Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik wird erst im Jahr 2012 vor Gericht gestellt. "Wir hoffen, dass die Hauptverhandlung im Lauf des nächsten Jahres angesetzt werden kann", sagte Norwegens Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender NRK. Im Prozess solle Breivik jeden der 76 Morde, die er am vergangenen Freitag in Oslo begangen hat, einzeln erklären. Dies erfordere der "Respekt vor den Toten und ihren Angehörigen", sagte Busch.

Diese Vorgehensweise stelle allerdings auch große Anforderungen an die Beweisführung. Aufgrund der umfangreichen Ermittlungen werde die Ausarbeitung der Anklageschrift noch lange dauern. Er hoffe, die Menschen hätten dafür Verständnis, sagte Busch. 

Er bestätigte außerdem die Überlegungen, Breivik wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuklagen. In diesem Fall könnten die Richter den Attentäter zu bis zu 30 Jahren Haft verurteilen. Sollten sie dagegen wie zuvor der Haftrichter den sogenannten Terrorparagrafen anwenden, sind 21 Jahren Haft die Maximalstrafe. "Wir prüfen das natürlich sehr genau", sagte Busch.

Als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelten in Norwegen seit 2008 auch Angriffe auf Gruppen wegen ihrer politischen Orientierung. Breivik gab als Motiv für seine Anschläge an, den Sozialdemokraten "größtmöglichen Schaden" zufügen zu wollen.

Am vergangenen Freitag hatte der Attentäter auf der norwegischen Insel Utøya 68 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Sommerlagers für Jugendliche getötet. Vorher hatte er eine Bombe vor dem Osloer Regierungshochhaus gezündet. Dadurch starben acht Menschen. Die Suche nach weiteren Opfern wurde mittlerweile eingestellt.

Alle Opfer sind identifiziert

Norwegens Polizei hat 24 weitere Namen von Opfern des Massakers veröffentlicht. Zu den Toten auf der Insel Utøya gehört eine 22-jährige Frau aus Georgien. Alle anderen kamen aus Norwegen. Das jüngste der genannten Opfer war ein 14 Jahre alter Junge, das älteste ein 30-jähriger Mann. Von den 68 bestätigten Toten von Utøya sind damit 38 bekannt. Aus dem Kreis der acht Menschen, die durch die Explosion der in Oslo platzierten Autobombe starben, sind bisher drei Namen öffentlich gemacht worden.

Die Polizei hat nun alle Opfer identifiziert. Sie will die Namen nach und nach vollständig veröffentlichen. Es gilt als möglich, dass auf Utøya noch eine Person getötet wurde, die bisher nicht gefunden worden ist.