Die UN plant, Somalias Hauptstadt Mogadischu über eine Luftbrücke mit Lebensmitteln zu versorgen. Am heutigen Dienstag oder spätestens am Mittwoch sollen von Nairobi aus zwei Flugzeuge des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) starten. Auch Gebiete im Osten von Äthiopien und im Norden von Kenia würden angeflogen, sagte eine WFP-Mitarbeiterin. Bisher hätten bürokratische Hürden in Kenia die Lebensmittellieferungen verzögert.

Die Hilfsflugzeuge bringen 14 Tonnen Nahrungsmittel in die Region, hieß es. Vor Ort sollen dann Nichtregierungsorganisationen und örtlichen Ausschüsse die Lebensmittel verteilen. Bei den Lieferungen handele es sich um mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Nahrungsergänzungen für unterernährte Kinder. Nach Angaben von Unicef sind in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti bereits über 2,3 Millionen Kinder akut mangelernährt.

Inwiefern die islamistische Al-Shabaab-Miliz UN-Hilfslieferungen in den Süden von Somalia blockiert, ist zur Zeit unklar. Al-Shabaab hatte in der vergangenen Woche angekündigt, keine ausländischen Lieferungen in die von ihnen kontrollierten Gebieten zuzulassen. Eine WFP-Sprecherin sagte, man würde in Somalia da arbeiten, wo es "möglich" sei.

Bundesregierung erwägt weitere Hilfe

Aufgrund der katastrophalen Lage wird auch in Deutschland über weitere Hilfen diskutiert. Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU) sagte, die Bundesregierung werde es "nicht zulassen, dass dort Menschen sterben, wenn es wirklich nur am Geld liegt". Er halte eine weitere Aufstockung der deutschen Hungerhilfe für Ostafrika für denkbar.

Sowohl im Auswärtigen Amt wie auch im Entwicklungsministerium gebe es noch "Töpfe" für weitere humanitäre Hilfe. Nooke riet allerdings dazu, nicht nur über Geld zu sprechen, sondern auch über langfristige Aufbauhilfen für die afrikanische Landwirtschaft sowie darüber, "wie die Hilfe überhaupt zu den Menschen kommt".

Zehntausende Flüchtlinge im Juli  

Allein in diesem Monat sind rund 40.000 Somalier vom Land in die Hauptstadt Mogadischu geflohen, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Über den Zeitraum der vergangenen zwei Monate seien 100.000 Binnenflüchtlinge in der somalischen Hauptstadt eingetroffen. Die verheerende Lage habe zu einem heillosen Durcheinander und zu Plünderungen geführt. Einige der Schwächsten und Verwundbarsten stünden mit leeren Händen da, sagte die UNNHCR-Sprecherin.

Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten teilte zudem mit, täglich passierten etwa 3500 Somalier die Grenzen zu Kenia und Äthiopien. Im Laufe der schweren Hungersnot am Horn von Afrika verließen demnach bereits rund 740.000 Somalier ihr Land. Allein in Somalia bedroht die Hungerkrise rund 3,7 Millionen Menschen. Die UN hatte vor knapp einer Woche für Teile des Landes offiziell eine Hungersnot erklärt.