Vorurteile : Bilder machen Muslime

Was war zuerst da? Unser Vorurteil über Muslime oder die stereotypen Bilder in den Medien? Es geht auch anders. Deniz Baspinar plädiert für neue Bilder von Einwanderern.

Beim Durchblättern der Society-Seiten der Gala bin ich neulich tatsächlich ins Grübeln geraten. Anlässlich einer Filmpremiere in Berlin sehe ich ein Bild von dem amerikanischen Serienstar Patrick Dempsey. Auf dem roten Teppich küsst ihn ein weiblicher Fan begeistert auf die Wange. Die junge Berlinerin hält einen Fotoapparat in der Hand, hat die Augen geschlossen und spitzt die Lippen. Sie trägt ein modisches lilafarbenes Hemd und – ein Kopftuch .

Das Bild fällt aus dem Rahmen. Die junge Frau macht zwar nur das, was hartnäckige Fans eben machen: sie versucht ihrem Idol nahe zu sein. Aber das Bild in der Zeitschrift und das Bild im Kopf des Betrachters von der muslimischen Frau widersprechen sich. Dem Boulevard sei Dank!

Wir haben eine fest gefügte Vorstellung von Menschen, die wir gar nicht kennen. Aber was war zuerst da: unser Vorurteil über die muslimische Wirklichkeit oder die stereotypen Bilder in den Medien, täglich millionenfach reproduziert?

Wenn von Migranten oder Muslimen die Rede ist, sehen wir die ewig gleiche Rückenansicht einer Gruppe von Frauen mit Kopftuch und bodenlangen Mänteln. Diese Frauen tun das, was ihre Bestimmung zu sein scheint: Kinderwagen schieben oder Einkaufstüten tragen. Sehr beliebt ist auch das unscharfe Motiv, auf dem die Frau drei Schritte hinter dem Patriarchen her läuft oder das vom Döner- respektive Gemüseverkäufer.

Wir nehmen diese Bilder als Selbstverständlichkeit hin. Warum ist es aber nicht selbstverständlich, stattdessen eine türkisch- oder afghanischstämmige Rechtsanwältin an ihrem Arbeitsplatz zu zeigen? Stellen sie sich vor, in den spanischen Medien zeigte man, immer wenn von Deutschland oder den Deutschen die Rede ist, Bilder von betrunkenen Ballermann-Touristen. Zwar geben diese Bilder durchaus eine Realität wieder, aber es wäre eine hochgradig verzerrte Realität, wenn diese Bilder für alle Deutschen stehen sollen.

Die Bilder in den Fernsehnachrichten, in Zeitschriften und Zeitungen (und auch die Bilder hier auf ZEIT ONLINE) kommen oft aus Bildagenturen und werden von Redakteuren ausgesucht. Die Fotografen bilden ab, was die Medien nachfragen, Migranten in Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh. Sie fotografieren Personen, die in ihr Schema passen. Dieses Schema speist sich wiederum aus bereits publizierten Bildern gleicher Machart. Damit produzieren und bestätigen sie gleichzeitig das vorherrschende Bild vom "Muslim". Ein mediales Perpetuum Mobile.

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Kommentare

386 Kommentare Seite 1 von 26 Kommentieren

Werte

Können Sie sich vorstellen, dass man nichts gegen Muslime, aber gegen eine Religion hat, die meiner Meinung nach unvereinbar mit unseren Werten ist? Lesen Sie einfach den Koran und schauen Sie sich die Historie Mohammeds an.

