"News of the World"Camerons Ex-Sprecher Coulson festgenommen

Scotland Yard hat einen früheren Berater des Premiers festgenommen. Andy Coulson war Herausgeber der "News of the World" und soll von deren Abhörpraktiken gewusst haben von dpa und AFP

Ein frühere Berater des britischen Premierministers David Cameron ist wegen des Abhörskandals um die Zeitung News of the World festgenommen worden. Das bestätigte die Londoner Polizei Scotland Yard, ohne jedoch den Namen des Mannes zu nennen. Medien berichteten aber übereinstimmend, es handle sich um Andy Coulson.

Der Guardian berichtete, Andy Coulson stehe im Verdacht, in seiner Zeit als Herausgeber der News of the World davon gewusst zu haben, dass Journalisten und Privatdetektive im Auftrag des Blatts die Telefone von Prominenten anzapften.

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Coulson hatte 2007 wegen der Abhör-Affäre seinen Posten als News of the World-Herausgeber aufgegeben und war Berater von Cameron geworden. Auch dieses Amt verließ er, als im Januar 2011 neue Details des Skandals bekannt wurden. Coulson bestritt jedoch, etwas von den Aktionen gewusst zu haben.

Der Medienmogul Rupert Murdoch hatte am Donnerstag die Einstellung der Zeitung angekündigt und damit die Konsequenzen aus dem Skandal gezogen. Mitarbeiter des Blatts sollen die Telefone von Prominenten, Angehörigen von Verbrechensopfern sowie Hinterbliebenen getöteter Soldaten gehackt haben. Scotland Yard zufolge könnten die Telefone von bis zu 4.000 Menschen angezapft worden sein.

Die Affäre um die Boulevardzeitung, die mit einer Mischung aus Sex und Skandalen aber auch durch investigative Recherchen eine Auflage von 2,8 Millionen erreichte, beschäftigt Großbritannien seit Jahren. 2007 waren bereits ein Journalist und ein Privatermittler der Zeitung dafür verurteilt worden, die Telefone von Prominenten und Mitgliedern des Königshauses angezapft zu haben. In den vergangenen Tagen lösten die neuen Vorwürfe einen Sturm der Entrüstung aus. Zahlreiche große Anzeigenkunden kündigten ihre Aufträge.

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Leserkommentare
  1. Unabhängig von den Vorwürfen gilt:
    Jede Zeitung hat - unabhängig von ihren Qualitätsstandards - ihre Leserschaft. Und jede eingestellte Zeitung ist ein Verlust für die (Presse-)Freiheit!
    Ganz davon abgesehen ist es wirklich in negativer Hinsicht bemerkenswert, wenn in einer Marktwirtschaft ein Gewinne generierendes Unternehmen nicht etwa verkauft oder an einen günstigeren Standort verlegt, sondern einfach eingestellt wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Im Namen der Pressefreiheit sollten demokratisch orientierte Gesellschaften in der Tat mit gelegentlichen Operationen im Grauzonenbereich zurechtkommen koennen, wenn es um Ermittlungsjournalismus, und die Beschaffung relevanter Beweise geht. Das Geschaeftsmodel von NotW war aber ueberwiegend ein anderes: Anstatt das skandaloese Verhaeltnisse (aus welchem Umfeld auch immer) untersucht, und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wurden, ging es bei NotW so zu, dass viel zu haeufig die 'Issues' durch Kampagnen, Sting-operations, oder gezielte Provokationen erst geschaffen wurden. Die Kampagnen, die oft in Hetzkampagnen ausarteten, haben dem Blatt viel sensationalistisches Profil verpasst, offenbar mehr, als die sehr regelmaessigen 'Compensation payments' kosteten, mit denen die allzu haeufig falsch Beschuldigten nachher abgefunden werden mussten. Das ist Gossenjournalismus. Nun koennen Sie ja das Marktargument wiederholen ("aber es gibt ja Leser", und so), aber man wuerde ja auch nicht die Hexenverbrennung wieder einfuehren wollen, mit dem Argument, es gaebe ja genuegend interessierte Zuschauer.

    ...ist neoliberal in aller Hinsicht!!
    Von Anstand + und Moral noch nie Was gehört??
    Ach ja wir sind im "Mutterland" der Demokraten,
    da kommt es auf die eigentlichen "Werte" nicht weiter an.

  2. Im Namen der Pressefreiheit sollten demokratisch orientierte Gesellschaften in der Tat mit gelegentlichen Operationen im Grauzonenbereich zurechtkommen koennen, wenn es um Ermittlungsjournalismus, und die Beschaffung relevanter Beweise geht. Das Geschaeftsmodel von NotW war aber ueberwiegend ein anderes: Anstatt das skandaloese Verhaeltnisse (aus welchem Umfeld auch immer) untersucht, und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wurden, ging es bei NotW so zu, dass viel zu haeufig die 'Issues' durch Kampagnen, Sting-operations, oder gezielte Provokationen erst geschaffen wurden. Die Kampagnen, die oft in Hetzkampagnen ausarteten, haben dem Blatt viel sensationalistisches Profil verpasst, offenbar mehr, als die sehr regelmaessigen 'Compensation payments' kosteten, mit denen die allzu haeufig falsch Beschuldigten nachher abgefunden werden mussten. Das ist Gossenjournalismus. Nun koennen Sie ja das Marktargument wiederholen ("aber es gibt ja Leser", und so), aber man wuerde ja auch nicht die Hexenverbrennung wieder einfuehren wollen, mit dem Argument, es gaebe ja genuegend interessierte Zuschauer.

    2 Leserempfehlungen
  3. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke. Die Redaktion/vn

  4. "Opfer", wenn man das so sagen kann.

    In Sachsen wurden 1000000 (1 Million!) Handys abgehört, als "extremistische Linke" gegen einen Neo-Nazi Aufmarsch demonstrierten.
    Telekom, DB ... ja, das Abhören ist auch in Deutschland schon privatisiert - dass die Briten da eine Vorreiterrolle haben, verwundert kaum.

    Eine Leserempfehlung
  5. ...ist neoliberal in aller Hinsicht!!
    Von Anstand + und Moral noch nie Was gehört??
    Ach ja wir sind im "Mutterland" der Demokraten,
    da kommt es auf die eigentlichen "Werte" nicht weiter an.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte David Cameron | Medien | Rupert Murdoch | Königshaus | Premierminister | Skandal
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