Sexueller Missbrauch Erzbistum könnte Opfer-Daten an Täter gegeben haben

Ein Opfer sexuellen Missbrauchs durch einen Pfarrer wendet sich nach Jahren vertrauensvoll an das Erzbistum Freiburg. Und bekommt plötzlich Post – vom Täter.

"Mein Anliegen ist die Bitte um Versöhnung und um Vergebung", so beginnt der Brief, den Karl W. *) im Mai an Jan Beguk *) schreibt. "Mir geht es gesundheitlich sehr schlecht. Ihr Wort der Vergebung wäre für mich das heilsamste Mittel."

Karl W. ist hochbetagt und lebt in einem Altersheim. In seinem Brief an Beguk bittet er immer wieder um Verzeihung. "Ich bin mir meiner Schuld an Ihnen sehr wohl bewusst und in manch schlaflosen Nächten muss ich meine Schuld immer wieder erleiden und durchleiden", schreibt er. Die Schuld scheint ihn zu plagen. Denn einst war er katholischer Pfarrer – und missbrauchte seine minderjährigen Schützlinge. Eines seiner Opfer: Jan Beguk, der Empfänger des Briefes.

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Von 1965 an war Karl W. als Pfarrer erst in Vimbuch und später in Weitenung in Baden-Württemberg tätig. 1990 versetzte ihn das Erzbistum Freiburg nach Löffingen. Die Begründung: Karl W. hatte ein Kind sexuell belästigt. Sechs Jahre später kam es erneut zu Vorwürfen. Wegen sexuellen Missbrauchs von acht Minderjährigen, davon fünf Fälle minderschwer, wurde Karl W. schließlich zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Erzbistum handelte und versetzte den Pfarrer in den vorzeitigen Ruhestand. Es empfahl ihm, sich einer psychotherapeutischen Therapie zu unterziehen.

Fast zwei Jahrzehnte bleibt es ruhig um ihn. Doch im Dezember 2010 gesteht Karl W. im Altersheim: In seiner Zeit als Pfarrer habe er Jugendliche sexuell missbraucht. Die betroffenen Pfarr-Gemeinderäte, Vertreter des Ordinariats des Erzbistums Freiburg und Domkapitular reagieren. Sie beschließen, das Geständnis des Karl W. zu veröffentlichen. In den Badischen Neuesten Nachrichten erscheint im Januar ein Artikel über den Fall Karl W.. Ein Infokasten ergänzt den Artikel: Das Erzbistum gibt Kontaktadressen für Opfer an. Hier sollen sie sich vertrauensvoll beim Bistum melden können.

Jan Beguk meldet sich. Bis heute leidet er unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs durch Karl W. und benötigt psychotherapeutische Hilfe. Lange zahlte er die Kosten für die Therapie aus eigener Tasche. Nicht immer konnte er sich alle benötigten Therapiesitzungen leisten. Gemeinsam mit seiner Therapeutin Anke Lufner *) sucht er nun erstmals finanzielle Hilfe beim Erzbistum – in der Hoffnung, seine Therapie durch höherfrequente und länger dauernde Sitzungen intensivieren zu können. Er erhält die Nachricht, dass das Erzbistum die Therapiekosten übernehme.

Beguk reicht eine auf ihn ausgestellte Rechnung über die Behandlungskosten beim Erzbischöflichen Ordinariat ein. Doch sie wird erst einmal nicht beglichen. Beguks Therapeutin erkundigt sich telefonisch bei der Sekretärin des Erzbistums. Dort erklärt man ihr, sie solle ihre Rechnungen über die monatlichen Therapiekosten fortan direkt an das Bistum senden. Schließlich begleicht das Bistum die Rechnungen, und alles scheint zufriedenstellend. Doch kurze Zeit später bekommt Beguk plötzlich einen Brief. Nicht vom Bistum. Sondern vom Täter Karl W..

 
Das Erzbistum Freiburg hielt die persönlichen Daten von Opfer Beguk scheinbar nicht vertraulich. Und so nahm Karl W. Kontakt auf – erst mit Beguks Therapeutin, dann mit Beguk selbst.