Bitte bemühen Sie sich um eine differenzierte Argumentation. Danke. Die Redaktion/sc

Kennen Sie überhaupt die Bibel

ich lese immer wieder "lesen sie den Koran" wie viele von Euch kennen die Bibel. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Demokratie aus der Bibel abzuleiten ist. Ich möchte gern wissen was sind die Werte, die immer genannt, aber nie konkretisiert werden! Noch was zur Aufklärung: lest selber mal "Das Gesetz von Konstantin II" vom 13 Aug. 339, dann lernt Ihr auch mal was über Bibel und Christentum ;-).
Der Islam wird dämonisiert nur weil es zur Zeit, dass den Westen und der USA reichlich nutzen bringt.
Es wäre schön sich erst zu informieren und dann über eine Religion zu urteilen. Ich empfehle das Buch vom Weltbestseller Ilija Trojanow: "Kampf absage" und das von Jean Ziegler "Das Imperium der Schande". Dann sieht Ihr auch wie Ihr zu den Reichtümer gekommen seit usw.
MfG

Warum soll man die Bibel kennen?

Der Koran ist doch die Steigerung des "Gotteswahns".
Warum soll man sich mit dem Thema auseinandersetzen?

Warum wird der öffentliche Raum ständig durch dieses Zeug kontaminiert.
Ich sehe nur Menschen, keine Muslime. Was ist das Besondere am Muslimsein? Warum soll ich Bürger als Muslime betrachten?
Warum soll ich Wahnvorstellungen, die nicht bewiesen sind wertschätzen?

Ich habe das Recht, nicht vom Islam bzw. jeglicher Religion belästigt zu werden. Muslime sind für mich gleichberechtigte Bürger, deren muslimsein mir völlig egal ist und mir nichts abverlangen darf.

[...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Bemerkungen. Danke. Die Redaktion/sc

@13 hafez

Was hat denn das 3 Jahrhundert und Kaiser Konstantin mit der Aufklärung zu tun? Sie machen nichts anderes, als diejenigen die sie kritisieren, nämlich pauschalieren.

In manchen Kölner Stadtteilen prägten Kopftuch tragende Damen mittleren Alters mit den üblichen farblosen sackartigen Kunstoffmänteln das Bild. Die Ecken waren besetzt mit oft pöbelnden Jungmännern.

Und wenn ein frisches Gesicht in den Medien auftauchte, wars meist der Besitzer des großen Reiseveranstalters. Was das alles mit Konstantin oder der Bibel zu tun haben soll, erschliesst sich mir nicht.

Wem sollte eine Dämonisierung nutzen?

"Der Islam wird dämonisiert nur weil es zur Zeit, dass den Westen und der USA reichlich nutzen bringt."

Schon eigenartig, wie unterschiedlich es wahrgenommen wird. Unsere Zeitungen geben sich doch alle Mühe, ein positives Bild vom Islam zu erzeugen.

Wie soll denn eine angebliche Dämonisierung des Islams den USA nützen? Saudi Arabien als Ursprungsland des Islam und die USA verstehen sich doch beispielsweise prächtig. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner das ändern wollen. Auch zur Türkei haben die Amerikaner ein gutes Verhältnis und unterstützen deren Bemühungen um einen EU-Beitritt.

Ich glaube viele Muslime können es nicht verstehen, dass man sich in Europa nicht mehr ausschließlich über seine Religion definiert, sondern dass sich allgemeinere Werte entwickelt haben, die hoffentlich Bestand haben. Alles andere wäre ein Rückschritt.

.....

Sie schreiben: "Ich glaube viele Muslime können es nicht verstehen, dass man sich in Europa nicht mehr ausschließlich über seine Religion definiert(...)"
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Ich glaube, Sie können nicht verstehen, dass "die Muslime" bzw. "der Muslim", wie jeder Mensch und jedes Individuum, sich mitnichten ausschließlich über die Religion definiert, sondern z.B. neben(!) Arzt, Familienvater, Fussballspieler, Restaurantleiter und was weiß ich was alles, sich auch(!) als muslimisch begreift?

pauschale Verunglimpfung

"Es wäre schön sich erst zu informieren und dann über eine Religion zu urteilen. Ich empfehle das Buch vom Weltbestseller Ilija Trojanow: "Kampf absage" und das von Jean Ziegler "Das Imperium der Schande". Dann sieht Ihr auch wie Ihr zu den Reichtümer gekommen seit usw."
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Wen meinen Sie eigentlich mit "ihr"?
Meinen Sie uns? Zu denen ich auch gehöre?
Was soll diese pauschale Verunglimpfung?
Haben Sie hier im Forum schon einmal Sätze gelesen, wie:
Ihr habt im Mittelalter halb Europa unterjocht?

