Attentate in Norwegen Osloer Polizei wehrt sich gegen Kritik am Einsatz

Die Spezialeinheit in Oslo verfügte über keinen Hubschrauber, der sie zur Insel Utøya hätte fliegen können. Der Täter gewann dadurch womöglich mehr Zeit für das Attentat.

Norwegens Polizei verteidigt sich gegen den Vorwurf, bei dem Attentat auf der Insel Utøya zu spät am Einsatzort gewesen zu sein. Der Osloer Polizeichef Anstein Gjengedal sagte im norwegischen Fernsehen, die Antiterroreinheit Delta sei sofort nach dem ersten Alarmruf trotz der vorherigen Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel in Gang gesetzt worden: "Wir waren schnell da."

Der Attentäter hatte für seinen Angriff auf etwa 600 Jugendliche eines sozialdemokratischen Ferienlagers eine Stunde Zeit. Beim Eintreffen der Polizei legte er seine zwei Waffen nieder und ließ sich ohne Gegenwehr festnehmen. Die Eliteeinheit der Polizei war in Autos aus dem 45 Kilometer entfernten Oslo gekommen. Sie verlor nach Angaben mehrerer Medien auch Zeit, weil beim Übersetzen auf die kleine Fjordinsel Utøya ein Bootsmotor streikte.

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Gjengedal sagte zur Entscheidung für Autos statt Hubschrauber als Transportmittel: "Es war einfach das Schnellste." Der als Transportmittel einzig denkbare Hubschrauber des norwegischen Militärs habe außerhalb Oslos gestanden und wäre deshalb alles in allem langsamer gewesen.

"Wir haben mehrere Jahre lang um einen eigenen Transporthubschrauber gebeten, aber ohne Erfolg", sagte der Polizeichef von Norwegens Hauptstadt. Der einzige Überwachungshubschrauber der Polizei war für einen schnellen Flug nach Utøya nicht einsetzbar, weil das gesamte Personal Ferien machte.

Ziel war auch die ehemalige Ministerpräsidentin

Anders B. Breivik hatte offenbar geplant, noch früher auf der Insel zu sein. Bei seiner Vernehmung durch die Polizei habe er angegeben, dass er die frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland ermorden wollte, berichteten norwegische Medien. Brundtland trat am frühen Freitagnachmittag bei dem sozialdemokratischen Jugendlager auf der Insel auf.

Die frühere Ministerpräsidentin ist die international bekannteste sozialdemokratische Politikerin aus Norwegen. Sie war nach mehreren Amtszeiten als Ministerpräsidentin bis 2003 Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Breivik hatte die oft als Landesmutter bezeichnete Politikerin in seinem Internet-Manifest als Landesmörderin bezeichnet. Vor der Polizei gab der Attentäter an, dass er sich auf der Insel verspätet habe. Auch seine Pläne für die vorherigen Bombenexplosionen seien eigentlich umfassender gewesen.

 
Leser-Kommentare
  1. Erbärmlich finde ich, dass dieser Massenmörder teilweise noch von einigen Beifall bekommt - dabei ist ein derartiges Abschlachten von Kindern und Jugendlichen das Allerletzte. Noch schlimmer finde ich, dass er auch noch argumentiert, quasi in Notwehr gehandelt zu haben, um das Abendland zu retten.

    Und nein: dieses Element ist nicht irre und auch nicht psychisch krank. Er hat jahrelang auf dieses Massaker zugearbeitet. Er hat es eiskalt geplant und durchgeführt. Seine geistigen Väter aus dem neokonservativen Millieu gehören genauso vor Gericht gestellt und eingesperrt, wie auch er. Und zwar nach einem rechtsstaatlichen Verfahren.

    Für politische Verbrechen dieser Art ist der UN-Strafgerichtshof in Den Haag gefordert.

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    Ich stimme mit der Grundthese Ihres Kommentars überein, nämlich der, dass der ideologische Kern dieses Terroraktes in der jahrelangen Propaganda (und ja, dieses Wort ist hier per Definition das genau Richtige) begründet liegt, die in einigen Medien und in diversen politischen Kreisen mantraartig wiederholt wird.

    Im Prinzip war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand sich da selbst in der Verantwortung sieht, diesen fehlenden Schutz herbeizuschaffen...

    Mit anderen Worten, all die Schilys, Schäubles, de Maizieres und Friedrichs, all die BILD's, BZ's und SPON's sollten die Gelegenheit mal nutzen um darüber nachzudenken, wieviel sie bereit sind an Schuld auf sich zu laden, um Ihre politische Agenda durchzudrücken.

    • brazzy
    • 25.07.2011 um 13:31 Uhr

    Wenn sie sich mal politisch motivierte Massenmorde (von Timothy McVeigh und palästinensichen Selbstmordattentätern bis Hitler und Pol Pot) ansehen, dann wird ihnen auffallen, daß die praktisch *immer* damit gerechtfertigt werden, damit "das Abendland", "das Vaterland", etc. retten zu wollen.