Therapeutin Anke Lufner erhält am 27. April den ersten Brief von Karl W.. Darin bittet er sie, seinen Ersuch um Vergebung an Beguk weiterzuleiten. Drei Tage später erreicht sie ein zweiter Brief. Darin bittet Karl W. darum, die finanziellen Zahlungen für Beguks Therapie mit einer letzten Zahlung abschließen zu können. Eigentlich müsste Karl W. sich mit dieser Bitte direkt an das Bistum wenden. Denn dieses holt sich die Therapiekosten für Beguk vom Täter wieder. Stattdessen schreibt Karl W. an Lufner. Die Therapeutin ist empört. Woher hat Karl W. ihre Adresse? "Nach Erhalt des zweiten Briefes von Karl W. habe ich in Freiburg angerufen und mit der Sekretärin des Bistums gesprochen", erinnert sie sich. "Ich sprach die Datenschutzverletzung und die Gefahr einer Re-Traumatisierung meines Patienten an. Aber die Sekretärin wiegelte nur ab."

Dann erhält auch Beguk selbst einen Brief von Karl W. – direkt an ihn adressiert. "Mein Patient hat Angst geäußert, der Täter könne nun als nächstes leibhaftig vor der Tür stehen", sagt Lufner. In einem Schreiben antwortet sie Karl W., mit der Bitte, ihren Patienten zukünftig nicht mehr zu kontaktieren. "In der Vergangenheit haben Sie Herrn Beguk zur Befriedigung Ihrer sexuellen Begierden benutzt", schreibt sie. "Jetzt wollen Sie ihn zu Befried(ig)ung Ihrer Gewissensnot benutzen. So wird Herr Beguk, das Opfer Ihrer sexuellen Übergriffe, quasi erneut missbraucht, erneut für Ihre Bedürfnisse funktionalisiert, indem er jetzt noch die Verantwortung dafür übernehmen soll, sie zu entlasten um Ihnen damit Ihr Leben leichter zu machen."

Lufner benachrichtigt auch das Erzbistum Freiburg. Sie weist auf das Schutzbedürfnis ihres Patienten hin – und beanstandet den Verstoß des Bistums gegen den Datenschutz. Am 27. Mai erhält sie eine Antwort des Domkapitulars. "Ich bitte Sie um Verständnis für unsere Situation", heißt es in dem knappen Schreiben. Dass Beguks Adresse an den Täter weitergegeben worden sei, dass seine Daten nicht genügend durch das Bistum geschützt worden seien, darauf geht der Domkapitular in dem Schreiben nicht ein. 

Therapeutin Lufner und Opfer Beguk suchen daraufhin Rat beim netzwerkB für Betroffene von sexualisierter Gewalt. Norbert Denef, der Sprecher des Netzwerkes, vermutet: Die Kirche gebe Opfer-Daten an Täter weiter. "Wir vom netzwerkB haben Sorge, dass es bereits eine Vielzahl weiterer Fälle dieser Art gibt", sagt er. "Wir halten diesen Umgang mit den Opfern für gefährlich. Hier besteht das Risiko eines erneuten Traumas. Die Mehrzahl der Opfer verfügt nicht über eine therapeutische Unterstützung und wäre einer solchen Situation hilflos ausgesetzt." Daten von Opfern und behandelnden Therapeuten dürften von der katholischen Kirche nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Opfer an die Täter weitergegeben werden.

Denef fordert außerdem personelle Konsequenzen im Bistum Freiburg. Dabei hat er besonders Erzbischof Robert Zollitsch im Visier. Zollitsch war von 1983 bis 2002 Personalreferent der Erzdiözese Freiburg, 2002 wurde er Erzbischof. Der Fall Karl W. fällt also in seine Dienstzeit. "Wir glauben nicht, dass eine gründliche Abkehr und Aufklärung unter einer Führung möglich ist, die schon seit den siebziger Jahren für Personalpolitik und auch Verdrängungsstrategien über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verantwortlich war", sagt Denef.

