Pflege im AuslandDement unter Palmen

Im Norden Thailands steht ein Heim für Demenzkranke aus Deutschland und der Schweiz. Hier bekommen sie alles, was in ihrer Heimat fehlt oder zu teuer ist. von Carsten Stormer

Der Ausflug, an den sie sich nicht erinnern kann, sei bestimmt schön gewesen, sagt Frau Mugli. Egal, das Vergessen gehört zum Programm. Genauso wie das Fremde und Exotische. Die Mönche in ihren safrangelben Gewändern, die seltsame Musik, die nichts mit der Volksmusik zu tun hat, die sie zu Hause in der Schweiz oder in Deutschland so sehr mögen. Und dann dieses Essen, sehr lecker, aber ein bisschen zu scharf vielleicht. Victor Sammer aß eine Nudelsuppe mit viel Chili, die ihm das Wasser aus den Augen presste. Er nahm seine Brille ab, wischte sich die Tränen mit einem Taschentuch fort und hustete und lachte ab- wechselnd, bis ihm das Käppi in den Schweizer Nationalfarben vom Kopf rutschte. Elisabeth Mugli begnügte sich nur mit einem Eis. Die Figur, na ja.

Frau Mugli ist eine elegante Dame, die grauen Locken frisch frisiert, die Hände manikürt, ein Seidentuch um den Hals gewickelt und den Rücken gerade durchgedrückt, als hätte sie einen Besenstiel verschluckt – wie man es ihr als junges Mädchen eingetrichtert hat. Neben ihr döst Manfred Richter in seinem Rollstuhl. Reinhardt Mühlethaler, von allen nur Reini genannt, flirtet mit seiner jungen Betreuerin, und Victor Sammer hat sich bei 28 Grad eine Jacke angezogen. Es ist gerade Winter, und man wisse ja nie, ob es nicht gleich zu schneien beginnt.

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Erschienen im Magazin "enorm"  |  © enorm

Sie genießen den Schatten eines Tamarindenbaums im Innenhof eines Klosters, umgeben von Buddhas aus weißem Marmor und goldenen Türmchen. Eine Zauberwelt, die so gar nichts mit ihrer Heimat gemeinsam hat. Vor ihnen Garküchen mit Töpfen, in denen Fisch oder Suppe köchelt. Es riecht nach gebratenem Schweinefleisch, marinierten Rinderspießchen und Zitronengras. Devotionalienstände bieten Buddhastatuen und Souvenirshops T-Shirts an, auf denen "Amazing Thailand" steht – wunderbares Thailand.

Wer das Alzheimerzentrum Baan Kamlangchay besuchen möchte, muss nach Faham fahren, einer ruhigen Siedlung eines Vorortes von Chiang Mai, Thailands zweitgrößter Stadt. Keine Spur vom Trubel und Hektik, weder Smog noch Lärm. Hier schließen die Nachbarn ihre Türen nachts nicht ab, Kinder spielen auf den Straßen Federball und Verstecken. Bougainvilleas blühen, und mit den gestutzten Hecken der Vorgärten wirkt es fast wie ein gepflegter Vorort irgendwo in Deutschland. Das nächste Krankenhaus ist nur ein paar Minuten mit dem Auto entfernt, das ist wichtig für die Demenzkranken.

Martin Woodtli, 50 Jahre alt, der Gründer des Heims, sitzt am Computer seines Büros und korrespondiert mit den Angehörigen seiner Patienten. Er ist ein kräftiger Mann mit warmen Augen. Im Wohnzimmer spielt seine thailändische Frau Areewan mit dem gemeinsamen Sohn und in der Küche bereiten Angestellte das Mittagessen für seine Gäste vor. Woodtli nennt sie Gäste, nicht Patienten, das ist ihm wichtig. "Das zeigt Respekt vor einem gelebten Leben, das langsam zu Ende geht", sagt er.

Vor knapp acht Jahren hat er das Heim gegründet, und inzwischen wohnen in den sechs Häuschen zehn Patienten, die von dreißig Pflegern und Krankenschwestern rund um die Uhr betreut werden. Der Name des Heims bedeutet übersetzt: Betreuung des Herzens.

