KatholizismusJetzt gehört Johannes Paul II. zu den Seligen

Papst Benedikt hat den polnischen Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Mehr als eine Million Pilger verfolgten den Festakt in Rom. von dpa

Papst Johannes Paul II Rom Vatikan Seligsprechung

1. Mai auf dem Petersplatz in Rom: Zahlreiche Pilger sind zum Vatikan gekommen, um die Seligsprechung des polnischen Papstes Johannes Paul II. zu verfolgen.  |  © Giuseppe Cacace/AFP/Getty Images

Papst Johannes Paul II. ist selig gesprochen. Sechs Jahre nach dem Tod des Polen hob ihn Papst Benedikt XVI. auf diese Vorstufe zur Heiligkeit. Eine Million Pilger und Gläubige auf dem Petersplatz in Rom und der Umgebung des Vatikans jubelten. 

Nach der Seligsprechung wurde am Petersdom ein riesiges Porträt des verstorbenen Papstes enthüllt. Unter nur leicht bewölktem Himmel hatten sich etwa 90 hochrangige Delegationen aus aller Welt für die Seligsprechung eingefunden, darunter 16 Staatspräsidenten sowie Vertreter von fünf Königshäusern. Unzählige Pilger, die vor dem Petersdom keinen Platz ergattern konnten, verfolgten die Seligsprechung auf Großleinwänden in der italienischen Hauptstadt.

Anzeige

 Das Seligsprechungsverfahren war in Rekordzeit abgewickelt worden. Mit der feierlichen Aufnahme des charismatischen Polen Karol Wojtyła in den Kreis der Seligen nur sechs Jahre nach seinem Tod wird nach katholischem Glauben eine wichtige Vorstufe vor einer Heiligsprechung genommen. Der Vatikan hatte dies im Januar ermöglicht, indem er die angebliche Wunderheilung Johannes Pauls an einer Nonne aus Frankreich anerkannte. Die Frau litt wie der Papst selbst an Parkinson. Auch sie nahm am Sonntag an der Messe auf dem Petersplatz teil.

Viele hatten bei der Beerdigung am 8. April 2005 bereits laut gefordert, Johannes Paul direkt heilig zu sprechen, was Benedikt nicht wollte. Mehr als eine Million Pilger hatten sich für die Seligsprechung in Rom versammelt, sie konnten den feierlichen Akt auch von insgesamt 14 Großbildschirmen auf zentralen Plätzen der Ewigen Stadt verfolgen.

Der jetzige Papst nahm – wie nicht immer üblich – selbst die Seligsprechung des früheren Mentors vor. Damit schrieb erstmals ein Papst seinen direkten Vorgänger in das Buch der Seligen ein. "Heute ist der erwartete Tag gekommen", rief der Papst den Massen zu, "er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat."

"Dieser beispielhafte Sohn der polnischen Nation hat den Christen auf der ganzen Welt geholfen, keine Angst zu haben, sich Christen zu nennen, zur Kirche zu gehören und vom Evangelium zu sprechen", hob Joseph Ratzinger hervor.

In Polen feierten viele Menschen die Seligsprechung ihres Landsmannes. Rund 100.000 Menschen hatten sich am Wallfahrtsort Lagiewniki in Krakau versammelt, um auf einer Großleinwand die Zeremonie im Vatikan zu verfolgen. In der Kapelle in Lagiewniki hatte Karol Wojtyła bereits im Zweiten Weltkrieg auf dem Weg zur Arbeit gebetet. Auch zum Geburtsort des Papstes, Wadowice, pilgerten Tausende Gläubige. Seit dem frühen Morgen warteten auf dem Pilsudski-Platz in Warschau ebenfalls zahlreiche Menschen auf die Übertragung der Feierlichkeiten aus Rom.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich zum Thema. Die Redaktion/cs

    2 Leserempfehlungen
  2. "Der Vatikan hatte dies im Januar ermöglicht, indem er die angebliche Wunderheilung Johannes Pauls an einer Nonne aus Frankreich anerkannte. Die Frau litt wie der Papst selbst an Parkinson."

    Ach wie schön, dass es einen ganzen Haufen sekundär ausgelöster Parkinson-Syndrome gibt. Eine Parkinson-Symptomatik kann zum Beispiel durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden.

    Vielleicht hat ja die gute Nonne vor lauter Gebeten zum Ex-Pabst einfach vergessen ihre Pillen zu nehmen...

    6 Leserempfehlungen
  3. diese Seligsprechung aber, also die Heilung einer an Parkinson erkrankten Nonne durch Papst Johannes Paul ist kein Wunder der Medizin sondern eine Sache des Glaubens.
    Möge man ihn dafür selig sprechen, die Polen wirds freuen,
    denn Karol Wojtyla war auch ein politischer Papst. Auch wir verdanken ihm indirekt ein Stück Freiheit. Polen war das erste Land, das durch ihn Risse im "Ostblock" bekam.
    Ich habe ihn etwas bewundert, weil er trotz seiner schweren Krankheit sein Amt ausübte. Im Gegensatz zum "deutschen" Papst, war er ein Mann des Volkes, buchstäblich der Nächstenliebe. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten.
    Als Papst war er in seinen Lehren ultrakonservativ. Immer wieder betonte das Verhütungsverbot. Unter menschlicher Liebe, verstand er allein die Liebe zu Gott.
    Was solls, Gott hab ihn selig, wer auch immer das ist "Gott".