Das Erzbistum Freiburg will den Fall erst prüfen. Dort heißt es: "Die Weitergabe von Daten eines Opfers ist ausnahmslos nur dann rechtmäßig, wenn der Betroffene dies ausdrücklich gewünscht oder hierin eingewilligt hat." Sollte tatsächlich ein Datenschutzverstoß vorgekommen sein, werde man Konsequenzen ziehen.

*) Name von der Redaktion geändert

Nachtrag: Einen Tag nach Erscheinen dieses Artikels hat das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg einen Fehler beim Datenschutz eingeräumt: Die Erzdiözese erstatte Opfern von sexuellem Missbrauch die Therapiekosten und fordere dann die Täter zur Übernahme dieser Kosten auf. Im beschriebenen Fall habe das Bistum die Rechnung der Therapeutin an den Täter geschickt – die Rechnung habe jedoch auch die Adresse des Opfers enthalten. Künftig, so heißt es in der Presseerklärung, sei sichergestellt, dass Adressen nur dann weitergeleitet werden, wenn eine entsprechende Einwilligung vorliegt. Das Erzbistum bedauere den "Einzelfall sehr, zumal die Kontaktaufnahme durch den Täter zu einer seelischen Belastung des Opfers geführt" habe. Den Vorwurf des vorsätzlichen Verstoßes gegen den Datenschutz weist das Erzbistum jedoch zurück.

 
Leser-Kommentare
    • karbol
    • 07.06.2011 um 17:47 Uhr

    wenn einem zu solch einer Sauerei nichts mehr einfällt?

    23 Leser-Empfehlungen
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    wenn man den inflationären umgang der leser mit der kommentarfunktion sieht möchte man ihnen antworten: sie müssen ja gar nicht alles kommentieren. ich teile ja ihre ansicht in der sache, aber ihr kommentar ist quasi exemplarisch für die etlichen user die sich inzwischen hier tummeln die viel schreiben aber nichts zu sagen haben.

    nichts für ungut,

    mfg

    Im Zentrum einer Wertegemeinschaft steht die Moral. Die Werte, die das Kollektiv nach außen und nach innen vermittelt, stehen und fallen mit der moralischen Intaktheit.
    Die Hüter der Moral im Sinne einer christlich-abendländischen Tradition, auf die so gerne verwiesen wird, sind zu Opfern eben dieser Anmaßung geworden und haben als Täter darauf reagiert.
    Dass moralische Werte nicht institutionalisiert werden können, dass sie durch die Institutionalisierung vielmehr ausgehöhlt, umgedreht, pervertiert werden, all das ist nur zu sichtbar in diesem Artikel.
    Menschen wie Karl W. vergiften die Gesellschaft, unter dem Schutz der Kirche stehend. Die schrecklichen Taten Karl W.´s werden nur vom Umgang der Kirche mit der Geschichte übertroffen, die zugelassen hat, dass aus menschlichen Fehlern ein System geworden ist, und dass trotz des Bewusstseins des Geschehenen noch mehr junge Menschen, die wie Beguk der Kirche ihr Vertrauen schenken, misshandelt und verunstaltet wurden und werden.
    Die Moral, also die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, und verantwortungsvoll, dem kategorischen imperativ entsprechend zu handeln, wird nicht durch Fehler einzelner zerstört, sondern durch die Ignoranz, Fahrlässigkeit und Vertuschung durch Institutionen.

    wenn man den inflationären umgang der leser mit der kommentarfunktion sieht möchte man ihnen antworten: sie müssen ja gar nicht alles kommentieren. ich teile ja ihre ansicht in der sache, aber ihr kommentar ist quasi exemplarisch für die etlichen user die sich inzwischen hier tummeln die viel schreiben aber nichts zu sagen haben.