Das thailändische Abenteuer begann für Martin Woodtli mit einem Schicksalsschlag in Münsingen bei Bern. Seine Mutter war an Alzheimer erkrankt, und sein Vater nahm sich daraufhin, aus Gram und Trauer, dem geistigen und körperlichen Verfall seiner Frau tatenlos zusehen zu müssen, das Leben. Den Sohn ließ er mit der Frage zurück: "Was soll ich jetzt mit der Mutter machen?"

Neun Monate pflegte Woodtli sie zu Hause, "ständig musste man aufpassen, dass nichts passiert". In dieser Zeit sah er sich mehrere Heime in der Schweiz an. Wie die Pfleger dort allerdings die alten und kranken Menschen behandelten, fand er "völlig unzumutbar". Das Personal habe zu wenig Zeit für zu viele Patienten, und wenn es hektisch wird, werden die Alten schon mal an ihre Stühle gefesselt, damit sie nicht randalieren oder aus dem Heim ausbüchsen. "Das wollte ich meiner Mutter nicht antun", sagt Woodtli und hebt seinen Sohn auf seinen Schoß. Außerdem wären die Ersparnisse seiner Eltern innerhalb von zwei Jahren aufgebraucht gewesen, "für mindere Pflege in trister Atmosphäre".

Am schwierigsten war es zu Beginn, als seine Mutter begriff, welche Krankheit sie hat. Als sie sich das Gesicht mit Zahnpasta einrieb und meinte, das sei "völlig normal". Wenn sie sich in ihrem Zimmer einsperrte und hysterisch lachte, gefangen im Labyrinth ihrer Erinnerungen. Mit 73 Jahren hätte seine Mutter etwas Besseres verdient, fand Woodtli. Er wollte, dass sie geistig gefordert wird, dass sie trotz ihrer Krankheit Eindrücke bekommt, dass sich jemand um sie kümmert. "Ich wollte mit ihr noch etwas Abenteuerliches erleben. Lebensqualität ist besser als Langlebigkeit!"

Er suchte nach einer Lösung, wie Tausende von Familien in Deutschland und in der Schweiz. Bis er sich an Thailand erinnerte. Woodtli kannte das Land, die Kultur, die Menschen und ihre Sprache. In den neunziger Jahren arbeitete er vier Jahre lang für ein Aids-Projekt der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Chiang Mai. Er wusste, wie Thais mit alten Menschen umgehen. Martin Woodtli nippt an seinem Kaffee, Schweißtropfen stehen ihm auf der Stirn, während er erzählt. "Die Thais betrachten das Nachlassen von geistigen und körperlichen Fähigkeiten als ganz normalen Prozess. Die Jungen kümmern sich um die Alten, das ist selbstverständlich." Der Umgang sei hier vielleicht nicht ganz so professionell wie in Deutschland, dafür ist er menschlicher.

Im Dezember 2003 flog er mit seiner Mutter nach Thailand, gegen den Rat von Freunden und Ärzten. Sie versuchten, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, machten ihm Vorwürfe. Menschen, die sich nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung zurechtfinden, bringe man nicht in ein Land, in dem sie sich nicht auskennen, hielten sie ihm vor.

Woodtli hat die Argumente tausendfach gehört, tausendfach darüber nachgedacht, tausendfach diskutiert. Mit Menschen, die es für selbstverständlich halten, billige Krankenschwestern aus osteuropäischen Ländern in die Schweiz oder nach Deutschland zu importieren, es aber moralisch verwerflich finden, sich bestmögliche Pflege im Ausland zu suchen.

Inzwischen bekommt er viele Anfragen, Angebote und Hilferufe. Von Menschen, die nicht mehr wissen, was sie mit ihren Angehörigen machen sollen. Von Geschäftsleuten, die Profite aus der Pflegemisere in der Heimat schlagen wollen. Denn so könnte die Pflege der Zukunft aussehen: für eine Gesellschaft, die immer älter wird und in der Pflegenotstand für Tausende von Familien zum Alltag gehört.

Martin Woodtli hört sich diese Angebote an, Interesse aber hat er keines. Es wür- de gegen sein Konzept der familiären Atmosphäre in einem Dorf verstoßen. "Investoren wollten geeignete Ressorts aufkaufen und mir zur Verfügung stellen, damit ich mein Heim ausbaue. Ich glaube nicht, dass wir bei einem Großprojekt mit fünfzig oder mehr Betten die Qualität halten könnten." Denen gehe es eher ums Geld und fehle die ehrliche Motivation. Er selbst verzichtet auf große Profite und kann von seinem Unternehmen ganz gut leben. "Das reicht", sagt er.

