ChinaSignalfehler soll Zugunglück verursacht haben

Ein Konstruktionsfehler bei einem Bahnsignal soll die Ursache für das Zugunglück in China sein. Premier Wen Jiabao kündigte harte Strafen für die Verantwortlichen an. von AFP und dpa

Ein Polizist an der Unglücksstelle nahe der Stadt Wenzhou

Ein Polizist an der Unglücksstelle nahe der Stadt Wenzhou  |  © Philippe Lopez/AFP/Getty Images

Die chinesischen Behörden haben einen Signalfehler als Ursache für das schwere Zugunglück im Osten des Landes ausgemacht. Weil ein Haltesignal nicht umsprang, seien die beiden Schnellzüge am Samstag aufeinandergeprallt, teilte die Eisenbahnverwaltung in Shanghai mit.

Die Signalanlage sei zuvor von einem Blitz getroffen worden und habe daher nicht richtig funktioniert, hieß es weiter. Als Hersteller der Anlage übernahm das Pekinger Eisenbahn-Forschungs- und Designinstitut für Leitsysteme und Kommunikation die Verantwortung und veröffentlichte eine Entschuldigung auf seiner Website.

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Bei dem Zusammenstoß auf einer Brücke nahe der Stadt Wenzhou waren mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. 192 Menschen wurden verletzt.

Landesweite Überprüfung des Schienenverkehrs

Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao traf an der Unfallstelle ein, um sich ein Bild von dem schweren Zugunglück zu machen. Er hatte zuvor eine Untersuchung des Vorfalls angeordnet, nachdem eine Diskussion über die Sicherheit bei der chinesischen Bahn entbrannt war. Außerdem sollten die landesweiten Sicherheitsvorkehrungen im Schienenverkehr überprüft werden. Der Premier kündigte an, die Verantwortlichen würden "streng bestraft".

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Leserkommentare
  1. dem Premier Jibao glaube ich es gerne, dass es harte Strafen geben wird wegen dem Zugunglück. Einem europäischen Politiker würde ich mittlerweile sowas nicht abkaufen...hier wird nur noch gestreichelt...

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    • dth
    • 28. Juli 2011 12:03 Uhr

    Fragt sich, wer da dann hart bestraft wird.
    Dass so ein Signal auch einen Blitzschlag übersteht und mindestens noch auf Halt schaltet, bedarf sicher umfangreicher Testreihen. Da den entwerfenden Ingenieur aufzuknüpfen, hilft kaum. Wenn entsprechende Standards nicht etabliert sind, ist das meist ein systematisches Problem.

    • dth
    • 28. Juli 2011 12:03 Uhr

    Fragt sich, wer da dann hart bestraft wird.
    Dass so ein Signal auch einen Blitzschlag übersteht und mindestens noch auf Halt schaltet, bedarf sicher umfangreicher Testreihen. Da den entwerfenden Ingenieur aufzuknüpfen, hilft kaum. Wenn entsprechende Standards nicht etabliert sind, ist das meist ein systematisches Problem.

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    "Fragt sich, wer da dann hart bestraft wird."

    Werter dth,

    das ist, wenn ich das chinesische Rechtssystem annähernd verstehe, nicht so wichtig.

    Wenn die Aussage im Artikel richtig ist, wird die harte Strafe wohl den oder die Ingenieure beim und den Leiter des Pekinger Eisenbahn-Forschungs- und Designinstituts für Leitsysteme und Kommunikation treffen.

    Das (politische) chinesische Rechtssystem setzt drakonische und offentlichkeitswirksame Bestrafung gerne und bewußt zur Abschreckung im Sinne einer Generalprävention ein.

    Die Schuldfrage ist dabei auch nicht das primäre Kriterium. Beim Ausbau des Eisenbahnsystems in China handelt es sich um ein nationales Vorhaben, das durch Fehler (ob menschlich oder technisch), und sei es nur mental, beeinträchtigt wird.

    Eine harte Strafe für die "Verantwortlichen" gibt also die "Sicherheit, dass ein solcher Schlendrian in Zukunft unterbleibt", schon aus Angst.
    So ist wohl die Intention des Systems, und wenn Sie den Kommentar von MarcoPolo82 lesen, herrscht wohl auch hier bei einigen eine gewisse Sehnsucht nach einer Politik der harten Kante...

