In Belgien ist es seit Samstag gesetzlich verboten, dass Frauen in der Öffentlichkeit einen Vollschleier tragen. Das hat das belgische Unterhaus des Parlaments Ende April dieses Jahres mit großer Mehrheit beschlossen. Nach Frankreich ist Belgien damit das zweite europäische Land, in dem der Ganzkörperschleier in der Öffentlichkeit verboten wird.

Das Verbot gilt in Zukunft für jede Person, die ihr Gesicht in der Öffentlichkeit so verhüllt, dass sie nicht mehr zu identifizieren ist. Ausgenommen sind Motorradfahrer oder Menschen, die von ihrem Beruf aus einen Helm tragen müssen. Der Gesetzesentwurf war mit 129 Ja-Stimmen im belgischen Unterhaus angenommen worden. Es hat eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen gegeben. Wenn eine Frau das Verhüllungsverbot bricht, drohen ihr eine Geldstrafe von 137,50 Euro, berichten belgische Medien.

Zwei Muslimas wollen nun vor das belgische Verfassungsgericht ziehen. Sie verlangen, dass das Gesetz zurückgenommen wird. "Es ist ein Frontalangriff auf die muslimische Welt", sagte ihre Anwältin Ines Wouters. Das Gesetz sei diskriminierend, denn ihre Mandantinnen trügen die Burka aus freien Stücken. Eine der beiden Mandantinnen habe sich bereits in der Vergangenheit erfolgreich gegen ein Bußgeld gewährt, dass aufgrund eines lokalen Verbots erhoben wurde. Es handle sich bei der Frau um eine Belgierin, die vor 13 Jahren zum Islam übergetreten sei.

Nach Schätzungen tragen in Belgien 270 Frauen eine Burka. Muslime stellen in dem überwiegend katholischen Land rund fünf Prozent der Bevölkerung.



In Frankreich gilt das Vermummungsverbot seit April. Das Innenministerium verzeichnete seitdem rund 100 Verstöße. Auch Spanien und die Niederlande planen ähnliche Gesetze. In Deutschland hatte sich unter anderem die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin für ein deutsches Gesetz zum Verbot der Vollverschleierung stark gemacht.