Der Atomstörfall im Kraftwerk Fukushima-1 hat nun die Einstufung 7 auf der international gültigen Skala von 1 bis 7. Das gab die Atomaufsichtsbehörde in Tokyo bekannt. Auf dieser siebenstufigen Ines-Skala (International Nuclear and Radiological Event Scale) hatte bisher nur der Tschernobyl-Unfall die höchste Einstufung 7 bekommen.

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA), Urheber der Bewertungsskala, sieht Unfälle der höchsten Kategorie als "katastrophale Unfälle" an. Für das havarierte AKW Fukushima-1 und die drei hauptsächlich beschädigten Blöcke 1,2,3 hatte bisher die Kategorie 5 – "ernster Unfall" – gegolten. Die in Fukushima freigesetzten radioaktiven Materialien betragen nach Einschätzung der IAEA bislang aber erst zehn Prozent der von Tschernobyl.

Die bisherige Einstufung auf Stufe 5 bedeutet nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS): Begrenzte Freisetzung von radioaktiven Stoffen und Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen. Stufe 7 bedeutet: "Schwerste Freisetzung: Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld." Demnach könnte ein Atomunfall auch ohne eine katastrophale Explosion die höchste Stufe erreichen.

Das radioaktive Leck könnte die in Tschernobyl freigesetzte Menge langfristig noch übertreffen, berichtete Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco. Die Regierung kündigte an, die Messungen von Radioaktivität auszuweiten. Wenn auch die freiwerdende Radioaktivität zuletzt vergleichsweise geringer geworden sei. Die Strahlung stamme überwiegend aus dem Reaktor 2, wo es am 15. März zu einer Explosion gekommen war, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Am Montag hatte Tokyo bereits die Evakuierungszone um Fukushima ausgeweitet.

Derweil versuchen Arbeiter in Fukushima weiter, die Atomruine unter Kontrolle zu bringen. Immer wieder bebt die Erde und gefährdet die Reparaturfortschritte. Am Dienstag bebte die Erde mit einer Stärke von 6,4, am Vortag hatte ein noch stärkeres Beben neue Probleme ausgelöst. Der Erdstoß mit der Stärke 7,1 unterbrach kurzzeitig die Stromversorgung. Die Kühlung der kritischen Reaktoren 1 bis 3 fiel für 50 Minuten aus. Das Abpumpen verseuchten Wassers verzögerte sich. Auch das Einleiten von Stickstoff zur Verhinderung von Wasserstoffexplosionen musste gestoppt werden.

In Folge der beiden starken Nachbeben kamen drei Menschen bei Erdrutschen ums Leben. Die Beben hatten die Stärke 6 und brachten die Häuser in Tokyo ins Wanken. Die Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima-1 wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Zudem wurden die Landebahnen auf dem Flughafen Narita zwischenzeitlich gesperrt. Ob ein Feuer, das kurzzeitig im AKW Fukushima-1 ausbrach, mit dem Nachbeben in Verbindung stand, wurde nicht geklärt. Die Pumpen zur Kühlung der Reaktorblöcke wurden nach Angaben des Betreibers Tepco nicht unterbrochen. Seit dem Beben der Stärke 9,0 vor einem Monat kam es zu Hunderten Nachbeben.

Die Bundesregierung sieht trotz der erhöhten Gefahreneinstufung vorerst keinen Anlass, die Reise- und Sicherheitshinweise für Japan zu verschärfen. Man beobachte allerdings die Entwicklung nach dem Atomunfall weiter "sehr aufmerksam", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Derzeit gilt eine teilweise Reisewarnung für Fukushima und Umgebung.