"Sarrazin blamiert die SPD", schreibt die Presse. Ja, und ich blamiere mich als SPD-Mitglied auch. Was soll ich jetzt den Menschen antworten, die mich fragen, ob es nicht paradox sei, dass ich mit meinem Migrationshintergrund Mitglied einer Partei bin, in deren Reihen Menschen sitzen, die mich aus genetischen Gründen für dümmer erklären? Die mir vorwerfen, mit schuld an der Abschaffung Deutschlands zu sein.

Wie soll ich jetzt im nächsten Wahlkampf unter Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund um Stimmen für die SPD werben? Ist sich die Parteispitze eigentlich bewusst, was für einen Schaden sie angerichtet hat? Oder ist die SPD tatsächlich bereit, für Wahlerfolge all ihre Werte zu verwerfen?

Anscheinend ist sie das. Die SPD hat ihre Grundwerte verkauft, um einem Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen und um bei der anstehenden Wahl in Berlin ein schlechtes Ergebnis zu vermeiden. Sie will die Stimmen der rechten Mitte einholen und den rechten Flügel innerhalb der Partei zufrieden stellen. Sie macht sich nicht einmal ansatzweise die Mühe, für die eigenen Grundwerte zu kämpfen. Plötzlich sind diese Werte sekundär, wenn es um Stimmen geht.

Schade um die Partei, in die ich viel Vertrauen gesetzt hatte. Doch von der Integrationspolitik der SPD bin ich leider nicht zum ersten Mal enttäuscht. Viele ihrer Integrationsthemen verwarf die SPD. Auch in der Großen Koalition mit der CDU/CSU stimmte sie gegen ihre eigenen Forderungen. Im nächsten Wahlkampf holte sie diese Forderungen wieder hervor; natürlich um sich die Stimmen der Wähler mit Migrationshintergrund zu sichern.

Ganz groß trat die SPD-Spitze in den Medien auf, als Sarrazin sein Buch vorstellte. Sie versicherte, ihn so schnell wie möglich loswerden zu wollen. Ganz vorn dabei war der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel, der sich als Sarrazins größter Gegner profilierte. Aber nun, da die Aufmerksamkeit um Sarrazin nachgelassen hat, haben sie alle ihre Meinung geändert, allen voran Frau Nahles.

Klar, damals ging es darum, im Rampenlicht zu stehen und zu zeigen, dass die SPD Äußerungen wie die von Sarrazin nicht toleriert. Aber als sie dann Taten hätte folgen lassen sollen, gaben sich die Spitzenpolitiker der SPD mit einer billigen Erklärung zufrieden.

Die SPD blinkte sehr lange links, bog dann aber letztlich rechts ab. Das verdeutlicht die verlogene Integrationspolitik der Partei, die ihre Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft noch weiter verlieren wird, vor allem bei ihren Wählern mit Migrationshintergrund. Schade.