Loveparade Sauerland verweist auf Unschuldsvermutung

Am Loveparade-Unglück waren nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Stadt, Veranstalter und Polizei schuld. Der Bericht war bekannt, übt aber neuen Druck auf Sauerland aus.

Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, vor Beginn der Ratssitzung am 11. Juli

Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, vor Beginn der Ratssitzung am 11. Juli

Oberbürgermeister Adolf Sauerland betritt den Sitzungssaal im Duisburger Rathaus und bittet die Anwesenden, aufzustehen. Es ist die letzte Ratssitzung, bevor sich die Katastrophe der Loveparade jährt. Seine Erklärung wird gespannt erwartet, denn kurz zuvor haben Medien aus einem geheimen Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft zitiert. Demnach hätte die Loveparade nie genehmigt werden dürfen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft tragen elf Mitarbeiter der Stadt, vier des Veranstalters Lopavent GmbH und ein Polizeibeamter die Verantwortung für das Unglück, bei dem 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden.

Anzeige

Sauerland sieht das anders: "Ich stelle mich an dieser Stelle ausdrücklich vor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Und nach wie vor gilt auch: Die heute wieder zitierten ersten Ermittlungserkenntnisse der Staatsanwaltschaft nehmen keine gerichtliche Bewertung vorweg." Es gelte die Unschuldsvermutung.

Was Sauerland außerdem sagt: Diese Ermittlungsergebnisse sind keineswegs gerade erst an die Öffentlichkeit gelangt. Damit hat er recht, der Bericht ist bereits ein halbes Jahr alt, ZEIT ONLINE hat bereits von den Ermittlungen gegen die 16 Beschuldigten berichtet, auch Spiegel Online zitierte aus dem Dokument. Allein, dass nun die Namen genannt werden, ist neu.

Das bestätigt auch Julius Reiter, er ist Anwalt von 72 Verletzten und den Hinterbliebenen von vier Getöteten. "Die Faktenlage war vorher schon klar. Der Veranstalter, die Stadt und die Polizei haben Fehler gemacht."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Den 16 Beschuldigten wird vorgeworfen, das Konzept des Veranstalters trotz Mängeln ohne die nötigen kritischen Prüfungen übernommen zu haben.

Dass Schaller und Sauerland nicht unter den Beschuldigten sind, könnten seine Mandanten "natürlich nicht verstehen", sagt der Anwalt Reiter. Strafrechtlich sei das jedoch nachvollziehbar, schließlich gehe es dort um die unmittelbar Verantwortlichen. "Sauerland ist politisch verantwortlich", sagt Reiter. Ob er auch strafrechtlich eine Schuld trägt, müsse die Staatsanwaltschaft noch beurteilen. 

Leser-Kommentare
  1. "Dass Schaller und Sauerland nicht unter den Opfern sind, könnten seine Mandanten "natürlich nicht verstehen", sagt der Anwalt Reiter. "

    Statt "Opfern" sollte es "Beschuldigten" heissen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber Reformdruide,

    Danke für den Hinweis. Ist schon geändert! Viele Grüße aus der Redaktion, Lisa Caspari

    Redaktion

    Lieber Reformdruide,

    Danke für den Hinweis. Ist schon geändert! Viele Grüße aus der Redaktion, Lisa Caspari

  2. Sie sind wahrlich keine Schande für die Kommunalpolitik, sondern Sie sind viel mehr:

    Sie sind einfach nur eine traurige Gestalt, die nicht fähig ist, aus finanziellen Gründen eine Schuld auf sich zu nehmen, für die auch Sie menschlich und politisch verantwortlich sind.

    10 Leser-Empfehlungen
  3. Redaktion

    Lieber Reformdruide,

    Danke für den Hinweis. Ist schon geändert! Viele Grüße aus der Redaktion, Lisa Caspari

    Antwort auf "Korrektur bitte"
  4. Ich hingegen schon, dafür schäme ich mich fremd für diesen Mann.

    Wer mit eiserner Hand ein Wahnwitzprojekt in seiner Behörde durchdrückt, der ist wahrscheinlich auch "stark" genug die Folgen diese Politik zu "übersehen".

    Mir hingegen fehlt jedes Verständnis für solches Verhalten.

    • snm81
    • 11.07.2011 um 20:07 Uhr

    ich auch mal ganz undifferenziert und konsequent sein. diese erbärmliche figur... die duisburger sollten ihn mit schimpf und schande davonjagen. was da passiert ist so erbärmlich.

    • dudu10
    • 11.07.2011 um 20:17 Uhr

    Die Duisburger Lokalpresse hat bereits kurz nach dem Erscheinen des "geheimen" Berichts sämtliche Namen der Personen, gegen die ein sog. "Anfangsverdacht" besteht, veröffentlicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Angehörigen der Opfer sich besser fühlen, wenn die Namen von Sachbearbeitern öffentlich genannt werden, zu denen selbst die Staatsanwaltschaft meint, dass noch weitere Namen dazu kommen, aber auch verschwinden könnten. Hat irgend jemand mal daran gedacht, dass diese Menschen sehr wohl über ein Gewissen verfügen ? Oder hat irgend jemand die Idee, dass das eine beispiellose Vorverurteilung ist ? Wohl kaum, es geht ja offensichtlich darum, in jedem Fall etwas zum Jahrestag zu veröffentlichen. Heute wird aus einem Bericht aus Januar 2011 zitiert, seither ist ein halbes Ermittlungsjahr vergangen. Ausserdem hat jeder das Recht, sich zu verteidigen, oder gilt das in Duisburg nicht mehr ? Ich dachte bisher, ich lebe in einem Rechtsstaat...aber ich wünsche mir auch von der Presse, deren Freiheit ein hohes Gut ist, einen sensibleren Umgang mit den Rechten anderer.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte äussern Sie sich zum konkreten Artikelthema und bitte verzichten Sie auf aggressive Rhetorik. Danke, die Redaktion/jz

  6. der verdient soo viel, so wenig anstand,,,ist das normal, wären es eure Kinder oder Enkel???

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service