Duisburg Ermittlungen belasten Verantwortliche der Loveparade

Der Anfangsverdacht hat sich bestätigt: Die Staatsanwaltschaft sieht die Schuld an den Unfällen im vergangenen Jahr bei Stadt, Veranstaltern und der Polizei.

Konkrete Angaben machte Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) mit Hinweis auf Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht. Fest steht jedoch: Die Ermittlungen zum Unglück auf der Loveparade in Duisburg im vergangenen Jahr haben den Anfangsverdacht gegen Verantwortliche der Veranstaltung bestätigt.

Zu den Verdächtigen zählen der damalige Polizeieinsatzleiter sowie elf Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters. Bis jetzt seien insgesamt 493 Strafanzeigen eingegangen, so Kutschaty.

Anzeige

Bei der Loveparade im vergangenen Juli starben 21 junge Menschen, Hunderte wurden verletzt. Die als wesentlich geltenden Zeugen seien inzwischen vernommen worden, sagte Kutschaty. Ein Ende der Ermittlungen sei aber noch nicht absehbar. So werde die Auswertung der enormen elektronischen Datenmengen, die bei der Stadtverwaltung Duisburg sichergestellt worden seien, voraussichtlich noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Auch die Untersuchungen eines britischen Experten, der die Ursachen von Massenpanik erforscht, dauern an. Der Wissenschaftler sei auf diesem Gebiet einer der weltweit führenden Experten und "jüngst als Sicherheitsberater für die Hochzeitsfeier von Prinz William und Kate Middleton in London tätig gewesen", so Kutschaty.

Unterdessen legte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Landtag den vorläufigen Abschlussbericht der Essener Polizei zur Nachbereitung des Loveparade-Einsatzes vor. In Anbetracht der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sei es noch nicht möglich, den Einsatz der Polizei umfassend zu bewerten, unterstrich Jäger. Aber im Interesse der Sicherheit habe er aus den bisherigen Erkenntnissen bereits Schlussfolgerungen gezogen. "Wir haben heute schärfere Regelungen zur Genehmigung von Großveranstaltungen im Freien."

Da die Staatsanwaltschaft in Duisburg ihr Ermittlungsverfahren nicht mehr gefährdet sieht, habe sie ihre Bedenken gegen die Veröffentlichung dieser Erkenntnisse zurückgezogen, teilten beide Minister mit. Auch gegen Bebauungspläne am Ort der Katastrophe gebe es insofern keine Bedenken, sagte ein Mitarbeiter des Justizministeriums. "Der Tatort ist umfassend gesichert und die Spuren sind digitalisiert worden."

 
Leser-Kommentare
  1. Ich wette, da werden wieder Bauernopfer gefunden und der Oberbürgermeister kommt ungeschoren davon.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nämlich alle Menschen denen die großartigste Party sein Woodstock genommen wurde weil ein paar unfähige versucht haben einen Zaun drumherum zu ziehen.
    Der voreilige Schluss, nie wieder eine Lovaparade zu veranstalten, ist nach dem Unglück an sich ein weiterer Schlag ins Gesicht der jungen Menschen. So werden sie als Täter dargestellt und Duisburgs OB und Mister McFit behalten schön ihre Posten. Aber der Michel wird auch das wieder mitmachen.

    nämlich alle Menschen denen die großartigste Party sein Woodstock genommen wurde weil ein paar unfähige versucht haben einen Zaun drumherum zu ziehen.
    Der voreilige Schluss, nie wieder eine Lovaparade zu veranstalten, ist nach dem Unglück an sich ein weiterer Schlag ins Gesicht der jungen Menschen. So werden sie als Täter dargestellt und Duisburgs OB und Mister McFit behalten schön ihre Posten. Aber der Michel wird auch das wieder mitmachen.

  2. Für jeden Depp der auf drei zählen kann, ist von Anfang an klar wer dafür verantwortlich ist.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Die Toten waren an dem kleinen Notaufgang zum Festivalgelände und nicht im Tunnel wie auf dem Foto zu sehen.