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ....hatten in keinster Weise Einfluss auf die Revolutionen in den Staaten Osteuropa beeinflusst. Paepste sind immer Laender bereist und tun es immer noch, meist um Gelder zu sammeln, denn das interessiert sie, neben jungs natuerlich, doch am meisten. Pervers ist dise Kirche immer gewesen und wird es so bleiben. Ich moechte eine Frage, die ich bereits gestellt habe wiederholen: Hat sich die katholische Kirche bereits eine Luege, um den jetztigen Papst nach seinem Ableben auch in den Stand der heiligen zu erheben, ausgedacht? Wenn nein, dann schlage ich folgendes vor: Benedikt hat alle Seelen der Vergewaltigungs- und Missbrauchsopfer geheilt und sie finanziell entsprechend kraeftig entschaedigt.

  4. Meiner Meinung nach ist die Seligsprechung, auch von der Geschwindigkeit ihres Verfahrens her, angemessen. Papst Johannes Paul II. war einer der größten Päpste aller Zeiten, dem aus allen Teilen der Welt, enorme Verdienste zugesprochen werden. Somit ist die Seligsprechung, welche in ihrer Geschwindigkeit auch durch den instantanen Ruf "Santo subito", beeinflusst wurde, vollkommen korrekt, obgleich die Wunder-Allokation an Johannes Paul II. nicht für jeden überzeugend ist.

    Post Scriptum:
    Ich sehe den Zynismus in der Meinung von jsthemaster als äußerst suboptimal an.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Zack34
    • 01. Mai 2011 20:22 Uhr

    seine enormen Verdienste durfte ich in paar völlig verarmten Dörfern im Norden Mexikos an der texanischen Grenze beobachten. Die Armen (!) hatten alle Angst, wenn sie verhüten, wartet die Hölle auf sie. Das hat der liebe Johannes ihnen so eingebläut und das wurde ihnen in der lokalen Dorfkirche auch so stets auf´s neue gepredigt, Johannes hat auch jeglichen Verstoß dagegen als schlimme Sünde gebrandmarkt.

    Also verhüteten sie nicht, und hatten Probleme, ihre größer werdenden Familien zu ernähren. Die Kirche interessierte das weniger, dafür pochte sie aber auf Spenden...

    Und dann noch "die Wunder-Allokation" ... tatsächlich suboptimal das ganze vatikanische Theater.

  5. Wie maßt sich bloß der Vatikan an, zu beurteilen, ob der tote Papst das Antlitz Gottes (wenns diesen doch geben sollte) geschaut hat? Anhand eines zweifelhaften Wunders, welches man zur Not auch faken könnte?

    Und warum kümmert sich niemand um die vielen unbekannten, die in irgendwelchen Ghettos herumbeten und mindestens genauso Zeugnis ablegen, nur weniger populär?

    Das ist doch letztlich alles nur ein machtpolitisches Spielchen.

    5 Leserempfehlungen
    • Zuntz
    • 01. Mai 2011 12:43 Uhr

    ich schau das auch grad
    Ein Deutscher spricht einen Polen selig.
    Das ist bei der Freundschaft der beiden auch ein Signal
    in die Welt.
    In nomine Patris et filii et spiritis sancti

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @zuntz: Völkerverständigung kann man aber anders noch viel besser.

    dass ich mich nicht schäme ! Also als "Deutscher" ist das nicht gerade eine Schande, aber schon ein Problem für das deutsche Vaterland. Er mag ja fromme Bücher schreiben, das Kondomverbot für männliche Prostituierte aufheben, die Reexkommunikation der Pius-Brüder betreiben, reaktionärer gehts nicht.
    Als Exministrant versuch ich mal ein Lied zu schreiben (singen geht ja nicht)
    "Fest soll mein Taufbund immer stehen.
    Ich will die Kirche ehren...
    und treu sein ihren Lehren.
    Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad
    in diese Kirch gerufen hat..."...oder so ähnlich.
    Eigentlich haben mich meine Eltern durch die Taufe
    in diese Kirche gebracht. Ich wurde nicht gefragt.
    Aber ich habe dazu gelernt. Zwar gibt es noch die
    Erbsünde, aber das Fegefeuer für die ungetauften
    Kinder mit der Erbsünde heißt jetzt Warteraum.

    Es ist Sonntag, die Sonne scheint und deshalb höre
    ich jetzt auf.
    Dominus vobiscum !

    • Buh
    • 02. Mai 2011 2:16 Uhr

    Hat er etwa zwei Pässe? Der ist doch Alleinherrscher über den Vatikan. Musste er da nicht seine Staatsbürgerschaft als Deutscher abgeben?

  6. @zuntz: Völkerverständigung kann man aber anders noch viel besser.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "ein gutes Zeichen"
    • Zuntz
    • 01. Mai 2011 12:45 Uhr

    mußte mich kurz verbessern.sorry

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Johannes Paul II. | Joseph Ratzinger | Heiligsprechung | Königshaus | Messe | Papst
Service