Ihr Beitrag ist nicht zum besseren Verstehen und zum Ausgleich geeignet. Sie gießen hier Öl ins Feuer.

Irrtum

Wenn ich mich in erster Linie als Familienvater sehe und nicht beispielsweise als Muslim, dann würde ich es meiner Tochter nicht verbieten einen Nichtmuslim zu heiraten, egal ob er Arzt oder Taxifahrer ist. Ich würde es meiner Tochter es auch nicht verbieten auf Klassenfahrt zu gehen oder mich als Frau mich zum Schwimmen in eine Burkini klemmen oder deshalb vielleicht auch gar nicht Schwimmen gehen. Auch ein Kopftuch wäre mir persönlich schon zu viel, erst recht wenn 90% der Menschen um mich herum keines tragen. Warum stellt man seine Religion so repräsentativ zur Schau und damit auch teilweise über andere gesellschaftliche Regeln? Ähnliches Verhalten gibt es natürlich auch aufgrund anderer Religionen.

Ein andere Frage wäre es, warum beispielsweise jeder Einwanderer aus der Türkei und dessen Nachkommen automatisch als Muslim gesehen wird, ist er es denn? Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch 99% der Menschen in der Türkei sind nominell Muslime. Muslim ist aber nicht gleich Muslim. Für mich sind es in erster Linie einmal Türken. Wenn ich einen persönlich kenne, ist es dann beispielsweise mein Kollege Erdan. Meiner Ansicht nach begeht man einen Fehler, wenn man jeden Türken als Moslem sieht und von "den" Muslimen spricht. Viele Menschen die aufgrund ihrer Herkunft als Muslime bezeichnet werden, sind vielleicht gar keine, aber schwierig, was will man als Maßstab nehmen?

@Mustermann Nachtrag

Sie schreiben: "Ich glaube viele Muslime können es nicht verstehen, dass man sich in Europa nicht mehr ausschließlich über seine Religion definiert(...)"
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"Fällt Ihnen eigentlich auf, dass Sie selbst eben das machen, was Sie anderen unterstellen?"

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Sie sollten meinen Satz im Zusammenhang mit dem von mir beantworteten Posting lesen. Da gab es als Antwort auf "Koran lesen!" die Frage "kennt ihr eure Bibel?"

Nein, es ist nicht meine Bibel. Es viel mir schon öfter auf, dass wenn man den Islam kritisiert, dann die Antwort kommt, aber ihr Christen. Ich bin kein Christ, was nun? In diesem Zusammenhang steht meine Vermutung, dass jemand sein Selbstverständnis in erster Linie über seinen Glauben definiert nicht verstehen kann, dass es menschliche, moralische Werte auch ohne Islam und Christentum existieren.

Christentum

... können Sie sich vorstellen, dass ich nichts gegen uns Deutschen habe, aber gegen die hier vorherrschende Religion, deren Machthaber, wie keine Andere für Leid in der Welt gesorgt hat?
Lesen Sie Geschichtsbücher und studieren die Historie des Christentums!

Der Kommentar stach mir dermaßen ins Auge, das musste raus.

Zum Artikel: Ich stimme der Aussage voll und ganz zu. Ein reflektiertes, kritisches, offenes Betrachten von Medien ist unabdingbar. Nicht zuletzt, weil heute so viel rationalisiert ist, wird all zu oft gerne auf Stereotype zurückgegriffen - es ist so schön einfach.

Hafez;@13; Kaiser Konstantin. Er starb bereits 337.

Was Sie meinen ist die Einführung der Religionsgreiheit im Römischen Reich im Jahre 313 durch die Mailänder Vereinbarung durch Kaiser Konstantin.
Diese Vereinbarung schütze damals das Christentum vor der bis dato allfälligen Verfolgung. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde dann das Christentum die prägende Staatsreligion im Römischen Reich.

