Misshandlung und MissbrauchDDR-Heimkinder sollen auch zu Ihrem Recht kommen

Opfer aus DDR-Heimen sind bisher zu kurz gekommen. Sowohl der Runde Tisch Heimerziehung als auch der zum Missbrauch thematisierte vor allem die Fälle im Westen.

Sie drohten zwischen die Stühle zu geraten – zwischen die Stühle der Runden Tische Heimerziehung und sexueller Missbrauch. Die Opfer von Willkür, Drill und sexuellen Übergriffen in staatlichen DDR-Kinderheimen fanden keinen Platz an Antje Vollmers Tisch, der sich ausschließlich mit Verfehlungen der Heimerziehung in Westdeutschland in den 50er und 60er Jahren befasste. Und sie wurden sehr spät überhaupt erst wahrgenommen vom Runden Tisch gegen sexuellen Missbrauch, der den Fokus ebenfalls auf den westlichen Teil der Republik richtete.

In ihrem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht geht die Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann, zwar erst gegen Ende, aber umso nachdrücklicher auf diese bislang vernachlässigte Opfergruppe ein.

Leid und Unrecht habe es in den Heimen hier wie dort gegeben, schreibt Bergmann. "Insoweit haben sich die Systeme nicht voneinander unterschieden. Es spricht sogar viel dafür, dass DDR-Heimkinder unter vergleichbaren Zuständen gelitten haben wie westdeutsche Heimkinder." Und sie zieht das einzig logische Resümee: "In Anbetracht des auch in DDR-Heimen erlittenen Unrechts ist es geboten, für Heimkinder aus den alten wie den neuen Bundesländern ein einheitliches Hilfemodell anzuwenden, möglicherweise auch unabhängig davon, ob sie misshandelt oder sexuell missbraucht worden sind."

Für Gabriele Beyler, Leiterin der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, ist das eine gute Nachricht. "Die Gleichsetzung wäre ein wichtiger Schritt", sagt sie. Denn oft kursiere noch die Meinung, die damals ins Heim gekommen seien, hätten das schon verdient. Dabei würden staatliche Willkür und politische Hintergründe der Einweisungen von Kindern einfach ausgeblendet. Und es werde nicht bedacht, dass die Heime vor allem der Umerziehung und ideologischen Ausrichtung dienten.

Die Einrichtung in der sächsischen Stadt an der Elbe war über Jahre hinweg zu einer Anlaufstelle für misshandelte Heimkinder geworden. Seit den 90er Jahren hatte sie sich mit der Geschichte der 30 Jugendwerkhöfe, 450 staatlichen Kinderheime und 35 Spezialkinderheime in der DDR befasst. Als dann in der Folge der Enthüllungen in Westdeutschland die ersten Fälle sexuellen Missbrauchs auch in DDR- Heimen bekannt wurden, widmeten sich Beyler und ihre Mitstreiter auch diesem dunklen Kapitel. Seither streitet sie in Politik und Öffentlichkeit für die Interessen derer, die sich ihr anvertrauen. Im November 2010 besuchten Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) die Torgauer Gedenkstätte, im April war Beyler mit sieben Missbrauchsopfern zu Gesprächen bei Christine Bergmann in Berlin.

Auch in Thüringen hat sich schon einiges getan. Dort befasst sich unter Federführung des Sozialministeriums seit einem Jahr ein Arbeitskreis mit Misshandlungen in DDR- Kinderheimen, eine Beratungsstelle wurde eingerichtet. Jetzt beginnt sich auch die Bundespolitik zu bewegen. Im Bundestag wird derzeit an einem Antrag gearbeitet. "Darin sprechen wir uns dafür aus, beiden Opfergruppen, also denen im Westen und denen im Osten, gleichzeitig gerecht zu werden und dieselben Maßnahmen und Entschädigungen zukommen zu lassen", sagt der CDU-Abgeordnete Manfred Kolbe. Zur Finanzierung soll, parallel zum West-Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro, ein Ost-Fonds aufgelegt werden. Während in den einen zu je einem Drittel Bund, West-Länder und Kirchen einzahlen, soll der andere zu je einem Drittel von Bund, Ost-Ländern und aus dem ehemaligen Parteivermögen finanziert werden.