  4. Warum wird eigentlich nur der Rücktritt Sauerlands gefordert? Dieser hat sicherlich Verantwortung zu tragen und sich ungeschickt angestellt; jedoch müsste bei einem Rücktritt des Oberbürgermeisters, meiner Meinung nach, auch der gesamte Rat zurücktreten.
    Immerhin hat der Rat einstimmig alles beschlossen, was mit der Loveparade zu tun hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • cvnde
    • 02.06.2011 um 0:38 Uhr

    Der Rücktritt wird gefordert, weil der OB am Ende immer die Verantwortung trägt.
    Auf jedem Schrieb den sie von der Stadt Kriegen steht der OB oder der BM, außer vom Standesamt, für das eine Sonderaufsicht gilt.

    Dafür kriegt der die fünf Jahre ein B6-B10 Gehalt etc.!

    Gerade so eine Veranstaltung, die an die Grenzen der Stadt geht, die Entscheidung kann er nicht delegioeren, jedenfalls nicht politisch.

    Am Ende muss er selber sagen, das Dingen läuft.

    Da wird es sicher einige Remonstrationen gegeben haben, auch der Verwaltungsvorstand wird sicher mal was gesagt haben.

    Selbst wenn der Rat das Einstimmig beschlossen hat, müssten die Bedenken dokumentiert sein.

    • cvnde
    • 02.06.2011 um 0:38 Uhr

    Der Rücktritt wird gefordert, weil der OB am Ende immer die Verantwortung trägt.
    Auf jedem Schrieb den sie von der Stadt Kriegen steht der OB oder der BM, außer vom Standesamt, für das eine Sonderaufsicht gilt.

    Dafür kriegt der die fünf Jahre ein B6-B10 Gehalt etc.!

    Gerade so eine Veranstaltung, die an die Grenzen der Stadt geht, die Entscheidung kann er nicht delegioeren, jedenfalls nicht politisch.

    Am Ende muss er selber sagen, das Dingen läuft.

    Da wird es sicher einige Remonstrationen gegeben haben, auch der Verwaltungsvorstand wird sicher mal was gesagt haben.

    Selbst wenn der Rat das Einstimmig beschlossen hat, müssten die Bedenken dokumentiert sein.

  5. die sich dort rücksichtslos einer auf den anderen nur schneller schneller reingedrängt und vorwärtsgeschubst und totgetrampelt haben- weil da hats bei allen an soz.Kompetenz gefehlt Rücksicht zu nehmen

  6. in letzter Zeit die Berichterstattung über die Katastrophe bei der Loveparade nicht mehr so intensiv verfolgt; aber im letzten Jahr habe ich natürlich alles darüber gelesen bzw. im Internet angeschaut. Der Spiegel hat sehr gut berichtet.
    Nun, aus diesen Berichten geht u.a. hervor, daß Herr Sauerland die Loveparade unbedingt nach Duisburg holen und durchführen wollte. Trotz vorheriger Sicherheitsbedenken, auch bei einigen von Duisburgs Beamten, hat Herr Sauerland sich dafür eingesetzt, die Loveparade unbedingt durchzuführen - dafür wurden dann auch schon mal die Konzepte und Berechnungen bezüglich der Besucherzahlen und der Anzahl der Menschen auf dem Gelände schöngerechnet. Anders kann man es nicht ausdrücken. M.W. hat sogar ein hoher Sicherheitsbeamter in Duisburg selbst vor der Veranstaltung gewarnt und sich geweigert, das Sicherheitskonzept mitzuverantworten, eben aufgrund dieser Schönrechnerei. Im Nachhinein wurde natürlich diese Weigerung publik gemacht.
    Nicht umsonst hatte Bochum im Jahr davor die Veranstaltung nicht bewilligt. In Duisburg selbst hat der vorherige Polizeipräsident sich ebenfalls gegen die Veranstaltung ausgesprochen; der ihm nachfolgende Polizeipräsident hat sie dann ohne Umstände bewilligt.
    Alles nachzulesen auf Spiegel online. Da Herr Sauerland offenkundig die Loveparade unter allen Umständen in Duisburg haben wollte und dafür auch bereit war, diese Schönrechnerei zuzulassen, sollte er auch die Verantwortung übernehmen.

