklären wie wichtig für das Herz des Volkes Adelige und ihre Werte sind.

    Von daher ist es vielleicht garnicht so irrelevant, dass eine Engländerin einer eventuell der Gefahr der Verklärung unterliegenden Monarchie in einem Artikel die Leviten liest.

    Vielleicht bin ich da seit meiner Jugend zu wenig der Obrigkeit zugeneigt, um diese Gefahr zu erkennen. Danke für den Hinweis. Sollte dem so sein: Erbärmliche Talkshows. Und wieder zeigt sich die fehlende Kontrolle der medialen Gewalt.

    Die Sache mit dem "Bremsklotz der Europäischen Union" hat die Autorin durchaus in ihrem Artikel angerissen, auch wenn sie nicht genauer darauf eingegangen ist, in diesem Artikel geht es schließlich um etwas anderes.

    Zitat aus dem Artikel:
    "Die Monarchie und ihre Rituale haben uns zu schlechten Europäern gemacht, übermäßig fixiert auf unsere Souveränität und verirrt in einem mystischen Glauben an unsere Ausnahmestellung als eine Nation, die nie erobert wurde."

    • Buh
    • 29.04.2011 um 6:56 Uhr

    bei Illner, Lanz oder im Nachtstudio ect., könnte man meinen, dass die Deutschen nichts gegen eine Monarchie hätten. In den Öffentlich rechtlichen wird geradezu dafür geworben. Man läd Klatschblatt-Vertreter und Adelige ein, die dann erklären wie wichtig für das Herz des Volkes Adelige und ihre Werte sind.

    Von daher ist es vielleicht garnicht so irrelevant, dass eine Engländerin einer eventuell der Gefahr der Verklärung unterliegenden Monarchie in einem Artikel die Leviten liest.

    Vielleicht bin ich da seit meiner Jugend zu wenig der Obrigkeit zugeneigt, um diese Gefahr zu erkennen. Danke für den Hinweis. Sollte dem so sein: Erbärmliche Talkshows. Und wieder zeigt sich die fehlende Kontrolle der medialen Gewalt.

    Die Sache mit dem "Bremsklotz der Europäischen Union" hat die Autorin durchaus in ihrem Artikel angerissen, auch wenn sie nicht genauer darauf eingegangen ist, in diesem Artikel geht es schließlich um etwas anderes.

    Zitat aus dem Artikel:
    "Die Monarchie und ihre Rituale haben uns zu schlechten Europäern gemacht, übermäßig fixiert auf unsere Souveränität und verirrt in einem mystischen Glauben an unsere Ausnahmestellung als eine Nation, die nie erobert wurde."

  4. Der Spruch "Realität ist eine Illusion, die durch den Mangel an Alkohol verursacht wird" wird mir immer erklärlicher. Was, zum Teufel, veranlasst ARD und ZDF parallel GEZ-Gebührengelder dafür zu verschwenden, nur um stundenlang diese völlig belanglose Hochzeit zu übertragen?

    Wen interessiert das überhaupt?

    Ich bin relativ fassungslos. Es passiert ja derzeit auf der Welt wirklich sonst nichts wichtigeres, als diese alberne Hochzeit.

    53 Leser-Empfehlungen
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    • hermse
    • 29.04.2011 um 8:23 Uhr

    Mich interessiert diese Hochzeit auch wirklich in keinster Weise, aber ich denke in der Zielgruppe die sich zu dieser Tageszeit vor den Fernseher setzten kann, ist das eine logische Sache.

    Jeder "normale" Mensch arbeitet um diese Zeit und deswegen kann es ihm völlig egal sein was da in der Glotze kommt. Und bei den Rentnern gibt es ganz bestimmt eine Menge die das sehen wollen.

    Also von der Senderlogik aus ist das ok.

    Man muss auch gönnen können.