Was aber diese Mailänder Vereinbarung mit den Bildern der Muslimas und mit derem Habitus zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

Ihre Forderung : "Lest einmal die Bibel" statt immer nur das vom Koran zu verlangen, stimme ich zu.
Der Koran besteht ja zu 80% aus dem "Alten Testament".

Letzte Religionswissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass der Islam im 7. Jahrhundert aus einer Sekte des Christentums entstanden ist.

Aber kommen wir wieder zum Thema zurück:

Von 1993 bis 2006 habe ich in Osteuropa gearbeitet. 2007 kam ich nach Deutschland zurück.

Mir fielen tatsächlich die vielen Kopftuch bekleideten Muslimas auf. Und seit 2007 hat diese Erscheinungsdichte zugenommen. Kein Wunder, dass die Medien diese Bilder bei der Thematisierung des Islam zeigen. Ob da auch noch unbewußte Gefühle mit der Art dieser Bilder erzeugt werden sollen, kann ich nur vermuten.

"Ob da auch noch unbewußte Gefühle mit der Art dieser Bilder...

...erzeugt werden sollen, kann ich nur vermuten."

Es kann aber auch vermutet werden, daß "wir" mit dieser Art Bildpräsentation auf subtile Art an den Anblick "gewöhnt" werden.

Islamischen Eltern machen es mit ihren (noch nicht kritikfähigen) minderjährigen Töchtern auch so.
Sie "gewöhnen" sie schon sehr früh an diese Kopfbedeckung damit sie im kritikfähigen Alter denken, daß es so zu sein hat.

Blind für das offensichtliche

@felixleib, noch vor ein paar Jahren hätte ich ähnlich reflexartig wie Sie reagiert und hätte versucht jede Kritik am Islam zu relativieren. Warum eigentlich? Darf Intoleranz, Diskriminierung von Frauen, globaler Herrschaftsanspruch dann nicht kritisiert werden, wenn er unter dem Deckmantel einer Religion daher kommt? Würden Sie Kritik am Nationalsozialismus auch mit einem Hinweis auf die Verbrechen Stalins kontern?
Ich habe längere Zeit in einem islamischen Land gelebt und kann nun rückblickend nur feststellend, dass ich damals bezüglich des Themas ideologische Scheuklappen hatte.

Noch eine Frage, warum unterschlagen Sie bei Ihrer Argumentation die Aufklärung in der westlichen Welt?

2000 a.D.

ich wäre da nicht so sicher ob die moderne welt heutzutage moralisch weit anders liegt als zu lebzeiten der gesandten.
ganz im gegenteil: in der endzeit soll es noch eine steigerung der materialistischen=satanistischen ideologien geben. der koran ist ein buch für jedermann und ist die erklärung aller dinge. schichten ineinandergleitend ein spiegel jeder seele. für den kurzsichtigen und für den weitsichtigen. oberflächlich nur für oberflächliche. tiefgreifend für spirituell durchdrungene.
das buch der schöpfung.

Bitte auch "die Bibel" nicht verallgemeinern

Mir als praktizierender Christin graust es auch bei manchen Passagen aus dem Alten Testament. Bei uns gibt es allerdings keine politischen Gruppierungen, die beispielweise die Gesetzesgebung aus dem Deuteronomium als Grundlage für das Rechtssystem eines Staates benutzen wollen. Gott sei Dank.

Lesen Sie statt dessen einmal das Neue Testament, allem voran die Texte der Bergpredigt und drumherum. DASsind die Werte, auf denen die christliche Religion aufbaut, und wenn sich die westliche Demokratie tatsächlich mal etwas mehr daran orientieren würde, wäre sie sehr viel weiter und vom Raubtierkapitalismus (den es im deutschen Staat so nicht gibt, wohl aber in der deutschen Wirtschaft) so weit entfernt wie nur irgendwie möglich.

marista; @294

""""Mir als praktizierender Christin graust es auch bei manchen Passagen aus dem Alten Testament. """"

Es braucht Ihnen absolut nicht zu grausen.

