Vor dem Hintergrund der Insel Utøya zünden Menschen Kerzen im Gedenken an die Opfer des Attentats in Norwegen an. © Jonathan Nachstrand/AFP/Getty Images

Getrieben von einem Hass gegen den Islam, gegen Linke und gegen alles Fremde hat ein Rechtsradikaler in Norwegen mindestens 93 Menschen umgebracht. Nach den Ermittlungen handelte der Massenmörder wahrscheinlich als Einzeltäter. Neun Jahre lang soll er die Taten geplant haben. Die Anschläge des offensichtlich verwirrten Anders B. erschüttern die Welt. Am Montag soll Haftbefehl gegen ihn erlassen werden. Die Polizei äußerte sich bisher zurückhaltend zum Motiv. Im Internet stieß sie auf eine 1.500 Seiten lange Hassschrift des Mannes. 



Der von den Behörden als "christlicher Fundamentalist" eingestufte Mann schoss auf einer Ferieninsel nahe Oslo  unter rund 700 jungen Leuten um sich. Auf dem Treffen der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF erschoss er mindestens 86 Teilnehmer oder trieb sie im Wasser in den Tod. "Jeder lief um sein Leben und hat versucht, wegzuschwimmen", sagte der Camp-Organisator Adrian Pracon (21), der mit einer Schussverletzung überlebte. 



Eine Stunde lang schoss der Attentäter mit einem Schnellfeuergewehr gezielt auf die zunehmend panischen Jugendlichen, die weder von der Insel Utøya fliehen, noch auf schnelle Hilfe hoffen konnten. "Es sah aus, als habe er Spaß", sagte der Augenzeuge Magnus Stenseth (18). Viele versuchten, sich zu verstecken oder die 700 Meter bis zum rettenden Ufer zu schwimmen.

Als die Polizei auf der Insel eintraf, ließ sich Anders B. ohne Gegenwehr festnehmen. Obwohl er bereits seit gut einer Stunde um sich geschossen hatte, verfügte er zu dem Zeitpunkt "noch über große Mengen Munition". Das teilte der Ermittlungschef Sveinung Sponheim in Oslo mit. Mit ihrem "schnellen und kompetenten Eingreifen" habe die Polizei einen noch weit schlimmeren Ausgang des Massakers verhindert, hieß es weiter.



Vor dem Massaker hatte der 32-jährige Anders B. im etwa 40 Kilometer entfernten Oslo eine selbstgebaute Autobombe in der Innenstadt gezündet. Mindestens sieben Menschen wurden durch die Explosion und Trümmer getötet. Das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg wurde völlig verwüstet. Möglicherweise sollte die Explosion die Polizei ablenken. Deutsche waren nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern. 



In einem Geständnis bezeichnete Anders B. seine Taten als "grausam, aber notwendig". Keine drei Stunden vor dem ersten Anschlag hatte er ein wirres Manifest im Internet abgeschlossen: "Ich glaube, dies wird mein letzter Eintrag sein." Er wolle Europa vor "Marxismus und Islamisierung" retten. In dem Text stufte er "multikulturelle" Kräfte als Feinde ein. Er beschrieb den Bau einer Bombe, erwähnte auch die Jugendorganisation, die das Inselcamp organisiert hat. Niemandem habe er von seinen Plänen erzählt. Der Mann hat weder Frau noch Kinder. "Er sagt, dass er allein gehandelt hat. Das müssen wir jetzt sehr genau überprüfen", sagte Ermittlungschef Sponheim.