Die Schauspielerin Sila Sahin während einer Premiere © Jens Kalaene / dpa

Das Cover der Mai-Ausgabe des Playboys ziert diesmal eine Schauspielerin. Sie heißt Sila Şahin und spielt eine Hauptrolle in der RTL-Soap Gute Zeiten Schlechte Zeiten . Das ist zunächst nichts besonderes, der Playboy ist seit geraumer Zeit eine Plattform für kalkulierte Karriere-Strips.

Doch die Seriendarstellerin Şahin hat sich noch mehr einfallen lassen. Ein paar "total ästhetische Aufnahmen" (Playmate-Standard-Aussage) zu machen, reicht nicht mehr aus. Zu den Bildern verkauft sie uns eine Geschichte. Sila Şahin setzt sich vor Veröffentlichung der Fotos ins Frühstücksfernsehen und wendet sich an die türkischen Eltern in Berlin. Sie bittet sie um Verzeihung.

Anschließend erklärt sie der Bild -Zeitung, dass die Nacktaufnahmen im Dienst einer gesellschaftlichen Mission stehen. Frau Şahin will allen jungen Türkinnen mit auf ihren Lebensweg geben: "Es ist okay, wenn man so lebt, wie man ist."

Die Bild -Zeitung machte daraus eine eigene Soap mit täglich neuen Meldungen über den Stand der familiären Verwerfungen im Hause Şahin. Nach der "Nackt-Beichte im TV" verkündet Şahin: "Meine Mutter ist immer noch böse auf mich". Worauf die Bild besorgt fragt: "Darf sich eine Türkin so zeigen?"

Eine Migrantin bedient hier aktiv Klischees, um sie zu ihrem vermeintlichen Vorteil zu nutzen. Die gesellschaftlichen Diskussionen über Migration, Islam und den Stellenwert der Frau in der Einwanderer-Community werden zur Kulisse einer PR-Strategie in eigener Sache. Kein Hahn mit oder ohne türkischen Migrationshintergrund würde danach krähen, dass sich eine Schauspielerin auszieht. Es sei denn, sie konstruiert daraus einen Konflikt – in diesem Fall ohne Halt zu machen vor der Privatsphäre ihrer Familie.

Darf denn eine türkische Mutter es nicht missbilligen, wenn sich ihre Tochter vor der Nation auszieht? Ist dies wirklich ein Ausweis von muslimischer Rückständigkeit? Auch bürgerliche, katholische oder feministische Kreise finden eine Menge Argumente gegen solche Fotos.

Dass Frauen in jeder Hinsicht frei über sich selbst entscheiden können, ist natürlich ein Recht, für das lange gekämpft wurde und das wir schützen müssen. Ein Playmate muss deshalb aber keine Argumentationsstruktur aufbauen, um ihr Tun zu rechtfertigen. Es hätte gereicht zu sagen: Ich habe einen schönen Körper, meine Brüste kennen keine Nationalität und keine Religion. Ich wollte mich zeigen – hier bin ich.