Altenpflege Keine Heime fern der Heimat

Die Zahl der Senioren mit Migrationshintergrund steigt, doch spezielle Altenheime sind rar. Ein Besuch bei Kenan Can, der einen interkulturellen Pflegedienst betreibt.

Kenan Can während seiner täglichen Pflegearbeit

Kenan Can während seiner täglichen Pflegearbeit

Schuhe aus, Hände desinfizieren, den Beutel vom Infusionsständer nehmen, die Sonde spülen, die den Körper der Patientin mit Medikamenten und Nahrung versorgt. Die Handgriffe macht Kenan Can, 29, graue Stoffhose, weißes Kurzarmhemd, fast wie von selbst. "Merhaba", ruft er seiner 80-jährigen Patientin Hüsne Özgül zu und streicht der alten Dame mit den silbernen Haaren über die Hand. Auf Türkisch fragt er die Kranke, ob sie Schmerzen hat. "Hayir, yok" "Nein, keine", lautet die Antwort.


Özgül spricht kein Wort deutsch. Ihre Angehörigen sind daher froh, dass es den interkulturellen Pflegedienst gibt. "Für meine Oma ist es wichtig, dass sie selber sagen kann, wo sie Schmerzen hat", sagt ihr 18-jähriger Enkel Firat. Warm eingepackt schaut Oma Hüsne unter der roten Decke hervor. Sie hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und liegt seit vielen Wochen im Bett. Der Pflegedienst von Can kommt dreimal täglich. "Wir machen die medizinische Versorgung, die Angehörigen waschen und pflegen sie", erklärt der examinierte Alten- und Krankenpfleger.

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In Baden-Württemberg gibt es kein Pflegeheim, das speziell auf die Bedürfnisse von Migranten ausgerichtet ist. Dabei wächst die Gruppe der älteren Migranten am schnellsten. 2010 lebten in Deutschland 1,3 Millionen ausländische Senioren. Mit seinem interkulturellen Pflegedienst, der die Menschen daheim versorgt, hat Can eine Marktlücke gefunden. Doch das Wort Marktlücke gefällt ihm nicht. "Das klingt so kommerziell. Ich spreche lieber von einer Versorgungslücke. Mir kommt es darauf an, die Versorgung der Patienten sicherzustellen." Eine Lücke aber gibt es: Vor zwei Jahren hat Can mit zwei Patienten begonnen. Jetzt betreut er 80 Patienten und beschäftigt 30 Mitarbeiter, meist Türken, aber manche kommen auch aus Afghanistan, Griechenland, Kroatien oder dem Libanon. Die Nachfrage ist ungebrochen, die Arbeit wird immer mehr, die Warteliste immer länger.

Der Preis

Zum ersten Mal haben jungejournalisten.de und ZEIT ONLINE in diesem Jahr einen gemeinsamen Reportagepreis für junge Journalisten ausgeschrieben: den jj-reportagepreis. Ziel war es, junge Reporter an die Königsdisziplin im Journalismus heranzuführen. Zwei Themenfelder standen zur Auswahl: "Zukunft der Demokratie" und "Deutschland, das Einwanderungsland". Die drei ausgezeichneten Texte werden auf ZEIT ONLINE veröffentlicht.

Die Preisträger

1. Platz: Juliane Baumgarten

Juliane Baumgartens Reportage zeichnet sich durch einen intensiven Blick und eine klare Sprache aus, lobt die Jury. Sie hat mit ihrer Reportage Keine Heime fern der Heimat ein Thema aufgespürt, das bislang wenig beachtet wurde, nämlich dass es für Menschen mit Migrationshintergrund kaum Seniorenheime gibt.

2. Platz: Laura-Patricia Montorio

Laura-Patricia Montorio widmet sich in ihrer ReportageEin Inder betet für die Bayern einem ungewöhnlichen Thema: dem Priestermangel in der katholischen Kirche in Deutschland. Ihm versucht die Kirche mit Hilfe von ausländischen Priestern entgegenzuwirken.

3. Platz: Jan Thomas Otte

Jan Thomas Otte hat ein gewöhnliches Thema den Schrebergarten in einen ungewöhnlichen Kontext versetzt. In seiner Reportage Steht ein Kasache im Schrebergartenist er unterschiedlichen Menschen nahe gekommen.

Die Vorteile des interkulturellen Dienstes liegen auf der Hand, sagt Can. Sprachdefizite pflegebedürftiger Senioren könnten aufgefangen werden, es gebe Verständnis für die fremde Kultur, religiöse Befindlichkeiten seien bekannt und würden berücksichtigt. "Wenn es die Patienten wünschen, lesen wir ihnen aus dem Koran vor oder sprechen gemeinsam Gebete." Sein Pflegedienst berät die Patienten auch, wenn sie mit den Tücken des deutschen Gesundheitssystems überfordert sind: "Viele Türken wissen nicht, welche Rechte sie als kranker Mensch hier haben."


