Fachkräftemangel Ein Inder betet für die Bayern
Die katholische Kirche bittet wegen des Priestermangels ausländische Theologen in ihre Gemeinden. Laura-Patricia Montorio hat einen indischen Pater in München besucht.
Gründonnerstag in Karl Borromäus. Für das Abendgebet der Jugend um elf Uhr ist im Pfarrsaal der Münchner Gemeinde ein Stuhlkreis aufgestellt. In der Mitte steht ein Kreuz auf dem Boden, dahinter flackert eine Kerze. Zwei gelbe Stoffstreifen führen auf ein schwarzes Tuch zu, auf dem die Fürbitten Platz finden sollen, die zehn Jugendliche auf bunte Zettelchen schreiben. Zwei ältere Damen im Trachtenjanker haben sich dazugesellt. Sie haben Holzklötzchen und Sandpapierstreifen in ihren Händen, später sollen Kreuze gebastelt werden.
Pater Stephen Arockiam bedient die Musikanlage, moderne Kirchenlieder mit ein bisschen Beat sollen die Stimmung fördern. Dann eröffnet der kleine Mann mit seinem unermüdlichen Lächeln das Abendgebet. Pater Stephen trägt einen schwarzen Strickpullover, unter dem ein weißer Hemdkragen hervorleuchtet. Auch Haut und Haare sind ganz dunkel, ein paar weiße Strähnen haben sich in seinen Vollbart eingeschlichen.
Wenn er gefragt wird, woher er kommt, zeichnet er ein umgedrehtes Dreieck auf ein Blatt Papier. Indien. Seine Heimatstadt Madurai befindet sich ganz am unteren Zipfel im Bundesstaat Tamil Nadu. In Indien zählt man 2,3 Prozent Christen, die meisten davon sind im Süden des Landes ansässig.
- Der Preis
Zum ersten Mal haben jungejournalisten.de und ZEIT ONLINE in diesem Jahr einen gemeinsamen Reportagepreis für junge Journalisten ausgeschrieben: den jj-reportagepreis. Ziel war es, junge Reporter an die Königsdisziplin im Journalismus heranzuführen. Zwei Themenfelder standen zur Auswahl: "Zukunft der Demokratie" und "Deutschland, das Einwanderungsland". Die drei ausgezeichneten Texte werden auf ZEIT ONLINE veröffentlicht.
- Die Preisträger
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1. Platz: Juliane Baumgarten
Juliane Baumgartens Reportage zeichnet sich durch einen intensiven Blick und eine klare Sprache aus, lobt die Jury. Sie hat mit ihrer Reportage Keine Heime fern der Heimat ein Thema aufgespürt, das bislang wenig beachtet wurde, nämlich dass es für Menschen mit Migrationshintergrund kaum Seniorenheime gibt.
2. Platz: Laura-Patricia Montorio
Laura-Patricia Montorio widmet sich in ihrer ReportageEin Inder betet für die Bayern einem ungewöhnlichen Thema: dem Priestermangel in der katholischen Kirche in Deutschland. Ihm versucht die Kirche mit Hilfe von ausländischen Priestern entgegenzuwirken.
3. Platz: Jan Thomas Otte
Jan Thomas Otte hat ein gewöhnliches Thema – den Schrebergarten – in einen ungewöhnlichen Kontext versetzt. In seiner Reportage Steht ein Kasache im Schrebergartenist er unterschiedlichen Menschen nahe gekommen.
Priestermangel und Fachkräfteimport
Anfang der neunziger Jahre war Pater Stephen zum ersten Mal in Deutschland. Zusammen mit Priesteranwärtern aus aller Welt studierte er Theologie und Philosophie in Münster. Außerdem standen deutsche Sprachkurse und praktische Gemeindearbeit auf dem Stundenplan – Zusatzqualifikationen, die für ein erfolgreiches Priestertum im Ausland entscheidend sein können. Nach dem Studium kehrte er nach Indien zurück, um acht Jahre lang in seinem Heimatland zu wirken. 2007 hat ihn sein Ordensoberster dann wieder nach Deutschland geschickt.
