AtomunglückJapan stuft Fukushima auf Tschernobyl-Niveau hoch

Die Regierung in Tokyo hat die Gefahr der Atomkatastrophe auf die höchste internationale Stufe 7 angehoben. Diese erreichte bisher nur der Tschernobyl-Unfall. von dpa , Reuters und AFP

Der Atomstörfall im Kraftwerk Fukushima-1 hat nun die Einstufung 7 auf der international gültigen Skala von 1 bis 7. Das gab die Atomaufsichtsbehörde in Tokyo bekannt. Auf dieser siebenstufigen Ines-Skala (International Nuclear and Radiological Event Scale) hatte bisher nur der Tschernobyl-Unfall die höchste Einstufung 7 bekommen.

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA), Urheber der Bewertungsskala, sieht Unfälle der höchsten Kategorie als "katastrophale Unfälle" an. Für das havarierte AKW Fukushima-1 und die drei hauptsächlich beschädigten Blöcke 1,2,3 hatte bisher die Kategorie 5 – "ernster Unfall" – gegolten. Die in Fukushima freigesetzten radioaktiven Materialien betragen nach Einschätzung der IAEA bislang aber erst zehn Prozent der von Tschernobyl.

Anzeige

Die bisherige Einstufung auf Stufe 5 bedeutet nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS): Begrenzte Freisetzung von radioaktiven Stoffen und Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen. Stufe 7 bedeutet: "Schwerste Freisetzung: Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld." Demnach könnte ein Atomunfall auch ohne eine katastrophale Explosion die höchste Stufe erreichen.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Das radioaktive Leck könnte die in Tschernobyl freigesetzte Menge langfristig noch übertreffen, berichtete Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Die Regierung kündigte an, die Messungen von Radioaktivität auszuweiten. Wenn auch die freiwerdende Radioaktivität zuletzt vergleichsweise geringer geworden sei. Die Strahlung stamme überwiegend aus dem Reaktor 2, wo es am 15. März zu einer Explosion gekommen war, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Am Montag hatte Tokyo bereits die Evakuierungszone um Fukushima ausgeweitet.

Derweil versuchen Arbeiter in Fukushima weiter, die Atomruine unter Kontrolle zu bringen. Immer wieder bebt die Erde und gefährdet die Reparaturfortschritte. Am Dienstag bebte die Erde mit einer Stärke von 6,4, am Vortag hatte ein noch stärkeres Beben neue Probleme ausgelöst. Der Erdstoß mit der Stärke 7,1 unterbrach kurzzeitig die Stromversorgung. Die Kühlung der kritischen Reaktoren 1 bis 3 fiel für 50 Minuten aus. Das Abpumpen verseuchten Wassers verzögerte sich. Auch das Einleiten von Stickstoff zur Verhinderung von Wasserstoffexplosionen musste gestoppt werden.

In Folge der beiden starken Nachbeben kamen drei Menschen bei Erdrutschen ums Leben. Die Beben hatten die Stärke 6 und brachten die Häuser in Tokyo ins Wanken. Die Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima-1 wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Zudem wurden die Landebahnen auf dem Flughafen Narita zwischenzeitlich gesperrt. Ob ein Feuer, das kurzzeitig im AKW Fukushima-1 ausbrach, mit dem Nachbeben in Verbindung stand, wurde nicht geklärt. Die Pumpen zur Kühlung der Reaktorblöcke wurden nach Angaben des Betreibers Tepco nicht unterbrochen. Seit dem Beben der Stärke 9,0 vor einem Monat kam es zu Hunderten Nachbeben.

Die Bundesregierung sieht trotz der erhöhten Gefahreneinstufung vorerst keinen Anlass, die Reise- und Sicherheitshinweise für Japan zu verschärfen. Man beobachte allerdings die Entwicklung nach dem Atomunfall weiter "sehr aufmerksam", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Derzeit gilt eine teilweise Reisewarnung für Fukushima und Umgebung.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Alles ganz harmlos. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Strahlung tritt nur in einer volkswirtschaftlich unbedeutenden Menge aus. Wir stufen nur auf INES7 hoch, um bei einer leichten Verbesserung der Lage von einer verhalten hoffnugsvollen Entwicklung sprechen zu können. Wir kühlen unseren Reaktorschrott jetzt mit richtigen Pumpen. Meistens. Wir haben noch für ein paar Tage genug Platz im Keller für das hochradioaktive Kühlwasser. Das bisschen Brand war nicht erwähnenswert. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt absolut nichts zu sehen.

    43 Leserempfehlungen
    • Crest
    • 12. April 2011 7:46 Uhr

    dass selbst in der höchsten Stufe nicht mit Toten gerechnet werden muss.

    "Risiko, wo bleibt dein Stachel."

    Herzlichst Crest

    Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/er

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nicht begriffen, was radioaktive Strahlung ist und wie sie wirkt.