    nichts für ungut,

    mfg

    Im Zentrum einer Wertegemeinschaft steht die Moral. Die Werte, die das Kollektiv nach außen und nach innen vermittelt, stehen und fallen mit der moralischen Intaktheit.
    Die Hüter der Moral im Sinne einer christlich-abendländischen Tradition, auf die so gerne verwiesen wird, sind zu Opfern eben dieser Anmaßung geworden und haben als Täter darauf reagiert.
    Dass moralische Werte nicht institutionalisiert werden können, dass sie durch die Institutionalisierung vielmehr ausgehöhlt, umgedreht, pervertiert werden, all das ist nur zu sichtbar in diesem Artikel.
    Menschen wie Karl W. vergiften die Gesellschaft, unter dem Schutz der Kirche stehend. Die schrecklichen Taten Karl W.´s werden nur vom Umgang der Kirche mit der Geschichte übertroffen, die zugelassen hat, dass aus menschlichen Fehlern ein System geworden ist, und dass trotz des Bewusstseins des Geschehenen noch mehr junge Menschen, die wie Beguk der Kirche ihr Vertrauen schenken, misshandelt und verunstaltet wurden und werden.
    Die Moral, also die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, und verantwortungsvoll, dem kategorischen imperativ entsprechend zu handeln, wird nicht durch Fehler einzelner zerstört, sondern durch die Ignoranz, Fahrlässigkeit und Vertuschung durch Institutionen.

  1. Das sagt doch alles. Was erwartet ihr denn? O_o
    Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/wg

  2. ...geht vor juristischer Sühne, das Wohl im Himmelreich vor dem Wohl auf Erden, kurz: Jenseits schlägt Diesseits. Das Ganze wird praktiziert von einer Institution, die sich staatlich anerkennen und finanzieren lässt, aber sich dem Zugriff des Staates auf freche Weise und mit unhaltbaren Argumenten entzieht. Sauber!

    Ich sage nicht, dass ich den genannten Vorfall hätte prophezeihen können, wohl aber, dass er mich keineswegs wundert.

    greetz, BG

  3. Das ist wieder so eine Sache, die man einfach glauben muss, oder?

    Business as usual bei dem Verein.

  4. ... wieder mal ein Artikel gegen die böse Kirche - werden die Auflagen wieder so schwach, dass man in die alte Kiste greifen muss?
    Vielleicht gebraucht es etwas Mut und Toleranz zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die ihre Taten wirklich von ganzem Herzen bereuen und deshalb um Vergebung bitten. Aber nur zu, es lohnt sich das zu verstehen ...

    14 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Vielleicht könnten Sie diesen Mut und diese Toleranz auch auf das Opfer anwenden, dass evtl. nicht immer den Wunsch verspürt von seinem ehemaligen Peiniger erneut kontaktiert und zur Vergebung "genötigt" zu werden? Manchmal muss man sich wirklich an den Kopf fassen.

    wäre eine zusätzliche harte Arbeit, die der von sexualisierter Gewalt Betroffene auch noch zu leisten hätte. Das ist wirklich von niemandem zu erwarten. Ich hatte den christlichen Glauben auch so verstanden, daß Schuldige Vergebung bei Gott finden können.

    Wozu also muß der Täter sein Opfer erneut belästigen? Die Therapeutin trifft dazu den Nagel auf den Kopf: 'In der Vergangenheit haben Sie Herrn Beguk zur Befriedigung Ihrer sexuellen Begierden benutzt. ... Jetzt wollen Sie ihn zu Befried(ig)ung Ihrer Gewissensnot benutzen. So wird Herr Beguk, das Opfer Ihrer sexuellen Übergriffe, quasi erneut missbraucht, erneut für Ihre Bedürfnisse funktionalisiert, indem er jetzt noch die Verantwortung dafür übernehmen soll, Sie zu entlasten, um Ihnen damit Ihr Leben leichter zu machen.'

    Wie aus dem Artikel hervor geht, hat der Betroffene hinreichend daran zu arbeiten, das erlittene Trauma in den Griff zu bekommen. Es ist schändlich, daß das Bistum Freiburg derartig unsensibel gegenüber der Perspektive der Betroffenen (und dem hier wirklich sinnvollen Datenschutz) ist.

    Ihren Kommentar empfinde ich so, als hätten Sie noch sehr wenig von Bereuen und Vergeben verstanden - bei aller Übereinstimmung mit Gegenrede zu undifferenziertem RKK-Bashing - hier wurde aber konkret kritisiert und m.M.n. sehr zu Recht. Oder fänden Sie's besser, Betroffene hielten auch weiterhin den Mund, damit nicht etwa jemandem das Wohlgefühl beim Weihrauchduft abhanden kommt?

