Gewalt wird zum Spektakel
Die U-Bahn mit ihren besonderen Räumen, ihrer Architektur der Unausweichlichkeit eignet sich nicht dafür, das Thema Jugendgewalt über den Vorfall hinaus zu diskutieren. Eine solche Diskussion muss an anderer Stelle ansetzen.
Genau das aber verhindern die Bilder aus den Kameras. Zum einen weil es durch die ständig und auf allen Kanälen wiederholten Aufnahmen so scheint, als würde es sich nicht um eine Tat, sondern um ständig neue Taten handeln. Die Bilder aus Berlin werden zu Stellvertretern für das, was in der Gesellschaft, insbesondere mit unseren Jugendlichen falsch läuft. Sie werden zu einer Ikone, Gewalt gerät zum Spektakel. Dagegen kommen die vielfältigen Studien der Polizei und universitären Forschungsinstitute mit ihren oft gegenteiligen Statistiken und Ergebnissen auf keinen Fall an.
Ob und wie solche Bilder die Einschätzung von Gewalt bei den Betrachtern verändern, ist schwer zu sagen. Eine entsprechende Forschung wäre komplex und äußerst aufwendig. Nicht zuletzt, weil die Bilder allein nicht als Ursache für solche Veränderungen in der Wahrnehmung gesehen werden dürfen – ebenso wenig wie Ballerspiele oder Kriegs- und Horrorfilme. Eine multikausale Erforschung von Gewalt ist erforderlich, gekoppelt mit einer Diskussion, die Gewalt nicht an den gesellschaftlichen Rändern verortet, sondern in ihrer Mitte. Gewalt kommt nicht über eine Gesellschaft, sondern aus ihr – die Verantwortung für den Umgang tragen somit alle ihre Mitglieder und Eliten in ihren jeweiligen Funktionen.
Die Bilder werden bleiben. Warum sie ursprünglich veröffentlicht worden sind, bleibt letztendlich unbeantwortet. Einen wirklichen Beitrag zur Aufklärung der Ursachen der Tat liefern sie nicht, ebenso wenig eignen sie sich dazu, die Tat als solche zum Musterbeispiel von Jugend in Deutschland zu machen. Die Würde des Opfers wird bei jedes Mal, wenn das Video gespielt wird, verletzt, ohne dass er sich erfolgreich dagegen wehren könnte. Den Sicherheitsaposteln und Hardlinern werden es als Argument für neue Forderungen dienen. Tatsächlich genutzt hat es niemandem.
Was bleibt, ist ein schaler Geschmack beim Zuschauer und die Erkenntnis, dass die wirklichen Probleme eben nicht durch Kameras, noch durch ihre Bilder gelöst werden. Sie leisten nichts weiter, als eine preiswerte Empörungsmaschine bereitzustellen.
- Datum 16.05.2011 - 12:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Die U-Bahn mit ihren besonderen Räumen, ihrer Architektur der Unausweichlichkeit eignet sich nicht dafür, das Thema Jugendgewalt über den Vorfall hinaus zu diskutieren." Ist das nicht Gelaber?
Ich muss das ja nicht in der U-Bahn diskutieren, das ist eh' klar. Aber ich kann dadurch angeregt werden, mir diese Frage überhaupt zu stellen und mit Bekannten zu diskutieren - und in der U-Bahn ein wenig wachsamer zu werden. Was ist daran verkehrt? Kann es für ein Nein zu Gewalt überhaupt einen unangebrachten Ort geben?
Worin also konkret besteht das Anliegen des Journalisten, das er mit diesem Artikel verbreiten wollte?
Ich habe mich auch gefragt, ob es nun gut oder schlecht ist, dass diese Bilder & Videos kreisen. Befördert es nur die Gewalt oder verhindert sie diese?
Zum Einen macht es erst einmal diese anonymen Apparate lebendig. Da wird wirklich etwas aufgenommen!
Zum anderen finde ich, gibt es die Chance, dass sich der Bürger auf solche Situationen mental vorbereiten kann und sich einen Plan zurechtlegen kann, wie man reagiert: Als Zeuge oder als Opfer. Und das kann auch heißen: Da ist 'ne Schuppserei, ich schau mal besser weg. Und schon poppt das Bild hoch: Wenn ich weg schaue, kann das da aus dem Video passieren. Also doch zum Handy greifen? Das wird alles in wenigen Sekunden ablaufen und da ist es gut, wenn man vorbereitet ist.