  2. traegt viel mehr soziale Sprengkraft in sich als die durch die Gazetten gejagten pro-westliche Dissidenten. Ganz China ist sauer auf die offensichtlichen Vertuschungsversuche und den moeglichst schnellen Uebergang zum Alltag bei diesem High-Tech-Pfusch. Dranbleiben, Zeit! Die Geschichte mit dem vergessenen Maedchen (auf gehts Frau Koeckritz! Recherche!) laesst das chinesische Krisenmanagement gerade EXTREM alt aussehen. Macht doch noch mal diese Regimekritiknummer. Diesmal habt ihr die Chinesen an Eurer Seite.

    Ein Auffahrunfall bei der Bahn? Fragen Sie mal einen Experten, wie amateurhaft und fahrlaessig man im Bahnwesen arbeiten muss, um solchen Murks zu bauen. Unfassbare Schlamperei. Supermacht? Bananenrepublik ist da noch ein Lob. Blitzschlag? Soso? Ach gleich zweimal? Oder war es doch menschliches Versagen des toten Lokfuehres. Naja, der kann ja nun nichts mehr dazu sagen. Und wenn schon eine Erklaerung zusammenschustern, dann doch bitte stimmig.

    Eschede war uebrigens etwas ganz anderes. Das war ein schwer vorherzusehender Materialfehler. Und ausserdem hat man nicht das Wrack so schnell wie moeglich begraben (!) WHAT A COVER UP!!!

    Die Kollegen von SpOn haben das Potenzial dieser Geschichte wahrscheinlich noch nicht einmal erkannt. Geschweige denn, dass die da irgendwas Sinnvolles drueber schreiben wuerden. Wohl zu ungeeignet zum grundsaetzlichen systemkritischen Geschreibsel a la Achse des Guten. Gut fuer die Maechtigen -auf allen Seiten der grossen Mauer.

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    • fgt
    • 28. Juli 2011 16:31 Uhr

    Wie laodaizi es schon ganz klar ausgedrückt hat, dieser 'Unfall' hat gehörig mehr Sprengkraft als alles andere momentan in China.
    Vergesst Liu Xiaobo, vergesst Ai Weiwei und all dieser Wirrköpfe die mit ihrem Unsinn kaum das Mandat des chinesischen Volkes tragen - in diesem Fall hier ist der Westen herzlich dazu eingeladen Druck mit-auszuüben auf die korrupten Kader und jene kompromittierten Unternehmer, die alles dafür tun um ihr Verbrechen zu vertuschen.

    Die Tatsache dass schon nach zwei Tagen diese gleiche Strecke wieder eröffnet wurde zeigt, dass auch gar nichts getan wurde um die wahren Ursachen zu erforschen. Und vom Fahrer des gerammten Zuges fehlt jede spur, wobei es nun anzunehmen ist, dass ihn bereits die korrupten Elementen des Bahnministeriums oder des Unternehmens mundtot gemacht haben, damit er nicht gegen sie als Zeuge aussprechen kaönnte.

    Also, westliche Welt: Hier können wir mal endlich Beweisen, dass wir das Wohl der Menschen in China in Blick haben, und nicht nur selbstgefällige, ideologische Masturbation oder Geo- und Eindämmungspolitik, wie durch die Unterstützung regimekritischer Dissidenten und Seperatisten.
    Wenn der Westen nun mit dem Volke Chinas gemeinsamen Druck ausüben könnte auf die verantwortlichen Minister und Parteifunktionäre, dann wird sie auch vielleicht wieder das Vertrauen bei den Chinesen zurückgewinnen, welches seit den einseitigen Tibet-Berichten von 2008 grundlegend verloren gegangen ist.

  3. "Fragt sich, wer da dann hart bestraft wird."

    Werter dth,

    das ist, wenn ich das chinesische Rechtssystem annähernd verstehe, nicht so wichtig.

    Wenn die Aussage im Artikel richtig ist, wird die harte Strafe wohl den oder die Ingenieure beim und den Leiter des Pekinger Eisenbahn-Forschungs- und Designinstituts für Leitsysteme und Kommunikation treffen.