Aus gutem Grund: In Deutschland herrscht akuter Priestermangel. Während im Jahr 1962 noch 557 Männer geweiht wurden, sank die Zahl im Jahr 2008 auf 93. Das Zölibat wird häufig als Attraktivitätskiller für den Priesterberuf angeprangert. Doch auch die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche sinken kontinuierlich, das verschärft das Nachwuchsproblem. Mangel an Priestern gibt es vor allem auf dem Land, denn die Christen werden zwar weniger, versammeln sich aber nicht an einem Ort. In ländlichen Gemeinden ist ein Pfarrer für wenige, aber weit verstreute Gläubige zuständig.
Die Gemeindedamen haben die Holzklötzchen an die Jugendlichen verteilt, ein Mädchen raspelt gedankenverloren daran herum, die Späne rieseln. Pater Stephen trägt mit einem leichten indischen Zungenroller einen Text zur Fastenzeit vor. Gemeinsam mit Pater Michael Czysch betreut er zwei Gemeinden. Sie pendeln zwischen den beiden und teilen Messen, Gemeindearbeit und Seelsorge untereinander auf. Auch die Teilnehmer der Gebetsrunde am Gründonnerstag kommen aus verschiedenen Gemeinden. Ein Mädchen im Blümchenkleid, das die abgeriebenen Holzklötzchen mit einer Klebepistole zusammenleimt, ist aus Heilig Kreuz. "Hier wird für Jugendliche einfach mehr geboten", sagt ein Jüngling im Karohemd, der aus Sankt Ansgar zu den Borromäern gekommen ist.
- Datum 01.06.2011 - 10:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die katholische Kirche braucht neue geistliche charismatische Fuehrungspersoenlichkeiten wie es ein Karol Wojtyła zu seinen Lebzeiten gewesen war und muss von Innen her erneuert werden, wenn sie in Europa nicht aussterben moechte. Der derzeitige Papst bietet kein gutes Exzempel dafuer. Ausserdem ist die Abschaffung des Zoellibats nicht zwingend die alleinige Loesung. Man sieht dies besonders am Beispiel der evangelischen Kirche, die genauso einen starken Rueckgang erlebt. Die Zukunft wird notgedrungener Massen so aussehen, dass exotische Geistliche aus dem Ausland impotiert werden muessen. Da werden die einen sich eben daran gwoehnen muesen, Kartoffeln zu essen, waehrend sich die anderen um das Verstehen ihres Akzents bemuehen. Ein Kompromis, der auf beiden Seiten geschlossen werden muss.
Die geistlich-spirituelle Zukunft Europas wird meiner Meinung nach eher von astrologischen Sternzeichendeutern, Motivationstrainern und Psychologen bestimmt als von katolisch geistlichen klerikern.
Der Argumentation, sich bei der Verteidigung des Zölibats auf die Hl. Schrift – oder sogar auf Jesus – zu beziehen, liegt eine Geschichtsklitterung zugrunde. Selbstverständlich war ein Großteil der Jesus-Gefolgschaft verheiratet; selbstverständlich gab es in der Urkirche keinen Zölibat – die Ostkirchen kennen bis auf den heutigen Tag keinen Zölibat!
Wer glaubt, um Jesu und des Evangeliums willen zölibatär leben zu müssen, sollte das tun ; doch wer für diese Lebensweise einen Alleingültigkeitsanspruch für die Wahrnehmung des geistlichen Dienstes beansprucht, dem muss deutlich widersprochen werden.
