Papst Johannes Paul II. ist selig gesprochen. Sechs Jahre nach dem Tod des Polen hob ihn Papst Benedikt XVI. auf diese Vorstufe zur Heiligkeit. Eine Million Pilger und Gläubige auf dem Petersplatz in Rom und der Umgebung des Vatikans jubelten. 

Nach der Seligsprechung wurde am Petersdom ein riesiges Porträt des verstorbenen Papstes enthüllt. Unter nur leicht bewölktem Himmel hatten sich etwa 90 hochrangige Delegationen aus aller Welt für die Seligsprechung eingefunden, darunter 16 Staatspräsidenten sowie Vertreter von fünf Königshäusern. Unzählige Pilger, die vor dem Petersdom keinen Platz ergattern konnten, verfolgten die Seligsprechung auf Großleinwänden in der italienischen Hauptstadt.

 Das Seligsprechungsverfahren war in Rekordzeit abgewickelt worden. Mit der feierlichen Aufnahme des charismatischen Polen Karol Wojtyła in den Kreis der Seligen nur sechs Jahre nach seinem Tod wird nach katholischem Glauben eine wichtige Vorstufe vor einer Heiligsprechung genommen. Der Vatikan hatte dies im Januar ermöglicht, indem er die angebliche Wunderheilung Johannes Pauls an einer Nonne aus Frankreich anerkannte. Die Frau litt wie der Papst selbst an Parkinson. Auch sie nahm am Sonntag an der Messe auf dem Petersplatz teil.

Viele hatten bei der Beerdigung am 8. April 2005 bereits laut gefordert, Johannes Paul direkt heilig zu sprechen, was Benedikt nicht wollte. Mehr als eine Million Pilger hatten sich für die Seligsprechung in Rom versammelt, sie konnten den feierlichen Akt auch von insgesamt 14 Großbildschirmen auf zentralen Plätzen der Ewigen Stadt verfolgen.

Der jetzige Papst nahm – wie nicht immer üblich – selbst die Seligsprechung des früheren Mentors vor. Damit schrieb erstmals ein Papst seinen direkten Vorgänger in das Buch der Seligen ein. "Heute ist der erwartete Tag gekommen", rief der Papst den Massen zu, "er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat."

"Dieser beispielhafte Sohn der polnischen Nation hat den Christen auf der ganzen Welt geholfen, keine Angst zu haben, sich Christen zu nennen, zur Kirche zu gehören und vom Evangelium zu sprechen", hob Joseph Ratzinger hervor.

In Polen feierten viele Menschen die Seligsprechung ihres Landsmannes. Rund 100.000 Menschen hatten sich am Wallfahrtsort Lagiewniki in Krakau versammelt, um auf einer Großleinwand die Zeremonie im Vatikan zu verfolgen. In der Kapelle in Lagiewniki hatte Karol Wojtyła bereits im Zweiten Weltkrieg auf dem Weg zur Arbeit gebetet. Auch zum Geburtsort des Papstes, Wadowice, pilgerten Tausende Gläubige. Seit dem frühen Morgen warteten auf dem Pilsudski-Platz in Warschau ebenfalls zahlreiche Menschen auf die Übertragung der Feierlichkeiten aus Rom.