    Das (politische) chinesische Rechtssystem setzt drakonische und offentlichkeitswirksame Bestrafung gerne und bewußt zur Abschreckung im Sinne einer Generalprävention ein.

    Die Schuldfrage ist dabei auch nicht das primäre Kriterium. Beim Ausbau des Eisenbahnsystems in China handelt es sich um ein nationales Vorhaben, das durch Fehler (ob menschlich oder technisch), und sei es nur mental, beeinträchtigt wird.

    Eine harte Strafe für die "Verantwortlichen" gibt also die "Sicherheit, dass ein solcher Schlendrian in Zukunft unterbleibt", schon aus Angst.
    So ist wohl die Intention des Systems, und wenn Sie den Kommentar von MarcoPolo82 lesen, herrscht wohl auch hier bei einigen eine gewisse Sehnsucht nach einer Politik der harten Kante...

    Antwort auf "Strafen"
    • fgt
    • 28. Juli 2011 16:31 Uhr

    Wie laodaizi es schon ganz klar ausgedrückt hat, dieser 'Unfall' hat gehörig mehr Sprengkraft als alles andere momentan in China.
    Vergesst Liu Xiaobo, vergesst Ai Weiwei und all dieser Wirrköpfe die mit ihrem Unsinn kaum das Mandat des chinesischen Volkes tragen - in diesem Fall hier ist der Westen herzlich dazu eingeladen Druck mit-auszuüben auf die korrupten Kader und jene kompromittierten Unternehmer, die alles dafür tun um ihr Verbrechen zu vertuschen.

    Die Tatsache dass schon nach zwei Tagen diese gleiche Strecke wieder eröffnet wurde zeigt, dass auch gar nichts getan wurde um die wahren Ursachen zu erforschen. Und vom Fahrer des gerammten Zuges fehlt jede spur, wobei es nun anzunehmen ist, dass ihn bereits die korrupten Elementen des Bahnministeriums oder des Unternehmens mundtot gemacht haben, damit er nicht gegen sie als Zeuge aussprechen kaönnte.

    Also, westliche Welt: Hier können wir mal endlich Beweisen, dass wir das Wohl der Menschen in China in Blick haben, und nicht nur selbstgefällige, ideologische Masturbation oder Geo- und Eindämmungspolitik, wie durch die Unterstützung regimekritischer Dissidenten und Seperatisten.
    Wenn der Westen nun mit dem Volke Chinas gemeinsamen Druck ausüben könnte auf die verantwortlichen Minister und Parteifunktionäre, dann wird sie auch vielleicht wieder das Vertrauen bei den Chinesen zurückgewinnen, welches seit den einseitigen Tibet-Berichten von 2008 grundlegend verloren gegangen ist.

    • LaoLu
    • 29. Juli 2011 1:28 Uhr

    (Das wird allmählich mein Standardaufmacher in diesem Forum)

    Laßt doch im Moment mal die korrupten Kader, die unfähigen Produktentwickler, die archaische Bestrafungskultur und, und, und,
    in der Kiste.

    Ich versuche mal eine ganz einfache Erklärung für das zügige Beseitigen der Trümmer:

    1. Die neuen Schnellbahnstrecken haben in China einen sehr hohen nationalen Status.

    2. Sie führen über weite Strecken durch ländliches Gebiet, in welchem Funktionäre mit eher eingeschränktem Horizont (mehr brauchen die da auch nicht, sie sollen sich ja um die lokalen Probleme kümmern) das Sagen haben.

    3. Wenn nun auf so einer Stecke nationaler Wichtigkeit etwas passiert, müssen die örtlichen Hilfsdienste mit ihren örtlichen Führungskräften ran.

    4. Und nun kommt der schwierige Teil, nun müssen wir versuchen, uns in die Denke eines chinesischen Feuerwehrhauptmannes auf dem flachen Land zu versetzen.

    Na?

    Für mich einigermaßen klar: macht die Strecke frei, und das zügig, damit der prestigeträchtige Verkehr wieder fließt. Sonst gibt das Streß von ganz oben.

    Blöd nur, wenn man dabei dann den einen oder anderen Arm oder das eine oder andere Kind übersieht...

    Daß das natürlich sehr schnell zu einem Problem mit großer sozialer Sprengkraft werden kann, steht außer Frage, laodaizi.