    Außerdem schließen sich psychische Krankheit und jahrelange, kaltblütige Planung keineswegs aus. Dissoziale Persönlichkeitsstörungen (und sowas scheint hier eindeutig vorzuliegen) sind klar als psychische Krankheit definiert.

    Und bei aller Abschei gegenüber dem neo-"konservativ"-nationalistisch-islamophobem Millieu: welche Art von "rechtsstaatlichen Verfahren" stellen sie sich den bitte vor, in dem jemand für "geistige Vaterschaft" verurteilt würde?

    Ich stimme mit der Grundthese Ihres Kommentars überein, nämlich der, dass der ideologische Kern dieses Terroraktes in der jahrelangen Propaganda (und ja, dieses Wort ist hier per Definition das genau Richtige) begründet liegt, die in einigen Medien und in diversen politischen Kreisen mantraartig wiederholt wird.

    Im Prinzip war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand sich da selbst in der Verantwortung sieht, diesen fehlenden Schutz herbeizuschaffen...

    Mit anderen Worten, all die Schilys, Schäubles, de Maizieres und Friedrichs, all die BILD's, BZ's und SPON's sollten die Gelegenheit mal nutzen um darüber nachzudenken, wieviel sie bereit sind an Schuld auf sich zu laden, um Ihre politische Agenda durchzudrücken.

    • brazzy
    • 25.07.2011 um 13:31 Uhr

    Wenn sie sich mal politisch motivierte Massenmorde (von Timothy McVeigh und palästinensichen Selbstmordattentätern bis Hitler und Pol Pot) ansehen, dann wird ihnen auffallen, daß die praktisch *immer* damit gerechtfertigt werden, damit "das Abendland", "das Vaterland", etc. retten zu wollen.

    Außerdem schließen sich psychische Krankheit und jahrelange, kaltblütige Planung keineswegs aus. Dissoziale Persönlichkeitsstörungen (und sowas scheint hier eindeutig vorzuliegen) sind klar als psychische Krankheit definiert.

    Und bei aller Abschei gegenüber dem neo-"konservativ"-nationalistisch-islamophobem Millieu: welche Art von "rechtsstaatlichen Verfahren" stellen sie sich den bitte vor, in dem jemand für "geistige Vaterschaft" verurteilt würde?

    • carol
    • 25.07.2011 um 12:37 Uhr

    jetzt werden sie wohl ihren Hubschrauber bekommen. klar ist teuer, aber muss ja immer erst was passieren um die Prioritäten zu korrigieren.

    • sxouk2
    • 25.07.2011 um 12:43 Uhr

    "Der einzige Überwachungshubschrauber der Polizei war für einen schnellen Flug nach Utøya nicht einsetzbar, weil das gesamte Personal Ferien machte"

    was ist das für eine personalplanung?

    unglaublich...

    Eine Leser-Empfehlung
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    ... gibt es eben keine Reserve mehr.

    Es ist falsch, einen Staat nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien zu organisieren!

    • brazzy
    • 25.07.2011 um 13:40 Uhr

    Sind sie sicher, daß sie nicht der erste wären, der laut gegen die Steuerverschwendung protestiert wenn eine Hubschrauberbesatzung fürs Däumchendrehen bezahlt wird weil grad die halbe Stadt im Urlaub und folglich nix los ist. Wohlgemerkt, es war von einem Überwachungshubschrauber der Polizei die Rede, nicht von einer Einsatzbereitschaft. Wahrscheinlich hätte man den sowieso nicht verwenden können weil neben dem Piloten nur noch ein einziger Passagier reinpasst, aber bestimmt keine ganze Spezialeinheit.

    • sxouk2
    • 25.07.2011 um 15:03 Uhr

    ...stand da, dass die leute in den urlaub geschickt wurden - alle die, die den hubschrauber fliegen können gleichzeitig!

    das hat mit knappen kassen nichts zu tun.

    das wäre in etwa so, wie wenn z.b. eine feuerwache alle, die einen führerschein haben, gleichzeitig in den urlaub entlässt?!

    ... gibt es eben keine Reserve mehr.

    Es ist falsch, einen Staat nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien zu organisieren!

    • brazzy
    • 25.07.2011 um 13:40 Uhr

    Sind sie sicher, daß sie nicht der erste wären, der laut gegen die Steuerverschwendung protestiert wenn eine Hubschrauberbesatzung fürs Däumchendrehen bezahlt wird weil grad die halbe Stadt im Urlaub und folglich nix los ist. Wohlgemerkt, es war von einem Überwachungshubschrauber der Polizei die Rede, nicht von einer Einsatzbereitschaft. Wahrscheinlich hätte man den sowieso nicht verwenden können weil neben dem Piloten nur noch ein einziger Passagier reinpasst, aber bestimmt keine ganze Spezialeinheit.

    • sxouk2
    • 25.07.2011 um 15:03 Uhr

    ...stand da, dass die leute in den urlaub geschickt wurden - alle die, die den hubschrauber fliegen können gleichzeitig!

    das hat mit knappen kassen nichts zu tun.

    das wäre in etwa so, wie wenn z.b. eine feuerwache alle, die einen führerschein haben, gleichzeitig in den urlaub entlässt?!