    Irgendwie wird der ständige Verweis auf GEZ Gebühren und dass auf der Welt wichtigers passiert langweilig. Erstens interessiert es mich relativ wenig, ob morgens nun "Rote Rosen", "Reich und schön" oder die Hochzeit von William und Kate gezeigt wird. Das ist für mich eine Sauce, nur dass das eine Fiktion ist und das andere Realität. Das Programm im Vormittagsbereich und frühen Nachmittagsbereich ist relativ flach, aber auch das ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Es gibt Menschen, die finden die Hochzeit von William und Kate schön. Erst gestern hat auf D-Radiokultur einen Höhrerin gesagt, die sie es als angenehme Wohltat empfindet, dass mal nicht über Lybien, Fukuchima oder Alabama berichtet wird. Und ja, ich finde, der Mensch hat ein Recht darauf, auch mal für ein paar Stunden von Katastrophen verschont zu bleiben. Denn unsere mediale Dauerberieselung erweckt den Eindruck, es gäbe nur Kriege, Atomunfälle und Umweltkatastrophen. Die gibt es, sie sind berichtenswert, sollten uns aber nicht die Freude an Nebensächlichkeiten im Leben rauben. Ich werde die Hochzeit nicht schauen, weil sie mir egal ist. Mir ist das Leben von Promis in aller Regel total egal, mein Leben ist denen nämlich auch total egal. Aber ich gestehe es den Menschen zu, dass sie die Hochzeit schauen und sich für ein paar Stunden in eine Traumwelt verabschieden. Meinetwegen auch auf Kosten der Gebührenzahler. Wenn sie dadurch einen guten Tag hatten, soll mir das Recht sein.

    >>> Was, zum Teufel, veranlasst ARD und ZDF parallel GEZ-Gebührengelder dafür zu verschwenden, nur um stundenlang diese völlig belanglose Hochzeit zu übertragen?

    Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten senden nicht nach Ihrem Gusto sondern nach Bedarf, der in Einschaltquotne gemessen wird. Lady Di, Kate & William und Fussball-WM haben die mit Abstand grössten Zuschauerzahlen. Wir sind schon viel näher am "spätdekandenten römischen Reich" als viele glauben wollen (Wer spielt die modernen Goten? Ackermann & Co oder doch der Maghreb vor Lampedusa)

    • hermse
    • 29.04.2011 um 8:23 Uhr

    Mich interessiert diese Hochzeit auch wirklich in keinster Weise, aber ich denke in der Zielgruppe die sich zu dieser Tageszeit vor den Fernseher setzten kann, ist das eine logische Sache.

    Jeder "normale" Mensch arbeitet um diese Zeit und deswegen kann es ihm völlig egal sein was da in der Glotze kommt. Und bei den Rentnern gibt es ganz bestimmt eine Menge die das sehen wollen.

    Also von der Senderlogik aus ist das ok.

    Man muss auch gönnen können.

    Irgendwie wird der ständige Verweis auf GEZ Gebühren und dass auf der Welt wichtigers passiert langweilig. Erstens interessiert es mich relativ wenig, ob morgens nun "Rote Rosen", "Reich und schön" oder die Hochzeit von William und Kate gezeigt wird. Das ist für mich eine Sauce, nur dass das eine Fiktion ist und das andere Realität. Das Programm im Vormittagsbereich und frühen Nachmittagsbereich ist relativ flach, aber auch das ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Es gibt Menschen, die finden die Hochzeit von William und Kate schön. Erst gestern hat auf D-Radiokultur einen Höhrerin gesagt, die sie es als angenehme Wohltat empfindet, dass mal nicht über Lybien, Fukuchima oder Alabama berichtet wird. Und ja, ich finde, der Mensch hat ein Recht darauf, auch mal für ein paar Stunden von Katastrophen verschont zu bleiben. Denn unsere mediale Dauerberieselung erweckt den Eindruck, es gäbe nur Kriege, Atomunfälle und Umweltkatastrophen. Die gibt es, sie sind berichtenswert, sollten uns aber nicht die Freude an Nebensächlichkeiten im Leben rauben. Ich werde die Hochzeit nicht schauen, weil sie mir egal ist. Mir ist das Leben von Promis in aller Regel total egal, mein Leben ist denen nämlich auch total egal. Aber ich gestehe es den Menschen zu, dass sie die Hochzeit schauen und sich für ein paar Stunden in eine Traumwelt verabschieden. Meinetwegen auch auf Kosten der Gebührenzahler. Wenn sie dadurch einen guten Tag hatten, soll mir das Recht sein.

