Papst Benedikt XVI. wird erst in gut zwei Monaten durch Deutschland reisen. Doch bei Albrecht Ziervogel laufen die Vorbereitungen schon jetzt auf Hochtouren. Gerade sind die selbst entworfenen T-Shirts angekommen: Auf weißem Stoff ragt der Turm des Freiburger Münsters empor, darüber ist ein riesiges, pinkfarbenes Kondom gestülpt. Eine gezielte Provokation. "Ich hoffe, wir können bis zum Papstbesuch jede Menge davon verkaufen", sagt Ziervogel. Der 71-Jährige ist Initiator des Bündnisses Freiburg ohne Papst . Er will deutlich machen: "Hier freuen sich längst nicht alle auf den Papst!"

Am 22. September wird Benedikt XVI. zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in seinem Heimatland eintreffen. Sein Reisemotto "Wo Gott ist, da ist Zukunft", könnte ebenso gut lauten: "Wo der Papst ist, da sind Proteste". Denn in Berlin, Erfurt und Freiburg, den drei Städten, die das Kirchenoberhaupt besuchen wird, formieren sich Lesben- und Schwulenverbände, Parteien und Gewerkschaften. Sie wettern schon jetzt gegen die "menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik" des Papstes.

In Freiburg besteht das Bündnis der Kritiker aus elf Vereinen. "Wir wollen verhindern, dass sich der Papst in das Goldene Buch einträgt", sagt Ziervogel. Um Druck aufzubauen, wollen die Initiatoren Vorträge organisieren. Darin soll laut Ziervogel deutlich werden, dass der Pontifex weltweit einer "der Hauptverantwortlichen für die Unterdrückung von Lesben und Schwulen ist". Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, haben sich die Protestler Unterstützer ins Boot geholt: die streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann zum Beispiel. Vor knapp 25 Jahren entzog ihr die katholische Kirche die Lehrbefugnis. Ihre Kritik am Kirchenoberhaupt und dessen Verhütungsthesen klingt seitdem so: "Ich klage den Papst an wegen tödlicher Irreführung der Menschheit". Die 83-Jährige will in Freiburg auch über die Nicht-Existenz der Hölle dozieren.

Ranke-Heinemann mag eine recht eigene Position zum Papst-Besuch haben. Dem Breisgau-Bündnis geht es bei seinem Protest vor allem um die Steuergelder, die die Reise von Benedikt XVI. kostet. Rund 5,3 Millionen Euro werden Land und Stadt voraussichtlich ausgeben: "Gleichzeitig wird bei den Sozialtickets für Hartz IV-Kinder gekürzt", bemängelt Initiator Ziervogel. Seine Organisation plant neben Vorträgen auch ein öffentliches Kiss-In , ein Protest-Massenküssen, vor den Augen des Papstes.

Die lautesten Proteste erwarten Benedikt XVI. allerdings in Berlin. Zeitgleich zu dessen geplanter Messe im Olympiastadion organisiert der Zusammenschluss Der Papst kommt eine Kundgebung am Brandenburger Tor mit anschließender Demonstration. Bis zu 15.000 Teilnehmer würden sie erwarten, sagt Organisationssprecher Pascal Ferro. Die Papstkritiker wollen, dass es "friedlich und bunt" zugeht – anders als in Spanien, wo es beim Besuch des höchsten Kirchenvertreters im vergangenen Jahr zu Ausschreitungen kam.

Zu den knapp 3.000 Unterstützern der Proteste in Berlin zählen auch Vertreter von SPD und Grünen sowie die Berliner Linkspartei. Hier ist der Besuch des Kirchenoberhauptes auch deshalb ein Politikum , weil Benedikt XVI. im Bundestag sprechen soll. Der Landesvorsitzende der Berliner Linkspartei, Klaus Lederer, hält das für keine sonderlich gute Idee: Er verstehe nicht, warum "ausgerechnet das letzte europäische Staatsoberhaupt dort sprechen muss, dass sich nicht turnusgemäß demokratischen Wahlen stellen muss."