Finanziert wird das Heim ausschließlich durch die Beiträge der Angehörigen. Es erhält weder staatliche Subventionen noch Spenden. Deutsche Krankenkassen zahlen zwar, je nach Vertragsabschluss, Krankenhauskosten in Thailand, nicht aber den Aufenthalt in Baan Kamlangchay. Das müssen die Betroffenen selbst stemmen. Etwa 2000 Euro kostet die Betreuung in Thailand, ungefähr die Hälfte von dem, was man in Deutschland bezahlen muss.

Die deutsche Pflegeversicherung erlaubt, bis zu 180 Euro im Monat für Kranke auszugeben, wenn die zu Hause leben. Angehörige von Demenzkranken können sich kurzfristig zehn Tage unbezahlt beurlauben lassen, um die Pflege eines Fa- milienmitgliedes zu organisieren und dürfen bis zu zweihundert Euro für die Betreuung ausgeben. In den meisten Fällen reicht das hinten und vorne nicht.

Pflege ist ein Vollzeitjob, am Ende steht die Aufgabe des Berufs, der Freundschaften, der Freizeit. Plötzlich wird von Menschen, die weder ausgebildet noch vorbereitet sind auf den geistigen und körperlichen Verfall ihrer Angehörigen, verlangt, dass sie ihr bisheriges Leben aufgeben, rund um die Uhr Windeln wech- seln, Speichel abwischen, Brei kochen, füttern. Für die meisten Menschen ist die finanzielle, emotionale und körperliche Belastung zu hoch. Für die meisten Betroffenen ist gute Pflege zu teuer und bezahlbare Pflege nicht gut genug.

Nicht so in Thailand. Drei Betreuerinnen kümmern sich in drei Schichten um einen Kranken, rund um die Uhr, täglich. Die sprachliche Distanz wird mit Menschlichkeit überbrückt: Gestik, Mimik, Blickkontakte. Berührungen, kleine Massagen, Händchen halten, Umarmungen, Zärtlichkeiten dienen als Kommunikationsform. Eine Formel, um den Abstieg in das schwarze Loch, das Demenzkranke unaufhaltsam ansaugt, ein bisschen zu entschleunigen. Es sind Zuwendungen, für die in der durchstrukturierten Welt der Pflegeheime in der Heimat weder Zeit noch Geld übrig ist. Und wenn der Pfleger bei einem Restaurantbesuch auf Toilette muss, passt der Kellner auf den Patienten auf. "Für Europäer mag das ungewohnt klingen, in Thailand ist das ganz normal."

In Haus Nummer sechs kümmert sich die 26-jährige Umphorn um den 81 Jahre alten Victor Sammer. Seit drei Jahren pflegt sie den Alzheimer-Patienten, und in dieser Zeit ist sie zu seiner Bezugsperson, besten Freundin und Ersatzenkelin geworden. Jetzt sitzen sie gemeinsam auf dem Sofa und spielen das Kartenspiel Jassen, und weil Victor nicht verlieren kann, lässt Umphorn ihn gewinnen. Dafür zwingt sie ihn nach jedem Spiel sachte, einen Schluck Wasser zu trinken, damit er nicht austrocknet bei der Wärme. Seine Winterjacke darf er anbehalten. Umphorn nennt ihn Opa, und zwickt ihn immer in die Wange. Victor Sammer stellt sie liebevoll als "meinen kleinen Diktator" vor. Sie sind sich nahe gekommen in diesen Jahren, der alte Herr aus der Schweiz und die junge Frau aus den thailändischen Bergen. Da er ihren Namen ständig vergisst, hat sie einen Spitznamen bekommen: Gift – Geschenk.

"Mach doch mal ein bisschen Musik, …, wie heißt Du noch mal?", fragt Victor.

"Ich bin Gift, Opa!", sagt die junge Frau, umarmt ihn, drückt einen Kuss auf seine Wange und streichelt seine fleckigen Hände.

"Ah, richtig, Du bist die Gift. Kann ich Musik hören, bitte?"