    • Medley
    • 07.06.2011 um 22:54 Uhr

    "Vielleicht gebraucht es etwas Mut und Toleranz zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die ihre Taten wirklich von ganzem Herzen bereuen und deshalb um Vergebung bitten."

    Nun, ich glaube, dass es den Herrn Karl W. weniger um seine Gewissens- als vielmehr um seine spezielle Finanznot ging, denn letztendlich muss er, als Täter, über den Umweg über das Bistum, die Therapiekosten für das/seine Opfer bezahlen.("...Darin bittet Karl W. darum, die finanziellen Zahlungen für Beguks Therapie mit einer letzten Zahlung abschließen zu können.")

    • Sinac
    • 08.06.2011 um 1:28 Uhr

    ... * dann hätte er nicht darum gebeten, die Zahlungen einstellen zu dürfen.
    ... * dann würde er sich nicht penetrant weiter an das Opfer wenden, obwohl es von der Psychologin schon klargestellt wurde, dass die Gefahr einer erneuten Traumatisierung besteht.

    Ich schließe gar nicht aus, dass er es bereut... aber ob das wirklich so von Herzen kommt und aus Mitleid mit dem Opfer, oder ob es nicht viel mehr mit der Sorge um das eigene Seelenheil (und den eigenen Geldbeutel) zu tun hat, ist die Frage.

    WIE kann ein Mörder sein Opfer um Verzeihung bitten? WIE übergriffig muss es denn noch werden? Aus diesem Kommentar spricht die alte Schule - Ablass und vorbei ist das mit dem schlechten Gewissen. Der Punkt, werter Kommentator ist das Bedrängen, das Ansichreißen von geschützten Daten als gäbe es keine Grenzen, das selbsverständliche Auftreten des Peinigers, als habe es sich um eine kleine Jugendsünde gehandelt, die selbstmitleidige Empfindlichkeit der Mitglieder dieses Vereins und vor allem die emotionale Totalunreife ihrer Träger. Das alles und noch viel mehr ist der Skandal. Was soll man da mit Ihrem "von ganzem Herzen bereuen". Wäre das echt, hätte der Täter seine Schuld auf sich genommen. Still, und ohne Tamtam. Das aber ist nie der Stil dieses Vereins gewesen.

    • Herr-M
    • 08.06.2011 um 9:58 Uhr

    Sicher gibt es Menschen, die ihre Taten wirklich von ganzem Herzen bereuen und deshalb um Vergebung bitten.
    Ob Karl W. dazu gehört, ist zumindest nach Inhalt dieses Artikels fraglich. Bereut man von ganzem Herzen, wenn dieses Bereuen damit verbunden wird, von den finanziellen Folgen (Therapiekosten) entbunden zu werden? Das hat doch ein ganz dickes „Geschmäckle“, das Sie in ihrem Kommentar übergehen.
    Warum eigentlich? Das Gehalt eines Pfarrers ist meiner Kenntnis nach nicht so schlecht, dass eine monatliche Belastung von ca 500 €, die ungefähr die Therapiestunden des Opfers kosten, dazu führt, dass man am Hungertuch nagt.
    Es lohnt sich zu verstehen, weil dieser Einzelfall sich einreiht in den ganzen Umgang aller Institutionen (Odenwald, KK). Mit den Missbrauchsopfern. Nachdem diese es geschafft haben, das tw jahrzehntelange Kartell des Schweigens zu durchbrechen (weil die Zeit reif war), werden wohlfeile Worte des Bedauerns gesprochen, man hört und sieht weinerliche Täter, die um Vergebung „für lau“ bitten.
    Denn beim Geld hört der Spaß auf. Bitte nicht kommen mit den Absichtsbekundungen (!) an Entschädigungszahlungen, die bisher von allen betroffenen Seiten in die Welt gesetzt worden sind.
    Vor allem kann man die Ehrlichkeit nicht abnehmen, wenn sie aus der gleichen Egozentrik her rührt, die schon den Übergriffen zugrunde lag. Zuerst dem Opfer die eigenen sexuellen Bedürfnisse aufzwingen, dann die Verantwortung für die finanzielle „Schadensregulierung“.
    Ein starkes Stück!

