Die katholische Kirche steckt in einer Krise. Grund sind vor allem die Missbrauchsskandale des vergangenen Jahres, denen zahlreiche Austritte folgten; schätzungsweise 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Reformen könnten helfen, Anhänger zu halten. Und sie werden seitens der Gläubigen auch gefordert, wie eine repräsentative Politbarometer-Umfrage zeigt, die im Auftrag der ZDF-Sendung sonntags durchgeführt worden ist.

Während die Kirchen die Deutschen an Ostern also zu einem neuen Lebensstil aufrufen, – die Menschen hierzulande müssten nachhaltiger und solidarischer leben – gehen die Gläubigen ihrerseits hart mit ihr ins Gericht. So antworteten 80 Prozent der Katholiken, beziehungsweise 73 Prozent der Gesamtbevölkerung, mit "Ja" auf die Frage, ob die katholische Kirche Reformen durchführen sollte. Oberste Priorität hat laut der befragten Katholiken, dass Priester heiraten dürfen. So sprachen sich 75 Prozent für die Aufhebung des Pflichtzölibats aus. Ein Thema, dass in den Aufgabenbereich des Vatikans fällt.

Dennoch sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, dem ZDF, dass er in diesem Dialog auch bereit sei, über den Zölibat zu sprechen. Die Bischöfe wollten dann darlegen, dass es gute Gründe für die Ehelosigkeit der Priester gebe, heißt es weiter. "Wir werden in solchen wichtigen Fragen nicht so schnell zu einer Entscheidung kommen."

Auf dem zweiten Platz rangiert mit 16 Prozent der Wunsch, dass Katholiken und Protestanten ein gemeinsames Abendmahl feiern dürfen. Nur 8 Prozent fordern, dass Frauen Priester werden dürfen. Auch in der Gesamtbevölkerung ist letztere Forderung stark abgeschlagen – 14 Prozent sind hier dafür.

Kritisch wird es, wenn es darum geht, ob sich die katholische Kirche an den traditionellen Glaubensinhalten orientieren sollte. Denn auch wenn 46 Prozent der regelmäßigen Kirchgänger dafür und nur 22 Prozent dagegen sind, zeigt sich bei den gelegentlichen Besuchern das genaue Gegenteil: Hier wollen 43 Prozent die Abkehr von der Tradition. Wen will die katholische Kirche nun halten? Ein echtes Dilemma, bedeutet es doch, dass weitere Austritte vorprogrammiert sind, da mit Sicherheit eine der beiden Seiten mit eventuellen Kursänderungen nicht zufrieden sein wird.