Das Christentum basiert eindeutig nur, nur, auf dem Neuen Testament. Es ist der neue Bund.
Und als sichtbares Zeichen zerriß der Vorhang im Tempel Jerusalems in der Todesstunde Jesu. So die Überlieferung.

Der Koran besteht übrigens zu 80% aus dem Alten Testament und nicht von "Allah". Letzte Religionswissenschaftliche Untersuchungen sehen den Islam als Entstehung aus einer christichen Sekte der Aramäer. Nix mit Mohamed usw.

offene Türen

... muss man nicht einrennen :-).

Mir ist durchaus bewusst, was Sie da schreiben, ich möchte es nur gerne auch anderen Menschen in Erinnerung rufen. Der Hinweis auf meinen Glauben kam nur deshalb, weil man von Atheisten ja schließlich nichts anderes erwartet, als sich über die Bibel aufzuregen.

Dass der Koran zu 80% "aus dem Alten Testament" besteht, spricht nicht gegen das, was der Islam von sich behauptet, der sich ja in der Tradition der Schrift sieht. Die Muslime berufen sich ja auch auf Abraham und die Propheten, sehen Jesus als den Nachfolger von Moses, Elia, Jesaia und so weiter, und Mohammed als den letzten in der Reihe. Wäre also seltsam, wenn die ganze "alte Geschichte" in ihrem heiligen Buch nicht vorkäme, sie wird nur eben zum Teil anders ausgelegt und ergänzt. Ein neues Werk wollte Mohammed ja gar nicht schaffen, sondern wie so viele vor und nach ihm die bestehende Religion reformieren und vollenden.

Das mit den religionswissenschaftlichen Untersuchungen zur Entstehung des Islam kann ich nicht beurteilen, da habe ich keine Quellen, aber letztendlich sollte man sowas alles mit Vorsicht genießen, denn es ist lange her und auch die Entstehungsgeschichte des Christentums ist historisch umstritten und für all diese Dinge gibt es wenig zuverlässige Quellen, da es so viele unterschiedliche Strömungen gab, wenige Dokumente tatsächlich erhalten sind und man nie weiß, auf wessen Seite der Schreiber denn stand und welche Ideologie seine Zeugenaussage beeinflusst hat.

Natürlich weder Bibel noch Koran ...

Man kann kein verallgemeinertes Bild von einer Religion stützen, weil sie letzten Endes von Menschen bestimmt wird. Fundamentalisten gibt es in jeder Religion, ein deutsches Beispiel für das Christentum ist die Partei "Christliche Mitte" - in den USA gibt es weit schlimmere. Die Frage ist, welchen Zulauf welche Strömung hat. Das kann man aber nicht der Gesamtheit aller Strömungen zum Vorwurf machen. Will man dem Islam zum Vorwurf machen, dass fundamentalistische Strömungen bestehen, muss man dasselbe beim Christentum tun. Das ist natürlich offenkundig unsinnig.

Deswegen ist auch die Zwecksetzung des Artikels begrüßenswert. Religion, ethnische Herkunft und Kultur sind alles Gemeinschaftswerte, aber die Menschen bleiben trotzdem Individuum. Deswegen differieren die Werte zwischen Menschen, deswegen kann es für keinen dieser Werte ein einheitliches Bild von Menschen geben.

Die Medien könnten so vieles differenzieter abbilden ;)

Leider ist das ja durchaus typisch. Wir bekommen nicht nur über Muslime ein gestutztes und vorgekautes Bild präsentiert. Hier hat aber auch der Leser selbst die Medien miterzogen, denn: Welche Zeitung ist denn die Auflagenstärkste? Auf welche Schlagzeilen und welche Artikel hin, gibt es denn auch hier die größten Diskussionen? Auf Differenzierte oder auf Provozierende, Einseitige, die Realität bis zur Unkenntlichkeit verkürzende?

Unabhängigkeit der Medien ? Fehlanzeige !