    Gehen Sie bitte weiter, es gibt absolut nichts zu sehen. Das Risiko hat nicht einmal einen sichtbaren Stachel. Zumindest nicht in einer bald wieder bewohnbaren Zone von drei bis fünf Kilometer um das Kraftwerk, in der es bis jetzt noch keine bekannten Toten gegeben hat. Wenn doch, dann nicht wegen des Unfalls. Das war alles nur der Tsunami. Der ist nicht mehr da. Gehen Sie also bitte weiter.

    [...] Ja, Sie haben Recht, es gab aufgrund der Strahlung noch keine Toten, außer die drei Arbeiter, die natürlich auch Opfer des Tsunamis sein könnten. Nein, das macht die Sache nicht harmloser. Lassen Sie es einfach. Wir wissen jetzt, worum es Ihnen geht.

    Gekürzt. Bitte achten Sie Ihrerseits auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

    der strahlen dürfen sie in den nächsen 100 jahren im fernsehen verfolgen, in form von verkrüppelten Kindern und erhöhten Krebstodesfällen in Japan.

    Hat natürlich alles nichts mit der Strahlung zu tun, sondern sind nur statistische spitzen...

    • Buh
    • 12. April 2011 8:53 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und äußern Sie Kritik anhand sachlicher Argumente. Danke. Die Redaktion/wg

    Die Weise, wie hier allwissende Umweltschützer auf kritische Kommentare reagieren beleidigt mich!
    Was soll denn das? Was Crest geschrieben hat, entspricht der Wahrheit, es erscheint nicht sonderlich geschickt, den Fukushima-Unfall auf die höchste Stufe einzuordnen (siehe IAEA). Für den Unterschied siehe Defintion. Bisher ist tatsächlich nichts von einer größeren Anzahl an zu Tode gekommenen Strahlenopfern bekannt. Das ist nicht zynisch, sondern entspricht einer realistischen Einschätzung der Lage.
    Stufe 5 ist schlimm genug, da muss man sich nicht künstlich aufregen, wenn jemand die Panikmache kritisiert.
    Man kann die ukrainische Katastrophe nicht annähernd mit Fukushima auf ein Niveau setzen! Die ausgetene Strahlendosis (es ist die ganze Zeit vom radioaktiven MAETERIAL die Rede) liegt WEIT unter Tschernobyll.
    Die Kirche im Dorf lassen, zügig die nötigen Gegenmaßnahmen einleiten, die Dinger an der Küste dicht machen, und sich auch im hier im Forum zu benehmen wissen.

    Lieber mal IAEA kritisieren, die hätten nämlich die Aufgabe gehabt, Tepco und der japanischen Regierung zu flüstern, dass man ein Atomkraftwerk nicht an einer tsunamigefährdeten Küste aufbaut.

    Die Hochstufung bedeutet nicht, dass erst in dieser Stufe mit Toten gerechnet werden muss.

    Obwohl Sie exellent in der Sache argumentieren,
    habe ich das Gefühl,
    dass Sie sich im Forum bald ganz tief verbeugen
    müssen.
    Herzlichst
    blackmagicwomen

    die betont rationalen Kommentare von Crest illustrieren in geradezu vorbildlicher Weise, wie und aus welchem Grund die technisch rational erstellten Konzepte und Notfallpläne zum Betrieb von Kernkraftwerken in der Realität eben doch ab und zu - und vor allem öfter als geplant - versagen: die tatsächliche Komplexität des Betriebs in einer Welt mit veränderlichen Bedingungen (hier: bisher unvorstellbar hoher Tsunami, in Harrisburg und Tschernobyl: unvorstellbar ungeschickter Bedienungsfehler) übersteigt das, schlussendlich nur aus Erfahrung geprägte rationale Denken.

    Die böswillige aber realistischere Version ist nicht im Sinne von Crest: aus Kostengründen wurden Sicherungsmassnahmen für den schlimmsten anzunehmenden Unfall ganz einfach nicht realisiert trotz besseren Wissens: der tatsächliche Tsunami war z.B. deutlich höher als angenommen.

  2. nicht begriffen, was radioaktive Strahlung ist und wie sie wirkt.

    13 Leserempfehlungen
  3. Gehen Sie bitte weiter, es gibt absolut nichts zu sehen. Das Risiko hat nicht einmal einen sichtbaren Stachel. Zumindest nicht in einer bald wieder bewohnbaren Zone von drei bis fünf Kilometer um das Kraftwerk, in der es bis jetzt noch keine bekannten Toten gegeben hat. Wenn doch, dann nicht wegen des Unfalls. Das war alles nur der Tsunami. Der ist nicht mehr da. Gehen Sie also bitte weiter.