Familie Özgül wurde Cans Pflegedienst von türkischen Bekannten empfohlen. Enkel Firat, groß, schlank, braungebrannt, mit schwarzem Shirt und Jeans lehnt lässig im Türrahmen und flüstert, damit ihn die Oma nicht versteht: "Es tut mir schon weh, dass ich sie so im Krankenbett sehe." Can spült derweil mit einer sterilen Kochsalzlösung die Schläuche im Körper der alten Dame.

Oma Hüsne lebt mit ihrem Sohn, ihrer Schwiegertochter und drei Enkeln im Stuttgarter Osten unter einem Dach. Sie teilen ein Bad, eine Küche, ein Wohnzimmer. Ein Pflegeheim wäre nie in Frage gekommen. "Das machen wir von der Mentalität her nicht. Wir sind für die Familie da", sagt der Enkel. "Ein Pflegeheim wird in vielen türkischen Familien als Abschiebung gesehen", weiß Can, aber er selbst sieht das anders.

Leser-Kommentare
  1. Die Rechnung derjenigen, die die Deutschlands demografische Probleme durch Zuwanderung lösen wollen, geht nicht auf:

    Am Ende fühlen sich die Nachfahren der Migranten - surprise, surprise – den eigenen Angehörigen verbunden; die Deutschen werden alleine alt werden, und die Einwanderer werden NICHT die Rolle der ausgebliebenen eigenen Kinder übernehmen.

  2. Zitat: "Das machen wir von der Mentalität her nicht. Wir sind für die Familie da"

    Etwas von dieser Einstellung würde auch den Deutschen gut tun.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das kann man so pauschal nicht sagen. In meinem Umfeld gibt es viele Fälle, in denen deutsche Kinder ihre Jobs aufgaben, um ihre Eltern zu pflegen.
    Die Pflege durch Familienangehörige ist immer noch die gängiste Form von Pflege. "Rund 92 % aller in Privathaushalten lebenden Pflegebedürftigen wurden im Jahr 2003 u.a. von Angehörigen aus dem unmittelbaren oder erweiterten Familienkreis versorgt."
    http://www.uke.de/extern/...

    Das kann man so pauschal nicht sagen. In meinem Umfeld gibt es viele Fälle, in denen deutsche Kinder ihre Jobs aufgaben, um ihre Eltern zu pflegen.
    Die Pflege durch Familienangehörige ist immer noch die gängiste Form von Pflege. "Rund 92 % aller in Privathaushalten lebenden Pflegebedürftigen wurden im Jahr 2003 u.a. von Angehörigen aus dem unmittelbaren oder erweiterten Familienkreis versorgt."
    http://www.uke.de/extern/...

  3. Spätestens jetzt zeigt sich doch wie wenig sich unsere Multikulturellen Mitbürger für unsere Geselschaft interessieren:
    Zitat: Sein Pflegedienst berät die Patienten auch, wenn sie mit den Tücken des deutschen Gesundheitssystems überfordert sind: "Viele Türken wissen nicht, welche Rechte sie als kranker Mensch hier haben."
 Zitat ende.

    Man könnte sich kümmern zumal inziwschen alls auf türkisch zu bekommen ist. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und argumentieren Sie differenziert. Danke. Die Redaktion/lv

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Entfernt. Bitte argumentieren sie differenziert und verzichten Sie auf Pauschalaussagen. Danke. Die Redaktion/lv

  5. Das kann man so pauschal nicht sagen. In meinem Umfeld gibt es viele Fälle, in denen deutsche Kinder ihre Jobs aufgaben, um ihre Eltern zu pflegen.
    Die Pflege durch Familienangehörige ist immer noch die gängiste Form von Pflege. "Rund 92 % aller in Privathaushalten lebenden Pflegebedürftigen wurden im Jahr 2003 u.a. von Angehörigen aus dem unmittelbaren oder erweiterten Familienkreis versorgt."
    http://www.uke.de/extern/...

  6. Der Artikel sagt fast schon mehr aus, als das Buch von Sarrazin. Welch fadenscheinige und widerliche Verklärung der Begriffe "Einwanderungsland" und "Migranten" auch auf dieser WEB-Seite. Wie auch schon zu dem Thema in der Südwestpresse kommentiert wurde: Es geht auch auf dieser Seite ganz sicher wieder mal nicht um Migranten und Einwanderer, sondern einzig und allein um Muslime, deren Wehwehchen und Vorzugsbehandlung! Wie immer. Das sind z.B. auch die einzigen mit der Allergie gegen christliche Pflegedienste. Integrationsbemühungen sind in Verbindung mit Muslimen nach wie vor äußerst einseitig, zumal sich eigentlich diejenigen bemühen müssten, die zu uns gekommen sind. Das Integrationsproblem stellten bislang nicht Italiener, Schweden oder Chinesen dar. Es sind Muslime, die obendrein recht dreist auch noch um mehr Bemühungen um sich einfordern. Sind Sie schon mal auf den Gedanken gekommen, dass genau das irrsinnige Verhalten auf Dauer zu Ablehnung führt?