    >>> Was, zum Teufel, veranlasst ARD und ZDF parallel GEZ-Gebührengelder dafür zu verschwenden, nur um stundenlang diese völlig belanglose Hochzeit zu übertragen?

    Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten senden nicht nach Ihrem Gusto sondern nach Bedarf, der in Einschaltquotne gemessen wird. Lady Di, Kate & William und Fussball-WM haben die mit Abstand grössten Zuschauerzahlen. Wir sind schon viel näher am "spätdekandenten römischen Reich" als viele glauben wollen (Wer spielt die modernen Goten? Ackermann & Co oder doch der Maghreb vor Lampedusa)

    • Buh
    • 29.04.2011 um 6:52 Uhr

    diesen Artikel als Bereicherung. Einen Blick eines Ausländers auf ein Thema, dass hier Zuhause so verklärt wird. Den Blick kann ich als generell Monarchie-kritischer Mensch sehr gut nachvollziehen.

    Da ich auch bereits häufiger in England war, und zwar in Essex, weiß ich, dass die Bemerkung im Kommentar, das Einkommen der Menschen würde sinken, sehr bestätigen. Ich war geradezu erschrocken in welchen Verhältnissen meine Gastfamilie in Essex gelebt hat, obwohl beide Eltern studiert haben und ein Elternteil Lehrerin war. Es war ein kleines Backsteinhaus in einer tristen Siedlung. Die Zimmer winzig und das Haus verschachtelt. 4 Kinder mussten sich zwei kleine Zimmerchen teilen.

    Ich verglich das mit dem Haus meiner damaligen Lehrerin in Deutschland. Es war eine andere Welt auf der wir, meiner Meinung nach aufgrund konservativer Politik, auch zurasen.

    @ZeitOnline: Mich interessiert immer ungemein der Blick von im Ausland leben Ausländern auf Themen, die Deutschland beschäftigen. Solche Ansichten würde ich gerne öfter lesen!

    28 Leser-Empfehlungen
    • Buh
    • 29.04.2011 um 6:56 Uhr

    bei Illner, Lanz oder im Nachtstudio ect., könnte man meinen, dass die Deutschen nichts gegen eine Monarchie hätten. In den Öffentlich rechtlichen wird geradezu dafür geworben. Man läd Klatschblatt-Vertreter und Adelige ein, die dann erklären wie wichtig für das Herz des Volkes Adelige und ihre Werte sind.

    Von daher ist es vielleicht garnicht so irrelevant, dass eine Engländerin einer eventuell der Gefahr der Verklärung unterliegenden Monarchie in einem Artikel die Leviten liest.

    12 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "london calling"
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    """6. Nach den Fernsehdiskussionen bei Illner, Lanz oder im Nachtstudio ect., könnte man meinen, dass die Deutschen nichts gegen eine Monarchie hätten. In den Öffentlich rechtlichen wird geradezu dafür geworben. Man läd Klatschblatt-Vertreter und Adelige ein, die dann erklären wie wichtig für das Herz des Volkes Adelige und ihre Werte sind. """

    Das ist die unselige, die bedrohliche, die gefährliche ideologische Meinungsmanipulation durch die Medien.