So wird nach meiner Ansicht der Priestermangel z.B. zu einem wesentlichen Teil aufgrund der von amtlicher Seite betriebenen männerdominierten Klerikerkirche künstlich hervorgerufen, da die katholische Hierarchie zur Zeit nicht bereit ist, über die Weihe von viri probati oder über eine Frauenordination nachzudenken. Der katholische Theologe Hermann Otto Pesch hat vorgerechnet, dass nach jüngsten Erhebungen 1200 wegen des Zölibats „verhinderte“ Priester bereit stünden. Nehme man die aus demselben Grund aus dem Amt geschiedenen Priester hinzu, „die aber bereit wären, morgen wieder an den Altar zu treten, könnten wir schätzungsweise auf einen Schlag 3000 Priester mehr haben.“ An Geistlichen würde es nicht mangeln – es mangelt bloß an Zölibatswilligen.
Teil 2 folgt
Der Schweizer Bibelwissenschaftler Herbert Haag, der sich gegen eine „Zwei-Stände-Kirche“ von Klerikern und Laien wandte, schrieb 1997 in seinem Buch „Worauf es ankommt“: „Priestermangel, Gemeinden ohne Eucharistie, Zölibat, Frauenordination bezeichnen die Probleme, die zwar nicht allein, aber doch weitgehend die gegenwärtige Not der katholischen Kirche bestimmen. Die Krise der Kirche wird so lange andauern, wie sich diese nicht entschließt, sich eine neue Verfassung zu geben. (...) Vierhundert Jahre lang waren es nach unserem Sprachgebrauch ‘Laien’, die der Eucharistie vorstanden. Dies zeigt, dass ein sakramental geweihter Priester nicht erforderlich ist und weder biblisch noch dogmatisch begründet werden kann.“
Sogar der heutige Papst hatte 1970 in seinem Buch „Glaube und Zukunft“ erklärt: „Sie (die Kirche) wird auch gewiss neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen. Und noch 1996 schrieb Ratzinger als Kardinal in seinem Buch „Salz der Erde“: „Es (der Zölibat) ist kein Dogma. Es ist eine Lebensform, die in der Kirche gewachsen ist und die natürlich immer die Gefahr des Absturzes mit sich bringt.“
Paul Haverkamp, Lingen
Ich finde es gut das die Mitgliederzahl und der Einfluss der Kirchen sinken. Die Menschen hab genug von Heuchellei der nicht vorhandenden flexibilität der Kirchen.
Ich warte auf den Tag bis diese Vereinigungen bedeutungslos und die Menschen auch das letzte große Übel los sind.
PS
Es kann jeder glauben was er will und seine Meinungen und Ansichten frei äußern. Aber man sollte sich nicht als Moralapostel hinstellen der auf leute zeigt die andere Vorstellungen haben. Solange niemand einen anderen schadet oder ihn zu etwas zwingt was er nicht will ist die Welt ok. Leider haben Religionen damit so ihre Probleme.
Das hat damit zu tun, dass niemand mehr etwas mit diesem verkommenen Haufen zu tun haben will und damit, dass die katholische Kirche nicht die Werbetrommel für diesen Beruf rührt und aktiv um Personal wirbt. Das hat alle möglichen Gründer - aber nicht Fachkräftemangel. Doppelte Jahrgänge und zu wenig Studienplätze - erzählt mir doch nichts! Die katholische Kirche ist an ihrer Situation selbst schuld!
"Doch in Deutschland gibt es keinen Reis,"
In jedem x-beliebigen Discounter kann man zwischen mehreren verschiedenen Sorten Basmati-, Langkorn-, Wild-, Milch-, Parboiled-Reis wählen. Schon unsere Großeltern haben Hühnerfrikasee oder gefüllte Paprika mit Reis gegessen.
In jeder mittelgroßen Stadt kann man Papadam, Naan, Chapati, Kokosmilch, Curry, Chili, Kurkuma etc. kaufen.
Der Reis ist die indische Kultur, die Kartoffeln sind die deutsche.
Der Reis ist die indische Kultur, die Kartoffeln sind die deutsche.
Der Reis ist die indische Kultur, die Kartoffeln sind die deutsche.
Ein Mangel an irgendwas geht immer mit einer Preisteigerung als Indikator einher. Da diese nach wie vor nicht (kaum) zu verzeichnen ist, ist das Gequatsche vom Fachkräftemangel nur heiße Luft!
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