Umphorn geht zur Stereoanlage, kramt in einer Schublade nach Victors Lieblings-CD und legt eine Scheibe von Vico Torriani ein. Früher hat die gelernte Pflegerin in Krankenhäusern und Pflegeheimen gearbeitet. Aber die Arbeit habe ihr dort nicht gefallen, weil sie sich um zu viele Menschen auf einmal kümmern sollte. Hier könne sie sich Zeit nehmen für Victor, herausfinden, was er gerne hat und was er nicht mag. "Ich wäre unglücklich, wenn ich nur für Geld arbeiten würde", sagt sie. Achttausend Baht verdient sie im Monat, umgerechnet zweihundert Euro. Dafür teilt sie ihr Leben mit ihm, führt ihn auf die Toilette, bringt ihm Essen und schläft auf einer Matratze neben seinem Bett, falls er nachts Hilfe braucht.

Bislang sind erst zwei Patienten gestorben. Sie wurden eingeäschert, so wie es mit den Angehörigen abgesprochen war. Die freien Plätze hat Martin Woodtli neu besetzt, mit Gästen aus der Schweiz oder Deutschland. So will er es auch in Zukunft machen. Die Entscheidung, seine Mutter nach Thailand zu bringen, wo sie im Frühjahr 2006 starb, hält er nach wie vor für richtig. Ihre Heimat habe sie nicht vermisst. "Sie hat ihre Erinnerungen mit nach Thailand genommen."

In ihren letzten Jahren lief Margit Woodtli durch das Dorf Faham als wäre sie im schweizerischen Münsingen. Sie besuchte den Tempel als ginge sie in die Kirche, und auf dem Markt kaufte sie Papayas und Mangos wie einst zu Hause Äpfel und Birnen. Manchmal reiste sie zu den Anfängen ihres Lebens, glaubte das Haus zu erkennen, in dem sie als junges Mädchen zur Schule ging. Am Ende erkannte sie ihren eigenen Sohn nicht mehr. Das wäre in Münsingen wohl auch passiert. "Es geht darum, dass meine Gäste noch etwas erleben, aktiv sind, Spaß haben. Ob sie sich daran erinnern, spielt keine Rolle", sagt Martin Woodtli.

Zurück bleiben die Angehörigen, für die es durchaus eine Rolle spielt, wo sie ihre Liebsten unterbringen. Liselotte Mahler steht am Bett ihres Mannes Johann und wischt ihm Speichel aus dem Mundwinkel. Der 85-Jährige leidet an einer mittel- schweren semantischen Demenz und Parkinson. Was um ihn herum passiert, nimmt er nicht mehr wahr. Die Sprache ist ihm vor Jahren verloren gegangen. Seine Krankheit ist für sie das schlimme Ende eines langen, erfüllten Lebens. "Wir sind seit 56 Jahren verheiratet und ich vermisse ihn sehr", sagt Liselotte Mahler. Jedes Jahr kommt sie für drei Monate zu Besuch.

Den Rest des Jahres stellt sie sich Gewissensfragen: War es die richtige Entscheidung, Johann nach Thailand zu bringen? Hätte es nicht doch ein Pflegeheim gegeben, das anständige und bezahlbare Pflege geleistet hätte? In ihrem Heimat- dorf lästern die Leute. Sie hätte doch den Johann nur abgeschoben, um Ruhe zu haben, frei zu sein. Jetzt, da der Johann in Thailand sei, könne sie wieder etwas unternehmen, werfe man ihr vor. Sie spüre die Blicke, das Getuschel, wenn sie durchs Dorf geht. Und wenn sie aus Asien zurückkehrt, fragen die Leute spöttisch, wie der Urlaub gewesen sei. "Aber das sind keine Ferien, ich kann mich hier nicht erholen!"

Wie lange sie diese Belastung noch durchhalte, wisse sie nicht: die lange Reise, das ungewohnte Klima – "gesundheitlich geht es mir nicht mehr so gut", sagt sie und zeigt auf ihre Gehstöcke, eine 82-jährige Dame, die zwischen den Kon- tinenten pendelt. Bei ihrem letzten Besuch fing sie sich Denguefieber ein. Sie streicht über die Falten auf den Händen ihres Mannes, zieht mit dem Zeigefinger die Adern nach und erzählt von den beiden gemeinsamen Kindern, der Barbara und dem Georg. Keine Reaktion.

