Nach dem AttentatStoppt die Breivik-Soap!

Ein Massenmörder als Superstar: Viele deutsche Medien schlachten das Privatleben des Oslo-Attentäters aus – und machen ihn so zur Ikone, kommentiert Michael Schlieben. von 

Journalisten belagern in Oslo das Gericht, in dem Breivik vernommen wurde

Journalisten belagern in Oslo das Gericht, in dem Breivik vernommen wurde  |  © Johansen Erik/AFP/Getty Images

AUFHÖREN! BITTE! SCHAMLOS!

Das möchte man, um sich ihres eigenen Duktus' zu bedienen, der Bild -Zeitung in diesen Tagen gern entgegenhalten. Seit Tagen weidet sie sich an der Vita des Mannes, der am Freitag in Norwegen mehr als 70 Menschen getötet hat. Man sieht Fotos von Anders Behring Breivik als Konfirmand, als Teenager – und natürlich immer wieder, selbstzufrieden grinsend, in seiner roten Uniform, die er am Montag vor dem Haftrichter trug .

Keine Belanglosigkeit aus dem Leben des Killers, die das Boulevardblatt nicht ausschlachten würde: Man erfährt, dass der "kleine Anders" Graffiti sprühte und unter Pickeln litt, dass er nie eine Freundin hatte und man erfährt sogar vom Genital-Herpes seines Stiefvaters. Mit der Sexualität soll die Familie Breivik offensichtlich Probleme gehabt haben. "Vielleicht", so orakelt die Bild, war das die "Triebfeder seiner Wahnsinnstat".

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Von ihr darf man vielleicht nichts anderes erwarten. Aber auch andere Zeitungen, an sich seriöse Medien, beschäftigen sich in diesen Tagen ausführlich mit der Privatperson Breivik. In großen Panorama-Bildern zeigen sie täglich sein Gesicht und widmen seiner Biographie lange Beiträge. Der Berliner Tagesspiegel knallte sämtliche Fotos aus Breiviks Facebook-Profil auf seine gestrige Seite 3. Spiegel Online klebt seinen Auftritt seit Tagen mit Breivik-Aufnahmen zu. Man sah ihn in Uniform, in Tracht, als Todesschütze und beim Bombenbasteln.

Man fühlt sich wie in einer Diashow mit Endlosschleife, die dem Mann eine Präsenz verschafft , wie er sie sich größer nicht wünschen konnte. Hinzu kommen Psychologisierungen, in denen von der Steuererklärung bis hin zum Musikgeschmack nichts undurchforstet bleibt. Ein Autor gönnte dem mutmaßlichen Mörder ein verballhorntes Literaturzitat und schrieb schmalzig vom "Narziss und Goldjungen". 

Leserkommentare
  1. tja, das ist gerade das was der Täter wollte...unendliche Aufmerksamkeit. Die hat er ja nun ausgiebig...

    Wenn er sich nicht selber vorher umbringt, könnte er ja noch ein reicher Mann werden. ;-) Dann wird er nach jetziger Rechtslage mit, glaube ich, 53 ? entlassen. Wenn er clever ist, kann ja sein Anwalt jetzt die Rechte auf die ganzen Storris sichern. Und sich am Umsatz beteiligen lassen.

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  2. Entfernt. Bitte beteiligen sie sich mit differenzierten Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc

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    Deutschland wimmelt nur so von christlichen Fundamentalisten. Das sieht man schon daran, wie voll die Kirchen jedes Wochenende sind.

    Man kommt kaum noch über die Straße.

    :))

    Bitte beteiligen Sie sich sachlich an der Diskussion und verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/mk

    hast du es nicht so mit verallgemeinerungen und sippenhaft, das wäre ja schlimm

    • kayob
    • 27. Juli 2011 17:24 Uhr

    ansonsten denke ich auch, dass die christlich fundamentalen in der brd gefährlich sind, für ihre kinder, aber ansonsten poitisch nicht ins gewicht fallen, wenn sie auch leicht "wachsen", womit wir wieder bei dem thema: schützt ihre kinder wären...

    "SPD, Grüne und Linke wissen nun was ihnen Blüht, wenn christlich Fundamentalisten die Macht haben."

    Genau! Und alle Linken sind Steine- und Molotowcocktail-Werfer und zünden Autos an. Sehr differenziert...

  3. hatte vergessen zu erwähnen in was für einer ach so herrlichen kranken Welt wir doch leben...traurig ist das alles nur noch...der Mensch ist eben pervers.

    2 Leserempfehlungen
  4. 4. [...]

    [...]

