Megabeben, Tsunami, Atomkatastrophe. Der Schock traf auch die Menschen in Deutschland – Angst und Unsicherheit nahmen zu. Sie fragen sich, wem sie glauben sollen und können. Risiken, die man gut zu kennen glaubte, müssen von jedem Bürger neu bewertet werden, vom einfachen Büroangestellten bis hin zum Spitzenpolitiker.

Ähnlich verhielt es sich auch mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Seitdem zwei Flugzeuge in die New Yorker Wolkenkratzer rasten, scheint es für viele wahrscheinlicher zu sein, dass ein solches Attentat noch einmal geschieht, womöglich sogar auf ein Atomkraftwerk in Deutschland.

Und vielleicht ist es wegen möglicher Nachahmungstäter tatsächlich wahrscheinlicher geworden. Die Karten müssen nach einer Katastrophe neu gemischt werden – nach einem Terroranschlag ebenso wie nach einem Naturereignis mit folgenden Reaktorunfällen. "Die Menschen müssen sich neu orientieren", sagt Georg Ruhrmann, Kommunikationswissenschaftler und Experte für Risikoberichterstattung an der Universität Jena.

Je umfangreicher die Medien über Reaktorkatastrophen berichten, desto präsenter sind sie in den Köpfen der Menschen und desto höher schätzen diese intuitiv das Risiko ein, dass sich zum Beispiel eine Reaktorkatastrophe wiederholen könnte. Deshalb gewinnen die technischen Unfallrisiken in der Bewertung der Vor- und Nachteile der Kernenergie an Gewicht. "Nach Tschernobyl hieß es etwa, dass ein GAU oder Super-GAU statistisch extrem selten vorkommt", sagt Ruhrmann. "Nun sind gerade einmal 25 Jahre vergangen."

Die Berichterstattung über Katastrophen folgt einer bestimmten Dramaturgie, einem Muster, das sich in immer ähnlicher Weise wiederholt. Es beginnt mit dem Unglück, etwa einer Explosion oder einem Feuer. "Die Medien berichten zunächst über die Breaking News", erklärt der Risikokommunikationsforscher aus Jena. Es entstehen Meldungen über die Opfer und die möglichen Sicherheitsbedrohungen. Was? Wer? Wie? Wann? Wo? sind zunächst die drängenden Fragen.

Dann werden die Folgen bis hin zum Worst Case diskutiert, bis schließlich die Aufklärung der Schuldfrage beginnt. Die Medien neigen dabei häufig zu Personalisierungen. "Die Katastrophe selbst kann schon Mal aus den Schlagzeilen geraten", sagt Ruhrmann. Wenige Wochen nach dem katastrophalen Ereignis ebbt das Interesse schließlich wieder ab. Die Nachrichten verschwinden und sind allenfalls noch in den überregionalen Zeitungen, in den öffentlich-rechtlichen Sendern sowie im Internet zu finden.

Die Erstquelle ist trotz technischen Fortschritts immer noch am häufigsten die mündliche Überlieferung. "Die meisten Menschen erfahren im Schneeballverfahren von anderen, dass etwas passiert ist", sagt Irene Neverla, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Hamburg. Wer von einer Katastrophe gehört hat, wendet sich anschließend einem Medium zu. Nach 9/11 waren das vor allem das Fernsehen und das Radio – das World Wide Web wurde durch dieses Schlüsselereignis gerade erst von überwiegend jungen Usern als schnelles Nachrichtenmedium entdeckt. Seither sind knapp zehn Jahre vergangen: "Heute würden sich mehr Menschen online informieren", sagt Neverla. Das Internet ist schneller und einfacher – aber auch oft unreflektierter. "Die Nachrichten entwickeln dadurch eine Eigendynamik, die es so vorher nicht gegeben hat. "