Jahrzehntelang haben die Politiker Großbritanniens vor Rupert Murdochs Medienmacht gezittert. Ob Labour oder Konservative, alle fürchteten ihn und alle buhlten um seine Gunst. Die Liste der Premiers reicht von Harold Wilson über Margaret Thatcher und John Major bis Tony Blair, Gordon Brown und nun David Cameron.

Sie alle glaubten, sie seien auf das Wohlwollen des Tycoons und seiner Massenblätter angewiesen, um Wahlen zu gewinnen – eine Vorstellung, die Murdochs Blätter bewusst schürten. Nach dem Wahlsieg der Konservativen 1992 lautete die prahlerische Schlagzeile der Sun , der größten britischen Tageszeitung, "It was the SUN wot (sic) won it". (Es war die SUN die gesiegt hat).

Wie anders sich die Lage nun darbietet. Politik und Parlament demonstrieren plötzlich neues Selbstbewusstsein. Rupert Murdochs Handlungen verraten, dass er von Furcht getrieben wird. Nur so lässt sich sein drastischer Schritt verstehen, von einem Tag auf den anderen die auflagenstärkste Sonntagszeitung Großbritanniens News of the World ( NoW ) nach 168 Jahren dicht zu machen . Eine Entscheidung, die den Tycoon charakterisiert. Schnell, hart, rücksichtslos, aber notwendig.

Es ist der radikale Versuch, den Schaden für sein Medienimperium zu begrenzen. Murdoch hat kühl kalkuliert, dass sich die NoW von dem Abhörskandal nicht mehr erholen kann. Es galt die Ansteckungsgefahr für andere Teile seines Medienreiches zu bannen – insbesondere, da Murdoch derzeit vor der Komplett-Übernahme des Satelliten-Senders Sky steht. 

Das größte Risiko für Konzerne und Institutionen liegt in einer beschädigten Reputation. Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lässt er sich nur sehr schwer reparieren. Zumal in der globalisierten, vernetzten Welt, deren Vorzüge Murdoch unablässig propagiert hat. Es war ein Menetekel, dass globale Konzerne wie Ford, Vauxhall und Mitsubishi ihre Anzeigen für die NoW zurückzogen, um ihr eigenes Image zu schützen und es vor Kontaminierung zu bewahren. Im Zeitalter von Twitter und Facebook ist die Gefahr größer denn je, dass daraus eine Bewegung wird, die nicht mehr zu stoppen ist.

Vor allem bestand für Murdoch das Risiko, dass sich das geneigte Publikum angewidert abwenden würde. Murdoch ist in gewisser Weise "demokratischer" als viele seiner Kritiker aus den Kultureliten. Die wollen den Massen vorschreiben, was sie sehen oder lesen sollten, Murdochs Medien gaben ihnen, wonach sie verlangen , Sport und Spiele, saftige Storys, Sexskandale, Enthüllungen über heuchlerische Promis, über Stars und Politiker, auch Kampagnen für Law and Order und ähnliches mehr.