    • vonDü
    • 08.06.2011 um 11:14 Uhr

    Wie kann man den Vorgang entschuldigen wollen?

    Ob der Täter echte Reue empfindet oder nicht, spielt hier überhaupt keine Rolle. Er hat nicht um Vergebung gebeten!, sondern versucht Vergebung zu erzwingen.

    Trotz eindeutiger Signale des Opfers.
    Ich weiß nicht, was es da zu rechtfertigen gibt?

    Vielleicht könnten Sie diesen Mut und diese Toleranz auch auf das Opfer anwenden, dass evtl. nicht immer den Wunsch verspürt von seinem ehemaligen Peiniger erneut kontaktiert und zur Vergebung "genötigt" zu werden? Manchmal muss man sich wirklich an den Kopf fassen.

    wäre eine zusätzliche harte Arbeit, die der von sexualisierter Gewalt Betroffene auch noch zu leisten hätte. Das ist wirklich von niemandem zu erwarten. Ich hatte den christlichen Glauben auch so verstanden, daß Schuldige Vergebung bei Gott finden können.

    Wozu also muß der Täter sein Opfer erneut belästigen? Die Therapeutin trifft dazu den Nagel auf den Kopf: 'In der Vergangenheit haben Sie Herrn Beguk zur Befriedigung Ihrer sexuellen Begierden benutzt. ... Jetzt wollen Sie ihn zu Befried(ig)ung Ihrer Gewissensnot benutzen. So wird Herr Beguk, das Opfer Ihrer sexuellen Übergriffe, quasi erneut missbraucht, erneut für Ihre Bedürfnisse funktionalisiert, indem er jetzt noch die Verantwortung dafür übernehmen soll, Sie zu entlasten, um Ihnen damit Ihr Leben leichter zu machen.'

    Wie aus dem Artikel hervor geht, hat der Betroffene hinreichend daran zu arbeiten, das erlittene Trauma in den Griff zu bekommen. Es ist schändlich, daß das Bistum Freiburg derartig unsensibel gegenüber der Perspektive der Betroffenen (und dem hier wirklich sinnvollen Datenschutz) ist.

    Ihren Kommentar empfinde ich so, als hätten Sie noch sehr wenig von Bereuen und Vergeben verstanden - bei aller Übereinstimmung mit Gegenrede zu undifferenziertem RKK-Bashing - hier wurde aber konkret kritisiert und m.M.n. sehr zu Recht. Oder fänden Sie's besser, Betroffene hielten auch weiterhin den Mund, damit nicht etwa jemandem das Wohlgefühl beim Weihrauchduft abhanden kommt?

    • Medley
    • 07.06.2011 um 22:54 Uhr

    "Vielleicht gebraucht es etwas Mut und Toleranz zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die ihre Taten wirklich von ganzem Herzen bereuen und deshalb um Vergebung bitten."

    Nun, ich glaube, dass es den Herrn Karl W. weniger um seine Gewissens- als vielmehr um seine spezielle Finanznot ging, denn letztendlich muss er, als Täter, über den Umweg über das Bistum, die Therapiekosten für das/seine Opfer bezahlen.("...Darin bittet Karl W. darum, die finanziellen Zahlungen für Beguks Therapie mit einer letzten Zahlung abschließen zu können.")

    • Sinac
    • 08.06.2011 um 1:28 Uhr

    ... * dann hätte er nicht darum gebeten, die Zahlungen einstellen zu dürfen.
    ... * dann würde er sich nicht penetrant weiter an das Opfer wenden, obwohl es von der Psychologin schon klargestellt wurde, dass die Gefahr einer erneuten Traumatisierung besteht.

    Ich schließe gar nicht aus, dass er es bereut... aber ob das wirklich so von Herzen kommt und aus Mitleid mit dem Opfer, oder ob es nicht viel mehr mit der Sorge um das eigene Seelenheil (und den eigenen Geldbeutel) zu tun hat, ist die Frage.