Weil den West-Heimkindern von den Kirchen eine Entschuldigung ausgesprochen wurde, fordert der Antrag nach Angaben Kolbes Ähnliches auch für die Ost-Heimkinder: Die Linke als SED-Nachfolgepartei solle die Ansprüche der Opfer anerkennen und sich bei ihnen entschuldigen. Eigentlich sollte es ein interfraktioneller Antrag werden – die Linkspartei allerdings wird nicht dabei sein. Und die SPD signalisierte jüngst, dass sie erst einmal die Regelungen für West-Heimkinder geklärt haben wolle.

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Leserkommentare
  1. noch ein gefülltes konto hat und etwas dazuschießt ?

  2. plus einer Anerkennung der Ansprüche der Opfer dürfte kaum jemand ernsthaft erwarten.

  3. Das frage ich mich wenn ich das lese. Oder den Artikel über die Schule in Berlin.

    Wo die Betroffenen sich beschweren das Sie "nur" 5.000 Euro bekommen sollen aber was zwischen 15.000 bis 80.0000 Euro haben wollen...

    Kann denn Geld was ändern oder rückgängig machen? Wenn ja welche Summe wäre dann angemessen?

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    weiß keiner.

    In den USA kam es 2007 für 508 Missbrauchsopfer in einer Diözese zu Zahlungen von 660 Millionen Dollar Wiedergutmachung, was knapp 1,3 Millionen Dollar pro Kopf sind. Dort hält man die Summe vermutlich für angemessen.
    Bei Frau Bergmanns Pressekonferenz ging es um 5000 Euro freiwillige Zahlungen pro anklagendem Opfer und wenn keine Institution greifbar ist, weil sie nicht mehr existent ist oder es - wie meist - innerhalb der Familie statt fand, soll der Staat also die Allgemeinheit die Kosten tragen.

    Einige Stimmen fordern Renten, da mancher davon ausgeht, dass ohne das Geschehen das Leben wirtschaftlich erfolgreicher verlaufen wäre und man nun dies kompensiert haben möchte.

    Wieder andere fordern Therapiekosten zum Teil für nicht anerkannte Therapieformen, wie es gestern bei Frau Maischberger zur Sprache kam.

    Ich denke nicht, dass es hier so etwas wie richtig oder falsch gibt. Rückgängig macht man meines Erachtens ohnehin nichts und ob ein Leben tatsächlich anders verlaufen wäre, kann auch kein Mensch mit Sicherheit sagen.

    weiß keiner.

    In den USA kam es 2007 für 508 Missbrauchsopfer in einer Diözese zu Zahlungen von 660 Millionen Dollar Wiedergutmachung, was knapp 1,3 Millionen Dollar pro Kopf sind. Dort hält man die Summe vermutlich für angemessen.
    Bei Frau Bergmanns Pressekonferenz ging es um 5000 Euro freiwillige Zahlungen pro anklagendem Opfer und wenn keine Institution greifbar ist, weil sie nicht mehr existent ist oder es - wie meist - innerhalb der Familie statt fand, soll der Staat also die Allgemeinheit die Kosten tragen.

    Einige Stimmen fordern Renten, da mancher davon ausgeht, dass ohne das Geschehen das Leben wirtschaftlich erfolgreicher verlaufen wäre und man nun dies kompensiert haben möchte.

    Wieder andere fordern Therapiekosten zum Teil für nicht anerkannte Therapieformen, wie es gestern bei Frau Maischberger zur Sprache kam.

    Ich denke nicht, dass es hier so etwas wie richtig oder falsch gibt. Rückgängig macht man meines Erachtens ohnehin nichts und ob ein Leben tatsächlich anders verlaufen wäre, kann auch kein Mensch mit Sicherheit sagen.

  4. Wie will man den Missbrauch von Schutzbefohlenen eigentlich mit Geld abfinden?

    Wichtig wäre es, die Täter zu bestrafen, doch die gehen meist leer aus, weil die Taten entweder verjährt oder nicht mehr zu beweisen sind.

    ... und hat man die Beweise dann hatten die Täter selbst eine "versaute" Kindheit und sind somit nicht schuld-, sondern "nur" noch therapiefähig.

    Apropos schuld fähig:

    Wenn man DIE LINKE auffordert, dass sie als Nachfolge-Partei der SED die Opfer finanziell entschädigen soll, wieso tut sich dann dieser Staat so schwer, auch die anderen "Volksparteien" gleich mit zur Kasse zu bitten, denn in deren Reihen befinden sich die ganzen anderen "Blockflöten" aus dem Osten, die ja diese Politik freiwillig mit "abgesegnet" haben.