Während in Haus Nummer sechs Victor Sammer mit seiner Pflegerin Umphorn Karten spielt, fahren Manfred Richter und Philippina Zürcher zu einem Sportplatz in Chiang Mai, spazieren durch den Park, sitzen auf Parkbänken, beobachten den Sonnenuntergang oder werfen sich gegenseitig Bälle zu. Elisabeth Mugli sitzt in Martin Woodtlis Büro, telefoniert über Skype mit ihrem Neffen in der Schweiz und erzählt, dass sie großes Heimweh habe. Nach einer halben Stunde legt sie das Headset ab, bleibt noch ein paar Minuten regungslos sitzen und starrt auf den Bildschirm. Auf der Terrasse des Baan Kamlangchay sitzen einige Gäste, essen Drachenfrüchte und Ananas und wundern sich darüber, dass es in der Schweiz an diesem Tag so warm ist.

Erschienen im Magazin Enorm

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Leserkommentare
  1. Bericht und ich zweifle nicht, daß alles so stimmt - aber was kann uns das hier in Deutschland nützen? Meine Mutter ist dement - aber das Geld, sie in Thailand unterzubringen, ist nicht vorhanden, ganz abgesehen davon, daß Besuche unmöglich wären und alleine lassen würde ich sie nicht.
    Zudem ist diese Form der Betreuung auch nur deshalb möglich, weil die Betreuer 200 Euro im Monat verdienen, dafür aber rund um die Uhr arbeiten (müssen). Sicher ist das in Thailand viel Geld; aber vergleichbare Löhne kann und sollte man in anderen Ländern nicht durchsetzen.
    Abgesehen davon, daß dieser Bericht ganz nett ist, ist er für die Situation hier in Deutschland auch so nötig wie ein Kropf. Sorry.

  2. 200,- € (8.000 baht) sind in Thailand ein Durchschnittsverdienst für Servicekräfte (wie z.B. Krankenschwestern).

    Wenn man aufmerksam liest, wird einem nicht entgangen sein, dass von einem Dreischichtmodell bei 24h-Betreuung die Rede ist. D.h. eine Schicht entspricht dabei 8h und nicht "rund um die Uhr". Eine solche Formulierung unterstellt Ausbeutung. Und davon ist der Betreiber nach den Schilderungen weit entfernt. Im Gegenteil, wenn man die Verhältnisse in Thailand aus eigener Erfahrung kennt, weiss man, dass dies qualitativ ausgesprochen gut Arbeitsbedingungen sind. Das Niveau ist in Thailand nun einmal ein anderes als in Deutschland.

    Die angegebenen Pflegekosten von 2.000,- € pro monat sind im Vergleich zu Deutschland lächerlich gering. Dafür wäre hier eine solche Betreuung nicht darstellbar. Wünschenswert wäre hingegen, wenn zumindest eine teilweise Übernahme durch die Krankenkassen gewährleistet wäre. Aber statt dessen wird der deutsche Qualitätsstandard hochgehalten und die alten Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen "gepflegt".

    Da ist mir Thailand lieber...

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    muss PRIORITÄT haben bzw. erhalten gegenüber viel zu kostspieligem und Menschen unwürdigem "Gemurkse"in deutschen Pflegeheimen!

    Und wenn eine derartige Altenpflege in Entwcklungsländern angeboten wird, dann ist deren Nutzung durch Deutsche nicht bloss billiger und/oder besser für unsere Alten, sondern die denkbar beste Entwicklungshilfe!

    Eine feste Arbeitsstelle mit einem 8-Stunden-Tag für umgerechnet ca. EURO 200 ist in vielen Entwicklungsländern das Beste, was mit Entwicklungshilfe aus Deutschland bewirkt werden kann!

    Alle deutschen Renten- und Pensionskassen wären gewiss gut beraten, sich um ähnlich gute und gleichzeitig kostengünstige Altersheime auch in anderen Entwicklungsländern zu kümmern, d.h. deren Errichtung sowie die Ausbildung der Pflegekräfte zu initiieren und danach regelmässig zu kontrollieren!

    DAS wäre nicht bloss wirtschaftlich geboten, sondern auch im Hinblick auf eine menschenwürdige Altenpflege!