Solche Stress-Situationen erlebt man selbst glücklicherweise höchst selten, und wenn man ihnen ausgeliefert ist, fehlt jede Handhabe einzuordnen, was da gerade passiert. Jetzt ist die sehr geringe Ahnung vielleicht zu einer geringen Ahnung geworden.
Und natürlich: Mit dem Video wird der kollektive Nachdenkprozess angeregt, dass es solche Situationen gibt, wie man vorher und nachher damit umgeht und was man ggf. tun kann, um es zu verhindern. Sagen wir: Es wird eine Dringlichkeit für einen Wandel gezeigt.
In sofern finde ich es gut. Auch wenn es kurzfristig mein subjektives Sicherheitsempfinden senkt, langfristig stärkt es meine objektive Sicherheit vielleicht. Ob es so ist, wird die Zukunft zeigen. Wir leben in einer dauerhaften Hypothese.
Gruß, Matths
Videos zeigte sich doch unmittelbar dadurch, dass die Täter sich der Polizei stellten.
Offensichtlich haben sie gerade noch soviel Intelligenz, dass sie begreifen können, dass ein unerkanntes Abtauchen nach der Veröffentlichung ihrer Tat unmöglich ist.
Man kann nur hoffen, dass im Nachhinein diese Täter auch konsequent zur Verantwortung gezogen werden. Wäre dies nicht der Fall würde sich tatsächlich die Frage nach Nutzen und Sinnhaftigkeit der Veröffentlichung stellen!
von dem 18jährigen in Berlin der danach noch tanzte wurde auch in der rbb Abendschau bestimmt zehn mal in zwei Tagen gezeigt, obwohl der Täter bereits ermittelt wurde-und da noch Angriffe auf Bild und RTL obwohl von Gebührenzahlern finanziert-mich hat es angewiedert und da auch nicht volljährige diese Berichterstattungen sehen konnten einfach überflüssig-und nun die Volkshetzte auf den Täter wegen Sonderurlaub und Nichtinhaftierung, da reden dann nicht Juristen sondern durch den Video geblendete--Ich wäre dafür diese Videos nicht zu veröffentlichen, maximal gestoppte Szenen zur Täterermittlung, die benötigen die Gewalt nicht-
Entfernt. Aus Schutz der Privatsphäre bitten wir Sie nicht den vollständigen Namen zu verwenden. Danke, die Redaktion/se
jedoch nur wenn sie ihn dabei begleiten und dann einmal reflecktieren ob es wirklich gut ist gewalt immer und immer wieder zu zeigen
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jedoch nur wenn sie ihn dabei begleiten und dann einmal reflecktieren ob es wirklich gut ist gewalt immer und immer wieder zu zeigen
es sei denn, das Opfer ist zufällig ZEIT-Redakteurin wie im letzten Jahr (http://www.zeit.de/2010/4...)- dann ist das Aufheulen freilich gross.
Peinliche Fehlleistung, Herr Zurawski!!
kann man nur hoffen, dass herr randow vielleicht ein bisschen nachdenklicher geworden ist. Ansonsten, kleine Schlaege auf den Hinterkopf erhoehen das Denkvermoegen...
aber sein Buch ueber das Ziegenproblem war sehr gut.
kann man nur hoffen, dass herr randow vielleicht ein bisschen nachdenklicher geworden ist. Ansonsten, kleine Schlaege auf den Hinterkopf erhoehen das Denkvermoegen...
aber sein Buch ueber das Ziegenproblem war sehr gut.
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jedoch nur wenn sie ihn dabei begleiten und dann einmal reflecktieren ob es wirklich gut ist gewalt immer und immer wieder zu zeigen
Dem Bürger soll eingetrichtert werden "oh seht doch, wir konnten ein Verbrechen verhin... äh aufzeichnen! Lasst uns überall Kameras machen, wer was verbirgt ist ein Terrorist"
Keine Sorge, lieber Journalist. Das Regime achtet schon ganz genau darauf, welche Filme veröffentlicht werden. Ein Schäuble im Hotelzimmer oder eine Fallschirm-Cam wird nicht dabei sein...
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