    1. Wenn interessiert wie ein kranker Massenmörder denkt
    2. Er sollte zu Belohnung des Massenmords nicht Berühmt werden, denn genau dass will er.
    3. Man sollte seine geistigen Väter verfolgen und zu Verantwortung ziehen. Denn sie haben den Boden für den Maßenmord vorbereitet.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    3 Leserempfehlungen
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    • LeMans
    • 28. Juli 2011 12:58 Uhr

    Zitat
    "Am best alles was zu dem Maßenmörder gehört
    in einem tiefen Graben werfen und soviel Erde wie möglich drauf schüteln.
    1. Wenn interessiert wie ein kranker Massenmörder denkt
    2. Er sollte zu Belohnung des Massenmords nicht Berühmt werden, denn genau dass will er.
    3. Man sollte seine geistigen Väter verfolgen und zu Verantwortung ziehen. Denn sie haben den Boden für den Maßenmord vorbereitet."

    Solch einen Kommentar hätte ich gern von Ihnen zum Tod von Osama bin Laden gelesen!

    Ansonsten herrscht hier doch die pure Heuchelei vor.
    Ein Irrer, der es im Leben und bei den Frauen zu nichts bringen konnte, will als der große Held dastehen und Macht ausüben verübt dieses abscheuliche Massaker.

    Doch die Opfer sind noch nicht einmal unter der Erde, werden diese bereits politisch instrumentalisiert.

    Welch Schande!

    Sogar ein Sigmar Gabriel entblödet sich nicht,sogleich das Buch von Thilo Sarrazin als möglichen Auslöser des Massakers
    darzustellen.

    Manchmal ist es einfach besser, den Mund zu halten.

    "Der Massenmörder von Norwegen steht nicht für eine politische Bewegung, sondern für ein politisches Problem" sagt jedenfalls Roger Köppel in der "Weltwoche":
    http://www.weltwoche.ch/a...
    Und ein Teil des Problems sind die Massenmedien, die den Rummel um diesen Verbrecher machen (und das Kühlen des politischen Mütchens).
    Die hysterischen Scghlußfolgerungen, die in den deutschen Medien gezogen wurden, zeugen von der völligen Verkennung von Entwicklungen in der Gesellschaft. Beliebigkeit, Kulturlosigkeit, Ignorant und weltfremde Ideologie sind jedenfalls die Markenzeichen der heutigen Medien.

    Ob christlich, moslemisch, jüdisch.... Mörder bleiben Mörder. Deren relegiöse Hintergrund spielt keine Rolle.

  5. Deutschland wimmelt nur so von christlichen Fundamentalisten. Das sieht man schon daran, wie voll die Kirchen jedes Wochenende sind.

    Man kommt kaum noch über die Straße.

    :))

    Bitte beteiligen Sie sich sachlich an der Diskussion und verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/mk

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    Antwort auf "SPD, Grüne und Linke"
    • D.Sch.
    • 27. Juli 2011 17:02 Uhr

    Das ist genau das, was Menschen mit solchen "Störungen" fordern, hoffen und erwarten. Und es bestätigt Nachahmer oder Gleichgesinnte. Folgen daraus kann kein Mensch vorhersehen oder wollen.

    Ja - stoppt diesen Irrsinn, die ZEIT sollte mit gutem Beispiel vorangehen!

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    wenn man darauf aufmerksam macht, meint man immer bloß die anderen :))

    • D.Sch.
    • 27. Juli 2011 18:23 Uhr

    Für Ihre Art von Ironie oder Humor fehlt mir zu einem so ernsten und brisanten Thema leider jedes Verständnis.

  6. gibt derzeit ja genügend anderen stoff, welcher uns allen bald um die ohren fliegen wird.

    usa, italien, spanien, irland, griechenland...

    18 Leserempfehlungen
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    finde durchaus, dass die Zeit genau das macht. Spon rufe ich seit dem Schwachsinn um den deutschen Lebensretter mit seinem roten Plasteboot an Tag 1 nach der Katastrophe nicht mehr auf.

    Bei der Zeit bekomme ich fast nur die Informationen die Medien in ihrer Funktion als Chronist bringen müssen (so wie verschiedene Medien ja die Tour de France nur noch nach der Maxime in ihr Programm nehmen), einige Hintergrundinformationen und viel Kritik an dem deutschen Umgang mit der Katastrophe, sehr wohltuend und für mich ein Umgang absolut auf Augenmaß.

  7. wenn man darauf aufmerksam macht, meint man immer bloß die anderen :))

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    Antwort auf "Ja - unbedingt!"

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  • Schlagworte Medien | Attentat | Prävention | Sexualität | Tagesspiegel | Tracht
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