    21 Leserempfehlungen
  4. 5. @Crest

    [...] Ja, Sie haben Recht, es gab aufgrund der Strahlung noch keine Toten, außer die drei Arbeiter, die natürlich auch Opfer des Tsunamis sein könnten. Nein, das macht die Sache nicht harmloser. Lassen Sie es einfach. Wir wissen jetzt, worum es Ihnen geht.

    Gekürzt. Bitte achten Sie Ihrerseits auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Um Himmels Willen, ihr werdet mir doch jetzt nicht den guten, tapferen, aufrechten, zynischen, starrsinnigen, sich nicht von Fakten verwirren lassenden Crest verkraulen wollen! Wir brauchen den Mann, z.B. als abschreckendes Beispiel! Keiner treibt hier den Atomkraftgegnern in solchen Scharen neue Mitstreiter zu! Wenn's ihn nicht schon gäbe, man müßte ihn erfinden!

    INES 7 bedeutet ja auch nicht "Viele Tote innerhalb von Stunden" sondern:
    "Schwerste Freisetzung, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld, Erhebliche Freisetzung (Äquivalent von > einigen 10.000 TBq von 131Iod), Gesundheitliche Spätschäden über große Gebiete, ggf. in mehr als einem Land" (Quelle: Wikipedia)

    Wie viele Leute durch diesen Unfall an Krebs erkranken werden und wie viele daran in den nächsten Jahren sterben werden ist nichts was diese Skala bewerten soll. Um dies in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Havarie beurteilen zu können fehlt es glücklicher weise noch an Erfahrung mit havarierten AKWs.

  5. der strahlen dürfen sie in den nächsen 100 jahren im fernsehen verfolgen, in form von verkrüppelten Kindern und erhöhten Krebstodesfällen in Japan.

    Hat natürlich alles nichts mit der Strahlung zu tun, sondern sind nur statistische spitzen...

    12 Leserempfehlungen
  6. Einen Monat nach Beginn der Katastrophe ist es nun offiziell so, wie viele Experten vorausgesagt hatten, selbst wenn diese sich in Details und was den zeitlichen Ablauf betrifft, getäuscht hatten. Ich habe hier im Forum viele gute und einige herzlich blöde Kommentare gelesen. Es gibt Menschen, die die Angst anderer Menschen lächerlich finden. Würden die Reaktoren auch cool bleiben, hätte ich dafür Verständnis. Ansonsten sehe ich Angst als berechtigten Aufruf zur Vorsicht. Dafür, vorsichtig und weitsichtig zu sein, braucht man sich nicht zu schämen. Wer glaubt, es gehe immer nur um Sachlichkeit, hat vom Leben keine Ahnung.

    Ich kann, davon abgesehen, nicht die nötige Weitsicht der Verantwortlichen beim Versuch, die radioaktive Verseuchung einzudämmen, erkennen (vor dem Unfall hatte sie ja auch schon gefehlt). Viele Maßnahmen hätten sofort vorbereitet werden können und sollen.
    Da stimmt etwas nicht im Verhältnis von technischer Fortschrittlichkeit und menschlicher Reife.

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wenn Papa den BWL-Abschluss irgendwelcher Vorstände an irgendwelchen Kaderschmieden - als solches sehe ich inzwischen manche Privatuniversitäten - bezahlt hat. Wo soll "menschliche Reife" herkommen, wenn die "Entscheider" in den Konzernzentralen noch nie in ihrem Leben wirklich gearbeitet haben? Wo soll "menschliche Reife" herkommen, wenn diese "Entscheider" sich aus purer Angst ihr ganzes Leben lang hinter Panzertüren und Panzerglas verbarrikadiert haben?

    • Atan
    • 12. April 2011 8:23 Uhr

    klar war, dass eine INES 4 oder 5 Einstufung für dieses Ausmaß nicht ausreichend sein würde, bin ich doch über die jetzige Einstufung überrascht, über die Gründe, gleich auf 7 zu gehen, kann man bisher nur spekulieren.

    Nur kann man solche Einstufung natürlich nicht als "irrelevant" abtun, diese ständigen Abwiegelungen irgendwelcher Atomapologeten sind inzwischen dermaßen grotesk, dass man sie eben nur schulterzuckend als eines der üblichen neuzeitlichen esoterischen Glaubenssysteme ignorieren kann, für einige sind vermutlich Nuklearanlagen, was sonst emotional durch UFOs oder Astrologie bedient wird.

    Die Börse (als ein Ort an dem Zukunftsannahmen gehandelt werden) hat in Tokyo dementsprechend reagiert, denn durch die Einstufung gibt die Regierung zu, dass sich diese Krise entweder noch sehr, sehr lange hinziehen wird oder eben auch noch zahlreiche unberechenbare Faktoren eine Wende zum schlimmeren bewirken können und vermutlich ist es leider wohl eine Mischung aus beidem.

    10 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Japan | Bundesregierung | IAEA | AKW | Atomkraftwerk | Auswärtiges Amt
Service