    Antwort auf
  7. Ulbricht war's! Er fand die Idee schon Ende der 50er gut, nach '61 passierte erstmal nichts. Vielleicht wurde das Material in Berlin gebraucht... 1970 begann das VEB Autobahnbaukombinat(!) mit der Arbeit, '78 war sie dann fertig, die A 19.

    Antwort auf
    • cvnde
    • 02.06.2011 um 0:38 Uhr

    Der Rücktritt wird gefordert, weil der OB am Ende immer die Verantwortung trägt.
    Auf jedem Schrieb den sie von der Stadt Kriegen steht der OB oder der BM, außer vom Standesamt, für das eine Sonderaufsicht gilt.

    Dafür kriegt der die fünf Jahre ein B6-B10 Gehalt etc.!

    Gerade so eine Veranstaltung, die an die Grenzen der Stadt geht, die Entscheidung kann er nicht delegioeren, jedenfalls nicht politisch.

    Am Ende muss er selber sagen, das Dingen läuft.

    Da wird es sicher einige Remonstrationen gegeben haben, auch der Verwaltungsvorstand wird sicher mal was gesagt haben.

    Selbst wenn der Rat das Einstimmig beschlossen hat, müssten die Bedenken dokumentiert sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    SIe übersehen folgendes,
    nur weil der OB Chef der Verwaltung ist, muss er sich immer noch an die Beschlüsse des Stadtrates halten. Sagt der Rat, dass in der Stadt etwas so und so passieren soll, dann muss der Bürgermeister diesen Beschluss durchsetzen. (Dies ist jetzt etwas vereinfacht, mir ist bewusst, dass der Rat nicht alles nach belieben entscheiden kann.)

    Das bedeutet jedoch auch, dass der Rat politisch für seinen Entscheidungen, die Verantwortung trägt.
    Sie können doch nicht sagen, nur weil der Bürgermeister ein Gehalt in höhe von B6-B10 bezieht, hat er automatisch die alleinige Verantwortung für alles was der Rat tut. Immerhin bekommt jeder Stadtrat auch etwas Geld.

    Wie bereits gesagt, ich bestreite nicht, dass der OB eine gewissen Teil der Verantwortung trägt; doch man darf die anderen beteiligten Stadtrat, Polizeibeamte usw nicht vergessen.
    Ich bin zumindest auf der politischen Ebene der Meinung, dass wenn es zu Rücktritten kommen muss, diese sowohl für den Oberbürgermeister als auch für den Stadtrat gelten sollte.

    SIe übersehen folgendes,
    nur weil der OB Chef der Verwaltung ist, muss er sich immer noch an die Beschlüsse des Stadtrates halten. Sagt der Rat, dass in der Stadt etwas so und so passieren soll, dann muss der Bürgermeister diesen Beschluss durchsetzen. (Dies ist jetzt etwas vereinfacht, mir ist bewusst, dass der Rat nicht alles nach belieben entscheiden kann.)

    Das bedeutet jedoch auch, dass der Rat politisch für seinen Entscheidungen, die Verantwortung trägt.
    Sie können doch nicht sagen, nur weil der Bürgermeister ein Gehalt in höhe von B6-B10 bezieht, hat er automatisch die alleinige Verantwortung für alles was der Rat tut. Immerhin bekommt jeder Stadtrat auch etwas Geld.

    Wie bereits gesagt, ich bestreite nicht, dass der OB eine gewissen Teil der Verantwortung trägt; doch man darf die anderen beteiligten Stadtrat, Polizeibeamte usw nicht vergessen.
    Ich bin zumindest auf der politischen Ebene der Meinung, dass wenn es zu Rücktritten kommen muss, diese sowohl für den Oberbürgermeister als auch für den Stadtrat gelten sollte.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service