Rupert MurdochEntmachtet, überfordert, attackiert

Rupert und James Murdoch haben sich vor dem britischen Parlament gegen die Abhörvorwürfe verteidigt: Der Medien-Tycoon wirkte überfordert, sein Sohn glatt. von 

Rupert Murdoch bei der Anhörung vor dem britischen Parlament

Rupert Murdoch bei der Anhörung vor dem britischen Parlament  |  © REUTERS/Reuters TV

W elch historisches Schauspiel : Im Palast von Westminster prallten am Dienstag Nachmittag zwei Mächte aufeinander, die bislang in oft symbiotischer Umarmung verbunden waren: Politiker, durch Wahlen legitimierte Volksvertreter also, auf der einen – und Rupert Murdoch, ein Mann, der bis vor 14 Tagen als der mächtigste Medien-Tycoon unserer Epoche galt , auf der anderen .

Die neuen Machtverhältnisse wollten die Politiker von Beginn an demonstrieren. Kein Gefallen wurde den beiden Murdochs gegönnt; neben dem 80-jährigen Vater Rupert war auch sein 38-jähriger Sohn James geladen: Der Vorsitzende des Medienausschusses verneinte höflich, aber entschieden ihre Bitte, zu Beginn eine vorbereitete Erklärung verlesen zu dürfen. Das Statement enthielt viel Reue und Demut, gestand Fehler und Sünden ein und bat die britische Nation um Verzeihung. Es war ziemlich genau das also, was man erwarten durfte. 

In der Befragung, die sich zunächst auf Murdoch Senior konzentrierte, konnte er einem beinahe leidtun. Auf ihn prasselte eine ganze Breitseite von wohlvorbereiteten Fragen ein, die sich allesamt darum drehten, wer im Reich Murdochs über den Abhörskandal seiner Zeitung News of the Worldwas zu welchem Zeitpunkt wusste. Und natürlich: wann der oberste Herrscher darüber informiert worden sei? Murdoch wirkte in diesem Fragengewitter reichlich überfordert. Wie ein alter Mann, der Schwierigkeiten hatte, Fragen akustisch zu verstehen, geschweige denn rasch zu beantworten.

Wenn es tatsächlich vorgetäuscht gewesen sein sollte, wie manche vermuten, dann müsste man ihm eine exzellente Darbietung bescheinigen.

Die Fragen enthüllten zumindest eines: Murdoch, als oberster Chef von News Corp verantwortlich, scheint tatsächlich den Überblick über das riesige Medienkonglomerat verloren zu haben. Erfahrene Beobachter Murdochs, etwa Peter Preston, langjähriger Chefredakteur des Guardian und Medienkommentator, hatten schon seit geraumer Zeit den Eindruck gewonnen, dass dem Konzernchef Kontrolle und Kenntnis über seine britischen Blätter entglitten seien. Ein Punkt, den das Missmanagement des Abhörskandals durch Murdoch zu bestätigen scheint.

Sein Sohn James wirkte gewandt, ja glatt, stets extrem höflich, insgesamt erfolgreich bei dem entschlossenen Versuch, jegliche Blöße zu vermeiden. Souveräner als der Vater wirkte er dabei nicht unbedingt. Im Vergleich zu seinem Sohn wirkte Murdoch Senior, der im Verlauf der Befragung lebhafter wurde, kantiger und direkter. Er war deutlich weniger bemüht zu gefallen und bereit, auch einmal kurze, trockene Antworten zu geben.

Leserkommentare
  1. 1. puuuh

    zum glueck konnte der angreifer den pudding nicht werfen und murdoch blieb unverletzt..

    3 Leserempfehlungen
    • c3p
    • 19. Juli 2011 20:55 Uhr
    2. puuuh2

    Ja gott sei dank gab es das Video, welches es mehrmals bewies.

    Aber genug gemeckert, das Video ist ja nur ein Bonus, der Artikel war eine gute Zusammenfassung.

    2 Leserempfehlungen
  2. von Berlusca , wie man es besser macht .

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  3. 4. puuuh3

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc

  4. wieso ist er entmachtet ?
    der (oder nunmehr der sohn) hat die kohle.
    oder wurde er etwa zwangsenteignet ?
    und: sie haben ja von alledem nichts gewusst !
    wie auch diese sich aufplusternden politiker.
    das nennt man eine schmierenkomödie.
    ich wette, spätestens in 1 oder 2 jahren ist wieder business as usual und sie kaufen bskyb.
    schade, daß springer das hierzulande so nicht hingekriegt hat, kann ja aber noch werden...

  5. 6. puuuh4

    Entfernt. Bitte kehren Sie zu einer sachlichen Diskussion zurück. Danke. Die Redaktion/sc

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  6. bei augenblicklichen Beweislage muss wohl davon ausgegangen werden, das der Mann Kopf einer kriminellen internationalen Organisation zu sein scheint. Dieser Rechtsradikale hat mit seinen Medien bis zur letzten Minute und aus allen Rohren die Luegen von Massenvernichtungswaffen im Irak verbreitet. Jedes Land welches ihm eine Medienlizens, egal ob TV oder Printmedien austellt, macht sich mi strafbar. Wenn das was bislang an Verwicklung der britischen Regierung und hoechster Beamter durchgesickert ist, duerfte der PM so was eigentlich, gerade in UK nicht ueberleben. Aber es ist wie fast ueberall, wenn genug Geld zur Verfuegung steht, bleibt man formal straffrei. Eine solche Situation ist auch einen Ergebnis der Parteiendemokratien in Europa. In D ist so m.E. etwas auch vortstellbar, wenn man sich mit etwas Distanz anschaut, was bei einigen Medien so abgeht.

    2 Leserempfehlungen
  7. sie vielleicht noch mal zur Rechenschaft gezogen werden. Wobei glauben tu ich dies irgendwie nicht. Es wird jetzt diesen Ausschuß geben und dann verschwindet alles wieder in der Versenkung. Denn der Ausschuß darf ja nur Empfehlungen aussprechen. Bin mal gespannt, ob die beiden Murdochs vor Gericht müssen.

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  • Schlagworte Rupert Murdoch | James Murdoch | Saale
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