    Wohl auch der Grund, warum CCTV gestern ausführlichst über den Besuch von Wen Jiabao am Unglücksort berichtet hat.

    • fgt
    • 29. Juli 2011 2:53 Uhr

    dass die lokalen und nationalen Medien trotz diesbezüglichen Weisungen aus dem Propagandaministerium, keinen Blatt vor dem Mund nehmen, und relativ offen über den Fall berichten. Sogar die linientrue Global Times zeigt wieder, dass chinesischer Nationalismus durchaus zu Kritik am eigenen Land und Regierung in der Lage ist, wenn die Dinge nun wirklich eindeutig zu weit gehen.
    Eine wichtige Sache dabei ist jedoch, dass bei diesem Unfall nicht die üblichen Menschen der unteren Schichten die Opfer waren, sondern Höherverdienende der Mittelschicht und sogar Oberschicht - denn niemand kann sich sonst so eine Schnellzugsbahnfahrt leisten.
    Diesmal hat sich das Bahnministerium den falschen Feind ausgesucht: Auch die Partei kann nicht dauerhaft jene ignorieren, die so ziemlich die Träger des Systems sind - die höhere Mittelschicht und Oberschicht - und sie mit solch halbgaren Erklärungen abspeisen, oder gar versuchen sie mit (immerhin eine halbe mio. yuan pro person an) Kompensationsgeldern 'zu befrieden'.

    Von Freunden aus China erfährt man ohnehin, dass das Bahnministerium so ziemlich funktioniert wie ein überkommener Feudalstaat im Staate, und diesbezüglich von vielen auch gehasst wird. Wenn diese Protestwelle der höheren Mittelschicht Erfolg verspricht, was durchaus wahrscheinlich ist, da die Partei viel mehr Angst vor ihnen hat als vor den marginalisierten Wanderarbeiterschaft oder den Bauern, dann könnte tendenziell etwas mehr Transparenz in die Institutionen Chinas einziehen.

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    • LaoLu
    • 29. Juli 2011 8:39 Uhr

    "dass das Bahnministerium so ziemlich funktioniert wie ein überkommener Feudalstaat im Staate, und diesbezüglich von vielen auch gehasst wird."

    Haben wahrscheinlich Berater aus einem großen Land in der Mitte Europas, die chinesischen Eisenbahner...

  4. aber dafuer gibt es keine einfache Erklaerung. In einer Katastrophe nationalen Ausmasses muessen klare Handlungsstrukturen vorhanden sein, bei denen das Leben der Menschen an erster Stelle steht und das Prestige einen feuchten ... zaehlt.

    Aber das war hier nicht der Fall und wenn man diesmal die Vergangenheit wieder nicht aufarbeitet, werden die Mikroblogs das nicht zulassen. Es gibt keinen Weg zurueck. Die chinesische Regierung muss Aufklaerung konsequent zulassen und foerdern, sonst ist sie sehr bald erledigt.

    Weil aber keine Opposition existiert, waere das der Weg ins Chaos. Die KP hat einen harten Weg vor sich, traegt ein grosse Verantwortung und muss jetzt so schnell wie moeglich transparentere Strukturen schaffen, sonst ist es bald zappenduster im Morgenland.

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    • LaoLu
    • 29. Juli 2011 8:28 Uhr

    "In einer Katastrophe nationalen Ausmasses muessen klare Handlungsstrukturen vorhanden sein" schreiben Sie so richtig.

    Genau.

    Muessen.

    Sind aber nicht, wir sind hier in China, und so lange gibt es diese neumodschen Hochgeschwindigkeitsstrecken noch nicht, als daß man sich Gedanken hätte machen müssen, was man macht, wenn was passiert.
    Wenigstens nicht auf der Obergefreitendienstebene.

    Wie sagt der Chinese immer so schön?
    Mei sha - keine Sorge, das geht schon klar.
    Kriege ich jedesmal die Haßmütze, wenn ich das höre.
    Aber das nur nebenbei.

    Interessant finde ich, daß das Fernsehen recht ausführlich über die Proteste der Angehörigen berichtet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Bahn | Behörde | Brücke | Regierungschef | Schienenverkehr | Stadt
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