    WIE kann ein Mörder sein Opfer um Verzeihung bitten? WIE übergriffig muss es denn noch werden? Aus diesem Kommentar spricht die alte Schule - Ablass und vorbei ist das mit dem schlechten Gewissen. Der Punkt, werter Kommentator ist das Bedrängen, das Ansichreißen von geschützten Daten als gäbe es keine Grenzen, das selbsverständliche Auftreten des Peinigers, als habe es sich um eine kleine Jugendsünde gehandelt, die selbstmitleidige Empfindlichkeit der Mitglieder dieses Vereins und vor allem die emotionale Totalunreife ihrer Träger. Das alles und noch viel mehr ist der Skandal. Was soll man da mit Ihrem "von ganzem Herzen bereuen". Wäre das echt, hätte der Täter seine Schuld auf sich genommen. Still, und ohne Tamtam. Das aber ist nie der Stil dieses Vereins gewesen.

    • Herr-M
    • 08.06.2011 um 9:58 Uhr

    Sicher gibt es Menschen, die ihre Taten wirklich von ganzem Herzen bereuen und deshalb um Vergebung bitten.
    Ob Karl W. dazu gehört, ist zumindest nach Inhalt dieses Artikels fraglich. Bereut man von ganzem Herzen, wenn dieses Bereuen damit verbunden wird, von den finanziellen Folgen (Therapiekosten) entbunden zu werden? Das hat doch ein ganz dickes „Geschmäckle“, das Sie in ihrem Kommentar übergehen.
    Warum eigentlich? Das Gehalt eines Pfarrers ist meiner Kenntnis nach nicht so schlecht, dass eine monatliche Belastung von ca 500 €, die ungefähr die Therapiestunden des Opfers kosten, dazu führt, dass man am Hungertuch nagt.
    Es lohnt sich zu verstehen, weil dieser Einzelfall sich einreiht in den ganzen Umgang aller Institutionen (Odenwald, KK). Mit den Missbrauchsopfern. Nachdem diese es geschafft haben, das tw jahrzehntelange Kartell des Schweigens zu durchbrechen (weil die Zeit reif war), werden wohlfeile Worte des Bedauerns gesprochen, man hört und sieht weinerliche Täter, die um Vergebung „für lau“ bitten.
    Denn beim Geld hört der Spaß auf. Bitte nicht kommen mit den Absichtsbekundungen (!) an Entschädigungszahlungen, die bisher von allen betroffenen Seiten in die Welt gesetzt worden sind.
    Vor allem kann man die Ehrlichkeit nicht abnehmen, wenn sie aus der gleichen Egozentrik her rührt, die schon den Übergriffen zugrunde lag. Zuerst dem Opfer die eigenen sexuellen Bedürfnisse aufzwingen, dann die Verantwortung für die finanzielle „Schadensregulierung“.
    Ein starkes Stück!

    • vonDü
    • 08.06.2011 um 11:14 Uhr

    Wie kann man den Vorgang entschuldigen wollen?

    Ob der Täter echte Reue empfindet oder nicht, spielt hier überhaupt keine Rolle. Er hat nicht um Vergebung gebeten!, sondern versucht Vergebung zu erzwingen.

    Trotz eindeutiger Signale des Opfers.
    Ich weiß nicht, was es da zu rechtfertigen gibt?

  5. Das Papsttum bezeichnet sich als Stellvertreter Gottes auf Erden.
    DAs ist eine Lüge. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Provokationen und führen Sie Meinungen argumentativ aus. Danke, die Redaktion/fk.

  6. 7. Fakten
    Eine Leser-Empfehlung
  7. .... mein Eindruck ist, dass die Katholische Amtskirche oft Aufklärungswillen und Opfersolidarität aus Opportunismus simuliert, um Macht und Einfluss nicht zu gefährden. Man weiß auch dort um die Macht der Medien und der öffentlichen Meinung.

    Und ich stelle mir die Frage, ob die Strukturen der Katholischen Kirche nicht Menschen mit unreifer Sexualität anziehen, dort "Karriere" zu machen. Ich glaube, dass das zutrifft, und die gehäuften Missbrauchsfälle systemimmanent sind.

    Den verletzenden Umgang mit dem Vertrauen des Opfers finde ich beschämend.

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