Der Münchner NS-Kriegsverbrecherprozess gegen John Demjanjuk steht mit dem Plädoyer der Verteidigung kurz vor dem Abschluss. Demjanjuks Verteidiger Ulrich Busch machte zu Beginn seines Schlussvortrags vor dem Landgericht München II deutlich, dass er seinen Mandanten für unschuldig hält.

Busch zitierte dazu aus einer Akte der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, die diese Unschuld belegen soll. "Ein individueller Tatvorwurf ist aus den vorgelegten Unterlagen nicht ersichtlich", zitierte Busch aus einer Akte aus dem Jahr 2003. Sie wurde nach einer Prüfung von US-Akten über Demjanjuk angelegt.

Das Plädoyer werde voraussichtlich mindestens drei Verhandlungstage und damit bis Donnerstag dauern. Danach wird das Urteil erwartet.

Busch hatte bereits zuvor angekündigt, er wolle auf Freispruch plädieren. Allerdings warf er dem Gericht vor, voreingenommen zu sein, weshalb mit einer Verurteilung des den 91-Jährigen zu rechnen sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Demjanjuk sechs Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen gefordert. Er soll 1943 als KZ-Wächter in Sobibor an der Judenvernichtung beteiligt gewesen sein.

Der Prozess gegen ihn gilt als historisch, weil mit dem gebürtigen Ukrainer erstmals ein von den Deutschen als KZ-Wächter zwangsverpflichteter osteuropäischer Kriegsgefangener – sogenannte Trawniki – vor Gericht gestellt wurde. Der Prozess läuft bereits seit Ende November 2009, ein Urteil soll in der kommenden Woche fallen.