Wird Dominique Strauss-Kahn (DSK) von der New Yorker Justiz behandelt wie jeder andere auch?

Nicht ganz. Wäre er ein armer Afro-Amerikaner, säße er noch in Rikers Island. Aber er wird behandelt wie ein Amerikaner seiner Klasse — Bernie Madoff etwa kam unter ähnlichen Bedingungen frei. Andererseits, es gibt Vergewaltigungsklagen, in denen die Verdächtigen nicht in Handschellen einem größeren Publikum vorgeführt werden; beispielsweise eine gegen zwei Polizisten, die gerade in New York vor Gericht stehen.

Was hat DSKs Hotelzimmer gekostet?

525 Dollar. Die Zahl von 3000 Dollar stammt von Murdoch’s New York Post . Ursprünglich war es etwas teurer, aber er bekam als häufiger Gast ein Upgrade. Alle Informationen über sein Einkommen und sein Luxusleben dürften wohl stimmen, sind aber für einen Banker dieser Klasse wirklich nicht ungewöhnlich.

Hat er versucht zu fliehen?

Nein, und wenn er das hätte, wäre er nicht auf Kaution frei. Er hat aus seinem Hotel ausgecheckt, hatte Lunch mit seiner Tochter, ist danach zum Flughafen gefahren und hat dort bemerkt, dass er eines seiner Handys vergessen hat, und rief deshalb im Hotel an. Die Hotelleitung hat daraufhin die Polizei informiert, wo er steckt. Der Flug, aus dem er herausgeholt wurde, war lange vorher gebucht.

Kann er in der kurzen Zeit die Tat begangen haben? Hat er nicht ein Alibi?

Paul J. Browne, der stellvertretende Polizeikommissar von New York, hatte zunächst erklärt, die Tat habe gegen 13 Uhr stattgefunden. Daraufhin sagte DSK, um diese Zeit sei er mit seiner Tochter beim Lunch gewesen. Einen Tag später wurde die Tatzeit auf 12 Uhr korrigiert. DSK hatte gegen 12.30 Uhr aus dem Hotel ausgecheckt.

Ist es überhaupt möglich, dass ein Mann seines Alters eine kräftige 32-jährige Frau oral vergewaltigt? Hätte sie nicht fliehen können? Wieso war sie überhaupt im Hotelzimmer, während er unter der Dusche stand?

Denkbar sind alle möglichen Szenarien, einschließlich desjenigen, dessen er beschuldigt wird, immerhin gibt es ein einschlägiges Verhaltensmuster. Es könnte auch sein, dass die Klägerin die sexuelle Belästigung ein wenig übertreibt, dass er sie mit einer Protituierten verwechselt hat, die er (oder jemand in DSKs Namen) ins Hotel bestellt hat, oder dass sie eine Agentin des MI6 ist, die nebenbei von Goldman Sachs bezahlt wird. Wir wissen es nicht, weil wir nicht dabei waren. Nur weil jemand schon mal in einem Hotel übernachtet hat, wo die Zimmerputz-Modalitäten so oder so waren, heißt das nicht, dass es in diesem Fall auch so war.

Hat DSK behauptet, es habe "einvernehmlichen Sex" gegeben?


Nein. Sein Anwalt Benjamin Brafman hat gegenüber der Presse gesagt, es gebe keine forensischen Beweise für erzwungenen Sex. Daraus machte die New York Post , dass er im Verfahren auf freiwilligen Sex plädieren werde.

Gibt es DNA-Spuren, die seine Schuld oder Unschuld beweisen?

Die Staatsanwaltschaft hat DNA-Proben genommen , von ihm selbst, von der Klägerin und auch im Hotelzimmer; es gibt aber noch kein offizielles Ergebnis. Spekuliert wurde bisher, dass sie sein Ejakulat auf den Teppich gespuckt hat. Nun gibt es Presseberichte, gestützt auf ungenannte Zeugen der Polizei und/oder der Staatsanwaltschaft, wonach seine DNA auf ihrer Kleidung gefunden wurde. Die Polizei hat offiziell dementiert, dass die Information aus ihren Reihen stammt und hat sie auch nicht bestätigt. Es kann sein, dass es trotzdem stimmt, es kann aber auch sein, dass sich ein Polizist, der den Fall vom Kollegenklatsch kennt, wichtig macht.