  3. muss PRIORITÄT haben bzw. erhalten gegenüber viel zu kostspieligem und Menschen unwürdigem "Gemurkse"in deutschen Pflegeheimen!

    Und wenn eine derartige Altenpflege in Entwcklungsländern angeboten wird, dann ist deren Nutzung durch Deutsche nicht bloss billiger und/oder besser für unsere Alten, sondern die denkbar beste Entwicklungshilfe!

    Eine feste Arbeitsstelle mit einem 8-Stunden-Tag für umgerechnet ca. EURO 200 ist in vielen Entwicklungsländern das Beste, was mit Entwicklungshilfe aus Deutschland bewirkt werden kann!

    Alle deutschen Renten- und Pensionskassen wären gewiss gut beraten, sich um ähnlich gute und gleichzeitig kostengünstige Altersheime auch in anderen Entwicklungsländern zu kümmern, d.h. deren Errichtung sowie die Ausbildung der Pflegekräfte zu initiieren und danach regelmässig zu kontrollieren!

    DAS wäre nicht bloss wirtschaftlich geboten, sondern auch im Hinblick auf eine menschenwürdige Altenpflege!

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    zu 3

    Da stimme ich nicht zu ! Denn das haben unsere alten Leute wirklich nicht verdient.

    Denken Sie das doch mal zu Ende:

    Am Ende müssen alle alten Leute, die nicht genug Geld haben - na fast hätte ich geschrieben - und keine Kinder, aber die zählen heute auch nicht mehr, ins Ausland transportiert werden weil für den Staat billiger und andere alte Menschen mit Geld bleiben hier und werden vorbildlich gepflegt.

    Und was Sie unter menschenwürdiger Altenpflege verstehen, kann nicht weit her sein.
    Sie haben sich von diesem Artikel beeindrucken lassen, sonst nichts.

    Auch in D ist Altenpflege zum Teil sehr gut, zum Teil weniger gut, zum Teil schlecht, aber noch nicht so schlecht, dass wir alte Leute ins Ausland schaffen müssten, damit sie eine gute Pflege dort bekommen.

    So finde ich es z.B. überhaupt nicht gut, wenn das Pflegepersonal mit Bewohnern Küsschen hier und Küsschen da spielt, weil sie nicht wissen, ob das diese Menschen wirklich wollen.
    Wie gesagt: Demenzkranke können sehr schlecht Wünsche und Gefühle verbalisieren.
    Zum Respekt gehört auch, alte Menschen nicht wie kleine Kinder zu behandeln, was hier aber der Fall zu sein scheint.

    Was ist, wenn einige das Klima nicht vertragen ? Heimweh haben ? Nur weil diese Menschen, wie Sie meinen, dement sind, merkten sie nicht, was passiert ? Ein Irrtum. Sie merken alle, was passiert, auch wenn Sie ihnen aus Kostengründen die Heimat stehlen wollen.

  4. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, genau so sollte es laufen.

  5. "Auf der Terrasse des Baan Kamlangchay sitzen einige Gäste, essen Drachenfrüchte und Ananas und wundern sich darüber, dass es in der Schweiz an diesem Tag so warm ist."

    Der schönste Satz im Artikel, finde ich.

  6. Mir gefällt die Idee, ein solches Heim aufzumachen - sofern es jedem selbst überlassen bleibt ob er seine Angehörigen auf diese Weise die letzten Jahre leben lassen möchte.

    Ich sehe einige Vorteile: Die Alten bekommen nochmal Eindrücke (Leben), finanziell rechnet es sich sowohl für die Krankenkassen (niedrigere Auszahlungen), als auch für die Angehörigen (niedrigere Zuzahlungen). Und die Menschen - hier Thailand - haben auch was davon, 200 € für 8 h scheinen ein guter Lohn zu sein. Win Win.

    Es sollte jedem freistehen, aber mir gefällt die Idee sowohl für mich selbst als auch für meine Eltern, der Lesetipp ist gerade per E-Mail raus ;-)

  7. Es gibt auch einen Film über das Heim, das Schweizer Fernsehen strahlte ihn gerade kürzlich aus. Es ist ein fröhlicher, positiver Film trotz des ernsthaften Themas.