Deutsche Medien arbeiten gerne mit Klischees. Wenn es um Ausländerthemen (Neuhochdeutsch: Menschen mit Migrationshintergrund) geht, werden schnell ein paar dicke, in schwere Klamotten verpackte und mit Kopftuch bewaffnete Frauen gezeigt und schon wissen alle worum es geht: Um die Muslime.
Das es aber in Deutschland über 3 Mio. muslimische Individuen gibt, das will nicht in den Kopf der Medienberichterstatter.
So ist es auch kein Wunder, wenn dann Persönlichkeiten wie Thilo Sarrazin oder Necla Kelek gegen Muslime hetzen und Ihnen Eigenschaften andichten, die nur ein ganz geringer Prozentsatz besitzt.
So werden Vorurteile geschürt gegen eine ganze Volksgruppe. Und die Medien helfen tatkräftig dabei mit - Regen sich aber künstlich auf, wenn sich jemand nach jahrelanger Kopfwäsche mit einem eigenen Buch zu Wort meldet.

"Deutsche Medien arbeiten gerne mit Klischees"?

@Fox_Mulder

"Deutsche Medien arbeiten gerne mit Klischees"

Deutsche Leser (und nicht nur deutsche) finden gerne ihre Klischeevorstellungen in den Medien bestätigt. Das wissen die Medienleute selbst am besten. Und das Match Journalistenehre gegen Aktienkapital steht 100:0.

Darum liebe Medien: Gebt den Lesern, was die Leser wollen. Wir wollen Kopftücher sehen. Und wir wollen Sie hassen und verachten können.

*Sarkasmus Ende*

Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Ton. Danke. Die Redaktion/sc

Mehr als fraglich.

Positive Berichterstattung! Hier hat sich schon eine türkische Ministerin die Hände verbrannt.

Mich wundert persönlich, daß sich die Zustände nicht verbessern, aber die Berichterstattung deshalb positiver werden muß. Ich denke manche Menschen könnten dies als verlogen auffassen.

Ich möchte sehen was Sache ist, nicht wie es schön sein könnte. Fakten, nicht Illusionen.

Die Frage ist allerdings, wie weit festgefahren und nicht mehr lösbar muß eine Situation sein, wenn nur noch solche Maßnahmen helfen.

Wenn allerdings eine positive Berichterstattung dazu führt, daß sich die Migranten, wie durch ein Wunder, alle zu 100% integrieren, dann soll dies eben so sein und ich würde den Schrieb der Autorin zu 105% unterzeichnen.

Nicht positive, sondern realistische verlangt die Autorin

Das ist ein wichtiger Unterschied, denn die Migranten, die uns immer und immer wieder auf Fotos präsentiert werden, gibt es tatsächlich. Es ist bloß stark zu bezweifeln, dass die immer selben drei Fotos die Realität ausreichend widerspiegeln. Muslime sind genau wie andere Menschen eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Gefühlen, Interessen und Verhaltensweisen, die sich nicht einmal im Sinne einer debattenfördernden Verkürzung auf extrem wenige Stereotypen reduzieren lassen.

Ein guter Artikel, der den Finger in die Wunde legt. Nicht nur bei diesem schwierigen Thema wert, bedacht zu werden.

Verstehe Sie nicht.

"Mich wundert persönlich, daß sich die Zustände nicht verbessern, aber die Berichterstattung deshalb positiver werden muß. Ich denke manche Menschen könnten dies als verlogen auffassen.

Ich möchte sehen was Sache ist, nicht wie es schön sein könnte. Fakten, nicht Illusionen."
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Das Foto des weiblichen Fans mit Kopftuch erfüllt genau Ihre Ansprüche. Diese Situation "ist Sache", das Foto bildet eine Realität ab.

Geht es in Ihren Kopf, und das ist die Aussage des Artikels, dass gerade das aktuelle mediale Bild muslimischer MitbürgerInnen nicht die ganze Realität im Land abbilden? Dass da noch mehr ist?

Oder habe ich Sie komplett falsch verstanden?