  2. ... gibt es eben keine Reserve mehr.

    Es ist falsch, einen Staat nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien zu organisieren!

  3. Ich gehe davon aus, dass in Zukunft die norwegische Polizei bei Terroranschlägen schneller zur Stelle sein wird, ich hoffe dass dass nie wieder notwendig sein wird.
    Ich finde, es macht genau die Qualität der norwegischen Gesellschaft aus, dass sie bislang keine Notwendigkeit sah, hochgerüstet zu sein. Konsensgesellschaft.

    Herr Stoltenberg hat es schön ausgedrückt, mehr Demokratie ohne Naivität.
    Erbärmlich aber finde ich es, nach einem Attentat in Oslo das angeblich 9 Jahre vorbereitet wurde die Polizei in Mithaftung zu nehmen , dass so viele Menschen starben. Dieses Attentat sollte die norwegische Gesellschaft eben möglichst wenig verändern, sonst hat der Täter sein Ziel erreicht.

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    Noch erbärmlicher finde ich die Haltung einiger in Deutschland:

    Vor der norwegischen Botschaft führen Rechtsextreme der Organisation "Pro Deutschland" eine Mahnwache FÜR den Attentäter durch.

    http://www.berlinonline.d...

    Bitte verzichten Sie auf geschmacklose Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Noch erbärmlicher finde ich die Haltung einiger in Deutschland:

    Vor der norwegischen Botschaft führen Rechtsextreme der Organisation "Pro Deutschland" eine Mahnwache FÜR den Attentäter durch.

    http://www.berlinonline.d...

    Bitte verzichten Sie auf geschmacklose Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • Ullli
    • 25.07.2011 um 13:01 Uhr

    das erinnert mich an die Vorfälle in Duisburg vor einem Jahr, wo bis heute die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt ist.
    "Der Osloer Polizeichef Anstein Gjengedal sagte im norwegischen Fernsehen, die Antiterroreinheit Delta sei sofort nach dem ersten Alarmruf trotz der vorherigen Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel in Gang gesetzt worden: Wir waren schnell da." Unter Schnelligkeit einer Eliteeinheit verstehe ich etwas anderes.
    Es ist völlig unverständlich, warum in einem der reichsten Länder der Welt die norwegische Polizei keinen eigenen und einsatzfähigen Transporthubschrauber zur Verfügung hatte und mit Autos und dem Boot auf die Insel fahren musste.
    Das verspätete Eingreifen der Sicherheitskräfte in Norwegen sollte deutschen Sicherheitskräften Anlaß geben koordinierte Einsatzpläne zu entwerfen, die in ähnlichen Fällen den sinnlosen Tod von unschuldigen Menschen weitgehend verhindern. Da darf auch ein befristetes Zusammenwirken von Polizeikräften mit der Bundeswehr kein Tabuthema sein.
    Für die Aussage des Osloer Polizeichefs werden die Angehörigen der Opfer kein Verständnis haben.

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  4. Ich stimme mit der Grundthese Ihres Kommentars überein, nämlich der, dass der ideologische Kern dieses Terroraktes in der jahrelangen Propaganda (und ja, dieses Wort ist hier per Definition das genau Richtige) begründet liegt, die in einigen Medien und in diversen politischen Kreisen mantraartig wiederholt wird.

    Im Prinzip war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand sich da selbst in der Verantwortung sieht, diesen fehlenden Schutz herbeizuschaffen...

    Mit anderen Worten, all die Schilys, Schäubles, de Maizieres und Friedrichs, all die BILD's, BZ's und SPON's sollten die Gelegenheit mal nutzen um darüber nachzudenken, wieviel sie bereit sind an Schuld auf sich zu laden, um Ihre politische Agenda durchzudrücken.

  5. Noch erbärmlicher finde ich die Haltung einiger in Deutschland:

    Vor der norwegischen Botschaft führen Rechtsextreme der Organisation "Pro Deutschland" eine Mahnwache FÜR den Attentäter durch.

    http://www.berlinonline.d...

    Antwort auf "Erbärmlich"
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    • brazzy
    • 25.07.2011 um 13:35 Uhr

    Wo wollen sie da eine "Mahnwache FÜR den Attentäter" erkennen? Klingt für mich eher nach einem opportunistischen Versuch, aus der aktuellen Aufregung politisches Kapital ziehen zu wollen indem man einfach mal laut bekundet daß man gegen etwas ist das alle grad furchtbar finden, egal wie nah es der eigenen Ideologie steht.

    • brazzy
    • 25.07.2011 um 13:35 Uhr

    Wo wollen sie da eine "Mahnwache FÜR den Attentäter" erkennen? Klingt für mich eher nach einem opportunistischen Versuch, aus der aktuellen Aufregung politisches Kapital ziehen zu wollen indem man einfach mal laut bekundet daß man gegen etwas ist das alle grad furchtbar finden, egal wie nah es der eigenen Ideologie steht.

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