    Herr Woodtli hat Bemerkenswertes geleistet und im Film sah man auch, mit welchem Respekt er seiner Mutter bis zuletzt begegnete. Er suchte eine gute Lösung und fand sie in Thailand, ich bin beeindruckt von soviel Mut und Durchsetzungswillen, die Pflegerinnen geben sich grosse Mühe und gehen sehr liebevoll mit den Gästen um. Für Schweizer ist es kein Problem, die Heimkosten zu bezahlen, mit der AHV (Alters- und Hinterbliebenen Versicherung) können die Kosten gedeckt werden. Ich wünschte allen alten Leuten, auch den nicht Dementen, solche Pflege und liebevolle Aufmerksamkeit. Und das warme sonnige Klima tut den alten Leuten auch gut, viele haben ja Rheuma, da ist Wärme wohltuend.

    • DrNI
    • 28. Juni 2011 19:00 Uhr

    Ich finde dieses Projekt bemerkenswert und richtig. Gleichzeitig ist aber natürlich klar, dass es nicht funktionieren würde, unsere komplette Altenpflege einfach in Entwicklungsländer auszulagern. Für die Angehörigen ist die Lage belasten: Sie können nicht alles aufgeben, nur um ihre Eltern zu pflegen. Und das schlechte Gewissen ist jeden Tag mit ihnen. Wir werden einfach zu alt. Im Vergleich zu früher.

    Dieses Problem ist ungelöst. Es ist eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft, eine Herausforderung, die wir mit Privatisierung und Kapitalisierung und der Umwandlung von alter Menschen in "Fälle" nicht meistern werden. Ich habe auch keine Antwort. Wir als Gesellschaft müssen aber eine Antwort finden. Besser früher als später.

    Früher gab es ein kleines Bürgertum-Light. Man hat einmal das Häuschen geerbt. Es war nicht so schlimm, wenn man selbst nicht genug verdient hat, um sich ein Häuschen zu leisten. Heute frisst die Pflege der Oma das Häuschen einfach auf. Doch das verschwindet ja nicht. Das Geld wird ja nicht verbrannt, das bekommen andere. Kurzum: Die Pflegesituation trägt ganz schleichend zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft in arm und reich bei.

    Ich wünschte, unsere Politiker wären wirklich kluge Leute mit dem Mut und dem Sachverstand, große Probleme anzupacken. Aber die packen heutzutage ja nicht mal mehr ihre Dissertationen.

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    zu 8

    Zum Teil haben Sie recht, aber die Lösung liegt NICHT in einer Auslagerung der Altenpflege nach Thailand, sondern um eine bessere Personalbesetzung in den Heimen.

    In D werden Altenpflegefachkräfte bestens ausgebildet bis hin zu besonderen Kurseinheiten in Validation, was bedeutet, einen ganz bespeziellen Umgang mit dementen alten Menschen zu lernen. Das hilft dieser Personengruppe sehr indem sogar einige Demenzkranke, je nach Erkrankungsgrad, wieder gesünder werden.

    Aus Personalmangel ist es schwierig, diese Methoden ständig anzuwenden, geht aber, wenn sie regelmäßig von allen Pflegenden in den Pflegealltag einbezogen und damit ständig geübt wird.

    Ein schlechtes Gewissen haben Angehörige fast immer, wenn sie ein oder beide Elternteile in eine Einrichtung abgeben.
    In D können sie aber die Eltern immer besuchen und zeigen, dass sie da sind.

    In Thailand ginge das nicht.

    Es ist wirklich nicht so, wie gesagt wird von den Vertretern dieses Modells, dass die alten Menschen nichts (mehr) merkten. Sie merken alles, lassen aber alles über sich ergehen, weil die Kraft und der Verstand fehlen, Widerstand zu leisten.
    Oftmals haben sie auch schon gemerkt, was es bedeutet, wenn sie Nein sagen und somit lassen sie es und rutschen weiter in die Demenz oder ehrlicher gesagt, wie ich es sehe, in eine Resignation/Depression.

    Die Pflegeversicherung ist von Blüm eingeführt worden, damit die Pflege nicht mehr Omas Häuschen frisst.

    Warum geschieht es doch ? Und wer profitiert davon ?

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  • Schlagworte Chiang Mai | Pflege | Schweiz | Thailand | Asien | Bern
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