    ...und was noch doppelt verwerflich ist:
    Unter Führung der anderen "Volksparteien waren in der alten Bundesrepublik solche Übergriffe auch an der Tagesordnung, aber vielleicht waren diese "demokratischer"?
    Auch hier hat man es gewusst und vertuscht und deshalb trifft die Schuldfrage wohl alle Parteien und die Partei-"Christen" ganz besonders, mit ihrer Heuchelei von "Nächstenliebe".

    Die Parteien sollten sich weniger in Polemik gegenüber diesen Vorfällen ergießen, sondern dafür sorgen, dass die Rechte der Kinder konkret im Grundgesetz endlich verankert werden.

    Selbst ein Hund hat sein "Tierschutzgesetz" - sind unsere Kinder weniger Wert als ein Hund - wohl kaum, oder?

    2 Leserempfehlungen
  5. weiß keiner.

    In den USA kam es 2007 für 508 Missbrauchsopfer in einer Diözese zu Zahlungen von 660 Millionen Dollar Wiedergutmachung, was knapp 1,3 Millionen Dollar pro Kopf sind. Dort hält man die Summe vermutlich für angemessen.
    Bei Frau Bergmanns Pressekonferenz ging es um 5000 Euro freiwillige Zahlungen pro anklagendem Opfer und wenn keine Institution greifbar ist, weil sie nicht mehr existent ist oder es - wie meist - innerhalb der Familie statt fand, soll der Staat also die Allgemeinheit die Kosten tragen.

    Einige Stimmen fordern Renten, da mancher davon ausgeht, dass ohne das Geschehen das Leben wirtschaftlich erfolgreicher verlaufen wäre und man nun dies kompensiert haben möchte.

    Wieder andere fordern Therapiekosten zum Teil für nicht anerkannte Therapieformen, wie es gestern bei Frau Maischberger zur Sprache kam.

    Ich denke nicht, dass es hier so etwas wie richtig oder falsch gibt. Rückgängig macht man meines Erachtens ohnehin nichts und ob ein Leben tatsächlich anders verlaufen wäre, kann auch kein Mensch mit Sicherheit sagen.

  6. Fürsorgepflicht (ein Begriff, wie er gegenüber Beamten, also Erwachsenen gang und gäbe ist, mit entsprechenden Pensionen und anderen Vergünstigungen). Ausgerechnet Kirche und Staat egal ob DDR oder BRD haben versagt, bei Kinder, die aufgrund ihrer Vorgeschichte im hohen Maß auf Hilfe und Unterstützung angewiesen waren. Dies ist der eigentliche Skandal mit unglaublichen Folgen für die Betroffenen, aber auch ihre Kinder, Partner und Freunde. 5ooo Euro sind als Anerkennungentschädigung erbärmlich. Die Amerikaner haben mit 1,3 Mill. pro Opfer gezeigt, wie schwerwiegend diese Übergriffe und die jahrzehntelange Vertuschung gewesen sind.
    Ungeschehen lässt dieses Geld nichts, aber es ist eine finanziell schmerzhafte Anerkennung durch die Gesellschaft. Und für die meisten Betroffenen eine Chance erstmals wirtschaftlich unabhängig ein eigen bestimmtes Leben zu führen. Dass dies in Deutschland geschieht, wo Raub härter bestraft wird als Körperverletzung und Kirche und Staat noch immer eng verstrickt sind, glaube ich nicht.
    Sehr wahrscheinlich werden so auch die Fallzahlen klein gehalten, denn wer wird wegen 5ooo Euro eine demütigende? auf alle Fälle schmerzhafte Anzeige wagen.

    • isd09
    • 31.05.2011 um 23:26 Uhr

    der schlimmste Jugend-Werkhof der ehm.DDR

    Was da passiert ist möchte ich nicht wissen fakt ist die dort labil waren, sind heute seelisch hinüber.

    schlimmer gehts nimmer !

    • isd09
    • 31.05.2011 um 23:32 Uhr

    Sie waschen sich in Unschuld,ich hab ja nichts gemacht,nur die Fahne umgedreht und Freunde verraten und 'Verkauft und dessen Familien zerstört.

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