    Wenn Sie von Lanz, Illner etc. sprechen, dann sprechen sie zusätzlich auch noch von den Medien der Zwangsgeebührenzahler, welchen die Bezahlung solcher Sendungen zwangsweise abgepreßt wird.

    Die Öffentlich Rechtlichen sind aber per Verfassung zu einem ausgewogenen Sendeinhalt verpflichtet. In keiner dieser Sendungen fand sich ein Kritiker der Monarchie. Nur solche, welche die Wünsche der Öffent Recht Sender mit Hosiannah begrüßen.

    Das ist aber den Öffent Rechtlichen Sendern nicht erlaubt. Sie müssten also zu solchen Diskussionsrunden nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker einladen, wenn sie dem Programmauftrag überhaupt gerecht werden wollen.

    Insofern wäre es schon seit Jahren angezeigt, dass die Öffent Rechtlichen alle ihre Sendungen codieren, dann Kunden werben, welche die ÖR sehen wollen und diesen einen Decoder geben.
    Nur das wäre eine faire Lösung.

    """6. Nach den Fernsehdiskussionen bei Illner, Lanz oder im Nachtstudio ect., könnte man meinen, dass die Deutschen nichts gegen eine Monarchie hätten. In den Öffentlich rechtlichen wird geradezu dafür geworben. Man läd Klatschblatt-Vertreter und Adelige ein, die dann erklären wie wichtig für das Herz des Volkes Adelige und ihre Werte sind. """

    Das ist die unselige, die bedrohliche, die gefährliche ideologische Meinungsmanipulation durch die Medien.

    Wenn Sie von Lanz, Illner etc. sprechen, dann sprechen sie zusätzlich auch noch von den Medien der Zwangsgeebührenzahler, welchen die Bezahlung solcher Sendungen zwangsweise abgepreßt wird.

    Die Öffentlich Rechtlichen sind aber per Verfassung zu einem ausgewogenen Sendeinhalt verpflichtet. In keiner dieser Sendungen fand sich ein Kritiker der Monarchie. Nur solche, welche die Wünsche der Öffent Recht Sender mit Hosiannah begrüßen.

    Das ist aber den Öffent Rechtlichen Sendern nicht erlaubt. Sie müssten also zu solchen Diskussionsrunden nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker einladen, wenn sie dem Programmauftrag überhaupt gerecht werden wollen.

    Insofern wäre es schon seit Jahren angezeigt, dass die Öffent Rechtlichen alle ihre Sendungen codieren, dann Kunden werben, welche die ÖR sehen wollen und diesen einen Decoder geben.
    Nur das wäre eine faire Lösung.

    • Chali
    • 29.04.2011 um 7:01 Uhr

    "Politiker genießen in Großbritannien sogar noch weniger Respekt als Journalisten."

    In Ihrem Falle abere zu Unrecht, liebe Frau Toynbee!

    Gewünscht hätte ich mir allerdings eine etwas kritischere Haltung zu "den europäischen Staaten"
    "Der Mensch, ein Untertan. Kein gleichberechtigter Bürger einer Republik. ... Nicht gewählte Gesetzgeber mit beachtlichem Einfluss."
    oder auch
    "Mit keinem Wort wurde jedoch erwähnt, dass der soziale Aufstieg talentierter, aber unterprivilegierter Kinder zwangsläufig auf Kosten weniger talentierter, aber dafür privilegierter Kinder ginge."
    Natürlich: Man muss doch nicht alles sagen, was wahr ist!

    " im Ranking der Chancengleichheit an viertschlechtester Stelle" Weiss wer, wo Deutschland in diesem Ranking steht?

  5. Vielleicht bin ich da seit meiner Jugend zu wenig der Obrigkeit zugeneigt, um diese Gefahr zu erkennen. Danke für den Hinweis. Sollte dem so sein: Erbärmliche Talkshows. Und wieder zeigt sich die fehlende Kontrolle der medialen Gewalt.

    Antwort auf "london calling"

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