    Wenn die Redaktion übrigens auch meinen Kommentar einfach löscht, sieht man auch, wie weit es mit unserer "Demokratie" bestellt ist. Wer sich einwenig überlegt und sich gegenüber der ständigen Islamisierung einwenig kritisch äußert ist immer sofort ein Nazi. So erbärmlich einfach tickt Deutschland.

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    Du bist jedenfalls nicht auf dem richtigen Weg..
    Was kommt euch eigentlich in den Sinn wenn ihr MUSLIME sagt?
    NUR Türken oder?

    Muslim: ALLE NATIONEN BEINHALTET! AUCH DEUTSCHE ;)

    Deshalb bitte ich euch, das man Muslims nicht nur auf Türken, Araber und Iraner beschränkt..
    Es sind auch von eurer Kultur sehr viele in der Religion!
    Und ich denke ihr habt nur mit der Integrationsgeschichte so ein Problem, da ihr die Muslims nicht akzeptieren könnt :/ Schade ehrlich drum.. wir sind auch nur Menschen =))

    Ich denke dieser Pflegedienst will einfach die Kultur, die Sitten und die Gebräuche von den Muslims und von anderen Nationen bewahren und hilft damit den Familien die eben noch von der Zeit sind, wo man nicht oft auf Deutschkurse gegangen ist =)

    Man kann ewig über dieses Thema diskutieren, aber bitte keine Vorurteile =) Fragt doch einfach mal diesen Pflegedienst, warum und weshalb sie eröffnet haben =) Obwohl im Bericht steht es ja schwarz auf weiß =)

    Du bist jedenfalls nicht auf dem richtigen Weg..
    Was kommt euch eigentlich in den Sinn wenn ihr MUSLIME sagt?
    NUR Türken oder?

    Muslim: ALLE NATIONEN BEINHALTET! AUCH DEUTSCHE ;)

    Deshalb bitte ich euch, das man Muslims nicht nur auf Türken, Araber und Iraner beschränkt..
    Es sind auch von eurer Kultur sehr viele in der Religion!
    Und ich denke ihr habt nur mit der Integrationsgeschichte so ein Problem, da ihr die Muslims nicht akzeptieren könnt :/ Schade ehrlich drum.. wir sind auch nur Menschen =))

    Ich denke dieser Pflegedienst will einfach die Kultur, die Sitten und die Gebräuche von den Muslims und von anderen Nationen bewahren und hilft damit den Familien die eben noch von der Zeit sind, wo man nicht oft auf Deutschkurse gegangen ist =)

    Man kann ewig über dieses Thema diskutieren, aber bitte keine Vorurteile =) Fragt doch einfach mal diesen Pflegedienst, warum und weshalb sie eröffnet haben =) Obwohl im Bericht steht es ja schwarz auf weiß =)

  7. Selamun Aleyküm =)

    Also ich find das sowas von klasse was ihr da macht =)
    Ich bin selber grad in der Ausbildung zur Altenpflegerin und mache grad ein Praktikum in einer Sozialstation und da pflegen wir grad auch einen jungen türkischen Mann und die Familie ist so froh das ich und eine Kollegin türkisch reden können, nicht weil sie was gegen Deutsche oder andere Nationen haben nein! Sondern weil sie sich besser ausdrücken können..
    In einer Trauersituation oder Stresssituation will man nicht noch an die Sprache denken und redet automatisch türkisch oder welche Sprache man halt hat.. und ehrlich ich bin so froh das es solche Menschen gibt =)
    Familien im Islam pflegen MEISTENS zu Hause.. Respekt Sache und aus Dankbarkeit, dass sie all die Jahre auf uns aufgepasst haben =)
    Und ihr Dua (Bittgebet) ist dann doch das herrlichste am Ende =))

    Masallah! Macht weiter so! =))

  8. Du bist jedenfalls nicht auf dem richtigen Weg..
    Was kommt euch eigentlich in den Sinn wenn ihr MUSLIME sagt?
    NUR Türken oder?

    Muslim: ALLE NATIONEN BEINHALTET! AUCH DEUTSCHE ;)

    Deshalb bitte ich euch, das man Muslims nicht nur auf Türken, Araber und Iraner beschränkt..
    Es sind auch von eurer Kultur sehr viele in der Religion!
    Und ich denke ihr habt nur mit der Integrationsgeschichte so ein Problem, da ihr die Muslims nicht akzeptieren könnt :/ Schade ehrlich drum.. wir sind auch nur Menschen =))

    Ich denke dieser Pflegedienst will einfach die Kultur, die Sitten und die Gebräuche von den Muslims und von anderen Nationen bewahren und hilft damit den Familien die eben noch von der Zeit sind, wo man nicht oft auf Deutschkurse gegangen ist =)

    Man kann ewig über dieses Thema diskutieren, aber bitte keine Vorurteile =) Fragt doch einfach mal diesen Pflegedienst, warum und weshalb sie eröffnet haben =) Obwohl im Bericht steht es ja schwarz auf weiß =)

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